Dieses Forum ist ja sowas von tot....

Re: Dieses Forum ist ja sowas von tot....

Beitragvon Cerebron » 07.09.2015, 07:45

Glaubensfragen? Eher nicht, Diskussionen waren nicht so sehr "sein Ding". Ich glaube, die Geschichte hat er uns erzählt, um uns ein Misstrauen gegen Textinhalte einzuimpfen: Nur, weil ein Text seit Jahrtausenden tradiert wird, ist er nicht wahrscheinlicher wahr als etwas, dass uns ein Zeitgenosse erzählt. Wobei man sich darüber im Einzelfall streiten kann, wenn auch nicht mit besagtem Lehrer.
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Re: Dieses Forum ist ja sowas von tot....

Beitragvon philipp » 07.09.2015, 13:09

Cemper hat geschrieben:Fragen Sie mal [...], was das heißt. Und dann berichten Sie hier.
Cemper,

Fragen habe ich nicht an die vorgegebenen Adressen gestellt, da ich nicht wieder den Fehler machen wollte, mich ungebührend zu äußern.
Einen Versuch über Johannnes 16 finden Sie nebenan - nach alter Tradition. :wink:

Mit herzlichen Grüßen
Pfilippus
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Re: Dieses Forum ist ja sowas von tot....

Beitragvon Cemper » 08.09.2015, 19:20

phillipp,

vielen Dank."Nebenan" habe ich gelesen. Dieses Wiederkunftsthema ist schwierig. In alter Zeit haben die Christen die Wiederkunft ihres Herrn erwartet. Gekommen ist die Kirche. Dann sind Glaubensbekenntnisse entstanden. In ihnen wurde die Wiederkunft des Herrn als Teil des Glaubens bekannt. Was aber war damit in all den Jahrhunderten gemeint …? Was ist heute gemeint? Er ist - so sagt die Schrift - bei uns alle Tage bis an der Welt Ende. Er ist also "da". Und doch will er wiederkommen.

Ich hatte mal - das habe ich hier schon erwähnt - Gelegenheit, mit dem jüdischen Religionswissenschaftler Pinchas Lapide (klick) zu sprechen und ihn nach der Wiederkunft des Herrn gefragt. Er sagte sinngemäß: "Wiederkunft? War der Messias schon mal da? Wir fragen ihn, wenn er kommt." Das war eine jüdische Antwort. Christen antworten anders. Aber was sagen sie? Ein Beispiel: Ein Physiker (Weizsäcker) hat mal den Großtheologen Karl Barth gefragt, ob er angesichts der Atombombe und der realen Gefahr der Vernichtung der Menschheit noch Atomphysik betreiben dürfe. Barth hat ihm gesagt, dass er das darf, wenn er an die Wiederkunft Christi glaubt. Aber was hat er - Barth - damit gesagt?

Fragen Sie mal Christen (Laien und Theologen), was sie unter "Wiederkunft Christi" verstehen. Fragen Sie Katholiken, fragen Sie Lutheraner und Reformierte, fragen Sie Adventisten, Baptisten, Methodisten, Mennoniten und neuap. und andere apostolische Christen.

Ich stelle mir gerade eine Podiumsdiskussion mit theologischen Fachleuten aus diesen Kirchen vor. Und dabei fällt mir eine Geschichte ein, die ich mal exakt so erlebt habe: Ein großer Saal in einer Evang. Akademie. Ein Streitgespräch auf dem Podium vor großem Publikum. Der Streit spitzte sich zu. Und dann schlug eine resolute Dame mit ihrem Stockschirm zornig und vernehmlich auf den steinernen Fußboden: "Meine Herren auf dem Podium. Wenn Gott hören würde, was sie da reden - was würde der wohl sagen?" Ein Theologe antwortete: "Das ist eine interessante Frage. Was meinen Sie, was Gott sagen würde?"

Ebenfalls herzliche Grüße
C.
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Re: Dieses Forum ist ja sowas von tot....

Beitragvon philipp » 08.09.2015, 20:58

Cemper,
danke für Ihre Antwort. Ja, das Wiederkunftsthema ist wohl schwierig. Und ich habe bisher noch keine der Personen, mit denen ich bisher zwecks Gottesdienstgestaltung zu tun hatte – im Pfarrer oder Predikantenamt - gefragt, wie sie es mit der Wiederkunft Christi, mit diesem Thema halten. Vielleicht sollte ich's mal tun. Es könnte lange Predigtnachgespräche geben - oder ernüchternde.
Ich weiß nicht mehr so genau, was wir damals (in der NAK) darüber gedacht haben. Mit "darüber" meine ich die reale Umsetzung dieser Wiederkunft. Erwartet wurde ja die Wiederkunft Christi wie im 9. Glaubensartikel beschrieben am Tag der Ersten Auferstehung. Ich muss gestehen, dass meine Erwartung gewesen wäre, dass der Herr Jesus oder der Liebe Gott oder wer auch immer mit einem großen Omnibus oder einem ähnlichen Gefährt vor der Türe hält, um dann 'die Seinen' mit zu nehmen, oder so ähnlich. Das war der Kinderglaube – schlimm genug. Nähere Beschreibungen gab es dazu nicht. Da hüllte sich der Offenbarer in Schweigen.

Wenn ich heute darüber nachdenke, dann fällt mir eine Begegnung ein: Ich war (vor Jahren) bei meinen Eltern zu Mittag, und am Tisch saß ein Nachbar, dessen Frau nach langer Krankheit gestorben war. Das war wohl 1 oder 2 Tage her. Dieser Mann, der gerade verwitwet war, erzählte aber so eindrücklich von seiner Frau, Tante H.: was sie noch gemeinsam geplant hatten, welch Deko sie – die Frau - für die Wohnung, welche Kleider sie für den Sommer etc gekauft hatte, dass ich das Gefühl hatte, die Dame sitzt am Tisch.

So, genauso, stelle ich mir die Wiederkunft Jesu in meinem Leben vor, privat, persönlich und unmissverständlich. Und so verstehe ich sowohl die Emmaus-geschichte als auch die Thomasgeschichte. Die Jünger haben so intensiv über das Erleben und die Erinnerung an Jesus gesprochen, dass es ihnen war, „als ob er mit uns redete“; Thomas hat so intensiv mit seinen Freunden gerungen, gebetet, gestritten, dass er selbst dann bekennen musste: „mein Herr und mein Gott!“

Tschuldigung, ich sollte für heut Schluss machen – es ist spät. Gute Nacht.
MfG – P.
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Re: Dieses Forum ist ja sowas von tot....

Beitragvon Heidewolf » 08.09.2015, 21:07

Cemper, was halten Sie denn von diesem Symbol?
http://wiki.muenster.org/index.php/%22W ... %A4fige%22
Ist es Mahnung, ist es Wegbereitung, ist es Wahn. Was soll es uns sagen?

Oder eben die dazugerhörigen Geschichte, wo es ja ganz konkret um die nahe Wiederkunft Christi ging?
https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4uf ... C3%BCnster
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Re: Dieses Forum ist ja sowas von tot....

Beitragvon Cemper » 09.09.2015, 06:58

Heidewolf - was ich davon halte? Sie können es so ungefähr in einem anderen Forum - mit dem ich gelegentlich zu tun habe - lesen. Hier: KLICK. Allgemein gesagt: Diese Geschichte ist ein seltsames politisches kirchen- und religionsgeschichtliches "Phänomen". Es hat wohl etwas mit religiösem Wahn zu tun. Näheres können Sie bei diesem Historiker erfahren: Dr. Ralf Klötzer: Die Täuferherrschaft von Münster: Stadtreformation und Welterneuerung. 1992 (Verlag: Aschendorff, vergriffen; evtl. über Bibliotheken erhältlich). Vielleicht fragen Sie auch mal bei der NAK Münster nach. Dort sind einige gescheite Leute, die zwar nicht Experten auf diesem Gebiet sind, aber evtl. doch einige Kenntnisse haben (z.B. ein Ökonomieprofessor an der Universität Münster, der in der NAK das Amt eines Bezirksevangelisten innehat, und ein Mediziner ebenfalls an der Universität). Schreiben Sie denen doch mal. Vielleicht kann Ihnen auch dieser Mann eine Einschätzung geben: KLICK. Er war mal Bezirksältester im Nachbarbezirk und wird sich in Münster auch etwas auskennen.

C.
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Re: Dieses Forum ist ja sowas von tot....

Beitragvon Heidewolf » 09.09.2015, 08:58

Cemper, danke für die Hinweise.
Werde dem gelegtlich mal nachgehen.
Ich habe mal ein Buch darüber gelesen, welches mir ein Ex-Münstraner mal geliehen hat.
Ansonsten habe ich ein zwiespältiges Verhältnis zu alten Amtsträgern der mittleren Ebene. Da habe ich, trotz manchmal besserer Intelligenz, oftmals verbohrte Einstellungen erlebt.

Aber meine Frage zielt ganz klar in die Richtung: Warum hängt man heute noch solche Körbe aus, in denen Menschen gemartert wurden?

In der Geschichte (des Königreiches von Münster) zeigte sich übrigends auch ganz klar, wie die Offenbarung Johannes und die nahe Wiederkunft Christi als Waffe zur Disziplinierung und des Machterhalts verwendet wurde.
Ähnlich, wie der Stuhl Petri bei 2 Konfessionen die Macht fundamentalisieren soll.
Aber jetzt erfreue ich mich mal an diesem schönen Herbsttag.
Pfiat di.
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Re: Dieses Forum ist ja sowas von tot....

Beitragvon Westfale » 09.09.2015, 08:58

Ja, Herr C., Bezirksvorsteher werden die O.Profs wohl nicht, evt. wegen Zeitknappheit. Das übernimmt ein städtischer Beamter, in
Westfalen.
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