15.7.2012 Dem Zweifler hilfreich beistehen

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Beitragvon alexander rombach » 30.06.2012, 10:38

Erbarmt euch derer, die zweifeln; andere reißt aus dem Feuer und rettet sie.

Judas 22.23a
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Re: 15.7.2012 Dem Zweifler hilfreich beistehen

Beitragvon johnnelsonjun » 14.07.2012, 08:15

Erbarmen, die Zweifler kommen! (Judas 22 - 23)

(Hinweis: Der Titel wurde in Anbetracht meiner lebenslangen Verbundenheit zu der verrücktesten Landschaft Deutschlands gewählt, die Notizen dürfen aber auch außerhalb Hessens benutzt werden ;-) - Verlinkungen und Fußnoten folgen später.)
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Re: 15.7.2012 Dem Zweifler hilfreich beistehen

Beitragvon Bert » 14.07.2012, 13:39

In seinem Brief hat Judas die Personengruppe, die er als Verführer der Gläubigen sieht und vor denen er warnt, konkret bezeichnet: 'Denn es haben sich einige Menschen eingeschlichen, über die schon längst das Urteil geschrieben ist; Gottlose sind sie ... und verleugnen unsern alleinigen Herrscher und Herrn Jesus Christus.' (Vers 4). Er nennt sie auch 'Spötter, ...die nach ihren eigenen gottlosen Begierden leben... niedrig Gesinnte, die den Geist nicht haben.' (Verse 18 und 19).

Warum erwähne ich das?

Weil es wichtig ist zu erkennen, wen oder was Judas als gefährlich für die Gemeinde einschätzt. Es ist nämlich nicht etwa 'nur' der Zweifel an ein Detail aus der Lehre Jesu, der ihn besorgt macht. Judas sieht vielmehr die Basis des christlichen Glaubens in der Gemeinde angegriffen; es macht ihn besorgt, dass Gottlose, also Menschen, die überhaupt nicht an Gott glauben, und auch den Gottessohn ablehnen, ihr entsprechendes Gedankengut in die Gemeinden tragen mit der Folge, dass Gläubige unter ihnen in Zweifel geraten und sich letztlich wieder von dem Gott des Evangeliums von Jesus Christus abwenden könnten, m.a.W. gottlos wie jene Verführer werden könnten.

Es ist wichtig zu sehen, dass Judas mit seinen Zeilen nicht dazu auffordert, alles, was zum Evangelium aus Jesus Christus gepredigt wird, sofort uneingeschränkt zu glauben, jeglichen Zweifel daran zu unterlassen. Niemand unter uns Christen von heute könnte sich auf Judas (oder auch Petrus oder Paulus) berufen und warnend den Finger erheben, wenn ein Glaubensbruder oder eine Glaubensschwester an kirchlicher Lehre, die ja durchzogen ist von vielerlei Auslegungen des jesuanischen Evangeliums und angereichert ist durch Dogmen, an dem Einen oder Anderen davon zweifelt. Das ist ein ganz 'natürlicher Glaubens-Vorgang' und erfordert keinerlei 'Erbarmen' durch den, der alles vorbehaltlos aus der Kirchenlehre adaptiert.

Bleibt uns heute da überhaupt noch Raum in der Gemeinde, im Sinne des Judas-Briefes von anno dazumal zu handeln? Ich denke doch, sollte es denn wirklich vorkommen, dass Bruder oder Schwester sich von dem Gedanken, Er, der Allewige, ist da, ER, sein Sohn, ist da, endgültig verabschiedet. Aber Vorsicht, vielleicht sieht es nur so aus nach einem Glaubensende. Könnte es nicht auch sein, dass Bruder und Schwester nur scheinbar 'gottlos' geworden sind und wir uns irren über seine/ihre Glaubensverfassung, dass er/sie tatsächlich den Herrn in einer anderen Gemeinschaft sucht und möglicherweise IHN dort findet zur treuen Nachfolge IHM gegenüber - nur eben unter anderen kirchlichen Bedingungen?

Judas spricht sich gegen Gottlosigkeit und deren Folgen aus. Sein Brief ist kein Appell, einer bestimmten christlichen Kirche ein uneingeschränktes JA zu ihrem Angebot zuzurufen oder sich solcher 'herzlich zu erbarmen', die im Glauben an Gott verharrend einen anderen Weg als den bisherigen gehen möchten.

Schönen Sonntag!
Bert
Zuletzt geändert von Bert am 14.07.2012, 16:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: 15.7.2012 Dem Zweifler hilfreich beistehen

Beitragvon alexander rombach » 14.07.2012, 15:59

Erbarmt euch derer, die zweifeln; andere reißt aus dem Feuer und rettet sie.
Judas 22.23a

Ohne Zweifel kann es eigentlich kein Fortschreiten geben. Bleibe ich zufrieden und ohne Fragen, ändere ich mein Leben nicht. Erwäge ich keine Alternative, bleibe ich stehen.

Bei der Frage nach meinem Leben zweifle zuerst ich am Bestehenden: „Kann denn das alles gewesen sein?“

Alle Fragen nach Gott, alle Glaubensfragen müssen „geprüft und durchleuchtet“ werden, indem ich sie in Frage stelle. Zweifelnde Fragen sind ja kein Charakterfehler, sondern kommen durch mein Denken zwangsläufig. Ich muss mich ihnen stellen und sie sichern mir einen Erkenntnisfortschritt.

Ich will einmal Lichtenberg zitieren: "Es ist ein großer Unterschied zwischen etwas NOCH glauben und es WIEDER glauben. Noch glauben, dass der Mond auf die Pflanzen wirke, verrät Dummheit und Aberglaube, aber es wieder glauben zeugt von Philosophie und Nachdenken."

Wer zweifelt, denkt nach. Ein Gespräch mit einem Nachdenkenden, kann mich nur weiterbringen. Ich sollte keine Angst haben, durchs Nachdenken aus Gottes Hand zu fallen.
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