Gottesdienst am 25.12.2007

Gottesdienst am 25.12.2007

Beitragvon DH » 28.11.2007, 14:07

Luk. 2, 12:
Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.


Die Predigtvorbereitung geschieht nach Art des Brainstorming; d.h. jeder kann hier konstruktive Gedanken und Anregungen für die Predigt hinterlassen.

Eine Diskussion der einzelnen Ideen und Beiträge erfolgt unter REFLEXION.
Nur wer in der NAK ist, kann zu ihrer Veränderung beitragen.
DH
 
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Beitragvon Reverend » 29.11.2007, 11:51

Hallo!

Luk. 2, 12:
Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.


Nach der vorherigen Ankündigung "Euch ist heute der Heiland geboren ... der HErr in der Stadt Davids..." scheint sich hier ein Widerspruch aufzutun.

Ein HErr liegt in Windeln in der Krippe?

Ein möglicher Ansatz für eine Predigt wäre, einfach anhand dieses "Gegensatzes" die Größe und Allmacht Gottes sichtbar zu machen, der nicht als Kriegsherr oder Machthaber, nicht als Herrscher oder Alleskönner auf diese Erde zu kommen als nötig ansah, sondern so viel Vertrauen, so viel Zuversicht hatte, dass er seinen Sohn als das Verletzlichste, das Kleinste, das (Hilfs-) Bedürftigste überhaupt in diese Welt schickte: ein in Windeln gewickeltes Kind.

Auch ein Ansatz: aus diesem so unscheinbaren wurde der Retter der Welt. Dieses so kleine Kind brachte das größte Opfer für die Sünden der Menschen. Kann nicht Gott auch durch das in uns manchmal so Kleine vieles schaffen?

Eine Botschaft für Weihnachten 2007: Gott schafft Großes aus Kleinem. Gott schafft Hilfe durch Hilfsbedürftige. Gott schafft Erlösung durch Schwache.

Nette Grüße
Reverend
1 Joh 4,2: Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott
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Beitragvon Sonnenstrahl » 29.11.2007, 19:21

Die Krippe ist Ebene der Tiere. Jesus ist weit heruntergekommen - eben auf diese Ebene.

In der NAK gibt es den Begriff der "Amtskrippe".
Enthält sie Jesus?
Die ältesten und kürzesten Wörter - "Ja" und "Nein" - erfordern auch das stärkste Nachdenken (Pythagoras, griech. Philosoph und Mathematiker, 27.11.580 - 31.12.500 v. Chr.)
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Beitragvon philippus » 21.12.2007, 18:02

Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
(Luk. 2, 12)


Das Zeichen bestätigt durch den ungewöhnlichen Ort, wo das Kind zu finden war, des Kindes außerordentliche Bedeutung. Die früher oft vertretenen Thesen, die Auffindung auf übernatürliche Weise zur Welt gekommenen Kindes sei ein auf heidnischen Motiven entlehntes Motiv, wurde durch die neuere Forschung widerlegt …
(zu Lk.2,12 aus ‚Kommentar zur Bibel’ von Guthrie/Motyer)

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Israel war in seiner Frühzeit selbst ein Volk aus Hirten gewesen. David selbst hatte diese Tätigkeit ausgeübt. Zur Zeit des Neuen Testamentes jedoch waren Hirten in Israel von den religiös maßgeblichen Kreisen genauso verachtet wie Zöllner. Wenn der Engel des Herrn gerade solchen zuerst und allein die Botschaft ausrichtet, zeigt dies, wem zuerst und vor allem Gottes Heil gelten soll. Hinter dem Wort verkündigen (V.10) steht ein griech. Wort, das, genau übersetzt, lautet: „eine Freudenbotschaft (griech. euangelion/Evangelium) überbringen“; das Wort wird im ganzen Lukas-Evangelium und in der Apostelgeschichte eine herausragende Rolle spielen. Ebenso wird das Wort Freude zu einem Leitwort des lukanischen Doppelwerkes werden. Die Bezeichnung Heiland (V.11) wurde damals vielen zugelegt, Göttern wie Menschen und nicht zuletzt Kaiser Augustus. Jesus ist nicht einer von ihnen und einer wie sie, sondern als der Christus (Messias) und Herr ist er der Einzige, dem diese Bezeichnung zu Recht zusteht. Die Erkennungszeichen dieses Heilands sind Windeln und Krippe, d.h. Armut und kindliche Hilflosigkeit – eine herbe Korrektur jüdischer wie nichtjüdischer Heils- und Heilandserwartungen jener (und aller) Zeit. Als entscheidendes Kennzeichen wird am Ende das Kreuz noch hinzukommen.
V.14: Der Lobpreis der Engel (himmlische Heerscharen, vgl. Ps.103,21) ist mit der überwiegenden Mehrheit der heutigen Ausleger als bestätigende Antwort zu V.11 zu verstehen. Mit ihr wird verkündigt, was die Geburt Jesu bedeutet: Durch die Geburt des Messias mit allem, was sie mit einschließt, hat (!) Gott seine Ehre groß gemacht – in endzeitlicher Endgültigkeit – und ist (!) den Menschen nunmehr der endzeitlich-endgültige Friede erschlossen. War in V.10 zunächst alles Volk, d.h. das ganze Volk Israel, im Blick, so werden nun alle Menschen, die ganze Erde mit einbezogen. Doch kündigt sich mit dem Zusatz seines Wohlgefallens zugleich auch eine neue Scheidung an: Nicht den Reichen, Privilegierten, Klugen, Nächtigen, moralisch Untadeligen und auf ihre Erwählung Pochenden, sondern den Armen, Geringen, gesellschaftlich Verstoßenen, Unmündigen, Sündern und Heiden gilt Gottes besondere Aufmerksamkeit.
(Erklärung zu Lk.2,8-14 in der Stuttgarter Erklärungsbibel)

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Als Zeichen diene Euch: Ihr werdet ein Kindlein finden in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.
(Lk.2,12 in der Brunsbibel)


Das ist die Botschaft des Neuen Testamentes: Sie allen will und kann uns helfen, die Weltangst zu überwinden. Nur sie bringt wahre, bleibende Freude: Jesus als Retter und Heiland ist gekommen, Jesus als Messias und Herr ist da. Er ist keine Idee, er ist eine Wirklichkeit, wir brauchen nicht mehr zu hoffen, wir dürfen glauben und zuversichtlich vertrauen. Allerdings weist “das Zeichen“ auf die ganze Niedrigkeit Jesu, aber auch auf die Tatsache, dass er wirklich und wahrhaftig da ist.
(Kommentar von Bruns zu Lk.2,10-12

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Die Zeichen dieses Königs sind nicht Krone, Palast und Purpurkleid. (vgl. Joh.18,36)
(zu Lk.2,12 in der ‚Lutherbibel erklärt’)

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Die Geburt Jesu

Maria und Josef machen sich auf den etwa 130 km langen Weg nach Süden, weil der römische Kaiser eine Volkszählung angeordnet hat. Bethlehem ist der Geburtsort von König David und die „Meldestelle“ für seine Nachkommen. Hier wird Jesus geboren und in der überfüllten Stadt in eine Krippe als Behelfswiege gelegt.
Die ersten, die die Neuigkeiten erfahren, sind ein paar Hirten. Gewöhnlich sind sie die Letzten, denen man etwas erzählt, weil sie mit ihren Herden draußen in den Bergen campieren. Lukas zeigt uns damit, dass diese Geburt eine gute Nachricht für alle ist – nicht nur für die Angesehenen oder Religiösen. Der Himmel reißt auf, als die Engel das Lob Gottes singen. Die Hirten stimmen in ihre Freude ein, die durch das ganze Evangelium strahlt.
(zu Lk.2,1-20 in ‚Das grosse Buch zur Bibel’ von A.Knowles)


Und dies sei euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.
(Lk.2,12 in der Elberfelder Übersetzung)
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Beitragvon philippus » 21.12.2007, 18:03

Und dies sei das Erkennungszeichen für Euch: Ihr werdet ein Neugeborenes finden, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe.
(Lk.2,12 in der Bibel in gerechter Sprache)


Das Kind in der Krippe

Den Hirten verkündet der Engel: „Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“ (Lk.2,12). Während die Menschen ihre Häuser vor dem göttlichen Kind verschließen, treten die Tiere ihr Krippe ab. Die Tiere stehen zurück. Sie spüren, aß da das Geheimnis einer Geburt geschieht, dass eine Mutter eine Liegestelle für ihr Kind braucht. Die Menschen wollen sich nicht verunsichern lassen von dem fremden Paar, das da nach einer Herberge sucht.
Es gibt zahlreiche Märchen, in denen einem Menschen der Besuch Gottes angekündigt wird. Der Mann oder die Frau richten eifrig ihr Haus her und kochen das Beste, das sie zu bieten haben. Dann warten sie den ganzen Tag auf das Kommen Gottes. Doch Gott kommt nicht. Stattdessen schaut ein armer Straßenjunge vorbei. Er wird weggeschickt, weil er die schön hergerichtete Tafel durcheinander bringen würde. Ein Bettler erscheint. Auch er wird abgewiesen, da er den Besuch Gotte stören würde. Und auch die alte, hilfsbedürftige Frau bekommt nichts von all den Speisen. Voller Enttäuschung geht der Mann oder die Frau zu Bett. Und im Traum erscheint Gott und zeigt auf, dass er dreimal gekommen sei, aber immer wieder abgewiesen wurde. Menschen, die mit ihrer instinkthaften Seite in Berührung sind, überlegen nicht lange. Sie nehmen den an, der gerade Hilfe braucht. Und dann dürfen sie erfahren, dass es Gott war, dem sie ihr Haus geöffnet haben.

Das Kind in der Krippe zeigt, wie Gott seinen Traum vom Menschen auf ganz andere Weise geträumt hat, als es die Menschen erwarteten. Das Kind wird nicht im Palast geboren, sondern im Stall. Es hat kein weiches Himmelbett, sondern eine harte Futterkrippe. Man sieht dem Kind nicht seine göttliche Würde an. Es ist hilflos. Es braucht menschliche Zuwendung. Es muss gestillt und genährt werden. Wenn wir auf das Kind in der Krippe schauen, ahnen wir, wie Gottes Traum von uns aussieht. Dort, wo wir am Ende sind, wo wir in eine Sackgassegeraten sind, wo wir uns unverstanden und abgelehnt und ausgestoßen fühlen, gerade dort will Gott in uns geboren werden. Dort, wo wir nicht hinschauen wollen, im Bereich unserer Triebe, in den Abgründen unserer Seele, dort, wo es in uns kalt und hart ist, dort steht in uns die Krippe bereit, in die Gott seinen Sohn legen will, damit er auch in uns geboren wird, damit er für uns zum Messias wird, der uns befreit aus dem Land der Gefangenschaft, aus dem inneren Gefängnis unserer Zwänge und unserer Idealbilder, um uns zu retten, zu befreien zu dem Menschen, den Gott sich von uns erträumt hat.
(aus dem Buch ‚Weihnachtlich leben’ von Anselm Grün)


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Christus ist umsonst geboren, wenn er nicht in Dir geboren ist.
Angelus Silesius
Zuletzt geändert von philippus am 22.12.2007, 13:05, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon philippus » 21.12.2007, 18:05

Und das ist das Zeichen: Ihr findet ein Kind, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.
(Lk.2,12 in ‚Das Neue Testament’, übertragen von Jörg Zink)


Die Tiere an der Krippe – von der Weisheit der Niedrigen

Seit den frühesten Zeiten sind Ochs und Esel auf jeder Krippendarstellung zu sehen. Schon Origines hat die Jesajastelle 1,3 in Bezug auf die Geburt Jesu gedeutet: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.“ Während die Menschen blind sind für das Geheimnis der Menschwerdung Gottes, spüren die beiden Tiere, dass da in dem Kind in der Krippe Gott selbst sichtbar erschienen ist. Der Esel, auf dem Bileam ritt, sah den Engel, während der berühmte Prophet blind ist für den Engel, der ihm den Weg versperrt, weil der Weg zu abschüssig war (4.Mose 22). Der Esel repräsentiert die Kreatur, die mehr vom Willen Gottes versteht als der Mensch mit seinem Verstand. Der Esel gilt als störrisch. Franziskus sprich von seinem Leib als dem Bruder Esel. Der Leib entzieht sich oft genug der Herrschaft der Vernunft. Aber er hat ein feines Gespür für das, was für uns stimmt. Der Leib möchte zum Tempel Gottes werden, zur Krippe, in dem/der das göttliche Kind geboren wird. Der Leib zeigt uns an, wenn wir gegen das Bild verstoßen, das Gott sich von uns gemacht hat. Er meldet sich zu Wort, wenn sich der Engel Gottes uns in den Weg stellt, um uns vor abschüssigen Wegen zu bewahren, vor Wegen in die Krankheit und in den Tod

Der Ochse symbolisiert Friedfertigkeit und gutmütige Stärke. Er steht für unsere Vitalität und Kraft, für unsere Triebnatur und für den Instinktbereich des Menschen. Mit unserem verstand sehen wir am Kind in der Krippe vorbei. Da verstehen wir nicht, dass das göttliche Kind in uns einen Schutzraum braucht. Viele Legenden erzählen, dass Ochs und Esel das frierende Kind mit ihrem Atem wärmen. Sie sind wie ein mütterlicher Schutzraum für das göttliche Kind. Wir müssen in Berührung sein mit dem Esel und Ochsen in uns, mit unserem Leib, mit unserer Vitalität, mit unserem Trieb- und Instinktbereich. Sonst kann nichts wirklich Neues in uns geboren werden. Sonst kann Gott in uns nicht Mensch werden. Gott möchte in der Fleischwerdung seines Sohnes alle Bereiche unseres Leibes und unserer Seele durchdringen. Aber das kann er nur, wenn wir den Ochsen und den Esel in uns mitbringen zur Krippe, und wenn wir von den beiden Tieren lernen, dass unser Leib seine eigene Weisheit hat, dass auch unsere Instinkte und Triebe weise sind und das Geheimnis der Verwandlung in der Menschwerdung Jesu Christi oft besser verstehen als unser Verstand.
(aus dem Buch ‚Weihnachtlich leben’ von Anselm Grün)
Zuletzt geändert von philippus am 21.12.2007, 21:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon philippus » 21.12.2007, 18:06

Die GuteNachrichtbibel übersetzt Lukas 2,12:

Und dies ist das Zeichen, an dem ihr ihn erkennt: Ihr werdet ein neugeborenes Kind finden, das liegt in Windeln gewickelt in einer Krippe.


Ich will aus der Weihnachtsgeschichte, so wie sie bei Lukas steht, noch ein paar Zeilen zitieren. Sie heißen: „Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“ Ein Mensch, der zu Weihnachten diese Geschichte hört, wenn er sie ganz naiv hört, Wort für Wort, in diesen ganz einfachen Bildern, was kann er damit anfangen?

Die Herbergssuche ist ein mythisches Motiv. Von der Göttin Isis wird in Ägypten ähnliches berichtet. Von der Mutter des Asklepios erzählen die griechischen Mythen ähnliches. Hier meint der Text etwas ganz einfaches. Für eine Frau, die gebären wird, ist in einer Herberge, einer Karawanserei, bei dem Durcheinander kein Platz. Sie geht lieber aufs Feld, abgesondert von den Leuten, und bringt ihr Kind dort zur Welt. Mehr ist zunächst nicht gemeint, aber als Sinnbild gilt hier: Wenn du versuchst zu leben, was du bist, musst du dich als erstes einrichten auf Widerstand, auf Einsamkeit. Du wirst das, was du bist, ein Individuum, im Grunde nur, indem du riskierst, einmal nicht dazu zu gehören. Es kann etwas Neues nur passieren, wenn du die Totalangleichung an das Allgemeine durchbrichst. Du musst nicht länger wie eine Fledermaus im Wind darauf lauschen, was alles für Geräusche ringsum sind. Du musst lernen, nach innen zu hören, auf die leise Stimme, die wirklich von Gott ist. Wie können Engel singen? Wie können Hirten davon hören, außer du fängst an, deinen Träumen zu glauben? Sie sind die Sprache, die Gott in deine Seele senkt. Du kannst genau wissen, was Mitleid ist, was Güte bedeutet, was Menschlichkeit meint, was Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit bedeuten. Es muss dir nicht gesagt werden. Du weißt das in dir. Das einzige ist, das man dauernd erklärt, das geht doch nicht zu leben, das ist zu riskant, so kommst du nicht durch. Du musst dich nicht biegen und verlügen. Wenn du damit aufhörst, musst du in Kauf nehmen, dass du auf die Suche zu gehen hast, wo Menschen sind, die dich aufnehmen. Aber es bleibt dir nicht erspart. Der Weg der Menschwerdung ist genau dieses Suchen, wo du mit deiner Wahrheit, mit dem Königskind in deinen Armen aufgenommen wirst.


Und das Kind, das in der Krippe liegt, für was steht es als Symbol zu Weihnachten?

Mit aller Sicherheit dafür, dass wir riskieren dürfen, arm zu sein, überhaupt nichts zu haben, gar nichts zu sein. Das Wunder ist, dass Kinder so zur Welt kommen. Und jede Frau ist in diesem Sinne auch eine Madonna. Sie liebt ihr Kind ganz einfach dafür, dass es da ist. Dieses Kind hat noch nichts, ist noch nichts, weiß noch nichts. Aber die Mutter hat es lieb einfach für seine Existenz. Wenn wir das übertragen würden als Grundgefühl des Lebens auf alles, dann hätten wir das , was die christliche Religion in der Weihnachtsgeschichte meint: Gott liebt dich einfach, weil du da bist. Du musst das nicht erst erschaffen und erkämpfen. Denn dann wird es nur wieder grausam und starr, sonst aber hoffnungsfroh, offen und voller Freude.
(aus ‚Wie zu leben wäre – Ansichten und Einsichten’, Eugen Drewermann, Richard Schneider)
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Beitragvon Peter.SDG » 22.12.2007, 09:01

Von der Armseligkeit der Geburt Jesu

Da liegt Er also. Klein und unscheinbar. Unser aller Erlöser. Der König der Welt. Macht eigentlich einen ziemlich armseligen Eindruck, die ganze Szene: In einer Krippe liegt Er, völlig unköniglich auf Stroh gebettet. Sein Geburtsort: Kein Palast, sondern ein armseliger Stall. Seine Eltern: Keine Könige, keine reichen oder wichtigen Leute, sondern einfache Leute. Nicht einmal Römer sind sie, sondern Juden – und damit Teil eines unbeliebten und praktisch machtlosen Volkes. Sein zukünftiges Heim: Nazareth. Keine Weltstadt, sondern ein völlig unbedeutendes Dorf, in außerbiblischen Quellen so schlecht belegt, dass manche Historiker sogar meinen, es habe zu dieser Zeit gar nicht existiert.
Armselig – das ist tatsächlich ein passender Ausdruck für die äußeren Bedingungen der Geburt Jesu, welche der Evangelist Lukas beschreibt. Die Geburt eines Königs sieht normalerweise anders aus. Ganz anders. Auch in den späteren Lebensjahren dieses Kindes wird es nicht viel besser. Zimmermann wird Er, kein politischer Anführer, geschweige denn ein mächtiger König. Zugegeben, die letzten drei Jahre Seines Lebens, in denen Er als Prediger umherzieht und ein paar Kranke heilt, sind recht eindrucksvoll – aber letztlich wird Er doch am Kreuz enden. Nicht nur der grausamste Tod zur damaligen Zeit, sondern als einzige Hinrichtungsart auch von der Bibel mit einem Fluch belegt (5.Mose 21,23). Ein zweifelhafter Lebenslauf für einen König. Und wie erst für den König der Welt höchstpersönlich.
Lassen wir uns von diesen äußeren Gegebenheiten der Geburt und des Lebens Jesu nicht täuschen. „Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich kein Mensch vor Gott rühme.“ (1. Kor 1,27-29). Paulus sagt es uns ganz deutlich: Diese Armseligkeit ist göttliche Methode! Das zu erkennen, ist ungemein wichtig – sogar heilsnotwendig: „Gott stellt sein ganzes Maß, nämlich die Liebe, gegen den menschlichen Hochmut. Er [der Hochmut] ist im Grunde der Kern [...] aller Sünde, nämlich des Sich-selber-zu-Gott-machen-Wollens. Die Liebe dagegen ist etwas, das sich nicht erhebt, sondern heruntersteigt. Die Liebe zeigt, daß gerade das Hinuntersteigen der eigentliche Aufstieg ist. Daß wir in die Höhe kommen, wenn wir heruntergehen, wenn wir einfach werden, wenn wir uns zu den Armen, zu den Niedrigen beugen. Gott macht sich klein, um den aufgeblasenen Menschen wieder ins richtige Maß zu bringen“ (Joseph Ratzinger). Von diesen Gedanken her gesehen, erscheint die Krippenszene in einem völlig anderen Licht: Ein großartiger Gott ist das, der so groß ist, dass Er klein werden kann. Der die Menschen, die sich zu einem großen Teil von Ihm abgewendet haben, so sehr liebt, dass Er selbst in Jesus von Nazareth ein „gewöhnlicher“ Mensch wurde, mit und für uns lebte, mit und für uns litt. Keine privilegierte Umgebung suchte sich Gott für Seine Menschwerdung aus, sondern in der Armseligkeit eines Stalles, wurde Sein eindeutiges und unwiderrufliches „JA“ zur Menschheit geboren. Angesichts meiner persönlich empfundenen Dürftigkeit vor Gott, empfinde ich dies als ungemein tröstlich. Ich muss mich nicht mehr schämen, oder meine Armut (ob äußerlich, oder innerlich) vor Gott verstecken. Denn Er selbst hat sich hinuntergebeugt und sich uns gleich gemacht. Das zeigt mir aber auch einen Grundsatz, der nicht nur die Beziehung Gottes zu mir betrifft, sondern ebenso meine Beziehung zu meinen Mitmenschen: Hinunterbeugen zum anderen – das ist der Maßstab, den Gott in Jesus Christus auch für unser Leben gesetzt hat (Phil 2,5-11).
Da, in der Krippe, liegt Er also, unser aller Erlöser. Klein und unscheinbar, aber in eben dieser Kleinheit und Armseligkeit die eigentliche Größe der Liebe Gottes offenbarend. Ein herrliches Bild.
Wenn wir gelernt hätten, richtig in unseren Herzen zu lesen, würden wir erkennen, dass wir in uns ein Verlangen tragen, das in dieser Welt nicht gestillt werden kann. Auf dieser Erde bleibt immer ein Rest an Enttäuschung.
(C.S. Lewis)
Peter.SDG
 
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