Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)


Re: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)

Beitragvon orig.gabi » 10.11.2015, 15:16

Der Tod kann auch freundlich kommen
zu Menschen, die alt sind,
deren Hand nicht mehr festhalten will,
deren Augen müde wurden,
deren Stimme nur noch sagt:
Es ist genug.
Das Leben war schön.



Das Leben eines großen Menschen, Mannes, hat sich vollendet, sein Lebenskreis sich nach einem erfüllten Dasein geschlossen.
Möge er nun die größte Überraschung erleben, die einem Atheisten vergönnt ist: das Wunder der Erkenntnis, dass ein gütiger
Gott existiert.
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
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Re: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)

Beitragvon Cemper » 10.11.2015, 15:22

Ich empfinde Dankbarkeit und Trauer.
Politiker mit solchen Lebens- und Politikerfahrungen fehlen jetzt.


Hier spricht Schmidt kurz über Kirche und Theologie:
Nach vier Minuten (Zeitleiste unterer Bildrand 4:10)
https://www.youtube.com/watch?v=3S4KhE6nzzQ

Hier äußert er sich zu der Frage "Jenseits?":
Nach einer Stunde und sieben Minuten (Zeitleiste unterer Bildrand 1:07)
https://www.youtube.com/watch?v=_aq60QiLvVM

Klick
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Re: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)

Beitragvon 1800 » 10.11.2015, 17:25

....dass ist keine gute Nachricht. Ich wünsche den Angehörigen viel Kraft.
Und wieder fehlt eine Stimme, die wusste, was in diesem Lande nicht gut ist.
Herzliche Anteilnahme.
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Re: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)

Beitragvon Heidewolf » 10.11.2015, 17:35

Ein großer Deutscher ist von uns gegangen, ins Reich der Ruhe.
Ich glaube als Christ, dass Gott ihm bei der Auferstehung einen guten Platz geben wird (siehe Markus 12).
Möge Gott seine Angehörigen und Freunde schon hier trösten.
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Re: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)

Beitragvon Sonia » 11.11.2015, 09:56

Politiker mit solchen Lebens- und Politikerfahrungen fehlen jetzt.


Nach den Reaktionen und Artikeln zu urteilen, sind sich darüber alle einig. Das ist gut und richtig und es gehört sich auch so, aber es hinterlässt auch ein schales Gefühl.
Eric hatte letztens einen Link eingestellt über "arme Schweine", die lange über ihr Ablaufdatum hinaus wichtig sein wollen und nun, von ihren Zöglingen verachtet, im Altenteil ihr Gnadenbrot verzehren. Beide Seiten sind in dem Artikel als gleichermaßen erbärmlich porträtiert worden.

Die Frage, ob der Wert eines Menschen in der Gesellschaft ein Ablaufdatum hat, ist bei Helmut Schmidt ganz anders beantwortet worden. Plötzlich ist er sogar ein schmerzlich vermisstes Vorbild für Leute, die über ihn nur wissen, dass er berühmt, uralt, geistig frisch und ein Kettenraucher war.
"Helmut Schmidt galt Millionen Menschen als Vorbild. Deshalb sind bis zuletzt immer wieder Briefe eingegangen, in denen Bürger lamentierten, wie ein so bedeutender Mann wie Helmut Schmidt weiter und in aller Öffentlichkeit rauchen könne. Derlei Vorhaltungen hat er mit barscher Geste vom Tisch gefegt. Man könne von ihm Integrität oder eine Vorbildfunktion auf einem bestimmten Gebiet und für eine bestimmte Zeit erwarten, aber gewiss nicht für ein ganzes Leben und vor allem nicht in allen Bereichen." hier
Es würde mich mal interessieren, was die als ein "bestimmtes Gebiet" nennen würden, deren Vorbild er angeblich ist. Ein Vorbild ist schließlich eigentlich jemand, der einen Unterschied macht für das eigene Denken und/oder Verhalten.

In verschiedenen Aufnahmen von Interviews kommt es mir so vor, als würde er gern als Kuriosität präsentiert. Da werden ihm "Fragen" gestellt, die er mit einem knappen Ja oder Nein beantworten kann, oder die Antworten werden vorformuliert und mit einem Fragezeichen versehen, fertig zur Bestätigung. Frau Maischberger macht das in dem verlinkten Interview m. E. sehr penetrant. Heraus kommt eine publikumswirksame Präsentation hanseatischer Einsilbigkeit (und Tiefgründigkeit, oder so).

Eine Stelle fand ich bezeichnend, die häufig in Interviews auftaucht. Auf eine Frage antwortete er: "Darüber müsste ich erst nachdenken." Das Publikum lachte.

Das ist es, was was meiner Meinung nach "jetzt fehlt": Politiker, die nachdenken müssen und die sich von niemandem davon abhalten lassen, genau das zu tun, bevor sie reden oder handeln.
Es verschafft mir ein kleines Gefühl der Genugtuung, dass Helmut Schmidt entgegen den oft scheinbar unausweichlichen Mechanismen in der Gesellschaft den allergrößten Eindruck gemacht hat und als ein großer Mann geachtet wird, weil er Wichtigeres zu tun hatte, als sich um seinen Eindruck und sein Ablaufdatum zu scheren. Das finde ich im besten Sinne vorbildlich und dafür bin ich dankbar.

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Re: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)

Beitragvon Heidewolf » 11.11.2015, 10:21

sonia,
was mir vor allem aufgefallen ist, in diesen ganzen Rückblicken. HS hat nicht unbedingt Macht haben wollen. Aber, er hat erkannt, ohne Macht kannst du nichts bewegen.
Sein Antrieb als Kriegsteilnehmer und Betroffener der Nazi-Herrschaft war: '..damit so eine Scheisse nicht noch mal passiert...'.

Er hat mit Sicherheit nicht alles richtig gemacht. Aber er hat sich der Diskussion gestellt und für seinen Standpunkt gekämpft. Mit nordeutscher Gradlinigkeit.

Ich denke, wir vermissen ihn auch deshalb, weil es heute solche Menschen nicht mehr gibt.
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Re: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)

Beitragvon Sonia » 11.11.2015, 11:30

Ich denke, wir vermissen ihn auch deshalb, weil es heute solche Menschen nicht mehr gibt.

:shock: Was?! Selbstverständlich gibt es "solche Menschen" heute noch!
Allerdings hat man anspruchsvolle und unbequeme Diskussionspartner wohl lieber im Rückblick, wenn man ihnen nichts mehr verzeihen und sich selbst nichts mehr abverlangen muss.
.
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Re: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)

Beitragvon Heidewolf » 11.11.2015, 12:47

Sonia, wo gibt es solche Menschen??
Ich kenne keine. Oder, meinst du den Stegner??? - Den zähl ich nicht dazu, der hat keine klaren Perspektiven, die man als Lösungsansätze bezeichnen könnte.
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Re: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)

Beitragvon eric » 11.11.2015, 12:54

Das wird sich erst später zeigen.

Herr Schmidt war zu den Zeiten, in der er die MAcht ausübte durchaus nicht unumstritten - wie auch.

Seine Beliebtheit stieg mit dem Zeitabstand zu seiner Regierungstätigkeit.

Er traf ja keine Entscheidungen mehr.

Die Proteste gegen den Nato-Doppelbeschluss, die Kriesenzeiten der RAF 1977 - da war er durchaus auch Haßobjekt einer größeren Menge - ähnlich der heutigen Riege.

R.I.P. Helmut Schmidt.
"Die Idee der freien Entfaltung der Persönlichkeit scheint ausgezeichnet, solange man nicht auf Individuen stößt, deren Persönlichkeit sich frei entfaltet hat."

Nicolás Gómez Dávila
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Re: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)

Beitragvon Cemper » 11.11.2015, 13:21

Dazu diese Rede.
Eine sog. Weltethos-Rede des Altkanzlers Schmidt.

Im Publikum sitzt ein Mitglied des Weltethos Stiftungs-Kuratoriums (ein bekannter neuap. Groß-Unternehmer und Mäzen).
Siehe:
http://www.weltethos.org
http://www.weltethos.org/organisation/
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Re: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)

Beitragvon Sonia » 11.11.2015, 13:42

"Solche Menschen", Heidewolf, kenne ich nicht viele, aber einige. Die Dinge, denen sie ihr Leben verschrieben haben, sind sehr unterschiedlich, aber gemeinsam ist ihnen so etwas wie Aufrichtigkeit und Leidenschaftlichkeit.
An öffentlichen Personen fällt mir da Oliver Sacks ein. Ich denke nicht, dass die Tatsache, dass auch er kürzlich gestorben ist (im letzten August mit 82 Jahren) deine Behauptung untermauert, "solche Menschen" seien nun ausgestorben.
Es liegt in der Natur der Sache, dass Lebenserfahrung nicht ohne eine gewisse Menge Leben zu haben ist und eine große Lebensleistung (egal auf welchem Gebiet) enorm viel Arbeit macht und erst spät im Leben gewürdigt werden kann. "Solche Menschen" sind sie aber "schon immer", und zwar völlig unabhängig davon, ob das auffällt oder gar eines Tages ihre Lobpreisungen in den Zeitungen zu lesen sind.
Gruß Sonia
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Re: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)

Beitragvon orig.gabi » 11.11.2015, 14:34

Sonia hat geschrieben:
...

Eine Stelle fand ich bezeichnend, die häufig in Interviews auftaucht. Auf eine Frage antwortete er: "Darüber müsste ich erst nachdenken." Das Publikum lachte.

Das ist es, was was meiner Meinung nach "jetzt fehlt": Politiker, die nachdenken müssen und die sich von niemandem davon abhalten lassen, genau das zu tun, bevor sie reden oder handeln.
Es verschafft mir ein kleines Gefühl der Genugtuung, dass Helmut Schmidt entgegen den oft scheinbar unausweichlichen Mechanismen in der Gesellschaft den allergrößten Eindruck gemacht hat und als ein großer Mann geachtet wird, weil er Wichtigeres zu tun hatte, als sich um seinen Eindruck und sein Ablaufdatum zu scheren. Das finde ich im besten Sinne vorbildlich und dafür bin ich dankbar.

Sonia


Helmut Schmidt hat das Nachdenken gelernt, auch aus bitteren Erfahrungen.
Bei manchen gewichtigen Entscheidugen während seiner politischen Laufbahn,in der Rolle eines hauptverantwortlichen Krisenmanagers, blieb ihm dazu nicht
viel Zeit. Er musste rasche Entscheidungen treffen und traf sie, mutig, klar und -er übernahm dafür die volle Verantwortung. Das verschaffte ihm nicht nur
Freunde, was er wusste und in Kauf nahm.Diese Eigenschaft ist eine, der er Respekt und seine Größe verdankt.Dass er diese Nachdenklichkeit in den Jahren
nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik ( aber dort dennoch allgegenwärtig), kultivierte und nicht verbarg, ist eine weitere Eigenschaft die man bei
einem, auf den noch alle Augen und Ohren gerichtet sind, selten findet.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte ... so-handeln
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
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Re: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (+)

Beitragvon Pritzebilsky » 15.11.2015, 13:17

Im Fernsehen ist in seiner Kurzbiographie die Nazizeit merkwürdigerweise ausgespart worden.

Vielleicht hilft der Spiegel-Artikel von 2014 hier weiter:

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 05719.html
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