Hinter (fremden) Kirchenmauern ....

Gottesdienstberichte und Predigtkritik

Hinter (fremden) Kirchenmauern ....

Beitragvon johnnelsonjun » 08.05.2005, 18:31

@ all:

Cemper hat - in einem anderen thread - von seinen Eindrücken aus einem NAK-GD erzählt, was ich sehr interessant fand. Beim Lesen seines postings kam mir der Gedanke, daß es villeicht für den einen oder anderen auch interessant wäre, zu lesen, welche Eindrücke Nakis beim Besuch der Gottesdienste anderer Kirchen/Gemeinschaften etc. gemacht haben.

Agape (wenn ich mich recht erinnere) schrieb - auch an anderer Stelle - einige Eindrücke von einem GD-Besuch bei der Apostolischen Gemeinde, egil erwähnte, daß er bei Gelegenheit einen GoSpecial besuchen möchte und Michael Koch hat uns ja erst vor kurzem einen ausfügrlichen GD-Bericht aus einer anderen ap. Kirche zukommen lassen. Es haben also etliche von uns schon hinter fremde Kirchenmauern geschaut.

Auf weitere gemeinsame "Einblicke" (Erfahrungen positiv/negativ) freut sich

JNj.
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Re: Ghettomauern

Beitragvon egil » 09.05.2005, 08:04

shalom
hat geschrieben:
Ps.: Ohne Fleisch kein Preisch wie die Gallier zu sagen pflegten


hrm ... entschuldigung, aber genauer gesagt waren es die arverner - zwar ein gallischer stamm, aber ich würd mich auch beschweren, wenn es hieße, "O'zapft is" pflegten alle teutonen zu sagen ... :wink:
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Beitragvon johnnelsonjun » 09.05.2005, 08:43

@ all:

Ich möchte doch noch einmal an den Eingangswunsch meines threads erinnern: Ich würde mich über Erfahrungen von Teilnehmern an Gottesdiensten außerhalb der NAK freuen.

Andere Beiträge bitte in anderen threads. Herzlichen Dank!


Vielleicht einige Fragen zwecks Anregung:

War jemand schon mal zur Kind- oder Erwachsenentaufe/Konfirmation/Erstkommunion/Firmung/Hochzeit etc. z.B. von Verwandten/Freunden/Kollegen/Bekannten/Nachbarn gehören in deren GD? Hat jemand im Rahmen des Schulunterrichts den GD oder die Gebäude/organisation einer anderen Glaubensgemeinschaft besucht. hat jemand einfach mal aus Interesse/Neugier/Abenteuerlust (ich weiß, die gibt es unter uns seltener :P ) den GD oder eine andere Veranstaltung einer anderen Glaubensgemeinschaft/Kirche/Religion besucht?
Wenn ja, wie war's, wenn nein, warum nicht?
Wurdet ihr von anderen einmal zu deren Gottesdienst eingeladen? Wenn ja, seid ihr hingegangen?


VG,
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Beitragvon tergram » 09.05.2005, 09:04

08.04.2005; Besuch in einer RK-Kirche, Berlin, Sonntagsmesse

Teilnehmer = 3 befreundete Paare: 2 x neuapostolisch, 4 x aktiv römisch-katholisch.

Grund: Einladung der katholischen Freunde "...und nachher gehen wir lecker zusammen essen..."

Meine sehr subjektiven Eindrücke:

Man betritt die Kirche grußlos, wortlos. Niemand heißt willkommen, hilft bei der Platzsuche, bietet ein Gesangbuch an. Es ist düster drinnen, ich stolpere über einen ausgetretenen Kokosläufer. Es riecht muffelig, die Freunde klären auf: Weihrauch! Mann, ist das hier kalt. Hoffentlich dauert die Messe nicht so lange.

Ach so, ein Weihwasserbecken. Muss ich jetzt irgendwas machen? Die anderen tauchen einen Finger ein, Kreuzzeichen. Nee, mach ich nicht.

Meine Freundin macht im Mittelgang mit Blick zum Altar einen "Knicks" und das Kreuzzeichen. Sieht seltsam aus, die Frau ist über 50. Aber das machen viele Frauen, die Männer machen nur das Kreuzzeichen.

Sitzplatz gefunden. Wozu sind diese Holzleisten gut? Ah, zum niederknien. Muss man aber nicht, oder? Man setzt sich nicht nebeneinander, sondern hält möglichst viel Abstand zum Nachbarn, so entstehen kleine Grüppcheninseln. Niemand begrüßt sich untereinander - kennen die sich alle nicht?

Man sitzt im Mantel da - keine Modenschau möglich. Ob drunter die Kittelschürze lautert oder der Prada-Fummel? Offenbar ist der Alltagslook vollständig ausreichend. Immerhin: Einzelne Damen tragen Hut, sehr schick!

In der Bank vor uns hat eine Familie mit Kindern Platz genommen. Man führt bunte, knisternde Plastiktüten mit sich und fängt meinen fragenden Blick auf. Der Vater klärt mich auf: "Wir gehen gleich noch die Enten füttern, da ist das alte Brot drin" - ach so! Die Kinder sind brav - sie haben kleine Comic-Hefte dabei, in denen sie blättern.

Laut ist es, Gescharre, laute Schritte auf dem Stein, die Bänke knacken, man hustet - na ja, bei der Kälte - und redet ungeniert laut miteinander. Jetzt ein bißchen Stille, das wäre schön.

Der Bau ist gewaltig, riesig hoch, beeindruckende Säulen. Wenn´s nur etwas heller wäre. Aber so kann ich die wunderbaren bleiverglasten Fenster geniessen - die Frühlingssonne malt darin dezente Muster.

Im Innenraum ein bißchen viel Gold für meinen Geschmack, schönes, altes Schnitzwerk, viel Pracht und erstaunlich bunte Bilder, die hauptsächlich Leidensszenen zeigen. Ein paar Teufel oder so sind auch dabei - schreckliche Gestalten, aber schön bunt. Oh, das Endgericht: Wilde Ungeheuer schnappen nach armen Seelen. Ach ja, das ist offenbar Maria - lichtvoll-himmlisch angehaucht und rötlichblond! Wie jüdische Frauen halt so sind... Warum sind kleine Engelchen immer leicht adipös und rosafarben? Ich muss mich damit mal befassen - was bedeutet das alles? Immerhin: Man hat was zum Gucken, reichlich!

Es ist erschreckend, wie fremd mir das ist. Warum fühle ich mich hier so allein? Ach was, alles nur Spinnerei. Reiss dich mal zusammen: Das hier ist ein altehrwürdiges Kirchengebäude, hier sitzen katholische Christen, die das Wort Gottes hören möchten - das ist doch vom Sonntag in der NAK nicht weit entfernt. Oder doch? ...

Zur Predigt erlaube ich mir keinen Kommentar - so was können unsere (Hobby-)Theologen viel besser.
Zuletzt geändert von tergram am 09.05.2005, 09:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon johnnelsonjun » 09.05.2005, 09:20

Guten Morgen, liebe tergram
und herzlichen Dank für Deinen Beitrag.


Du hast viele Gedanken angesprochen, die ich gern anregen würde:

Was ist uns bei solchen Gelegenheiten vertraut oder fremd? Wissen wir eigentlich, was andere Christen glauben und warum sie so oder so Gottesdienst feiern? Ökumene fängt sicherlich nict erst dort an, wo Kirchen gemeinsame Gottesdienste feiern, sondern wo wir uns überhaupt erst einmal mit dem Glauben/Denken/Handeln anderer Christen bekannt/vertraut machen.

Dir einen schönen Tag &
LG,

JNj :wink:
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Beitragvon Gaby » 09.05.2005, 12:21

Liebe tergram,

zu Deinem Beitrag. Ich kann diese Eindrücke sehr gut nachempfinden, bin ich doch katholisch aufgewachsen
;).

Unsere Empfindungen lassen sich vielleicht mit dem Wort "Heimat" umschreiben.

Heimat
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Heimat steht geographisch für den Ort - die Stadt, das Land oder die Gegend -, an dem man heimisch ist, gerne lebt und mit dem man sich verbunden fühlt. Schon Cicero stellte fest: Patria est, ubicumque est bene (lat.) = "Wo immer es gut ist, dort ist meine Heimat", ein Zitat, das auch verkürzt bekannt ist: Ubi bene, ibi patria.

Die andere, nicht-verortete, nicht-geographische Variante, hat Bernhard Schlink in einem bemerkenswerten Essay ins Gespräch gebracht: Heimat als Utopie. So betrachtet, ist Heimat ein Nicht-Ort, ein Gefühl, eine Hoffnung, eine Sehnsucht, zu erleben vor allem in der Fremde, im Exil.

Psychologisch ist Heimat ein rein subjektives Empfinden, unabhängig von reellen Grenzen. Sie besteht aus individuellen Empfindungen zu Ort, Gesellschaft und persönlicher Entwicklung des Einzelnen. Ihr Verlust oder die Angst davor wird als Heimweh empfunden.

Heimat ist das Land, in dem man sich mit seiner Lebensweise und Weltanschauung wiederfindet. Das Gegenteil von Heimat ist die Fremde oder das Exil. In diesen beiden Begriffen wird die unterschiedliche Abgrenzung von Heimat deutlich, dass für den, der seine Heimat verlassen hat, Heimat mit "Vaterland" gleichbedeutend werden kann. Damit ein Land zur Heimat wird, muss man jedoch nicht dort geboren sein (Wahlheimat).


Für mich wäre die NAK sozusagen "Wahlheimat", da ich mich in ihr wohler gefühlt habe, als in der RKK.

Alles war dort familiärer, man wurde herzlich aufgenommen, es entwickelte sich mit der Zeit ein "Heimatgefühl".

Das Problem war bei mir seinerzeit nur, dass ich mich mit 17 mit der eigentlichen Lehre nur wenig auseinandergesetzt hatte.

Durch Umzug plötzlich einer nur winzigen Gemeinde
angehörend, war dieses "Heimatgefühl" nicht mehr da, dafür aber das Interesse, die Lehre zu ergründen.

Konfessionen miteinander zu vergleichen.

Was unterscheidet sie voneinander.

Heute sehe ich nun alles mit anderen Augen, nur bleibt irgendwie die Sehnsucht nach einer "Heimat".

>>Heimat ist das Land, in dem man sich mit seiner Lebensweise und Weltanschauung wiederfindet.<<

Unser Vorsteher schrieb mir, ich hätte wohl Gründe, warum ich die Gottesdienste zwar nicht mehr besuche, aber eben immer noch formell dazugehöre.

Ich schrieb darauf, warum ich aus meiner alten Heimat ausziehen sollte, wenn ich noch keine Neue gefunden habe?

Nach diesem familiären Zugehörigkeitsgefühl in der NAK fällt es einem schwer sich in den Großkirchen wohlzufühlen, weil dort eben vieles distanzierter ist.

Allerdings, wenn man den Bericht von Cempers Erleben in einem NAK - Gottesdienst liest, gibt es umgekehrt wohl auch negative Gefühle.

Dies alles hat mit der Lehre an sich aber überhaupt nichts zu tun.
Trotz der Unterschiede haben alle christlichen Kirchen eins gemeinsam, sie glauben an Jesus Christus.
Spätestens dort sind wir uns einig.
Sollte es uns dann nicht möglich sein unsere Unterschiede zu tolerieren?
Besuche ich am Ort die evangelische Kirche, habe ich auch dort nicht das Gefühl von Heimat - aber ich weiß, dort sind Christen wie Du und ich, die genauso, nur eben anders den Wunsch haben Gottesdienst zu feiern und Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben.
Vor zwei Jahren war ich nach langer Zeit wieder einmal in der RKK und zwar auf Mallorca über die Ostertage.
Dort habe ich die RKK nicht als distanziert erlebt
- im Gegenteil es waren sehr schöne Gottesdienste wo die Gläubigen sich herzlich umarmten und die Hände reichten, obwohl sich viele wohl nicht kannten.
Ist es ein Stück weit nicht auch die Mentalität des Einzelnen?
Und wie shalom schrieb, außerhalb der rituellen Gottesdienste sieht das Gemeindeleben meist ganz anders aus.

Liebe Grüße

Gaby
Denn in alledem liegt der Anfang des Reiches Gottes, das entstehen soll an der Stelle, an der du stehst. Nicht irgendwo, sondern in dir selbst. (Jörg Zink)
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Beitragvon tergram » 09.05.2005, 12:46

Liebe Gaby,

bevor hier ein Missverständnis aufkommt: Ich habe meinen sehr subjektiven Eindruck geschildert. Es ging mir nicht um "richtig" oder "falsch", sondern einfach um "anders". :wink:

:idea: Was mich selbst überrascht hat, war die Deutlichkeit der Unterschiede schon in der äußeren Form. Es sind eben unterschiedliche Erlebniswelten...

Ich wollte den Bericht nicht zu lang werden lassen, aber etwas muss man unseren katholischen Geschwistern schon lassen: Die "Show" ist dort eindeutig besser! :oops: Nein, ich will die RKK hier nicht ins Lächerliche ziehen, sondern nur etwas augenzwinkernd betrachten (so wie Cemper den NAK-GD betrachtet). Und weil es eben am letzten Sonntag war, standen die Eindrücke noch frisch zur Verfügung.
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Beitragvon orig.gabi » 09.05.2005, 14:03

tergram hat geschrieben:
... aber etwas muss man unseren katholischen Geschwistern schon lassen: Die "Show" ist dort eindeutig besser!



Das genau kann ich nicht bestätigen.
Am letzten Donnerstag, an Himmelfahrt besuchte ich mal wieder einen NAK- GD.
Ein Aposteldienst,ein Verwandter von mir, ein AT, war in Begleitung dieses Apostels gekommen.Ich wollte ihn, meinen Verwandten, gerne einmal predigen hören. :wink:

Nun, dieser GD dauerte ausgerechnet zwei volle Stunden.Und wie gepredigt wurde!
Die ganze Gefühlspalette rauf und runter, es wurden alle Register gezogen, über Lachen bis zum Weinen, es war alles vertreten.
Alle Achtung.Dazwischen Gebete und Gesang, wie gesagt, zwei volle Stunden lang.
Überrascht war ich wirklich darüber, dass man auch nach einer fast jahrelangen NAK-Gottesdienstabstinenz
sofort wieder "drin" ist, egal wer wie predigt, es klingt formal und inhaltlich meistens ziemlich ähnlich.
Das habe ich so in meiner ev. Gemeinde noch nicht erlebt.Es ist dort alles viel stiller und der GD- Ablauf mehr auf das ganz Wesentliche bezogen, auf das Wort Gottes und den Liturgierahmen.

Immerhin, es ist sehr interessant, diese Unterschiede bewusst wahrzunehmen.
Ohne Wertung.

Grüße, G.
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
1.Johannes, 4,16
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Beitragvon egil » 09.05.2005, 14:05

tergram hat geschrieben:Ich wollte den Bericht nicht zu lang werden lassen, aber etwas muss man unseren katholischen Geschwistern schon lassen: Die "Show" ist dort eindeutig besser! :oops: Nein, ich will die RKK hier nicht ins Lächerliche ziehen, sondern nur etwas augenzwinkernd betrachten (so wie Cemper den NAK-GD betrachtet). Und weil es eben am letzten Sonntag war, standen die Eindrücke noch frisch zur Verfügung.


haaa ... und das essen steht aufm herd ....
nur ganz schnell, später mehr: liebe(r) tergram (annagram?), die meinung mit der "show" hatte ich am anfang auch. hab ich meiner röm.-kah. freundin auch so gesagt - "super-performance!". da wurd es erstmal still ...
was unsereiner (und ich nehm uns beide da mal zusammen, denn wir haben ja scheinbar den gleichen biografischen hintergund) kaum verstehen kann ist, dass da so wenig gepredigt und so viel "getan" wird, gelt?
mittlerweile seh ich das wesentlich anders: viel (meist zuviel) predigt bei uns und zu wenig "handlung". sich zu versenken in die "spiritualität" ist uns fremd - aber hochbefriedigend, kann ich dir sagen. (mir geht es jedenfalls so.) deshalb möchte ich enorm vor dem begriff "show" warnen - was den einen ihre show, ist den anderen ihr lamento ...
hungrige grüße,
egil
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Beitragvon egil » 09.05.2005, 18:50

so, jetzt ist mir mal wieder passiert, wovor alle schiss haben: eine halbe stunde getippt und dann ist alles weg. also auf ein neues:

mein erster kontakt mit der röm.-kath. kirche (nach den schulgottesdiensten der grundschule, von denen ich aber auch schnell „befreit“ war) war eine taufe. meine mutter war – nein, ist – patin (taufpatin darf sie als na wohl nicht sein) des kleinen jonas. der name gab natürlich anlass zu einer sehr kreativen raumgestaltung.
obwohl das noch keine zehn jahre her ist, weiß ich nur noch, dass ich es seltsam fand, dass jemand nach vorn ging und predigte, ohne scheinbar zum "personal" zu gehören. ansonsten ist mir noch im gedächtnis, dass ich die lieder nicht unschön fand (an „ins wasser fällt ein stein“ erinnere ich mich noch).

mit einer freundin, die aus einer enorm antroposophischen familie kommt (waldorf, demeter, veleda – das ganze programm), war ich vor jahren mal auf mein drängen hin in einem gottesdienst (ich bin mir nicht sicher, ob das so heißt) der christengemeinschaft. neben der – für mich – bedrückenden gestaltung (schräge wände, seltsame farben, weihrauchübersättigte luft, musik einer unsichtbaren gambe [!]) fand ich sehr seltsam, dass von christus als dem lichtgeist gepredigt wurde – die christengemeinschaft hat ja bekanntlich auch ne eigene bibel. danach war das thema für mich gestorben, nicht aber die frau :)

wie schon anderswo angeklungen, ist meine freundin recht röm.-kath. zu beginn unserer gegenseitigen gottesdienstbesuche haben wir uns wirklich nichts geschenkt – da kam alle kritik (die doch meist nur unbehagen war) direkt ungeblümt aufs tablet (u.a. wie oben erwähnt „die show“). war recht hart manchmal ... :evil:

inzwischen haben wir erkannt, was für schätze in der jeweils anderen kirche liegen, die wir beinah verpasst hätten:
mir tut die stille und das „heiligere“ (nennen wir es lieber „andachtsvollere“) in der röm.-kath. kirche gut. zudem habe ich erkannt, dass es „dort“ wesentlich "lebendigere" (im sinne von „abwechslungsreicher/interessanter gestaltete“) gottesdienste gibt (siehe dazu u.a. http://forum.glaubenskultur.de/viewtopic.php?t=2451). und nicht zu vergessen die praxis der vorabendmessen :lol:
meine freundin schätzt die (hier schon angesprochene) persönliche nähe und das rege gemeindeleben „meiner“ gemeinde. auch die gestaltung durch den chor und die vielfalt (nicht die größere predigtmenge) der predigten sprechen sie an.

trotzdem gibt es nach wie vor natürlich auch aspekte, die wir nicht nachvollziehen können:
bei meinem ersten (und letzten) rosenkranzgebet bin ich nach wenigen minuten aus der kirche gelaufen, erschreckt von der monotonen „nachbeterei“ der gemeinde.
meiner freundin (als lehramtsstudierter theologin) behagt die mangelnde theologische fundierung vieler na-predigten nicht.
(dies nur als beispiele.)

darüber hinaus haben wir in beiden kirchen priester und prediger kennengelernt, die wie beide verehren und hoch schätzen.
und natürlich haben wir auch beide schwierigkeiten mit unseren kirchenleitungen – inzwischen hat jede/r zwei probleme :shock: . aber da geteiltes leid bekanntlich halbes leid ist, ist’s unterm strich nicht mehr geworden.
aber ich komme vom thema ab.

zweierlei ist mir durch die teilnahmen an den messen klar geworden:
1. man muss bereit sein das risiko in kauf zu nehmen, dass einem die eigene gottesdienstgestaltung irgendwann nicht mehr einleuchtend erscheint und karg vorkommt.
2. um (mal wieder) eine lanze für die ökumene zu brechen: einmal an einem gottesdienst teilzunehmen und anschließend die dort gängige praxis meinen beurteilen oder kommentieren zu können ist völlig unsinnig und unfair. man sollte sich und der „fremden“ gestaltung die zeit zum kennenlernen geben und sich mit hintergründen beschäftigen („warum klingeln die immer, wenn sie hostie und wein hochhalten?“). eine kundige begleitung ist natürlich nicht schlecht.
nur so kann man wirklich dahin kommen, fremde gottesdienstkulturen zu achten.

unbedingt möchte ich demnächst an einem gottesdienst der ag teilnehmen .... agape?

außerdem fällt mir mal wieder auf, wie wenig ich über die großen evangelischen kirchen weiß – von den kleinen, aber sicher nicht minder interessanten freikirchen ganz zu schweigen.

es gibt also noch viel zu tun ...

es grüßt in die abendliche runde

egil
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Beitragvon Minka » 02.06.2005, 16:49

Lieber johannsonjun,
sehr interssantes Thema:
Ich hatte in meiner Schulklasse ein paar evangelische Klassenkameradinnen,die gingen immer zu ihrem Religinsunterricht(1x die Woche) und haben auch andere Klassenkameradinnen dorthin mitgenommen.Ich weiß noch,daß ich sehr neugierig war und gern mal mitgegangen wäre(zumal es dort Kaubonbons gab,die ich als DDR-Kind liebend gerne bekommen hätte) :D Ich habe mich jedoch nie getraut,einen Fuß über die Schwelle der evangelischen Kirche zu setzen.Warum?Weil in der NAK und in meinem Elternhaus ziemlich verächtlich über "Andersgläubige" erzählt wurde.Das ging über´s Ablästern über den Pfarrer,über "neuapostolische Witze",u.v.m...Ich habe dadurch eine direkte Berührungsangst gegen "andere Kirchen" entwickelt,und bin infolgedessen "schön brav" in meiner elitären Klitsche hängengeblieben..So war es bei MIR,und ich bin fast sprachlos,mit welcher Selbstverständlichkeit heute NAK-Mitglieder in andere Kirchen gehen..
Soweit zu meinen Erfahrungen..
Liebe Grüsse-
Lebe jeden Tag so,als wenn es Dein letzter wäre!
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Hinter (fremden) Kirchenmauern

Beitragvon johnnelsonjun » 02.06.2005, 17:27

Liebe Minka,
herzlichen Dank für Deinen Beitrag zu diesem Thema.
Wenn ich es richtig überblicke, bist Du die Erste, die uns ihre Gründe dafür mitteilt, daß sie (noch) nicht hinter fremde Kichenmauern geschaut hat. Danke :!:

Wenn ich Deine bisherigen Beiträge in anderen Threads, die, die ich bisher lesen konnte, richtig verstanden habe, dann hast Du die NAK zwischenzeitlich verlassen. Hat sich Deine Berührungsangst anderen Kirchen gegenüber dadurch verändert oder besteht sie immer noch? Oder hast Du das Thema Kirche/Glaube ganz hinter Dir gelassen?
Angenommen, eine Freundin würde Dich heute in irgendeinen GD außerhalb der NAK einladen, würdest Du gehen (auch ohne Kaubonbons? Nur Spaß!) ?

Liebe Grüße,
JNj. :wink:
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Beitragvon Minka » 02.06.2005, 17:52

Lieber johannsonjun,
ja,ich bin jetzt nur noch das,was man in der NAK wohl eine "Karteileiche" nennt.. :D Also:Nicht ausgetreten,aber ohne jegliches Bedürfnis,da wieder hinzugehen.
Das ist eine sehr gute Frage,die Du da gestellt hast;Vor etwa 4 Jahren hat uns mal ein anderer NAK-Aussteiger in eine katholisch-apostolische Kirche eingeladen,zu einem Fest-Gottesdienst,den ein holländischer Apostel aus jener Gemeinschaft gehalten hat.Es war eine sehr seltsame Erfahrung,die wir da machten..(Interessant war es,obwohl es keine Kaubonbons gab)..! :D :lol: ;
Es war irgendwie eigenartig,die ganze Atmosphäre.Wir waren es ja nicht gewohnt,daß ein GD "am Stück"über 4 Stunden dauert. :o Die dort Anwesenden waren nicht unfreundlich,aber eben irgendwie reservierter.Dann die Abfolge der Rituale,ebenfalls ungewöhnlich..Als dann der Apostel sprach,habe ich natürlich gut aufgepaßt.Es war recht interessant,das Ganze.Was ich aber wirklich erstaunlich(angenehm) fand,war das Verhalten des Apostels und seiner Begleitung nach dem GD:Sie haben sich umgezogen,kamen in Jeans und Pullover wieder raus und haben mit der anwesenden Gemeinde zu Mittag gegessen.. :idea: Ganz anders,als die NAK-Apostel,die sich sofort nach GD-Ende in´s Hotel chauffieren lassen,in ihren Nobel-Karossen,um ja "unter sich" zu sein..
Dieses AHA-Erlebnis ist mir besonders gut im Gedächtnis haften geblieben.
Ich war auch schon 2x in einer evangelischen Kirche,einmal hier am Ort,einmal woanders.Aber nicht zu einem GD,sondern um Zettel für eine Hilfsaktion für Kinder abzuholen,bzw. was abzuliefern,bei einem Pfarrer.Direkte Berührungsangst habe ich also nicht mehr,aber ein bißchen komisch ist es immer noch für mich.Ich hätte aber auch kein Problem mehr damit,wenn mich nochmal Jemand einladen würde,mitzugehen.Nur in eine katholische Kirche will ich nicht... :wink:
Liebe Grüsse-
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Beitragvon Sesemi » 04.06.2005, 16:20

gelöscht
Zuletzt geändert von Sesemi am 01.07.2005, 17:07, insgesamt 1-mal geändert.
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