Ansichten der Forumsteilnehmer

Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon Cemper » 28.11.2015, 09:24

eric -

die Sache ist kompliziert. Grundrechte sind - wie Sie ja auch sagen - Rechte, die von den Mitgliedern einer Gesellschaft gegen den Staat geltend gemacht werden können. In vielen Staaten - so auch in Deutschland - sind sie in der Verfassung garantiert. Dabei wird aber im Grundgesetz unterschieden zwischen Grundrechten, die jeder hat, und Grundrechten, die "alle Deutschen" haben. Im ersten Artikel des GG steht beispielsweise: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Hier wird nicht von der Würde der Menschen, sondern von der Würde des Menschen gesprochen - es geht also um jeden einzelnen Menschen. Jeder hat rechtlich kraft seines Menschseins eine unantastbare Würde. Zu beachten ist aber, dass "rechtlich" nicht heißt, dass in der Wirklichkeit automatisch die Würde geachtet wird; das ist - wie jeder weiß - nicht der Fall. Man kann allgemein sagen, dass man unterscheiden muss zwischen der Verfassung, die in einem Land gilt, und der Verfassung, in der sich ein Land befindet.

Manche Artikel des GG gelten für alle (dort ist die Rede von "jeder hat" oder "jede Mutter hat" oder "niemand kann" oder "Männer und Frauen"). In einigen Artikeln steht aber: "Alle Deutschen ..." Ein Blick in den Grundrechtskatalog (Art. 1 bis 19 GG) ist immer wieder anregend. Man kann dort lesen, wo man "zu Hause" ist, welche Rechte man hat und dass man sich "vom Staat" nicht alles gefallen lassen muss. Die Durchsetzung der eigenen Rechte gegen den Staat ist nicht einfach, aber sie ist mit Hilfe der Gerichte und letztlich des Bundesverfassungsgerichts möglich.

Neben der grundrechtlichen Regelung des Verhältnisses zwischen Bürger und Staat gibt es die erwähnte sog. Drittwirkung der Grundrechte. Sie betrifft das Verhältnis zwischen Bürger und Bürger. Dabei wird zwischen unmittelbarer und mittelbarer Drittwirkung unterschieden. Diese Rechtsstrukturen sind kompliziert. Hier gilt der Satz, dass der Teufel im Detail steckt. Es ist nicht mit drei Sätzen zu sagen, wie sich eine unmittelbare oder mittelbare Drittwirkung der Grundrechte konkret auswirkt und welche Folgen eine Grundrechtsverletzung hat; es muss im Einzelfall geprüft werden, wer wann und vor welchem Gericht klagen kann und wann das Bundesverfassungsgericht zuständig ist. Erwähnt sei hier nur dieser Punkt: Ein Rechtsstreit vor Gerichten endet ja irgendwann (evtl. erst vor einem Bundesgericht). Hier gilt aber: Die Gerichte müssen bei der Urteilsfindung die Grundrechtslage beachten. Im Streitfall kann dann auch das Bundesverfassungsgericht gegen Gerichte angerufen werden. Die Verfahrensfragen sind aber - wie gesagt - nicht einfach zu beantworten.

Erwähnt sei noch ein Punkt, der nicht direkt zu diesem Thema gehört, der aber - meine ich - politisch sehr wichtig und vielen nicht klar ist. Ich meine einen Unterschied zwischen der Weimarer Reichsverfassung und dem Grundgesetz. Nach den Bestimmungen der Weimarer Reichsverfassung galten Grundrechte nach Maßgabe der Gesetze. Man muss sich klar machen, was das heißt. Das bedeutet, dass mit einer einfachen Mehrheit bei der Gesetzgebung im Parlament über die Geltung der Grundrechte entschieden werden konnte. Irgendwann saßen Nationalsozialisten im Parlament und konnten praktisch machen, was sie wollten. Nach den Bestimmungen des Grundgesetzes gelten Gesetze aber nur nach Maßgabe der Grundrechte - und die können (jedenfalls im sog. Wesensgehalt) nicht außer Kraft gesetzt werden. Art. 19 bestimmt: "Soweit nach diesem Grundgesetz ein Grundrecht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes eingeschränkt werden kann, muß das Gesetz allgemein und nicht nur für den Einzelfall gelten. Außerdem muß das Gesetz das Grundrecht unter Angabe des Artikels nennen. In keinem Falle darf ein Grundrecht in seinem Wesensgehalt angetastet werden." Dem Parlament sind bei der Gesetzgebung sozusagen "die Hände gebunden". Freilich kommt es immer wieder zu Gesetzgebungen, die verfassungsrechtlich strittig sind - und dann werden die Streitfragen vor das Bundesverfassungsgericht gebracht.

Die Neuap. Kirche hat auch mal das Bundesverfassungsgericht angerufen. Mit Erfolg! Sie können das hier nachlesen. Viel Vergnügen bei der Lektüre und ein schönes Wochenende!

http://opinioiuris.de/entscheidung/1389

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Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon 1800 » 07.12.2015, 21:14

Na dann weiß jetzt ein jeder, was der Cemper so verdient.

https://m.youtube.com/watch?v=yhy2nsMWfDw
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Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon Peter B aus E » 08.12.2015, 13:01

eric hat geschrieben:
Cemper hat geschrieben:
eric hat geschrieben:Das Grundgesetz regelt nicht das Verhältnis Bürger-Bürger.

Werter eric,

das ist nicht ganz richtig. Das Grundgesetz regelt in den Grundrechten (die zu einem großen Teil Menschenrechte sind) das Verhältnis Bürger - Staat (genauer gesagt: Menschen und Staat; es sind ja nicht alle etwa in Deutschland lebenden Menschen auch Deutsche und deutsche Staatsbürger). Recht haben Sie mit Ihrem Hinweis zu einem großen Teil: Die Grundrechte schützen vor dem Staat: vor staatlichen Zugriffen oder staatlichen Maßnahmen, wenn damit Grundrechte verletzt werden. Der Bürger kann sich dann wehren. Deshalb heißen Grundrechte auch Abwehrrechte. Es gibt dann die Möglichkeit der Verfassungsbeschwerde. Solche Beschwerden gibt es tausendfach pro Jahr. Das ist aber "nur" die Hauptsache. Es gibt auch eine sog. Drittwirkung der Grundrechte. Damit ist eine Schutzwirkung gemeint, die es über das Verhältnis zwischen Bürger und Staat hinaus auch im Verhältnis zwischen Bürger und Bürger gibt. Ich will diese Drittwirkung nicht "lang und breit" erläutern, weil in diesem Forum kaum jemand verständig lesen würde, was ich schreibe, und weil 1800 das ja sowieso weiß.

Als Beispiel nur das: Stellen wir uns vor, dass 1800 eine Kneipe betreibt. Eine Drittwirkung der Grundrechte gäbe es, wenn 1800 gem. Gleichbehandlungsgebot nach Art. 3 GG und der Religionsfreiheit nach Art. 4 GG einen trinkfesten neuapostolischen Rechtsanwalt - den er nicht leiden kann - in die Kneipe lassen müsste. Oder stellen wir uns das vor: 1800 ist Inhaber einer Firma "Politische Aufklärung. Strategieberatung im Kampf gegen Dummheit der Deutschen". Er will Vereinbarungen erreichen, die den Zweck haben, die Bildung von Gewerkschaften oder Arbeitgeberverbänden zu verhindern. Das wäre dann nach Art. 9 GG grundrechtswidrig. :wink:



Danke für die Antwort, die mich aber doch ein bisschen verwirrt.

Bisher ging ich davon aus, das das Grundgesetz eben das Verhältnis Staat-Bürger regelt. Also hauptsächlich den Rahmen vorgibt in dem der Staat gegenüber seinen Bürgern handeln darf.

Das dies dann indirekt auch für die Bürger gilt ist ja klar, da der Staat hauptsächlich in der Gesetzgebung auf das Leben seiner Bürger einwirkt.

Da z.B. das Grundgesetz eine Gleichbehandlung von Frau und Mann festschreibt gibt es ja dann ein Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, das dann Vorschriften für Bürger-Bürger enthält. Wenn dann der Bürger der Meinung ist, das bei einer Bewerbung Frauen ungerechterweise bevorzugt werden (z.B. bei Quotenreglungen, bei der ich bei gleicher Qualifikation als Mann abgelehnt werde weil ich ein Mann bin), muss er trotzdem dieses vom Staat erlassene Gesetz respektieren (maximal das Unternehmen verklagen, aber nicht auf Grundlage des GG), kann es aber beim Bundesverfassungsgericht auf Verfassungstreue überprüfen lassen, ob der Staat solch eine Regelung überhaupt vorschreiben dürfte.

Als Bewerber gegen das Unternehmen könnte ich in diesem Fall nicht das Bundesverfassungsgericht anrufen sondern maximal den BGH. So habe ich es zumindestens mal im Unterricht gelernt - oder genauer gesagt verstanden. Dies sind in einer Lehre natürlich nur Grundlagen und kein Studiumswissen - aber vom Grundsatz doch richtig, oder?


http://www.sueddeutsche.de/politik/urte ... -1.1304415

Einen Satz fand ich da interessant:

"Grundsätzlich könne ein privater Hotelbetreiber "frei darüber entscheiden, wen er als Gast aufnimmt und wen nicht", sagte der Vorsitzende Richter zur Begründung. Das Prinzip des Grundgesetzes, wonach niemand wegen seiner politischen Überzeugung benachteiligt werden darf, gelte zwischen Privatpersonen und Unternehmern nicht unmittelbar."

Hier wird sich auf politische Überzeugung bezogen, könnte aber prinzipiell genauso begründet werden wenn der Hotelbetreiber keine neuapostolische dunkelhäutige Lesben (gleich drei Treffer auf einmal :mrgreen: )bei sich übernachten lassen will. Steht diesem fikitiven Pärchen den nun der Gang zum Verfassungsgericht offen, da der BGH offenbar damit kein Problem hat (Das Prinzip des Grundgesetzes gelte zwischen Privatpersonen und Unternehmern nicht unmittelbar.)?


@ Eric ,
ich möchte mal auf Deine eigentliche Frage antworten .
Grundsätzlich gilt für einen Unternehmer , ein Unternehmen .... die "unternehmerische Freiheit " . Das heißt :

Als Unternehmer darf und werde ich immer selbstständig entscheiden , wen ich -und weshalb
ablehne oder einstelle .
Gesetzliche Vorgaben gibt es schlicht -bei der Formulierung der Ablehnungsschreiben .

Da man als Unternehmer - ( ich spreche natürlich ausschließlich für Inhabergeführte Unternehmen )
das unternehmerische Risiko " Allein " trägt , ist man subjektiv und objektiv von keinem Gesetz
in seiner persönlichen Meinung einschränkbar .

GENAU das - ist es , was der Richter anmerkt ... Selbige unternehmerische Freiheit - gilt bei der
Annahme und Ablehnung von Kundschaft und Gästen .

Es wäre wohl auch völlig perfide , könnte sich Kundschaft über einen " Gleichbehandlungsgrundsatz "
in ein Auftragsverhältnis klagen .
Bei einem Unternehmer - der
weshalb auch immer - nicht will .

Es spielt einfach überhaupt keine Rolle , ob ich als Unternehmer
aus niedrigen oder lobenswerten Ansichten
ein Geschäft ablehne .

Diese Klageführung war m.E. von Vornherein zum " Scheitern " verurteilt .

Genauso sinnlos , wie gelegentliche Anrufe von Finanzämtern bei Unternehmen .
Mit folgendem Hinweis : " ... sie müssen nächstes Jahr ihren Umsatz erhöhen " .

freundlichst
aus E.
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Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon Cemper » 08.12.2015, 22:09

Werter "freundlichst aus E" -

stellen wir uns mal vor, dass Sie ein mittelständisches Unternehmen leiten und unseren Forumsfreund 1800 in einem Bewerbungsgespräch nach seinen politischen Ansichten fragen und er bewusst eine falsche Antwort gibt. Stellen wir uns weiter vor, dass er seine politischen Ansichten wahrheitsgemäß darstellt. Könnte die erste Antwort eine arglistige Täuschung im Sinne des § 123 BGB sein? Könnte die zweite Antwort - wenn sie zu einem Nachteil für 1800 führt - eine Schadensersatzpflicht nach §§ 823 und 847 BGB begründen?

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Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon Peter B aus E » 09.12.2015, 16:35

Cemper hat geschrieben:Werter "freundlichst aus E" -

stellen wir uns mal vor, dass Sie ein mittelständisches Unternehmen leiten und unseren Forumsfreund 1800 in einem Bewerbungsgespräch nach seinen politischen Ansichten fragen und er bewusst eine falsche Antwort gibt. Stellen wir uns weiter vor, dass er seine politischen Ansichten wahrheitsgemäß darstellt. Könnte die erste Antwort eine arglistige Täuschung im Sinne des § 123 BGB sein? Könnte die zweite Antwort - wenn sie zu einem Nachteil für 1800 führt - eine Schadensersatzpflicht nach §§ 823 und 847 BGB begründen?

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Cemper


Cemper ,
zuerst halten wir fest , es hat mit der Frage des Eric - nichts zu tun . Es schweift ab ,
meinetwegen .
Grundsätzlich aber können Sie für Ihren fiktiven Fall annehmen :
---
Wenn ein privatwirtschaftliches Unternehmen - nicht nach Qualifikation und Vermögen , besonders aber Leistungswillen- einstellt ,
dann handelt es sich nicht um ein gewinnorientiertes Unternehmen .

Im Mittelstand - werden Sie Ihr Konstrukt nicht finden .
Es ist schlicht -Praxisfremd .

Grundsätzlich gilt die Prämisse : mit Mitunternehmern , Geschäftspartnern oder Kunden -
werden keine politischen Diskurse geführt , keine unterschiedlichen oder gemeinsamen Standpunkte erörtert .
Eben so wenig ,
wie sexuelle Kontakte gepflegt .

Ihre Frage stellt sich - in der Praxis
also nicht -
Nicht für einen Unternehmer , der aus dem Mittelstand kommt und
Gewinnorientiert wirtschaften muss .
Wir unterstellen hierbei natürlich ein" Mindestmaß an Vernunft " und
geringe Führungsqualitäten .

freundlichst aus E.
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Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon Cemper » 10.12.2015, 00:28

Also - da sind meine Erfahrungen in der sog. Lebenswirklichkeit aber ganz anders. Zu meinen Erfahrungen gehört das "volle Programm". Das will ich hier aber nicht ausbreiten ...
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Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon philipp » 10.12.2015, 12:10

Moin, Herr Cemper, so spät noch unterwegs? :)

Soweit ich informiert bin, muss ein Bewerber über persönliche Belange Auskunft geben, die für die zukünftige Tätigkeit relevant sind; ein Kraftfahrer muss Auskunft geben über sein Guthaben (Punkte) bei der Kraftfahrerversorgungskasse in Flensburg, ein Kassierer über Vermögensdelikte oder finanzielle Probleme und so weiter. Auch darf ein angehender Redakteur sehr wohl nach seiner politischen Ausrichtung gefragt werden, schließlich soll die vom Herausgeber gewünschte Ausrichtung des Blattes eingehalten werden.
Welcher Religion, Gewerkschaft, Musik- oder Blutgruppe einer angehört, ob mit Hund oder Katze verschwägert oder nicht, ist Privatsache – mit der Einschränkung, daß es nicht die Berufstätigkeit betreffen darf. Bei Kirchens wird das manchmal anders gesehen: „Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing.“ Katholische stellen gerne Katholische und Evangelische stellen eben gerne Evangelische ein.
Als ich Organist wurde, hat man mich auch nach der Probezeit gefragt, ob ich nicht langsam „einer von uns“ werden wollte – natürlich nur ganz vorsichtig und durch die Blume. ;-)

Bei den Adressen und Paragraphen des BGB kenne ich mich nicht aus, glaube aber auch nicht, dass Sie so weit gehen müssen.
________________

Peter B aus E.,

da muss ich ihnen – teilweise - widersprechen:

In Unternehmerkreisen werden sehr wohl Kontakte gepflegt. Ich war selbst im Baugewerbe tätig, und wir hatten ständig Kontakt im Kollegenkreis z.B. bei Veranstaltungen der Handwerksinnung und der Kreishandwerkerschaft, bei berufsständischen Vertretungen, aber auch bei öffentlichen Veranstaltungen, bei Messen und anderem mehr. Da wurde im Tagesgeschäft auch schon mal der Kollege um Unterstützung gebeten, vielleicht weil der den größeren Bagger hat (oder so ähnlich). Ich weiß auch von Jubiläen und Familienfesten von Handwerks- und anderen Unternehmern, wo viele Kollegen und Mitbewerber (!) zugegen waren und mitgefeiert haben. Es soll sogar Unternehmer und auch Geschäftsspartner geben, die treffen sich zum Mittag im Gasthaus (Nicht in der Kneipe! – Wohlbemerkt!) und essen gemeinsam. Und es wird sehr wohl kontrovers diskutiert, über das „Volle Programm“ - auch und gerade über Politik.
Man trifft sich sogar privat, in Kirchen oder Konzerten, Restaurant oder Fitness-Studio, sogar manchmal in der Sauna. :oops:

So etwas nennt man dann soziales Netzwerk. :wink:


Und im Bewerbungsgespräch wird und muss ein Unternehmer viele Fragen stellen. Er will sich ein Bild machen von dem Menschen, der gegenübersitzt. Manche Fragen darf er auch nicht stellen.
Und der Bewerber wird die Fragen beantworten, so oder so, oder vielleicht auch ganz anders.
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Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon Cemper » 10.12.2015, 13:53

Moin, Mister philipp - ja, es war spät gestern. Zum Arbeitsrecht: Arbeitsrechtlich relevante gesetzliche Regelungen sind in vielen Einzelgesetzen getroffen worden - und die werden von den Arbeitsgerichtsbarkeiten in den Ländern (Arbeitsgerichte und Landesarbeitsgerichte) sowie vom Bundesarbeitsgericht ausgelegt. Die Rechtsprechung hat im Arbeitsrecht große Bedeutung. Das alles macht die Lage durchaus unübersichtlich. Bei Problemen ist es meistens sinnvoll, eine Fachkanzlei Arbeitsrecht oder einen Gewerkschaftssekretär um Auskunft und Rat zu fragen (in Berlin gibt es z.B. die bekannte Kanzlei Hensche mit einem informativen Internetauftritt).

Übrigens gibt es in Deutschland kein Arbeitsgesetzbuch. Nach dem Zusammenbruch der DDR ist dazu im Einigungsvertrag etwas gesagt worden - aber das ist bislang folgenlos geblieben. Die Gründe dafür sind politisch interessant. Warum gibt es für tausend Gebiete des Lebens spezielle Gesetzbücher - und warum gibt es kein Arbeitsgesetzbuch?

Die Kirchen haben übrigens ein eigenes Arbeitsrecht (es gibt ein katholisches und ein evangelisches Arbeitsrecht). Das katholische ist vor nicht langer Zeit - siehe hier - novelliert worden (siehe auch die Verlinkungen unten in der Erklärung der Bischofskonferenz). Es ist im innerkirchlichen Betrieb bedeutender als das evangelische; bei den Evangelischen geht ja sowieso manches drunter und drüber und die meisten machen, was sie wollen. Vielleicht gehört das zum protestantischen Verständnis der "Freiheit des Christenmenschen".

Ihrem letzten Satz folge ich gern - gemäß: Gott verschone uns mit Strafen und mit vielen Paragraphen.

Ihr Cemper
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Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon philipp » 10.12.2015, 21:48

Danke für die Rückmeldung.
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Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon 1800 » 10.12.2015, 21:58

Das alles macht die Lage durchaus unübersichtlich.

Tja Cemper, dass ist das Problem in diesem Wirtschaftskonstrukt BRiD.

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Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon Peter B aus E » 10.12.2015, 23:34

@ Cemper und Phil ,

nochmal für Euch beiden ..

Ein Unternehmer ist schlecht beraten , wenn er nach politischen Ansichten auswählt .
Der Einwurf Phils , dass bestimmte Zeitungen eine gewisse journalistische Richtung
verfolgen ( Kopp ist z.Bsp. Braun ..)
lasse ich gelten .

Ansonsten gilt grundsätzlich , Leistung und Qualifikation
sind ein entscheidendes Einstellungskriterium .

Was soll man nur von einem Baubetrieb halten , welcher einen Maurer " auf Grund seiner politischen Gesinnung " einstellt :roll: :lol: :lol: :lol: ??

Ihr mögt ja beide solche Unternehmen und Unternehmer kennen . Ich habe nur Kontakte - mit erfolgsorientierten Unternehmern .
Bei mir zählt Leistung .
Alles andere ist für mich indiskutabler Schwachsinn ,
Politik ist Privatsache und nicht Firmenmaxime .

Wir leben hier nicht im Sozialismus ,
wo die richtige Gesinnung und Sockenfarbe wichtiger ist als die " zu leistende " Arbeit !

Solche Fragen stellt man vllt. in Bereichen ,
wo man Leute auf Grund ihrer Ansichten auswählt - weil übermässig viele Bewerber mit gleicher Qualifikation vorhanden sind .

Ein gesunder mittelständischer Unternehmer sucht den " Besten ".
Und nicht jemanden mit " reiner Gesinnung " .

Glaubt es , oder nicht .
Fakt ist , deshalb werden politische Gespräche mit Kunden untersagt - da unterschiedliche Standpunkte geschäftsschädigend enden könnten .

Dass man einem bestimmtem Niveauumstrittenem Handwerksklientel
das Saufen und politische Diskurse beim Kunden erfolglos verbieten kann -wie man / so oft man will ..
ist mir bekannt .

Dort schaut man aber bei der Einstellung - erst recht nicht - auf die Gesinnung .

freundlichst aus E.
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Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon orig.gabi » 11.12.2015, 05:35

Vor allem ist es mehr als naiv- weltfremd anzunehmen, jeder Unternehmer, jeder Chef und Vorgesetzte fühlte sich selber einer gerade wie auch immer
erwarteten "reinen Mainstreamgesinnung" innerlich und wahrhaftig verpflichtet. Du liebe Zeit.Wer mit solchen Leuten näheren Umgang pflegt wird immer
wieder feststellen, dass zwischen einer öffentlich bekundeten, einer der Diplomatie geschuldeten Gesinnung und tatsächlich vorhandenen privaten Ansichten
und Meinungen wahre Welten liegen können. Die meisten "Wölfe fressen Kreide", hängen ihr Fähnchen in den Wind- solange dies` im eigenen Interesse, für
das eigenen Fortkommen angebracht ist. Wieso sollten solche Entscheidungsträger ausgerechnet Personen einstellen, deren wirkliche oder vermeintliche
Einstellung ihren eigenen jeweiligen tatsächlichen und wahrhaftigen Überzeugungen ziemlich zuwider läuft? Aus diesem Grunde werden "Gesinnungsbekundungen",
Fragen dazu, i.d.R. eher vermieden und übergangen, aus guten Gründen. Wer selber meinungsmäßig schummelt, unterstellt anderen dort sowieso nicht umgekehrt
bedingungslose Ehrlichket.Was also objektiv zählt, ist die fachliche Qualifikation von Arbeitnehmern und die Frage, ob die Kosten- Nutzen - Rechnung für das
Unternehmen aufgeht.
Selbstbewusst oder gewissenhaft zu einer gerade nicht konformen, gar hinderlichen, dem eigenen Weiterkommen nicht dienlichen Meinung zu stehen, gilt
allgemein gesehen tatsächlich wohl eher als Dummheit. :wink:
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
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Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon Sonia » 11.12.2015, 08:17

orig.gabi hat geschrieben:
Was also objektiv zählt, ist die fachliche Qualifikation von Arbeitnehmern und die Frage, ob die Kosten- Nutzen - Rechnung für das
Unternehmen aufgeht.

Als ob die "fachliche Qualifikation" von der "Gesinnung" des Arbeitnehmers zu trennen wäre! Mindestens wer irgendwas mit Menschen zu tun hat, dessen Arbeit ist auch geprägt von seinem Menschenbild - je mehr desto mehr. Das muss der kluge Unternehmer bei seiner Kosten-Nutzen-Rechnung selbstverständlich berücksichtigen, selbst in der "kundenorientierten" Autowerkstatt.

Gruß Sonia
Let's eat Grandma. Let's eat, Grandma. Grammar saves lives.
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Re: Ansichten der Forumsteilnehmer

Beitragvon Cemper » 11.12.2015, 10:58

Peter B aus E hat geschrieben:Ein Unternehmer ist schlecht beraten , wenn er nach politischen Ansichten auswählt . Der Einwurf Phils , dass bestimmte Zeitungen eine gewisse journalistische Richtung
verfolgen … lasse ich gelten .

Ansonsten gilt grundsätzlich , Leistung und Qualifikation sind ein entscheidendes Einstellungskriterium .

Was soll man nur von einem Baubetrieb halten , welcher einen Maurer " auf Grund seiner politischen Gesinnung " einstellt :roll: :lol: :lol: :lol: ??

Ihr mögt ja beide solche Unternehmen und Unternehmer kennen . Ich habe nur Kontakte - mit erfolgsorientierten Unternehmern .
Bei mir zählt Leistung .
Alles andere ist für mich indiskutabler Schwachsinn ,
Politik ist Privatsache und nicht Firmenmaxime .

Wir leben hier nicht im Sozialismus ,
wo die richtige Gesinnung und Sockenfarbe wichtiger ist als die " zu leistende " Arbeit !

Solche Fragen stellt man vllt. in Bereichen ,
wo man Leute auf Grund ihrer Ansichten auswählt - weil übermässig viele Bewerber mit gleicher Qualifikation vorhanden sind .

Ein gesunder mittelständischer Unternehmer sucht den " Besten ".
Und nicht jemanden mit " reiner Gesinnung " .


Werter Peter B aus E,

ich verstehe Ihr Anliegen nicht.

In einer Gesellschaft gibt es keine unpolitischen Einstellungen und Verhaltensweisen. Alles ist - ob der einzelne Mensch es will oder nicht - politisch. Die "Lage" ist wie bei Wahlen. Die einen beteiligen sich und nehmen so - wenn auch in geringem Ausmaß - Einfluss auf das Wahlergebnis. Andere beteiligen sich nicht und beeinflussen eben dadurch auch das Wahlergebnis. Das ist so und das kann man nicht ändern. Wir können also sagen: Jede Verhaltensweise ist politisch. Dabei haben die politischen Systeme selbstverständlich große Bedeutung (denken Sie nur an die Unterschiede zwischen den politischen Systemen BRD und DDR). Aber für beide und für andere Systeme gilt, dass es für die in einem System lebenden Menschen keine wirklich neutrale oder unpolitische Position gibt. Selbstverständlich ist es auch so, dass der einzelne Mensch seine gesellschaftliche Lage nur selten wirklich versteht; besonders dann, wenn er sich für Politik und damit auch für Gesellschaft nicht interessiert, merkt er nicht, was und was mit ihm passiert. Diese Ahnungslosigkeit ist aber auch politisch.

Im Berufsleben - besonders in der Wirtschaft - ist es ähnlich. Unstrittig ist, dass fachliche Qualifikationen wichtig sind und in der "Personalpolitik" beachtet werden; insofern verstehe ich nicht, dass Sie das so sehr betonen. Kein Unternehmen wird einen Bauingenieur oder Klempner oder einen Mediziner einstellen, der die Programme diverser Parteien kennt, aber nicht weiß, was ein rechter Winkel, eine Wasserleitung oder was Blutdruck ist. Kein Unternehmen wird Verkäufer oder Finanzbuchhalter einstellen, die "freie Marktwirtschaft" für eine Erfindung des Teufels halten und die lieber entsagungsvoll in einem Kloster leben als in einem Unternehmen arbeiten wollen. Das ist doch so selbstverständlich, dass es nicht betont werden muss. Aber: Auch die berufliche Tätigkeit ist - ob man es will oder nicht - politisch. Darüber kann man natürlich nicht immerzu reden; aber wenn jemand etwa bei einer Bank oder in der Immobilienwirtschaft arbeitet, dann arbeitet er in einem "wirtschaftlichen System" mit großer Bedeutung für das politische System einer Gesellschaft. Der "Banker" ist vielleicht in kleinem oder großem Umfang spekulativ tätig und trägt dazu bei, dass Geld verbrannt oder reiche Kunden ohne individuelle Leistungen reicher werden. Das ist doch zweifellos ein politischer Vorgang. Der Immobilienmakler macht eine Arbeit, deren Folge vielleicht der Anstieg der Grundstückspreise und der Mieten ist, so dass auch hier Eigentümer allein aufgrund einer Rechtsposition und der Marktmechanismen - also ohne Leistung - reicher und noch reicher werden, was zu einer größer werdenden Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich führt. Das ist doch ebenfalls ein politischer Vorgang. Das alles sollte berufstätigen Menschen klar sein. Und das Gespräch über die Bedingungen beruflichen und wirtschaftlichen Handelns sollte nicht vermieden werden; jedenfalls ist es für alle wichtig, die wissen wollen, in welcher politischen und wirtschaftlichen Welt sie eigentlich leben und was sich in dieser Welt wie auswirkt. Dieses Wissen ist freilich oft unerwünscht. Der unpolitische Mensch ist besser manipulierbar oder zumindest besser zu steuern.

Ansonsten: An das halbwegs leitende Personal oder an Damen und Herren in wirklich relevanten Leitungsfunktionen ist das Verständnis der politischen Zusammenhänge wirtschaftlicher oder sonstiger Tätigkeiten und die Kommunikation dazu doch eine Forderung. Verbandswesen und Lobbyismus usw. - das alles gibt es doch, weil "alles" politisch ist.

Schauen Sie sich - als Beispiel - die gesetzlichen Regelungen der sog. Montanmitbestimmung und andere einschlägige Gesetze sowie Gesetze betr. die Industrie- und Handelskammern an. Da wird deutlich, dass es ohne Politik nicht geht ...

http://www.bmas.de/DE/Service/Gesetze/m ... bestg.html
http://www.bmas.de/DE/Service/Gesetze/betrvg.html

http://www.gesetze-im-internet.de/ihkg/__1.html

Ihnen einen besinnlichen Advent!
C.
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