Wo ist der Geist nun heiliger, in Blankenese, oder....

SICHTBAR MACHEN ...

Beitragvon maximin » 09.09.2007, 12:32

So ist es, liebe O-Gabi! :wink:

Unlängst hörte ich einen Satz von dem Maler Paul Klee. Er lautet so: „Gebt nicht das Sichtbare wieder. Macht sichtbar!“

Ob das mini-edi wirklich weiterhilft? Ok, Klees Satz richtete sich an seine Künstlerkollegen. Ich beziehe ihn auf die praktische Anwendung des Evangeliums.
Gruß vom Micha :cry:

P.S.: Paul Klee. Na ja, wers so mag:
http://www.allposters.de/-sp/Aegyptisch ... 87985_.htm
Der kleine Glaube hat denselben starken Heiland wie der große Glaube...
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Beitragvon Bedenkentraeger » 09.09.2007, 16:05

orig.gabi hat geschrieben:Das ist für mich eine der Schlüsselstellen des Evangeliums - und, für mich - der eigentliche Sinn eines christlichen Glaubens.

Danke für dieses Zitat.


Beim christlichen Glauben geht es aber im Grunde noch um viel, viel mehr, liebe Gabi.

Klaus Berger, der allseits bekannte Exeget, macht es uns mit folgenden Worten klar:

"Mk 11,12: Jesus verflucht den Feigenbaum, weil er ihm nichts zu essen gab. Es war nicht die Zeit der Feigen, doch der Baum hätte gleichwohl geben müssen. Ein rechter Sklave hat Tag und Nacht bereit zu sein. Weil Jesus der Herr ist, hätte der Feigenbaum allzeit bereit sein müssen. - Keine Spur davon, daß es sich hier um eine Verwünschung Israels handelte. Welchen Sinn hätte dann die Bemerkung, daß es nicht die Zeit der Feigen war, wo man doch allezeit Werke tun muß, oder der Satz: "Niemand soll je eine Frucht von dir essen"? Nein, weil der Feigenbaum Jesus nicht gedient hat, ihm, seinen einzigen Herrn, soll er überhaupt niemandem jemals noch dienen können. Umgekehrt, aber ähnlich wie bei dem Füllen, auf dem noch niemand geritten sein durfte. Wer so redet, ist verrückt oder Gott. - Was Jesus dann denen verheißt, die glauben, ist nicht weniger spektakulär: Wenn sie nur nicht zweifeln, wenn sie glauben, sie hätten schon empfangen, um was sie bitten, dann wird es ihnen zuteil. Dann kann man Berge versetzen und Bäume. Dinge also, die nur der Schöpfer vermag. Dieser Glaube aber richtet sich nicht oder nicht nur auf Gott, sondern vornehmlich geht es um dessen eigene Qualität. Sie besteht darin, nicht zu zweifeln und imaginative Kraft zu sein. Die eigene Vergottung steht hier zur Diskussion. Menschen als Träger der eigensten Schöpfermacht Gottes. Wer glaubt, hat selbst Schöpfermacht empfangen, kann sprechen, und es geschieht, wie beim Schöpfer nach Gen 1. - Wenn man mit sich eins ist und nicht zweifelt, mit anderen eins ist, indem man ihnen vergibt, und mit Gott eins ist im Glauben, dann ist Gott als der Schöpfer gegenwärtig. Eine dynamische Präsenz Gottes. Gott ist da, indem er abgebildet und im wahrsten Sinne des Wortes verwirklicht wird durch Einssein."

(Klaus Berger: "Hermeneutik des Neuen Testaments"; A. Francke Verlag Tübingen und Basel, 1999)

Einen schönen Sonntagabend!
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Beitragvon trinity » 09.09.2007, 16:13

Hallo Bedenkenträger,

wo und wie wendest Du in Deinem Alltag (alles ist Alltag) die Schöpfermacht (Zitat Berger: Wer glaubt, hat selbst Schöpfermacht empfangen, kann sprechen, und es geschieht, wie beim Schöpfer nach Gen 1.) an?

Und wie schaffts Du es "Berge zu versetzen" (Zitat Berger: Wenn sie nur nicht zweifeln, wenn sie glauben, sie hätten schon empfangen, um was sie bitten, dann wird es ihnen zuteil. Dann kann man Berge versetzen und Bäume. Dinge also, die nur der Schöpfer vermag.)?

Danke für eine Antwort!
Herr T
trinity
 

Beitragvon Bedenkentraeger » 09.09.2007, 16:44

Lieber Herr T.,

im Schlußsatz von Herrn Prof. Bergers Darlegungen findet sich die konzentrierte Lösung, die Essenz, die Ihnen hoffentlich als Antwort auf Ihre Fragen reicht:

"Gott ist da, indem er abgebildet und im wahrsten Sinne des Wortes verwirklicht wird durch Einssein."

Guten Abend!
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Beitragvon trinity » 09.09.2007, 16:47

Na, es hätte mir gereicht, wenn ich Herrn Berger nach dessen Alltagserfahrungen gefragt hätte!
Aber so ...

Herr T grüsst
trinity
 

Beitragvon Bedenkentraeger » 09.09.2007, 16:56

trinity hat geschrieben:Na, es hätte mir gereicht, wenn ich Herrn Berger nach dessen Alltagserfahrungen gefragt hätte!
Aber so ...

[...]


... wissen Sie, daß es mir wie Herrn Berger geht. :wink:
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Beitragvon trinity » 09.09.2007, 17:10

Nein! ... Wie geht es denn Herrn Berger mit seinen Sätzen in seinem Alltag?

Oder wollen wir uns lieber über das Starkmuth-Werk "Die Entstehung der Realität - wie das Bewusstsein die Welt erschafft" unterhalten?

Gruss
Herr T
trinity
 

Beitragvon Bedenkentraeger » 09.09.2007, 17:22

trinity hat geschrieben:Nein! ... Wie geht es denn Herrn Berger mit seinen Sätzen in seinem Alltag?

Oder wollen wir uns lieber über das Starkmuth-Werk "Die Entstehung der Realität - wie das Bewusstsein die Welt erschafft" unterhalten?

Gruss
Herr T


Ach, Herr T, lesen Sie bitte noch einmal Mt 17,20 sowie Lk 17,6, mit ganzem Herzen und mit etwas Verstand. :wink:
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Beitragvon trinity » 09.09.2007, 17:30

Haben Sie (respektive Herr Berger) solch einen Glauben? Wie geht das, so zu glauben, ohne dass einen der Zweifel übermannt? Kann man solch einen Senfkorn-Berge-versetzen-Glauben lernen? Wie?

fragt Herr T
trinity
 

Beitragvon Bedenkentraeger » 09.09.2007, 17:48

Nun, Herr T, der Zweifel und eine gewisse Angst gehören zum Glauben irgendwie immer dazu (vgl. Mt 14,30).

Und auch ich zweifele oft, sehr oft und habe die eine und andere Angst. Und ich glaube, Herrn Prof. Berger geht es hier nicht sehr viel anders.

Aber in einem richtig verstandenen Glauben geht es um die dynamische Präsenz Gottes, wie es uns der Herr Jesus Christus in Wort und vor allem auch in der Tat gezeigt hat, sowie um ein Vertrauen auf Gott, denn primär ist Glaube Halt, nicht Inhalt (so de Lubac und Prof. Ratzinger). Nur viele, sehr viele sehen in der Religion, im Glauben nur noch eine Serie von zu glaubenden Dingen, begleitet von einer Serie von Geboten und Verboten. Sie definieren Glauben als eine Zustimmung zu irgendwelchen Lehrsätzen. Das ist mit Glauben aber nicht gemeint. Glauben ist ein Stehen im Gott. Dies ist allerdings noch weitaus schwieriger, als irgendwelchen Lehrformeln zuzustimmen oder ihnen zu widersprechen.

Ich denke, Glauben ist eine echte Lebensaufgabe. ;)

Und Jesus hat uns gezeigt, wie wir sie in Angriff nehmen können.

Und damit verabschiede ich mich für heute und für den Rest der Woche.
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Beitragvon trinity » 09.09.2007, 17:50

DankeSchön!
Eine gute Woche Ihnen (und auch Herrn Berger).
:wink:

Herr T
trinity
 

Beitragvon vigilius peregrinus » 10.09.2007, 09:30

Bedenkentraeger hat geschrieben:Wenn man mit sich eins ist und nicht zweifelt, mit anderen eins ist, indem man ihnen vergibt, und mit Gott eins ist im Glauben, dann ist Gott als der Schöpfer gegenwärtig. Eine dynamische Präsenz Gottes. Gott ist da, indem er abgebildet und im wahrsten Sinne des Wortes verwirklicht wird durch Einssein."


Gibt's einen Sünder, der das kann???? Ich glaube eher, der Berger ist halt mal wieder übers Ziel hinausgeschossen. Der phantasiert zu viel. Aber wem's gefällt ..... Außerdem: Kann man Gott abbilden??????

Vigilius

Höchstes C: Danke für die Zeilen schönen des Ketzers! Sie sind mir übrigens auch unbegreiflich.
Vor allem: in necessariis keinen Schritt nachgeben, in dubiis sich nichts anmerken lassen, in omnibus die Pfeife nicht ausgehen lassen. Karl Barth an Eduard Thurneysen, 22.Januar 1922
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Beitragvon trinity » 10.09.2007, 09:54

vigilius peregrinus hat geschrieben:Gibt's einen Sünder, der das kann???? Ich glaube eher, der Berger ist halt mal wieder übers Ziel hinausgeschossen. Der phantasiert zu viel.


Was bedeutet in Ihrem Alltag, geehrter v.p., denn Einssein ... mit sich - aber auch mit dem Nächsten?

Meint es nicht, dass ich in den Gedanken und Taten des Nächsten auch meine Gedanken und Taten sehe und somit mit ihnen eins bin? Wie aber behandle und bewerte ich diese Dinge im Aussen? Und wie die Dinge im Innen?

Und: Nein, es wird wahrscheinlich niemanden geben, der das kann, aber viele, die ganz bewusst und mit viel göttlicher Energie auf diesem Weg sind! Darum gehts wohl ... sie wissen schon: "der Weg ist (auch im Christentum) das Ziel". Und diesen Weg hat wohl Berger gemeint und ist somit nicht über den Weg hinausgeschossen!
:wink:

Freundlichen Gruss
Herr T

ps. Ja, man kann Gott in sich abbilden ... "ein Bild, das mir gleich sei."
trinity
 

Beitragvon mini-edi » 10.09.2007, 10:35

maximin hat folgendes geschrieben:
>>„Gebt nicht das Sichtbare wieder. Macht sichtbar!“
Ob das mini-edi wirklich weiterhilft? Ok, Klees Satz richtete sich an seine Künstlerkollegen. Ich beziehe ihn auf die praktische Anwendung des Evangeliums. <<

Wie ich's auch denke... - außer Trost und gegenseitigem Verstehen mit den Betroffenen, komme ich immer wieder zu dem Punkt an dem die bittere Erkenntnis bleiben wird, daß Petrus drei mal gesagt wurde „Weide meine Schafe“, aber nirgendwo zu lesen ist, daß er sie auch zu Prüfen hätte.
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