...und führe uns nicht in Versuchung...

Gottesdienstberichte und Predigtkritik

...und führe uns nicht in Versuchung...

Beitragvon Der Amtskrippenleiter » 11.09.2008, 11:35

Hallo zusammen,

mit diesem Abschnitt des "Unser Vater" habe ich seit längerem meine Probleme. Jetzt habe ich dazu passend gestern eine Bibelstelle gelesen, die mir recht zu geben scheint:

Jak. 1,13.14 - Überschrift: Der Ursprung der Versuchung
"Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand. Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt."

Gibt es hier jemanden, der mir weiterhelfen kann. Handelt es sich hier um einen Übersetzungsfehler und sollte es vielleicht "und führe uns DURCH die Versuchung" heißen?

Mit gespannten Grüßen
Der Amtskrippenleiter
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Beitragvon Reverend » 11.09.2008, 12:15

...
Zuletzt geändert von Reverend am 11.07.2011, 13:36, insgesamt 1-mal geändert.
1 Joh 4,2: Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott
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Beitragvon Holytux » 11.09.2008, 12:32

@Amtskrippenleiter

Der Jakobusbrief stellt hier eine recht bemerkenswerte Spekulation in den Raum.
Gott ist also der Ursprung des „Guten“, während das „Böse“ aus dem Menschen selbst kommt.
Wenn ich aber an den „allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erden“ glaube, kann es nur „ZWEI“ geben:

1. GOTT
2. Alles Andere

Insofern stammt ALLES, was mir im Leben begegnet, direkt oder indirekt aus GOTT. Das „Böse“ kommt also, ob es mir nun gefällt oder nicht, ebenfalls aus Gott, zumindest als billigendes Inkaufnehmen der grausamen Momente unserer Lebenswirklichkeit.

Der Schreiber des Jakobusbriefes ringt hier meines Erachtens genauso um eine Antwort, damit die Anfechtungen des Alltags nicht in eine Glaubenskrise führen, wofür es gewichtige Gründe gäbe.

Die Bitte im „Vater unser“ bedeutet für mich persönlich nichts Anderes: Gott möge mir helfen, das Licht meiner Glaubenshoffnung nicht in den Dunkelheiten des Daseins verlöschen zu lassen, sondern mich immer wieder „rechtzeitig“ von diesen Momenten zu erlösen.

Liebe Grüße
"Man kann kein Vaterland haben, wenn man nicht auch mit seinen Spießbürgern und Nachtwächtern zu leben bereit ist."
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Beitragvon Der Amtskrippenleiter » 11.09.2008, 12:42

Hallo Holitux,
wenn aber auch das Böse von Gott stammen würde, wieso will Gott dann, dass wir es nicht tun. Das macht doch keinen Sinn.
Ich meine so Begriffe wie "Fürst dieser Welt" "Teufel" ... hört man vom Altar schon lange fast garnicht mehr (ist auch gut so) aber die Existenz wollen wir doch jetzt nicht anzweifeln, oder?
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Beitragvon Holytux » 11.09.2008, 12:59

@AL

Hat sich der "Teufel" denn selbst erschaffen?



:wink:
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Beitragvon Der Amtskrippenleiter » 11.09.2008, 13:04

hoi, jetzt kommen wir in philosophische tiefen, in die ich eigentlich garnicht driften wollte. die geschichte mit dem gefallenen engel will ich aber nicht so recht glauben...
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Beitragvon Cemper » 11.09.2008, 13:40

Holytux hat geschrieben:@AL

Hat sich der "Teufel" denn selbst erschaffen?

:wink:


Hat sich der "Gott" denn selbst erschaffen?

Wenn Gott sich selbst erschaffen hat: Wer hat dann die Voraussetzungen für diesen Schöpfungsakt gesetzt? Hat ein anderer Gott diesen Gott "in die Welt" gesetzt? In welche Welt eigentlich? In eine Welt, die dann ja schon "da" gewesen sein und also vorher erschaffen worden sein musste?

Die Lösung: Gott ist von "Ewigkeit her". Aber: Kann es etwas ohne sein Gegenteil geben? Kann es eine linke Seite ohne eine rechte geben? Kann es ein Oben ohne ein Unten geben? Kann es Gutes ohne Böses geben? Ist Gott ohne Teufel denkbar? Ist "der Bursche" evtl. auch von "Ewigkeit her"?

:roll:
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Beitragvon Uli » 11.09.2008, 13:42

Die Weltmaschine wird's klären...
:wink:
Uli
 

Beitragvon Cemper » 11.09.2008, 13:47

Nein - das wird sie nicht klären. Sie wird aber "Geister" (Erkenntnisse) und neue Fragen in die Welt setzen, die wir nicht mehr "los werden".
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Beitragvon Uli » 11.09.2008, 13:54

...z.B. den schwarzen Lochfraß!
:shock: :mrgreen:
Uli
 

Beitragvon O.B.Jective » 12.09.2008, 06:52

Interessante Predigt eines Theologie-Prof. zum Thema:

http://www.theologie.uni-hd.de/predigten/050605.pdf

Viele Grüße
O. B. Jective
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