Todesstrafe?

Anmerkungen zum Geschehen in der christlichen Welt

Todesstrafe?

Beitragvon Astrid » 21.03.2012, 11:31

Wie steht ihr zu dem Thema Todesstrafe?
Todesstrafenbefürworter zitieren ja gerne die Bibel: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Dürfen Menschen die Entscheidung über das Leben anderer Menschen haben, oder ist dies allein Gottes Entscheidung?

Meint die Bibel den Satz so, wie ihn Befürworter der Todesstrafe verstehen oder ist er ganz anderes gemeint?

Hat ein Mensch der eine Todsünde begangen hat, jemand anderen ermordet hat, kein Recht mehr auf sein Leben oder verdient er die Chance seine Tat zu bereuen und ein Leben in der Liebe und Vergebung Gottes zu erfahren?
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Re: Todesstrafe?

Beitragvon Tatyana † » 21.03.2012, 11:36

Schwieriges Thema.

In der Medizin werden ja z.B. täglich Entscheidungen über Tod und Leben getroffen. Abtreibung, Sterbehilfe, aber auch simple Notfallmedizin.

Ganz persönlich finde ich ja, manche Taten sind so grausam, dass sie mehr und längere Strafe erfordern als einen schnellen und gnädigen Tod. Ich bin also gegen Todesstrafe, wenn auch vielleicht nicht aus einem guten christlichen Grund.
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Re: Todesstrafe?

Beitragvon Randnotiz » 21.03.2012, 11:48

Habe ich mir gedacht.
Und genau dafür erfand der Mensch die Ehe.
Nur wer die Fakten kennt, kann sie verdrehen.

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Re: Todesstrafe?

Beitragvon Franke » 21.03.2012, 11:56

Randnotiz hat geschrieben:Habe ich mir gedacht.
Und genau dafür erfand der Mensch die Ehe.


Der "Mensch" erfand die Ehe...holla, welche neue Erkenntnis :shock:
So ist Einiges in unsere apostolische Tradition eingegangen, aber wenn man dann mal in der Bibel nachliest, merkt man: „Oh, so wie ich das predige, steht das gar nicht in der Bibel.“
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Re: Todesstrafe?

Beitragvon Tatyana † » 21.03.2012, 12:02

Ihr könnt dafür gerne einen Extrafred aufmachen, hier gehts grad um was anderes.
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Re: Todesstrafe?

Beitragvon Sonia » 21.03.2012, 12:45

Wenn einzelne Bibelverse für solche grundsätzlichen Entscheidungen herhalten müssen, bin ich skeptisch. Meist hört sich das für mich so an, als benutze man die Bibel, um seine eigene Position unwiderlegbar zu machen.
Sicher findet man auch genug andere Stellen, die Gegner der Todesstrafe dagegenhalten können.

Außerdem bin ich überzeugt, dass Todesurteile nicht deshalb vollstreckt werden, weil die Bibel das angeblich verlangt. Die Motive sind andere.
Jetzt sind doch in Weißrussland zwei junge Männer hingerichtet worden, bei denen wohl gar nicht sicher ist, dass sie die Tat, die ihnen vorgeworfen wird, begangen haben. Da ist das Todesurteil m. E. eine Machtdemonstration und ein Schauprozess zur Abschreckung. Vielleicht nichtmal zur Abschreckung vor ähnlichen Taten, sondern davor, die Machthaber zu unterschätzen.
Dafür müssen dann zwei Männer ihr Leben lassen - nicht für ihre mutmaßliche Tat.

Auch als Strafe für nachgewiesenermaßen begangene Verbrechen bin ich gegen die Todesstrafe. Einerseits aus den gleichen Gründen wie Tatyana, weil ich meine, man sollte seine Strafe auch "verbüßen" müssen.
Andererseits, weil solche endgültigen Entscheidungen, die so viel "hermachen", Willkür fördern. Rechtmäßig "Herr über Leben und Tod" zu sein, fördert bei Menschen offenbar nicht Gerechtigkeitssinn und umsichtigen Umgang mit Macht, sondern Rachegelüste und Allmachtsphantasien. Jedenfalls ist es das, was bei Berichten über Todesstrafen in Ländern, die sie anwenden, so rüberkommt.
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Re: Todesstrafe?

Beitragvon wojtila » 21.03.2012, 16:24

Ich möchte auf zwei Dinge aufmerksam machen bzw zwei Dinge anmerken:

1.
Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, dass der bekannte Satz "Aug um Auge, Zahn um Zahn" eine erste Beschränkung des ansonsten unbegrenzten Racherechtes sein könnte und dazu gedient haben mag, Eskalationen zu vermeiden? Lest Euch mal 2.Mose 21,18ff in Ruhe durch.

2.
Zum Thema selbst: Ich denke schon, dass die Todesstrafe für das eine oder andere schwere Verbrechen zu diskutieren oder angemessen wäre. ABER: diese Starfe ist eben unumkehrbar und nicht wieder gut zu machen. Die Diskussion setzt also voraus, dass sie in die Hand von Gerichten gegeben wird, die unfehlbar sind. Damit ist die Diskussion beendet.

Meines Erachtens ist die Todesstrafe deswegen völlig indiskutabel.

w.
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Re: Todesstrafe?

Beitragvon johnnelsonjun » 21.03.2012, 17:16

Hallo wjtila,

wojtila hat geschrieben:Ich möchte auf zwei Dinge aufmerksam machen bzw zwei Dinge anmerken:

1.
Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, dass der bekannte Satz "Aug um Auge, Zahn um Zahn" eine erste Beschränkung des ansonsten unbegrenzten Racherechtes sein könnte und dazu gedient haben mag, Eskalationen zu vermeiden? Lest Euch mal 2.Mose 21,18ff in Ruhe durch..


Jepp. Das ist richtig. Aus dem bekannten Satz "Auge um bzw. für Auge" kann man deswegen auch keine Anwendung der Todesstrafe ableiten.
Man sollte außerdem beim Alten Testament immer bedenken, dass es sih bei diesen Gesetzen um Gesetze eines realen Staatswesens handelt. Die Gemeinde ist aber kein Staatswesen, sondern ein geistlicher Organismus ("Leib Christi, 1. Kor. 12). Die Gesetze Israels können daher nicht einfach auf die Gemeinde übertragen werden.

wojtila hat geschrieben:2.
Zum Thema selbst: Ich denke schon, dass die Todesstrafe für das eine oder andere schwere Verbrechen zu diskutieren oder angemessen wäre. ABER: diese Starfe ist eben unumkehrbar und nicht wieder gut zu machen. Die Diskussion setzt also voraus, dass sie in die Hand von Gerichten gegeben wird, die unfehlbar sind. Damit ist die Diskussion beendet.

Meines Erachtens ist die Todesstrafe deswegen völlig indiskutabel.

w.


Das sehe ich ähnlich. Gerade seit der Entwicklung des DNA-Tests sind allein in USA unzählige Fehlurteile aufgedeckt worden und ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie viele Unschuldige hingerichtet wurden.

VG,
JNj.
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Re: Todesstrafe?

Beitragvon Klaus Binding » 21.03.2012, 18:00

Ich stimme wojtila 100%ig zu: die Todesstrafe ist indiskutabel!! Kein Mensch hat das Recht über einen anderen Menschenzu richten. Richtet nicht, auf das ihr nicht gerichtet werdet! jede weitere Diskussion ist weltlich (berechtigt) aber nicht Christus gemäß ! Mord bleibt Mord, ob aus niederen Beweggründen oder staatlich verordnet als Todessrafe -es ist Gleiches mit Gleichem vergelten. Toller Film dazu: "Dead man walking" von Tim Robbins
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Re: Todesstrafe?

Beitragvon Astrid » 21.03.2012, 18:20

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten.
Das eigentliche Buch wurde von Sister Helen Prejean geschrieben, die seit vielen Jahren gegen die Todesstrafe kämpft und sich um zu Tode Verurteilte kümmert. Eine wirklich bewunderswerte und taffe Nonne.

Ich habe meine Meinung ja im Anfangsthread bewusst außen vor gelassen.
Ich selbst bin absolut gegen die Todesstrafe. Keinem Menschen steht das Recht zu Gott zu spielen und über das Leben und den Tod von jemanden zu bestimmen.
Mal ganz von all den Unschuldigen abgesehen, die hingerichtet wurden oder gerade in den Todeszellen sitzen. Das Ganze ist einfach nur barbarisch und passt eher zum Mittelalter. Da stehen die Amerikaner und reden über die schrecklichen Greultaten im Iran und Irak und sie selbst erschiessen Menschen per Gesetz.

Ich habe sogar einen Brieffreund, der seit 16 Jahren in der texanischen Todeszelle sitzt und es ist absolut menschenunwürdig, wie er und all die anderen Gefangenen dort behandelt werden.

Es gibt einen sehr passenden Spruch:

Why do we kill people,
who kill people,
to show that killing people is wrong
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Re: Todesstrafe?

Beitragvon Querdenker » 21.03.2012, 18:56

Laut Pinchas Lapide bedeutet das hebräische Wort „tachat“ in 2. Mose 21,24 weder „um“ noch „für“, sondern „anstelle von“ und damit kann der Text auch als Anordnung von Entschädigungszahlungen für Körperverletzungen verstanden werden.

Martin Buber übersetzt die Stelle so: „Geschieht das Ärgste aber, so gib Lebensersatz für Leben, Augersatz für Auge, Zahnersatz für Zahn.“

(Quelle: Pinchas Lapide: Ist die Bibel richtig übersetzt?, Gütersloh 2008, S. 74)

LG Qd
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Re: Todesstrafe?

Beitragvon Randnotiz » 22.03.2012, 07:52

Nur wer die Fakten kennt, kann sie verdrehen.

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Re: Todesstrafe?

Beitragvon wojtila » 22.03.2012, 08:00

Randnotiz hat geschrieben:http://m.focus.de/gesundheit/baby/geburt/legaler-kindsmord-forscher-plaedieren-fuer-die-toetung-von-neugeborenen_aid_719736.html


Unglaublich.


Ja, wirklich unglaublich.

Andererseits: wo ist denn der grundsätzliche Unterschied zur Abtreibung? Alle Stadien des Nasciturus sind letztlich nichts anderes als Formen des Menschen. Wo ist also der grundsätzliche Unterschied zur Tötung im Mutterleib? Sieh dir mal die Begründungen an und vergleiche sie mit den Tatbeständen bei denen die Abtreibung legal ist.

So betrachtet vielleicht nur eine arg zugespitzte Stellungnahme gegen die Abtreibung?

w.
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Re: Todesstrafe?

Beitragvon Tatyana † » 22.03.2012, 08:18

Wenn man das konsequent zuende denkt, würde es Sinn machen, einfach jeden Menschen zu töten, der einem irgendwann mal zu lästig wird.
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