Gibt es göttliche Weissagungen?

Beitragvon a cappella » 14.02.2008, 17:49

Lieber Knaki,

diesen Ansatz finde ich interessant und darüber hinaus auch sehr sympathisch. :wink:

Lieber Joergen Hansson,

ich befürchte, dass es so einfach nicht ist.
Natürlich kann man den (erfolglosen) Versuch unternehmen, einer Diskussion aus dem Weg zu gehen, indem man zum Ausdruck bringt, dass ein wahrer Christ eine solche Diskussion gar nicht führen würde.
Aber Ihre Einschätzung meines Christseins ist mir so was von egal, dass ich das in Worte gar nicht fassen kann.

Aber ganz sachlich bin ich gerne bereit, mit Ihnen Fragen hierzu zu erörtern.

1.) Prophezeiungen haben etwas mit der Zukunft zu tun. Die Zukunft aber hängt zumindest in sehr vielen Zusammenhängen von Ihnen und mir ab. Wie sollte Gott die Zukunft voraussagen können, die mit mir zusammenhängt? Habe ich keine Freiheit, mich zu entscheiden? Und wie ist das mit Ihnen?

2.) Die Prophezeiungen, von denen wir im Alten Testament lesen, sind zunächst einmal an die Juden gerichtet. Die meisten dieser Prophezeiungen und ihre Erfüllungen haben nichts mit mir und meinem Leben zu tun. Insbesondere nicht, wie viele Menschen von Abraham abstammen. (Ich weiß, dass Jesus von ihm abstammen soll. Aber Sie haben ja andere Stellen zitiert.)
Und ich stelle mir schon die Frage, warum Gott heute nicht zu einer 80-jährigen Frau geht und ihr sagt, sie werde noch einen Sohn gebären?
Und ich bin einigermaßen erschüttert, dass hier von göttlichen Prophezeiungen geredet wird im Zusammenhang mit "Räuberpistolen". Genau das lässt sich mit Jesu Botschaft meiner Meinung nach nicht vereinbaren.

Die für Christen sehr viel interessantere Frage ist der Umgang mit Hinweisen auf Jesus Christus. Wenn man nun die Kirchengeschichte betrachtet und den mühsamen Weg, zu einigermaßen stimmigen und "logischen" Standpunkten zu kommen, möchte zumindest ich auch derartige Dinge nicht überbewerten.
Und ich behaupte einmal, dass man das auch nicht muss!
Ich kann auch aus einer eher distanzierten Position an Jesus Christus glauben. Und die Botschaft des Neuen Testaments ist nicht, dass Jesus von David abstammt. Das soll nur den Kleingläubigen helfen.
Die Botschaft ist, dass er für die Welt gelebt hat und gestorben ist. Alles Andere sind Nebenschauplätze.

In diesem Sinne allen einen guten und glücklichen Tag.
a cappella

PS:
An meinen Freund, den Protestanten:
Du hast natürlich Recht. Meine Seite ist meine Seite ist meine Seite. :wink:
Zuletzt geändert von a cappella am 16.02.2008, 15:40, insgesamt 2-mal geändert.
a cappella
 

Beitragvon ChristSein » 14.02.2008, 20:17

Wann schrieb Lukas sein Evangelium bzw. die Apostelgeschichte?

Die Apostelgeschichte endet vor dem Tod von Paulus, also irgend wo zwischen 64-68 nach Christus, also muß sie und wahrscheinlich auch sein Evangelium davor geschrieben worden sein.
Manche datieren es noch genauer, Lukas schliesst sein Werk mit der Gefangennahme Paulus ab, sie datieren auf 62 nach Christus. Also müsste Lukas 62 bis 63 nach Christus es abgeschlossen haben.
Man geht davon aus, daß es damit in dem engen Zeitraum fertig gestellt wurde.

Damit wird auch die Prophezeihung über die Zerstörung des Tempels der nach seinen Aufzeichnungen geschah, wahrscheinlicher.

Lukas bezieht sich erstens in seinen Berichten auf Augenzeugen, und zweitens welche Jesus von Anfang an begleitet haben (Lukas 1,2). Drittens müssen sie "Diener des Wortes" gewesen sein, was auf seine Jünger hinweist.
Mit den 3 Massstäben arbeitet der akribische Arzt aus dem griechischen Theben.

Das Vorwort beschreibt die Arbeit von Lukas er legt Wert auf "Sorgfalt" (V3)und nicht auf Effekthascherei.
Er wollte nichts Unwahres oder Ungeprüftes (V4) schreiben.
Lukas verbürgt sich für die Zuverlässigkeit seiner Berichterstattung.

Lukas achtete die Frauen, daher wird sein Evangelium auch oft das Frauenevangelium genannt. Kein anderer schreibt soviel wie er über sie.

Er beginnt am weitesten vorne bei Zacharias und führt als Evangelist am weitesten die Leser mit der Apostelgeschichte in das Wirken der Apostel hinein.

Er zeichnet bis auf Adam zurück, bezieht die Propheten mit ein. Er selbst von Geburt ein Heide hebt auf die heidenchristliche Erwählung ab.

Mein Lieblingsevangelist Lukas ist mit Sicherheit der genialste, akribiste und eifrigste der Evangelisten, aber auch der lasst mich einen heutigen Begriff gebrauchen, "Sozialste".
Diese Wesensart von Jesus zeichnet er am deutlichsten.
Zöllner, Gesetzlose, Samaritaner und wie gesagt die Frauen, welche damals bei den Juden nicht einmal als Zeugen gegolten haben.

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Prophetie?

Beitragvon Petros » 14.02.2008, 21:16

Die interessante und vielschichtige Diskussion, die sich unter der Fragestellung der Möglichkeit göttlicher Weissagungen entwickelt hat, verdiente es, differenziert fortgesetzt zu werden. Dabei wäre dann
a) auf die Arten der alttestamentlichen Weissagungen
b) auf die Funktion der alttestamentlichen Propheten
c) auf die verschiedenen Auslegungsebenen der alttestamentlichen Weissagungen
d) auf die Rechtfertigung der christologischen Interpretation der alttestamentlichen Weissagungen
e) auf das Wesen der Weissagungen im NT und ihren Unterschied zur AT-Prophetie
f) auf die Weissagungen Jesu
g) auf die Offenbarung an Johannes
h) auf die Propheten, die in der Alten Kirche (also nach Ende der urchristlichen Ära lebten)
i) auf Prophetie in heutiger Zeit
einzugehen.
Genügend Ansatzpunkte, um eine oder mehrere Monographien zu schreiben.
Dazu reicht meine Zeit derzeit leider nicht aus.
Deshalb in Kürze einige Gedanken zu verschiedenen, vorherigen Stellungnahmen.
Wenn es eine göttliche Weissagung gibt, ist sie – unabhängig von der Zeit, von ihrem Umfeld oder Bezugsgegenstand, vom Glauben und von der Interpretation durch Menschen relevant, wirkmächtig, d. h. wird sich also bewahrheiten, indem sie in geschichtlicher Zeit eine Wirkung zeigen wird („Erfüllung“) und, sofern sie nicht auf innere Vorgänge in Menschen abstellt, grundsätzlich objektiv nachweisbar.
Die Stellung des Menschen zu göttlicher Weissagung dagegen ist von seinem Glauben abhängig. Passim wird im AT darauf hingewiesen, dass eine göttliche Weissagung nur denjenigen nutzte oder half, die sie glaubend als Gottes Anruf annahmen und – im Sinne des gr. „metanoia“ – eine Sinnesneuausrichtung zuliessen.
Prophetie ist nicht ausschliesslich zukunftsbezogen, sie ist auch sprachlich keine Vorhersage, sondern ein „Herfürsagen“, Aussagen. Das zugrundeliegende hebr. "nabi" bedeutet ursprünglich „der Gerufene“, wird aber bereits in mosaischer Zeit auch als „der Rufer“ verstanden. Das gr. pro phemi (vor- oder hervor- ; sprechen) verweist in seiner Sprachbedeutung auf eine Rede, die einen geistvollen, metapysischen oder göttlichen Hintergrund hat. Es muss von dem alltäglichen Reden, dem Aussprechen banaler Gedanken oder Tatsachen unterschieden werden.
Gegenwartsbezug hat das Thema Weissagungen, da es bis heute Prophetie gibt, die Jesus als den Christus aussagt, aus dem Heiligen Geist hervorgeht, zurechtweist, aufklärt (aus Sicht des Heiligen Geistes etwas kundtut) und der Ausrichtung von Menschen auf Gott und seiner Herrlichkeit dient.
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Beitragvon Petros » 14.02.2008, 21:24

werwolf hat geschrieben:
Wenn Du mutig bist, empfehle ich Dir in Bezug auf die Bibel zwei Bücher:

1. "Ist die Bibel richtig übersetzt" von Pinchas
Lapide

2. "Nein und Amen" von Uta Ranke-Heinemann


... und wenn Sie etwas über den Wahrheitsgehalt der Solchenizyn-Trilogie "Der Archipel Gulag" erfahren wollen, empfehle ich die amtlichen sowjetischen Stellungnahmen aus den Jahren 1960 bis 1984 zu konsultieren. Auch in den Prawda - Ausgaben dieser Jahre werden Sie "Wahrheit" finden, denn die Prawda - Journalisten waren schliesslich ausgewiesene Kenner der Sowjetunion.
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Beitragvon tosamasi » 14.02.2008, 23:55

2. "Nein und Amen" von Uta Ranke-Heinemann



Nun, Frau Ranke-Heinemann ist Prof. der kath. Theologie. Also sollte sie schon eine Ahnung haben. Ich empfehle die ergänzte Taschenbuchausgabe 2006.
Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden
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Beitragvon Holytux » 15.02.2008, 08:00

Papst Benedikt ist ebenfalls Prof. der kath. Theologie, hat also offensichtlich ebenfalls Ahnung, und kommt zu völlig anderen Ergebnissen als Frau Ranke-Heinemann.

Und was nun?

8)
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Beitragvon Cemper » 15.02.2008, 08:23

Nun fragen wir den Stammapostel der Neuap. Kirche. Er hat nach Ziff. 178 der Änderungsmitteilung 2005 zu "Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben" (herausgegeben von der Neuapostolischen Kirche International/Zürich im Verlag Friedrich Bischoff GmbH/Frankfurt am Main)

... die lehramtliche Vollmacht, die das Verkündigen neuer Offenbarungen des Heiligen Geistes und die Reinhaltung der Jesulehre einschließt ...

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Heinrich Cemper
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Beitragvon Cemper » 15.02.2008, 08:26

a cappella hat geschrieben:2.) Die Prophezeihungen, von denen wir im Alten Testament lesen, sind zunächst einmal an die Juden gerichtet. Die meisten dieser Prophezeihungen und ihre Erfüllungen haben nichts mit mir und meinem Leben zu tun. Insbesondere nicht, wie viele Menschen von Abraham abstammen. (Ich weiß, dass Jesus von ihm abstammen soll. ...)

Sehr geehrter Herr,

Sie wissen, dass Sie damit unterstellen, dass der Sohn Gottes einen leiblichen Vater hatte?

:wink:
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Steilvorlage ...

Beitragvon Protestant » 15.02.2008, 08:33

Holytux hat geschrieben:Papst Benedikt ist ebenfalls Prof. der kath. Theologie, hat also offensichtlich ebenfalls Ahnung, und kommt zu völlig anderen Ergebnissen als Frau Ranke-Heinemann.

Und was nun?

8)



:D

Du weißt, mein Lieber, dass Du damit in gewisser Weise der tradierten neuapostolischen Kurzschlußlogik bezüglich dem Teufelszeug "Theologie" eine Steilvorlage lieferst ... :?: :wink:

Denkt man neuapostolisch zu Ende, hat natürlich der Papst Recht, weil ... :roll:


Liebe Grüße vom
Protestanten

P.S.: ... wobei Du natürlich unbeschadet dessen messerscharf richtig liegst ...
P. :wink:
Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst Euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!

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Beitragvon Holytux » 15.02.2008, 08:41

Denkt man neuapostolisch zu Ende, hat natürlich der Papst Recht, weil ...


...Frauen einfach keine Ahnung haben!

Bild
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Beitragvon Protestant » 15.02.2008, 08:49

:D :D :D :!:
Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst Euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!

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Beitragvon tergram » 15.02.2008, 09:13

Holytux hat geschrieben:...Frauen einfach keine Ahnung haben!


Stimmt so gewiss, wie die Erde eine Scheibe ist.

Besonders herzliche Morgengrüße an alle Brüder im Herrn. Bild
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Beitragvon tosamasi » 15.02.2008, 09:46

Cemper schrieb:
Sie wissen, dass Sie damit unterstellen, dass der Sohn Gottes einen leiblichen Vater hatte?


Aus dem Stamme David. Röm.1,3 Interessant nicht?
Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden
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Beitragvon Joergen Hansson » 15.02.2008, 10:07

gelöscht
Zuletzt geändert von Joergen Hansson am 23.02.2009, 14:38, insgesamt 2-mal geändert.
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