Beschäftigung nachholen?

Austausch über den Prozess des Loslassens und Verlassens der NAK

Beschäftigung nachholen?

Beitragvon Karla » 14.02.2018, 12:17

Ich bin schon vor vielen Jahren aus der NAK ausgetreten, bzw. eher meine Eltern mit mir, ich war damals gerade einmal 11. Ich muss sagen: Ich bin ihnen dafür dankbar.
Und doch habe ich heute das Gefühl, dass da etwas fehlt. Ich habe mich seit dem Kirchenaustritt nicht mehr wirklich mit Gott und dem Glauben beschäftigt, auf einmal war er einfach weg. Heute weiß ich gar nicht so genau wo ich stehe. Ich glaube was ich gerne hätte wäre so etwas wie ein Überblick über die Religionen, wobei mich insbesondere das Christentum interessiert. Dieses war zwar die ersten Jahre meines Lebens sehr dominant, aber danach auf einmal weg, jetzt habe ich das Gefühl, ich weiß sehr wenig. Könnt ihr mir Lektüre dazu empfehlen? Oder andere Angebote? Kurse? Möglichkeiten zum Austausch?
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Re: Beschäftigung nachholen?

Beitragvon Bonbon » 16.02.2018, 12:24

Ich kann dich gut verstehen, ich war auch nur als Kind mit meinen Eltern in der Kirche. Seitdem nicht mehr. Jetzt fängt mich die ganze Sache an zu beschäftigen, weswegen ich mich hier im Forum angemeldet habe. Ich denke die beste und sinnvollste Beschäftigung, das sind die Primärquellen. D.h. fürs Christentum die Bibel, für den Islam der Koran und für den Buddhismus der Pali-Kanon. Aber das ist mühsam und ob man danach eine Übersicht hat, oder nur übervoll ist? Bei Kursen denke ich sofort an die Möglichkeit zum Fernstudium, schau mal hier, da kannst du einen Kurs "Religionsphilosophie" machen.

Zum Thema Austausch: Suchst du eine christliche Gruppe? Oder eher Gruppen die sich generell zu solchen Themen austauschen, aber mit Distanz?
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Re: Beschäftigung nachholen?

Beitragvon Peter B aus E » 17.02.2018, 15:16

Karla hat geschrieben:Ich bin schon vor vielen Jahren aus der NAK ausgetreten, bzw. eher meine Eltern mit mir, ich war damals gerade einmal 11. Ich muss sagen: Ich bin ihnen dafür dankbar.


Was ich gern wüsste , wofür Du da "Dankbar " bist . Was ist also von 11 Jahren NAK geblieben , außer " Leere " ? Gab es denn ( bis zu dem Zeitpunkt des Austritts aus der NAK )
auch einen Glauben an Gott in Eurer Familie , oder war es ein reiner Glauben an neuapostolische " Fachkräfte " ?

Das reine " Durchlesen " der Bibel oder des Korans würde ich Dir nicht empfehlen . Auch wenn die " Bibel " ( was auch immer das ist ) das "dienstältere "Buch ist , "Gott" wirft darin mehr Fragen auf -als er beantwortet . Zumindest rückt ihn das AT in ein sehr merkwürdiges " Zwielicht " .
Deshalb müsste man sich über Entstehung , Sammlung der Schriften , metaphorische Kontexte in der Entstehungszeit ...... vorher informieren .

Ich bezweifele sehr stark , dass es möglich ist
einen neutralen , objektiven Überblick (ohne Färbung) über mehrere Religionen zu erhalten . Auch in dem Link von " Bonbon " wurde ein Schwerpunktthema angeführt .

Mohammed kannte die Schriften über Jesus , er soll ( historischen Quellen zuf. ) in der Anfangszeit auch in ähnlichem Stil gewirkt haben . Bereits eine Generation später ( mit ALI ) entstand eine neue "Religion" - deren " Unversöhnlichkeit " ( um nicht Feindschaft zu schreiben ) bis heute anhält .
Diese Probleme entstehen beim interpretieren solcher "Primärschriften" .
Vor allem - durch den "unzweifelhaften Anspruch der Lehrer " - im Besitz göttlicher Gedanken und Wahrheiten zu sein .

Die Wahrscheinlichkeit - zum Nachfolger zu werden -
ist wesentlich höher als die Aussicht auf Erkenntnis .

freundlichst aus E .
Peter B .
Mit Toleranz definiert man die Feigheit,jemand mal ordentlich die Meinung zu geigen ( Rainer Sarkasmus )
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Re: Beschäftigung nachholen?

Beitragvon tar_gawan » 22.02.2018, 11:24

Ich kann das Buch von Hans Küng: „Christentum und Weltreligionen“ empfehlen. Das gibt’s sehr günstig antiquarisch.
Dieses Buch ist zwar schon über 30 Jahre alt, aber immer noch sehr lesenswert. Küng tritt dabei aus christlicher Sicht in einen Dialog mit den anderen Weltreligionen, die von jeweils anderen Autoren einzeln vorgestellt werden.
[url]https://www.amazon.de/Christentum-Weltreligionen-Hinführung-Hinduismus-Buddhismus/dp/3492029396/[/url]

Das Christentum vertritt an sich eine Art Exklusivismus (dem Küng nicht folgen möchte), doch andere Religionen liefern noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Wirklichkeit. Ich finde es sinnvoll, sich auch damit zu beschäftigen. Nur wenn man die Angebote kennt, kann man für sich selbst herausfinden, welches davon man annehmen möchte.

Als darüber hinaus gehenden Einstieg in die buddhistische Sicht kann das Buch „Weshalb Sie (k)ein Buddhist sind“ (https://www.amazon.de/Weshalb-Sie-ein-Buddhist-sind/dp/3864100577/) dienen. Nach der Lektüre weißt du jedenfalls, ob der Buddhismus prinzipiell etwas für dich ist oder eher nicht.

Primärliteratur (wie Bibel oder Palikanon) ist zu empfehlen, wenn man tiefer einsteigen will. Da tun sich aber mitunter nahezu unüberbrückbare Abgründe auf. Selbst die (meist einigermaßen vertraute) Bibel ist in vielen Bereichen nicht einfach zu verstehen. Als Einstieg von christlicher Seite wäre eine kommentierte Auswahlbibel wie die Halbfas-Bibel (https://www.amazon.de/Die-Bibel-Hubertus-Halbfas/dp/3491703344/) empfehlenswert, weil man da auch noch eine ganze Menge über die Entstehungsgeschichte, Hintergründe, Kultur usw. erfährt — was alles notwendig für ein echtes Verständnis ist.

Doch auch damit wird das Gefühl „ich weiß sehr wenig“ nicht verschwinden. Aus meiner Sicht gibt es erst dann Anlass, sich Sorgen zu machen, wenn man meint, „genug“ oder „alles“ zu wissen.

Von Literatur abgesehen gibt es da und dort auch von kirchlicher Seite aus so etwas wie Einführungskurse. So z.B. hier von der Evangelischen Kirche: https://www.kurse-zum-glauben.de/infos-fuer-teilnehmende/kurse-zum-glauben-im-ueberblick/, da findest du evtl. auch Kurse in deiner Nähe. Von katholischer Seite gibt es z.B. http://www.kamp-erfurt.de/de/evangelisierung/glaubenskurse.html. Meine Empfehlung: Besuche solche Kurse von beiden großen Kirchen, schaden kann es nicht. Im schlimmsten Fall weißt du dann, was du nicht willst, im besten Fall findest du eine neue geistliche Heimat.

Die NAK bietet m.W. keine vergleichbaren Kurse an, aber vielleicht findest du auch Angebote der anderen kleineren Konfessionen. Vor allem, wenn dir der familiäre Charakter der NAK fehlt, wäre das zu überlegen. Die großen Kirchen können dieses Bedürfnis eher weniger gut bedienen, sind dafür aber oft (in jeder Hinsicht) offener.

Was die anderen Religionen angeht, kann ich nicht viel sagen. Muslimische und jüdische Gemeinden haben manchmal Tage der offenen Tür; da kann man dann zumindest Kontakte knüpfen. Dann gibt es auch buddhistische Gruppen, die sich über Interessierte freuen. Allerdings gibt es da eine Vielfalt, die nicht hinter der christlichen Welt zurücksteht. Um Gruppen in deiner Nähe zu finden, suche z.B. hier: https://www.buddhismus-deutschland.de/gruppensuche-bundesweit/.

Das „Gefühl, dass da etwas fehlt“ ist eine tolle Sache, auch wenn es zunächst einmal etwas unangenehm ist. Das bringt dich auf den Weg. Eine spannende Angelegenheit. Vielleicht findest du am Ende etwas. Ich wünsche es dir.
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Re: Beschäftigung nachholen?

Beitragvon Holytux » 22.02.2018, 16:39

Aus meiner Sicht gibt es erst dann Anlass, sich Sorgen zu machen, wenn man meint, „genug“ oder „alles“ zu wissen.


Das scheint mir ein ganz wichtiger und wahrer Satz zu sein.
Nur kollidiert er mit Bedürfnissen und Gefühlslagen des Menschen, jedenfalls vieler Menschen...
Zum Einen haben wir da die erhebliche Zahl von Mitmenschen, die vor Weisheit kaum noch atmen können und zu jedem Fachgebiet, jeder politischen Entwicklung, einfach zu jeder Sache unter dem Himmel ein fundiertes Statement abgeben können. Das lässt sich beispielsweise großartig an den Leserkolumnen der großen Nachrichtenportale studieren. So viele Lehrer... und so wenig Schüler... 8) Aber das gehört eigentlich nicht zum Thema...
Auf religiösem Gebiet geht es vielfach, denke ich, um ein Sicherheitsbedürfnis. Dieses kann am besten befriedigt werden durch das Vermitteln absoluter Gewissheiten. (Inwieweit sich dabei die "Verkündiger" selbst nur verzweifelt Mut zusprechen, ist noch eine andere Frage.)
Dabei sind die Gewissheiten auch im Christentum nicht absolut, können sie nicht sein. Schließlich werden sie geglaubt. ("Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung.")

Das Christentum vertritt an sich eine Art Exklusivismus


...den man aber auch gut in einen Inklusivismus wenden kann..., ohne den christlichen Glauben zu "verraten" und Andere zu vereinnahmen.

@tar_gawan, Danke für diesen Beitrag!

Viele Grüße
h.
"Man kann kein Vaterland haben, wenn man nicht auch mit seinen Spießbürgern und Nachtwächtern zu leben bereit ist."
Karl Rahner
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Re: Beschäftigung nachholen?

Beitragvon Peter B aus E » 24.02.2018, 17:26

-----Inwieweit sich dabei die "Verkündiger" selbst nur verzweifelt Mut zusprechen, ist noch eine andere Frage.)


aber , was fänd ich die Antwort spannend :lol:

erheitert aus E .
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Re: Beschäftigung nachholen?

Beitragvon felslein » 11.03.2018, 16:37

Das Buch "Religionen der Welt für Dummies" von Marc Gellmann und Thomas Hartmann kann ich sehr empfehlen. Es hat deutlich mehr Tiefgang als der Titel erwarten lässt.

Was ist Religion überhaupt? Wozu braucht man das?
Welche Bedeutung haben Rituale?
Was haben die Weltreligionen an Kernaussagen? Was ist das gemeinsame und worin unterscheiden sie sich?

Zu diesen Themen wird es natürlich keine übergreifende neutrale Ansicht geben. Und schon gar keine Wahrheit.
Die Autoren geben sich jedoch viel Mühe das ganze möglichst sachlich zu behandeln.

Mir hat dieses Buch viel geholfen, mein eigenes Weltbild einzuordnen und zu entwickeln.
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