Privater Besuch eines Gebetsabends der Evangelischen Allianz

Gottesdienstberichte und Predigtkritik

Privater Besuch eines Gebetsabends der Evangelischen Allianz

Beitragvon James » 19.01.2008, 16:30

Privater Besuch eines Gebetsabends anlässlich der weltweiten Gebetswoche der Evangelischen Allianz



Jedes Jahr in der 2. Januarwoche findet eine weltweite "Gebetswoche" der evangelischen Allianz statt.

In Deutschland treffen sich an über 1100 Orten viele Christen verschiedener evangelischer Denominationen (Kirchenabteilungen) zu gemeinsamen Gebeten im Rahmen einer "Gebets-Themenfolge".

Ich denke immer mal an die Jesu - Aussage: "Wenn Ihr nicht werdet, wie die Kinder...". Also war ich neugierig wie ein Kind und nahm mir vor, dieses Jahr mal dort "reinzuschnuppern".

Mit der üblichen leichten Befangenheit, die man aus der Tradition der jahrzehntelangen "selbstgewählten Isolation" der NAK hat, machte ich mich also Abends auf den Weg und suchte den regionalen Begegnungsort der Gebetsversammlung auf, es war ein Gemeindesaal der regionalen "Landeskirchlichen Gemeinschaft".

Ich dachte, ich komme nicht mehr rein - so voll war der Saal schon, als ich dort eintraf. Zirka 130 - 150 Personen waren versammelt, mitten im Wochenalltag. Die meisten waren im besten Alter (so zwischen 40 - 80), der Rest war jünger.

Am Eingang stand ein freundlicher Mann, welcher Gesangbücher verteilte. Ansonsten organisierten sich alle weitgehend selbst. Jeder suchte sich einen Platz, einige kannten sich und saßen zusammen, man spürte eine freundliche, recht aufgelockerte Stimmung.

Einzelne Gesichter kannte ich bereits von früheren anderen kirchlichen Begegnungen, ein angenehmes Gefühl. Es wurden noch ein paar Stühle organisiert, des Saal wurde voller und voller....
Alles war noch weihnachtlich geschmückt, also "volle Beflaggung". An der Vorderfront große Plakate der vorjährigen und diesjährigen christlichen Jahreslosung.

Die Uhr zeigte 19:30 Uhr, es ging los. Eine kleine Band mit Klavier, Gitarre & Schlagzeug spielte auf der Bühne einen christlichen Lobpreis-Song, nicht laut, recht dezent. Nach des "Tageslast" ein ganz angenehmer Rythmus. Er löste gleich ein wenig Verspannungen.

Dann wurde als Gast der Veranstaltung der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz vorgestellt. Er berichtete einige Minuten vom Wirken der Allianz, führte einige Fakten zur Lage von verfolgten Christen weltweit an und erläuterte Schwerpunkte der Arbeitsfelder der Ev. Allianz.

Im Predigtvortrag, der nun folgte, kam EIN beherrschendes Thema, das über der ganzen Gebetswoche stand, zum Ausdruck: " Weil ER lebt".
Der Prediger bezog die Situation eines jeden Christen in einen Bildvergleich mit der biblischen "Überfahrt" der Jünger, als das Boot mit dem schlafenden Jesus in den Sturm kam. Es wurde die mentale Befindlichkeit der Jünger herausgestellt und mit heutigen Ängsten eines Christen verglichen - mit all den "Analogien".
Und dann wurde die Aussage Jesu ganz besonders unterstrichen:

Was seid ihr so furchtsam? ICH BIN DOCH MIT IM BOOT !!!

(Eigenartig, mit kommen jetzt so gedankliche Verbindungen mit Benedikts Enzyklika "über die christliche Hoffnung" in den Sinn...)

In den weiteren Ausführungen wurden den Ängsten der Gegenwart immer wieder Zuversichtsäußerungen aus dem Bewußtsein der Gegenwart Christi herausgestellt.
Dieses Gegenwartsbewußtsein Jesu zog sich immer wieder als ein roter Faden durch die gesamte Gebetswoche der Allianz. Das ist mir sehr aufgefallen!
Christus ist immer wieder als "Nahe-seiende" Ansprechperson aller Christen angespochen worden, als HERR DER KIRCHE.

Die versammelte Gemeinde sang nun gemeinsam ein Lied und anschließend wurde zur Gebetsrunde übergeleitet. Es folgten einige Augenblicke einer besonderen Stille.

Und dann fingen Einzelne aus der Gemeinde an zu beten.....
Vorn am Altar stand niemand.
Es folgten "Rundum-Gebete", immer wieder einzelne Frauen und Männer, alt, nicht so alt und jung, ca. zwanzig einzelne Gemeindeversammelte beteten aus der Gemeinde heraus! Und wie die beteten!

Sowas hatte ich noch nicht erlebt. Wie die alle beten konnten! Ich war wie weg.
Da gab es Keinen, der sie anleitete. Das ging von selbst. Ich spürte: das machen die nicht zum ersten Mal....

Es wurde immer wieder Jesus gedankt:

- daß ER als Licht in die Welt kam
- daß ER den Menschen SEINE Lehre, SEINE Aussagen gab
- daß ER sich als Teil Gottes bis ins Menschsein erniedrigte
- daß ER Zusagen SEINER Gegenwart gab
- daß ER Errettung versprach, weil letztendlich ER alles in der Hand hält
- daß wir hier in Deutschland als Christen nicht verfolgt werden

es wurde gebetet in großer "Fürbitt - Tiefe":

- für die Menschen, die Gottes Liebe nie kennengelernt haben,
- für die Menschen, die FÜR ANDERE Menschen da sind
- für die Gemeinden, daß sie lebensfähig bleiben
- für die Menschen der Stadt, vor Ort
- für verfolgte Christen
- für den Frieden in der Welt und für die Völker, die keinen Frieden haben, (Palästina, Israel, Sudan etc.)
- daß Christen die Kraft haben, ihren Glauben leuchten zu lassen in diese Welt, in ihre Umgebung

Man merkte ganz deutlich, daß diese Versammelten nicht auf sich selbst bezogen waren.
Abschließend beteten alle gemeinsam das "Vaterunser".

Der Sprecher merkte abschließend noch an, daß wir als Christen hier in Deutschland viel mehr Grund zum Danken, als zum Klagen haben.

Zum Schluß erinnerte er noch einmal an das hohepriesterliche Gebet Jesu für die Jüngereinheit: "HERR - lass sie eins sein,..........DAMIT DIE WELT GLAUBT, DASS DU MICH GESANDT HAST!"
Es wurde nochmal unterstrichen: ERST wenn die Christen aufeinander zugehen und gemeinsam glauben, beten & handeln, kann die Welt glauben, daß ER in die Welt gesandt ist.

Am Ende des Gebetsabends hatte ich das wohltuende Gefühl, wie angenehm es doch ist, sich nicht in so einer winzig kleinen selbstisolierten "Schar" zu befinden, sondern zur weltweiten christlichen Gemeinde - auch wenn sie in Deutschland eine Minderheit ist.

Beim Auseinandergehen ergab sich im Vorraum noch die Möglichkeit, Info-Literatur an einem Büchertisch mitzunehmen, wovon rege Gebrauch gemacht wurde.
Bei der Gelegenheit kam ich noch mit dem Generalsekretär der Ev. Allianz in ein kurzes Gespräch. Ich stellte mich ihm vor und er erwähnte, daß er Kenntnis habe von den Kennlern-Gesprächen von Vertretern der NAK mit der ACK Süddeutschland.
Er erzählte, daß er schon in früheren Jahren bemerkte, daß einzelne Mitglieder der NAK bei Gebetswochen der EAD (Ev. Allianz Deutschl.) mit zugegen waren. Er wurde vereinzelt auch schon "intern" gefragt: "Was wollen die denn auf einmal bei uns, die waren doch sonst noch nie...", worauf er meinte; "laßt sie doch - wenn sie es wollen, laßt doch Christen zusammenkommen..."

Bewegt und nachdenklich ging ich nach Hause.


....daß die Welt glaube, daß DU mich gesandt hast.

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J.
Zuletzt geändert von James am 19.01.2008, 20:32, insgesamt 2-mal geändert.
James
 
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Beitragvon 42 » 19.01.2008, 16:45

Danke.
MherzlG, 42
(Nein, mein Name ist nicht "NoAvatar")

HABE EHRFURCHT VOR DEM ALTEN UND MUT DAS NEUE FRISCH ZU WAGEN
BLEIB TREU DER EIGENEN NATUR UND TREU DEN MENSCHEN DIE DU LIEBST.
(Grossherzog Ernst Ludwig, Darmstadt)
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Beitragvon steppenwolf » 19.01.2008, 19:53

James - das war stark! Vielen Dank, das macht Mut!
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Beitragvon sepia » 19.01.2008, 20:19

Dankeschön. Dein Bericht hilft, christliche Hoffnung zu behalten.
Die erste Eigenschaft des spirituellen Suchens ist Mut.
Sei mutig, schau dich selbst an, dann wird sich Gott dir zeigen. Vertraue und gehe: "Love is the road."
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Beitragvon thueringer » 19.01.2008, 23:01

lieber james, danke für deinen bericht.
es tut gut zu lesen, das noch mehr aus unseren reihen sich daran beteiligt haben. einen kurzen bericht zum eröffnungsabend in pößneck könnt ihr hier lesen. ein anderer artikel folgt noch. wir haben bis jetzt mit unseren kontakten zur evangelischen allianz (das zentrum liegt ja ganz in unserer nähe) nur positive erfahrungen gemacht und neben den besuchen der jährlichen konferenz nun auch die gebetswoche mehrfach besucht. es waren immer besondere abende. so ist das, wenn man als gemeinsames fundament nur jesus christus sieht.

ich wünsche euch allen solche erfahrungen.

lg, olaf

ps: lieber james, bad blankenburg ist nicht weit weg. kommst du dieses jahr mit zu konferenz? ;)

ach ja, hartmut steeb ist ein angenehmer gesprächspartner, stimmts? hatte auch schon das vergnügen mit ihm ...
Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangennehmen. ( 1.Kor 6,12 )
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