Novembergedanken

Gottesdienstberichte und Predigtkritik

Novembergedanken

Beitragvon maranatha » 05.11.2005, 22:05

Novembertage, sind Tage und Feiertage wo man besonderes der Toten gedenkt.
Es ist nicht nur ein Monat des christlichen Ursprunges, schon die alten Germanen wussten damit was anzufangen. Es sind Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag, Volkstrauertag und auch Gottesdienst zum Gedächtnis der Entschlafenden

O komm mit mir! Ich will dich leise führen
in eines holden Gartens Zauberland.
Da soll der Blütenduft dein Herz berühren,
das arme, müde, das nicht Frieden fand.

Vergangene Woche war ich Wien, Besichtigung der Stadt und zuerst auf dem Zentralfriedhof.
Es war Montag ein Tag vor Allerheiligen, ein sonniger und schöner Tag. Wir fuhren mit der S-Bahn zum Zentralfriedhof, dort wartete unsere original Wiener-Paar zur Führung bereit.
Die Größe des Friedhofes ist gigantisch, er gehört zu den größten in Europa, so fuhren wir erst mal mit dem Auto zum Tor 2, dem eigentlichen Haupteingang.
Und nun komm mit mir, hinein durch das prächtige Eingangsportal in den Park der Besinnung, der Ruhe und des Gedenkens. Man darf hier mit dem Auto gegen eine Gebühr in den Friedhof fahren, innen fährt ein Bus im 5 min. takt im Friedhof herum, wir aber gehen zu Fuß. Grade zu steht die prächtige Friedhofskirche zum Heiligen Karl Borromäus, fast wie eine Kathedrale als Mittelpunkt des Friedhofes. Vorbei geht es an riesigen Laubbäumen, teils noch mit bunten Blättern und teils schon kahl, hin zu den Ehrengräbern die uns bekannten Musiker Beethoven, Mozart, Brahms, Schubert, die Schauspieler Curt Jürgens, Hans Moser um nur einige zu nennen. In der Mitte vor der Kirche die Präsidenten der Rep. Österreich und Rundrum 1000 der so genannten Ehrengräber die von der Stadt Wien gepflegt werden.
Nun gehen wir in Kirche die vor zwei Jahren renoviert wurde, groß und gewaltig der Innenraum, schlicht und Sakral. Wir begeben uns auf die Seitenempore und der Raum wirkt noch gewaltiger, über uns die große Kuppel in blau mit goldenen Sternen, man könnte fast meinen hier berührt der Himmel die Erde. Wieder heraus geht es noch in eine Seitenarkade wo die Toten der K.u.K.-Zeit und einige Opfer des 1.Weltkrieges ihre letzte Ruhe fanden.
Weiter vorbei an großen uns schönen Grabstellen, einige fast wie ein Park im Park.
Nun kamen wir an eine Stelle die ein schon sehr berührt hat, Kleinkinder manche nur ein paar Stunden, manche einige Tage oder Wochen alt. Unsere Begleitung erzählte dass man lange brauchte um diesen Teil anzulegen, weil sie noch nicht getauft sind. Viele Gräber waren mit kleinen Stofftieren, mit kleinen Windrädern und mit kleinen beschreibenden Steinen geschmückt. Aber viele Gräber waren verwaist, keine Blume nur ein kleines Kreuz mit dem Namen. In der Mitte ein Brunnen mit der Inschrift auch für die zu Denken die nie das Licht Welt erblickten, ich sah auch die Tränen meiner Frau in den Augen, weil man es selbst miterlebt hatte, auch unsere jüngste Tochter die uns begleitete ließen sich die Tränen nicht verbergen. Weiter ging es noch an einigen Gräbern weiter hin zum bekannten Falko , fast schon eine Wallfahrtsstelle geworden.
Nicht weit weg vom Grabe eine kleiner Platz mit einer schwarzen Stele, unsere Begleitung erzählte das erst vor einigen Jahren hier die Babys und Säuglinge aus den Versuchslaboren der NS-Zeit, aufgewahrt in Gläsern ihrer letzte Ruhestätte fanden. Keiner weiß woher, so ganz ohne Nahmen, man kann nur erahnen was für Schicksale es waren.
Mir viel in dem Augenblick nur das Kinderlied ein:
Weißt du, wie viel Sternlein stehen
an dem blauen Himmelszelt?
Weißt du, wie viel Wolken gehen
weithin über alle Welt?
Gott, der Herr, hat sie gezählet,
dass ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl.
Nur er weiß um ihre Namen und er weiß das keines fehlet.
Nun begeben wir uns doch langsam zum Ausgang, viel wäre noch zu erzählen, aber noch ein Bild ist mir zum Schluss hängen geblieben. Ein alte Grabstelle, mitten drin ein großer Baum, aus Tode was Neues entstanden.

Wer in dieser Zeit über manche Friedhöfe geht, wird sehen dass jeder Gradstein seine eigene Geschichte hat, ja sogar lebendig mitunter wirkt.
Wer einmal in Wien ist, sollte diesen Friedhof mit einplanen, es ist echt lohnenswert.
Aber zurück zum November, wieder daheim angekommen und auch in der Realität ist dieser Monat auch ein Monat der scheinbar einige Depressiv macht. Unser Sohn ist in der Nacht (Allerheiligen) Heimgekommen von einem Feuerwehreinsatz und redete erstmal mit uns, nur reden, das erlebte verarbeiten. Es war ein Personenunfall mit einem Regionalexpress, einige werden schon wissen was das heißt. Am nächsten Tag, sagte mir ein Arbeitskollege dass er gerade erfahren hat dass sich ein Freund von ihm, gestern einfach mit Benzin übergossen hat und mitten in der Stadt angezündet hat, noch am Sonntag war er bei ihm.
Erlebnisse waren schon viele in diesem November für mich da, aber noch ein kleines Bild dieser Tage. Ich war noch zur Beerdigung einer Glaubensschwester, mit der ich noch letzte Woche bei ihr heiliges Abendmahl feiern dufte. Mein Vorsteher hielt die Trauerfeier in einer Kirchenkappelle auf den Friedhof, ich Stand bei ihm vorn. Mein Blick viel die ganze Zeit auf die Uhr am Ausgang, wo ein Spruch dabei stand: „Einer dieser Stunden ist deine“. Zum Glück ist dir Uhr gestanden.
Der November zeigt trotz seiner besinnlichen und manchmal trüben Tage, es wird auch das Licht zum Advent leuchten, hineintauchen und neue Hoffnung schöpfen.

O komm! In sel'gen Paradiesestönen
die Schar Erlöster grüßt dich wie im Traum
durch ihn, der niederkam, uns zu versöhnen.
Im Reich der Liebe hast auch du noch Raum.

Ich wünsche nachdenkliche und besinnliche Novembertage
Gott des Aufbruchs, sei mit mir unterwegs zu mir selbst, zu den Menschen, zu dir.
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Beitragvon Wiwi » 05.11.2005, 23:01

Liebe Maran_Atha:

"O komm! In sel'gen Paradiesestönen
die Schar Erlöster grüßt dich wie im Traum
durch ihn, der niederkam, uns zu versöhnen.
Im Reich der Liebe hast auch du noch Raum."

Im neuen GB Nr. 111.

Ich danke Dir für diese Novembergrüße. Ich verbinde mit diesem Lied unglaublich viel. Trauriges. Aufwühlendes. Ewiges. Aber Persönliches.

Wünsche Dir einen gesegneten Sonntag!
Wiwi
Wer nicht mit der Zeit geht, muss - mit der Zeit - gehen
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Beitragvon Ceci » 06.11.2005, 12:57

Sehr berührende und schöne Gedanken...

danke liebe/r Maran_Atha.

Ps. Das Lied "o komm mit mir" wurde heute im Gd vom Dienstleiter bei uns erwähnt.

lieben Gruss
Ceci
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Beitragvon ChristSein » 06.11.2005, 14:19

Ihr Lieben Alle

Leben wir richtig?

In diesen Tagen spüren wir besonders die schweigende Mehrheit der Toten. So viele Fragen sind geblieben.
Ich wollte so nur ganz leise einmal fragen: War euer Leben so wie er es wirklich wolltet?

Ich möchte die Mutter fragen, doch ihr Mund bleibt stumm, der Vater redet nicht mehr.
Die Grosseltern in ihrer Fürsorge sind schon lange nicht mehr. Wen gibt es noch, den ich fragen kann und der mich versteht?
Ihre Stimmen sind verstummt.

Auch ich werde einmal nicht mehr sein, dann sagen die Kinder, unsere Mutter und der Vater sie reden nicht mehr.
Der Tod hat sie stumm gemacht.

Fragen wir uns, gibt es noch etwas zu reden, noch etwas zurecht zu bringen.
Unseren Kindern wertvolles mitzugeben. Der Tod zeigt uns nicht die Stunde ab dato wir zu schweigen haben
Haben wir alles gesagt, was die Kinder uns fragen wollten? Wie lange noch habe ich Zeit?

Liebe Grüsse
ChristSein
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Beitragvon Bert » 06.11.2005, 17:19

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