Predigtvorbereitung 2009-05-17

Gottesdienstberichte und Predigtkritik

Predigtvorbereitung 2009-05-17

Beitragvon lg78 » 14.05.2009, 17:39

Johannes 13,2-5 Das Königliche Machtbewußtsein Jesu

Adolf Schlatter, Erläuterungen zum Neuen Testament

Und bei dem Mahl, als der Verkläger schon in das Herz des Judas, des Sohns des Simon des Iskarioten, gelegt hatte, daß er ihn überantworten wolle (6,70; Luk. 22,3), steht er, weil er wußte, daß der Vater alles ihm in seine Hände gegeben hatte und daß er von Gott ausging und zu Gott hingeht, vom Mahl auf und legt die oberen Gewänder ab und nahm ein linnenes Tuch und band es sich um. Dann gießt er Wasser in das Waschgefäß und fing an, die Füße der Jünger zu waschen und mit dem linnenen Tuch abzuwischen, das er sich umgebunden hatte.

Für die Tat Jesu, die Johannes vor das letzte Wort Jesu an die Jünger stellt, sollen wir einmal beachten, daß der Verrat schon beschlossen war. Judas hatte schon den Willen, Jesus den Obersten auszuliefern. Der Teufel hatte ihn ihm ins Herz gelegt, sagt Johannes, damit wir nicht nur an das rachsüchtige Menschenherz und seine Bosheitdenken, sondern uns der Kampf Jesu mit dem Fürsten der Welt gegenwärtig sei.
Das andere, woran Johannes uns erinnert, ist das königliche Machtbewußtsein Jesu: er wußte alles sich untergeben und sah in Gottes Reich und Herrlichkeit sein Eigentum, weil er von Gott ausgegangen ist und zu Gott zurückkehrt.
Er hat jetzt seinen irdischen Lebenslauf in der ungeschiedenen Einheit mit dem Vater vollbracht; nun ist er für immer der Herr aller Dinge geworden und tritt jetzt, so gewiß er zu Gott geht, auch in den Genuß seines königlichen Regiments.

Daran sollen wir denken, wenn Jesus sich jetzt wie ein Knecht rüstet, das Waschbecken füllt und den Jüngern die Füße wäscht. Er, der über alles Erhöhte, der seinen Ausgang und sein Ziel in Gott hat, handelt wie ein Dienender an den Seinen und wäscht den Staub und Schmutz von ihren Füßen ab. Und das tut er, als sein Verrat bereits beschlossen ist, als die Bosheit und Lüge vor seinen Augen steht und er durch den eigenen Jünger leiden wird; dennoch wäscht er sie, auch die Füße seines Verräters. Petrus sträubt sich gegen die Erniedrigung Jesu.

A.Schlatter
Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

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Re: Predigtvorbereitung 2009-05-17

Beitragvon lg78 » 14.05.2009, 17:45

Johannes 13,2-3 Jesus wusste um Alles

2 Und bei einer Abendmahlzeit, als der Teufel schon in das Herz des Judas, des Sohnes Simons, des Iskarioten, hineingeworfen hatte, daß er ihn ausliefern solle, 3 wissend, daß ihm der Vater alles in die Hände gegeben hatte und daß er von Gott ausgegangen war und zu Gott gehe,

Mit dem 13. Kapitel des Evangeliums beginnt ein ganz neuer und wesentlicher Abschnitt, der bis zum Ende des 17. Kapitels reicht. Das Ringen Jesu um Israel ist abgeschlossen und trotz der Begeisterung des Volkes bei dem Einzug Jesu in Jerusalem als vergeblich erwiesen. Nun wendet sich Jesus ganz seinen Jüngern zu, und zwar dem engsten Kreis der "Apostel", dem Grundstock der neuen Gemeinde. Die Frage war unumgänglich: Wenn Israel als ganzes sich Jesus versagte, was sollte nun werden? Wie sollte die Heilsgeschichte Gottes weitergehen? Die Antwort ist in ihrer ganzen Tatsächlichkeit deutlich.
Gottes Heilsgeschichte geht nach der Kreuzigung, Auferstehung und Geistesausgießung weiter als Geschichte der Heilsgemeinde. Wir leben zwischen Himmelfahrt und Parusie im Äon der Gemeinde und der Weltevangelisation, die durch sie erfolgt. Die Gemeinde aber entsteht aus dem Wirken der ersten Boten Jesu. Darum ist die Zurüstung dieser Boten eine wesentliche und sorgfältig durchgeführte Aufgabe Jesu.

Auch wenn es ein gewöhnliches Abendessen ist, das Jesus mit den Jüngern hält, so lag doch darüber der tiefe Ernst der bevorstehenden Ereignisse, die auf jeden Fall Jesus selbst klar gesehen hat. Dieses Mahl findet statt, "als der Teufel schon in das Herz des Judas, des Sohnes Simons, des Iskarioten, hineingeworfen hatte, daß er ihn ausliefern solle."
Der ungeheuerliche Plan, Jesus auszuliefern, ist nicht aus dem Herzen eines Jüngers selbst entstanden. Diesen Plan hat der große Gottesfeind in das Herz des Judas hineingelegt. Wie der Teufel diese Macht über Judas bekam, hat Johannes nicht geschildert. Der Versuch irgendeiner psychologischen Erklärung des Judas macht Johannes auch hier nicht. Aber der Ausdruck "hineingeworfen" zeigt anschaulich, wie in ein dafür offenes Herz satanische Gedanken fallen und sich darin festsetzen können B .
B) Der bei Nestle stehende griechische Text nach der ägyptischen Handschriftengruppe nötigt eigentlich zu der Übersetzung: "Als der Teufel schon in das Herz hineingeworfen hatte, daß Judas ihn ausliefern solle". Dabei kann "das" Herz auch "sein" Herz bedeuten. Dann kann der Satz sagen, daß der Teufel in seinem eigenen Herzen den Plan gefaßt hatte, daß Judas Jesus ausliefern sollen. Aber hat Satan wirklich diesen Plan jetzt erst gefaßt? Auch bei der Lesart von Nestle kann mit "dem Herzen" vorwegnehmend schon das Herz des Judas gemeint sein.

3 In einem wunderbaren Kontrast zu dem, was eben vor uns stand, sagt es Johannes gerade jetzt von Jesus: Er "wußte, daß ihm der Vater alles in die Hand gegeben habe." Menschlich gesehen war Jesus nun ganz preisgegeben, wehrlos seinem Verräter und durch ihn seinen Feinden und zuletzt dem Teufel ausgeliefert. Jesus selbst aber "weiß" es völlig anders. Sein Blick ruht auf Gott, der die Feinde Jesu, den verräterischen Jünger und selbst den Teufel in seiner Hand hat.
Es ist zuletzt Gott, der den Sohn dahingibt, "ausliefert" (Römer 8,32!). Aber in jener unerhörten Paradoxie, die von Johannes in seinem Evangelium in besonderer Klarheit herausgestellt wird, ist der Gott, der den Sohn so preisgibt, zugleich der "Vater", der dem Sohn gerade damit "alles in die Hand gegeben hat". Die völlige "Preisgabe", vom Sohn gehorsam auf sich genommen, ist tatsächlich seine "Übererhöhung", die ihn zum Herrn des Weltalls macht. Um das in dieser Stunde der Preisgabe zu "wissen", mußte freilich der Sohn im höchsten Maße jenes "Sehen auf das Unsichtbare" haben, das im Glauben geschenkt wird (2 Ko 4,18).
Jesus muß es dabei noch in einem anderen Sinn, "wissen, daß der Vater ihm alles in die Hand gegeben hat". An seinem Handeln jetzt, an seinem "Trinken des Kelches", an seinem "Vollbringen" hängt das Schicksal der Menschheit und der ganzen Schöpfung! Dieses "alles", was in seine Hand gegeben ist, ist "alles, was auf ihn zukommt" (18,4), "alles", was dann am Kreuz "schon vollendet ist" (19,28).
Jesus scheint der "Passive", der Ohnmächtige, Gebundene, Duldende zu sein, während alle andern in eifriger Tätigkeit sind: der Hohe Rat, Judas, der Teufel. Und doch liegt die ganze, Zeit und Ewigkeit umfassende Entscheidung nicht bei diesen großen Akteuren, sondern in den gebundenen, ans Kreuz genagelten Händen Jesu A .
A) Wie wichtig ist das für die Gemeinde und für ihren Weg der Nachfolge (12,26). Auch sie muß die Bereitschaft zur äußeren Ohnmacht, zum Leiden, zur Niederlage verbinden mit der vollen Siegesgewißheit im Glauben. Auch sie muß wissen, daß sie im Stillesein, im Tragen und Dulden, mächtiger und wirksamer ist als die Welt in ihrer eifrigen Tätigkeit (Offb 13,10).
So ernstlich ist sein Kreuz seine Erhöhung. Aller Widerstand der Welt, alle Ablehnung durch Israel, alles Unverständnis der Jünger, alles schmachvolle Leiden kann darum die Gewißheit Jesu nicht erschüttern, "daß er von Gott ausgegangen war und zu Gott gehe".

Übersetzung und Kommentar WStdB

Werner de Boor
Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

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