Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Re: Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Beitragvon orig.gabi » 30.05.2016, 18:28

Heute gingen Artikel durch diverse Medien mit der Nachricht, nach Auskunft von Historikern hätte "Hitlers kleiner Bruder einen Wasserkopf"
gehabt.
Unglaublich.Weil ein vor Jahrzehnten an einer Krankheit verstorbenes Kleinkind zufällig ein jüngerer Bruder von Adolf Hitler war, darf es in
aller Öffentlichkeit heute als "Wasserkopf" bezeichnet werden? Und das in einem Land, in dem ein Begriff wie "Zigeunersoße" für ein altes Traditions-
rezept als eine rechte, menschenunwürdige Diffamierung von Minderheiten kritisiert wird und die Political Correctness längst als ein ungeschriebenes Gesetz
gilt. Dass das in den Artikeln genannte Kind das Geschwister eines Massenmörders war, ändert daran nichts an der Tatsache, dass die verwendete Bezeichnung
"Wasserkopf" so nicht akzeptabel ist.
(Hermann Göring war ebenfalls ein Scheusal in Menschengestalt, sein Bruder Albert hingegen nicht.Er rettete nachweislich einigen Juden das Leben, obwohl
die Gestapo ihn ohne "Bruderbonus" beobachtete)
Ein längst verstorbenes behindertes Kind darf im Jahre 2016 also ganz offen "Wasserkopf" bezeichnet werden.Da werden sich aber alle Menschen
mit dem Krankheitsbild "Hydrocephalus" und deren Angehörige freuen! Übrigens ist Dank des medizinischen Fortschrittes längst nicht jeder, der
diese Diagnose hat, auch behindert.
Ich hatte mit einigen Kindern mit einem Hydrocephalus über die Jahre hin einen engeren beruflichen Kontakt.Wäre eine der Kolleginnen, Therapheuten,
Lehrer der Förderschulen, ich, je auf die Idee gekommen, eines dieser Kinder als "Wasserkopf" zu bezeichnen, hätte dies`-zu Recht- arbeitsrechtliche
Konsequenzen bedeutet.
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Re: Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Beitragvon Sonia » 30.05.2016, 19:37

Ich bin dezidiert gegen abfällige Ausdrucksweisen, auch wenn sie nur nachlässig sind.
Hier stellt sich allerdings die Frage, ob die Historiker in diskriminierender Absicht geschrieben haben, das Kind hätte einen Wasserkopf gehabt (was nicht dassselbe ist wie wenn man schreibt, es sei ein Wasserkopf gewesen), oder ob sie einfach die deutsche Übersetzung des griechischen Wortes "Hydrozephalus" gewählt haben: Wasserkopf.
Historiker sind vielleicht sprachgebrauchsmäßig nicht so up to date :wink:
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Re: Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Beitragvon orig.gabi » 30.05.2016, 20:16

Der Konjunktiv "die Historiker sagen, Hitlers Bruder hätte gehabt" in meinem Satz stammt von mir. Sorry, wenn er irreführend war.
Tatsächlich stand den veröffentlichten Artikeln, Hitlers Bruder hatte einen Wasserkopf.
Liebe Sonia,von Personen, die wissenschaftlich arbeiten undihre Recherchen an die breite Öffentlichkeit bringen, erwarte ich schon eine
gewisse Sorgfalt,Historiker nicht ausgenommn.In ihrem Fachgebiet können kleine sprachliche Ungenauigkeiten selbst als sicher geltende
Forschungsergebnisse u.U. verfälschen.Aber wie gesagt, der Fehler stammt von mir. Dennoch hätten zumindest seriöse Journalisten diese
neuen Informationen anders formulieren müssen.Man darf, muss hier selbstverständlich schreiben, Hitlers Bruder hat unter dieser oder jener
schweren Erkrankung, bezeichnet mit dem medizinisch korrekten Namen, gelitten und dann ist evtl.ein einmaliger kurzer Hinweis möglich,
wie die Krankheit zu der Zeit, in der sie in dem Fall akut war, im Vollksmund genannt wurde.
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Re: Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Beitragvon Zevimote » 31.05.2016, 21:51

Was bitteschön will man uns noch alles als Wahrheit verkaufen?
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft ... 61977.html
"300" Tote beim Bombenangriff im 2.WK auf Dresden :mrgreen:
Na viel Spaas noch hier.
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Re: Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Beitragvon orig.gabi » 01.06.2016, 05:12

Danke.Die Überschrift des oben verlinkten Artikels hebt sich wohltuend sachlich von den schrillen Aufmachern etlicher anderer ab.

https://www.google.de/?gws_rd=ssl#q=hit ... wasserkopf
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Re: Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Beitragvon eric » 01.06.2016, 07:42

orig.gabi hat geschrieben:...
Unglaublich.... ein vor Jahrzehnten an einer Krankheit verstorbenes Kleinkind zufällig ein jüngerer Bruder von Adolf Hitler war, darf es in
aller Öffentlichkeit heute als "Wasserkopf" bezeichnet werden?
...
dass die verwendete Bezeichnung "Wasserkopf" so nicht akzeptabel ist.
Wäre eine der Kolleginnen, Therapheuten,Lehrer der Förderschulen, ich, je auf die Idee gekommen, eines dieser Kinder als "Wasserkopf" zu bezeichnen, hätte dies`-zu Recht- arbeitsrechtliche
Konsequenzen bedeutet.

Hallo orig.gabi,

mal ganz abgesehen davon, das mir völlig egal ist, ob Verwandte des GröFaZ in einem kindlichem Alter desselbigen an was auch immer gestorben sind (mich würde auch die Körbchengröße seiner Mutter nicht interessieren - manche Berichte nerven einfach nur und sind ohne jeden Informationsmehrwert) habe ich bei Deinem Beitrag aufgehorcht, das der Begriff "Wasserkopf" abwertend sein soll.

Ich bin da überhaupt nicht vom Fach, daher frage ich wirklich völlig ohne Ironie: echt?

Warum?

Bei Wikipedia wird dazu nur geschrieben: "Ein Hydrocephalus ... ist eine krankhafte Erweiterung der mit Liquor gefüllten Flüssigkeitsräume (Hirnventrikel) des Gehirns. Er wird auch Wasserkopf oder, veraltet, Gehirnwassersucht genannt."

Anders bei z.B. Neger: "Neger gilt heute allgemein als Schimpfwort und als abwertende, rassistische Bezeichnung für schwarze Menschen."
Oder Zigeuner: "Die gewichtigeren nationalen und internationalen Interessenvertretungen der Roma lehnen die Anwendung des Begriffs auf Roma wegen der stigmatisierenden und rassistischen Konnotationen ab."

Nun ist natürlich Wikipedia nicht das Maß aller Dinge. Aber dort erscheint keine Warnung vor diesem Begriff.
Hinzu kommt das ich als absoluter Laie mit dem Begriff "Wasserkopf" zumindest ansatzweise eine Vorstellung hatte, was gemeint ist, mir unter dem Begriff Hydrocephalus mir aber gar nichts vorstellen könnte (dem kann man natürlich mit nachschlagen abhelfen - aber warum so kompliziert?).

Ich weiß auch, das auch im medizinischem Bereich Begriffe nicht mehr Zeitgemäß sind. Zum Beispiel "Idiot". Wieder Wikipedia:
"In der Medizin und Psychologie war „Idiotie“ als Diagnose bestimmter Formen geistiger Behinderung bis ins frühe 20. Jahrhundert gebräuchlich, ist aus der heutigen medizinischen Nomenklatur aber vollständig verschwunden."
Auch "Irrenanstalt" war mal normal und wird heute - zu Recht - nicht mehr benutzt.
"Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein wurden psychiatrische Kliniken als „Nervenheilanstalt“ oder „Irrenanstalt“ bezeichnet,..."

Also nochmal: Warum ist "Wasserkopf" abwertend? Wie könnte man es sonst verständlich nennen oder ist grundsätzlich nur die lateinische Bezeichnung korrekt - wenn auch für Laien kaum verständlich?

Sollte man generell von deutschen Begriffen für Krankheiten abstand nehmen (z.b. Zuckerkrank, Kleinwüchsig, Keuchhusten)?

Nochmal, das meine ich nicht als ironischen Beitrag zur Allgemeinen Political Correctness sondern als interessierte Frage zu einem mir fachfremden Thema.

Danke.

eric

@ Zevimote:

..."300" Tote beim Bombenangriff im 2.WK auf Dresden :mrgreen:


den Zusammenhang verstehe ich nicht. Und habe auch keinen Hinweis im Link gefunden. Was wolltest Du sagen?

eric
"Die Idee der freien Entfaltung der Persönlichkeit scheint ausgezeichnet, solange man nicht auf Individuen stößt, deren Persönlichkeit sich frei entfaltet hat."

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Re: Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Beitragvon Toleranz » 01.06.2016, 13:19

Ich finde den Begriff "Wasserkopf" nicht diskriminierend. Er kann bei einem Aufklärungsgespräch für einen operativen Eingriff bei Eltern sogar hilfreich sein. Das könnte z.B. so verlaufen: bei ihrem Kind staut sich das Hirnwasser an dieser oder jener Stelle. Normalerweise fließt das Hirnwasser in einem stetigen Kreislauf ohne Aufstau. Der Aufstau des Hirnwassers bewirkt, dass Druck auf das Gehirn ausgeübt wird, was zu bleibenden Schäden am Gehirn führen kann. Der Säuglingsschädel wird sich durch die weichen Schädelnähte bei dem Druck zunächst ausdehnen, was zu einer Ausdehnung und Größenzunahme des Schädels führen kann. Das nennt man umgangssprachlich Wasserkopf. Im extremen Fall kann das dazu führen, dass die Kopfgröße bis zur Hälfte der Körpergröße des Kindes einnimmt. Der Neurochirurg plant nun, ein kleines Schläuchlein in die Hirnkammer einzulegen, das mit einem Druckventil versehen ist. Der Schlauch wird dann bis in den rechten Vorhof des Herzens oder über den Hals unter der Haut bis in den Bauchraum gelegt. Darüber kann dann das Hirnwasser abfließen und der Aufstau von Hirnwasser mit dem schädigenden Druck auf das Gehirn wird dann beseitigt. Im günstigsten Fall, wenn keine sonstigen Schäden am Gehirn als Ursache für den Hirnwasseraufstau in Frage kommen, kann sich das Kind nach der Operation normal entwickeln.
Damals gab es solche Operationen allerdings noch nicht. Hätte es Gott zugelassen, dass Hitlers Bruder mit Behinderung überlebt hätte, würde ich eher positiven Einfluss auf den kleinen Adolf ausgehen. Der heutige Rechtsmediziner wird sich wahrscheinlich darüber aufregen, dass der damals verantwortliche Arzt einen Totenschein mit der Todesursache "Wasserkopf" ausgestellt hat.
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Re: Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Beitragvon orig.gabi » 01.06.2016, 14:02

eric hat geschrieben:
orig.gabi hat geschrieben:...
Unglaublich.... ein vor Jahrzehnten an einer Krankheit verstorbenes Kleinkind zufällig ein jüngerer Bruder von Adolf Hitler war, darf es in
aller Öffentlichkeit heute als "Wasserkopf" bezeichnet werden?
...
dass die verwendete Bezeichnung "Wasserkopf" so nicht akzeptabel ist.
Wäre eine der Kolleginnen, Therapheuten,Lehrer der Förderschulen, ich, je auf die Idee gekommen, eines dieser Kinder als "Wasserkopf" zu bezeichnen, hätte dies`-zu Recht- arbeitsrechtliche
Konsequenzen bedeutet.

Hallo orig.gabi,

mal ganz abgesehen davon, das mir völlig egal ist, ob Verwandte des GröFaZ in einem kindlichem Alter desselbigen an was auch immer gestorben sind (mich würde auch die Körbchengröße seiner Mutter nicht interessieren - manche Berichte nerven einfach nur und sind ohne jeden Informationsmehrwert) habe ich bei Deinem Beitrag aufgehorcht, das der Begriff "Wasserkopf" abwertend sein soll.

Ich bin da überhaupt nicht vom Fach, daher frage ich wirklich völlig ohne Ironie: echt?

Warum?

Bei Wikipedia wird dazu nur geschrieben: "Ein Hydrocephalus ... ist eine krankhafte Erweiterung der mit Liquor gefüllten Flüssigkeitsräume (Hirnventrikel) des Gehirns. Er wird auch Wasserkopf oder, veraltet, Gehirnwassersucht genannt."

Anders bei z.B. Neger: "Neger gilt heute allgemein als Schimpfwort und als abwertende, rassistische Bezeichnung für schwarze Menschen."
Oder Zigeuner: "Die gewichtigeren nationalen und internationalen Interessenvertretungen der Roma lehnen die Anwendung des Begriffs auf Roma wegen der stigmatisierenden und rassistischen Konnotationen ab."

Nun ist natürlich Wikipedia nicht das Maß aller Dinge. Aber dort erscheint keine Warnung vor diesem Begriff.
Hinzu kommt das ich als absoluter Laie mit dem Begriff "Wasserkopf" zumindest ansatzweise eine Vorstellung hatte, was gemeint ist, mir unter dem Begriff Hydrocephalus mir aber gar nichts vorstellen könnte (dem kann man natürlich mit nachschlagen abhelfen - aber warum so kompliziert?).

Ich weiß auch, das auch im medizinischem Bereich Begriffe nicht mehr Zeitgemäß sind. Zum Beispiel "Idiot". Wieder Wikipedia:
"In der Medizin und Psychologie war „Idiotie“ als Diagnose bestimmter Formen geistiger Behinderung bis ins frühe 20. Jahrhundert gebräuchlich, ist aus der heutigen medizinischen Nomenklatur aber vollständig verschwunden."
Auch "Irrenanstalt" war mal normal und wird heute - zu Recht - nicht mehr benutzt.
"Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein wurden psychiatrische Kliniken als „Nervenheilanstalt“ oder „Irrenanstalt“ bezeichnet,..."

Also nochmal: Warum ist "Wasserkopf" abwertend? Wie könnte man es sonst verständlich nennen oder ist grundsätzlich nur die lateinische Bezeichnung korrekt - wenn auch für Laien kaum verständlich?

Sollte man generell von deutschen Begriffen für Krankheiten abstand nehmen (z.b. Zuckerkrank, Kleinwüchsig, Keuchhusten)?

Nochmal, das meine ich nicht als ironischen Beitrag zur Allgemeinen Political Correctness sondern als interessierte Frage zu einem mir fachfremden Thema.

Danke.


eric



Hallo eric,

selbstverständlich kann ich mich täuschen - aber ich habe das (ganz subjektive) Empfinden, dass die für heutige Zeiten längst als diskriminierend geltende
Bezeichnung "Wasserkopf" für einen Menschen mit der Diagnose Hydrocephalus nicht öffentlich derart großzügig -hemmungslos in den Artikeln verwendet
worden wäre, wäre das betroffene verstorbene Baby nicht ein Bruder Adolf Hitlers gewesen.Der große Bruder ein Scheusal und Mörder, ja, durchaus, aber
ist das eine Rechtfertigung, einen nahen Verwandten deshalb mit einem inzwischen seit langem sprachlich mehr als unwürdigen, diskriminierenden
Begriff zu titulieren? Für mich hat das etwas sehr Fragwürdiges, Herabwürdigendes, auch in Bezug auf andere Menschen, die von einer solchen Diagnose
betroffen sind.Weil zufällig und ausgerechnet Hitlers Bruder mit einem Hydrocephalus geboren wurde, wird der"Wasserkopf" wieder salonfähig?
Nun, dann darf sich,der Gerechtigkeit halber, künftig auch kein Mensch mit dem Down-Syndrom beschweren, wenn er wieder als "Mongo" gerufen wird.
Die Trisomie 21 hieß in der Fachsprache früher halt "Mongoloismus".Oder was soll sich fortan ein kleinwüchsiger Mensch wieder aufregen,der als "Lilli"
oder Zwerg bezeichnet wird? Laut Fachbegriff war er halt in alten Zeiten ein Lilliputaner, ein Zwergwüchsiger.Da gibt es noch etliche Beispiele.
Im Übrigen schrieb` ich ja,man hätte den Begriff "Wasserkopf" durchaus knapp erklären können und zwar als längst überholt und nicht mehr zeitgemäß, weil ...

Dass die Bezeichnung "Zigeuner" für Sinti und Roma heute nicht mehr verwendet werden soll, erntet Dein Verständnis.Ich verstehe diese Meinung
angesichts der historischen Zusammenhänge auch.Allerdings ist mir noch immer nicht klar, warum Du hier Unterschiede zu einer diffamierenden Bezeichnung
im Sprachgebrauch machst, wenn die medizinischen Ursprungs ist. Das Schicksal der "Zigeuner" unter den Nazis war grausam, aber was glaubst Du, was mit
"Wasserköpfen", "Spastis", "Krüppeln", Mongos" und "Irren" während der nationalsozialistischen Herrschaft geschehen ist? Eine "Sonderbehandlung" bekamen
diese Menschen ebenfalls, allerdings endeten sie nicht in Rehakliniken oder Sanatorien, sondern meist in Krematorien.Daher ist mir diese Unterscheidung
in "Tabu" für die eine Bevölkerungsgruppe (Sinti/Roma/Zigeuner) und das scheinbare oder tatsächliche öffentliche "Geht wieder"für eine andere Minderheit
sowohl unangenehm als auch unverständlich.

Übrigens befällt mich ein derartiges Unbehagen weder, wenn ich eine "Zigeunersauce" koche oder im Restaurant einen "Zigeunertopf" bestelle noch wenn in der
Presse über einen irgendwo vorhandenen "Wasserkopf" in einer Verwaltung berichtet wird.Das sind für mich zwei Paar Schuhe.
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Re: Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Beitragvon Sonia » 01.06.2016, 15:03

Ich denke nicht, dass Wasserkopf mit den anderen abwertenden Ausdrücken vergleichbar ist, da ist die Lage etwas anders.

Wenn Wasserkopf eine Beleidigung wäre, würde sie nicht weniger abwertend, wenn sie gewissermaßen verbrämt in einer anderen Sprache, hier Griechisch, gesagt wird.
Im Übrigen werden in völlig unverdächtigen Texten meist beide Ausdrücke verwendet, entweder "Wasserkopf (Hydrocephalus)" oder "Hydrocephalus (Wasserkopf)". klick

Was ich allerdings verwerflich finde, ist das Schicksal von Menschen unter irgendwelchen Deckmäntelchen journalistisch auszuschlachten - unabhängig von der Temperatur der verwendeten Fachbegriffe.
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Re: Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Beitragvon orig.gabi » 01.06.2016, 16:23

Hallo Sonia, ich will auf dieses Thema gar nicht mehr weiter eingehen.Das Beispiel in deinem Link zeigt richtig, dass die Bezeichnung "Wasserkopf" heute längst
und üblicherweise lediglich nur noch in Klammern - als Erklärungshilfe für Laien - hinter dem medizinisch korrekten Begriff "Hydrocephalus" steht.Dagegen ist,
wie ich auch ausdrückte, nichs zu sagen.Gleichberechtigt verwendet wird er lange nicht mehr- eben weil man sich seit Jahren einig ist, dass dieses Wort eine
diskriminierende Zuchreibung ist.

Vorhin gefunden:

https://fjhmr.wordpress.com/2013/10/08/ ... riminiert/

Der Autor des Artikels ist ein Journalist, Menschenrechtler und selber blind.Er hat sich mit dem hier angesprochenen Thema "Sprach-Ethik in Bezug
auf Minderheiten" auseinandergesetzt.

LG G
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Re: Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Beitragvon Zevimote » 01.06.2016, 20:51

Aktuelles:
Was uns die deutschen Medien nicht zeigen!
http://www.20min.ch/ausland/news/story/ ... s-21800728
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Re: Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Beitragvon orig.gabi » 02.06.2016, 05:19

Sie berichten überall davon.Einfach mal "Proteste in Frankreich" bei Google eingeben.
Da gibt es seit längerem stetig Informationen in Wort und Bild.

https://www.google.de/?gws_rd=ssl#q=pro ... ch&tbm=vid
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Re: Aktuelles (ohne Propagandadiskussion)

Beitragvon eric » 02.06.2016, 09:02

orig.gabi hat geschrieben:...Allerdings ist mir noch immer nicht klar, warum Du hier Unterschiede zu einer diffamierenden Bezeichnung
im Sprachgebrauch machst, wenn die medizinischen Ursprungs ist.
...


Hallo orig.gabi,

ich mache da keine Unterschiede. Krüppel geht zum Beispiel auch gar nicht.

Es war mir nur nicht bewusst, dass die deutsche Aussprache (Wasserkopf) diskriminierend ist, die griechische Aussprache (Hydrocephalus - hydro=Wasser, kephale=Kopf) jedoch nicht. Das kann ich auch logisch nicht verstehen. Muss ich ja auch nicht. Da ich auf diesem Gebiet Laie bin nehme ich das als gegeben hin.
Das Du aber für die Benutzung eines deutschen Begriffes arbeitsrechtliche Konsequenzen gutheißt, ist dir das bestimmt verständlicher.

Andererseits klingt der Fachbegriff natürlich auch viel gepflegter.

So wie "das tangiert meinen nates (asinus?) nur periphär" ja auch weniger herabwürdigend klingt als "Das geht mir am Ars.ch vorbei."

Andererseits glaube ich, das die ganze Empörungskultur über Begriffe nicht zielführend ist, da die dahinterstehende Einstellung nicht angetastet wird. Und dem reinen ist alles rein.

Siehe zum Beispiel das Wort "Neger" - gehört nicht (sic!) zu meinem aktiven Wortschatz, und das ist auch gut so. ABER:

Da hat 1999 Frau Schmidt von der SPD aus Bayern (gibt es da sowas überhaupt?) trocken einen CSU-Mann beschrieben, er hätte angegeben "wie zehn nackte Neger". Wäre heute undenkbar....
http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/ ... f/15239582

Heute vermeidet ein Politiker selbstverständlich dieses Wort, aber zeigt für Leute Verständnis, die einen wie Boateng nicht in ihrer Nachbarschaft haben wollen. Welche wie Boateng? Fußballprofis? Millionäre? Wohl kaum. Schwarze, oder sagen wir es: Neger (in dem Fall Halbneger - da haben schon die Nazis fein unterschieden).

In einer Äußerung wurde der Begriff verwendet, im anderen nicht. Welche war nun eindeutig rassistisch oder abwertend?

Aber wie gesagt, ich bin da entspannt und habe wieder was gelernt. Ich werde ab jetzt deutsche Begriffe bei Behinderungen nicht mehr anwenden. Darf man eigentlich von einer Behinderung sprechen oder ist das auch diskriminierend?

liebe Grüße

eric
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