Weihnachten

Erlebnisse, die man mit anderen teilen möchte

Weihnachten

Beitragvon Esperanza » 25.12.2006, 10:25

Im letzten Moment hat es sich trotz schlechter Vorzeichen doch noch gut entschieden - du darfst während der Weihnachtsfeiertage die Klinik verlassen.

Bitte denken sie genau darüber nach, ob sie sich das zutrauen. Das wird für sie kein entspannendes Fest, sondern eine Aufgabe. Vielleicht ist es besser, wenn sie zu Weihnachtsbesuchen in die Klink kommen. Aber wir überlassen ihnen die Entscheidung. Wenn sie die Entlassung während der Feiertage wünschen, brauchen sie die Unterstützung von geschulten Pflegekräften. Wir informieren sie ergänzend, was sie zur Versorgung des Patienten zu tun haben, worauf sie achten müssen.

Gott, schaffe ich das? Mache ich alles richtig? Hilfst du mir?

Ich möchte doch nur für ein paar Tage nach Hause - du sagst es immer wieder und weinst dabei. Wie könnte ich dir deinen einzigen Weihnachtswunsch abschlagen?

Alle organisatorischen Vorbereitungen sind getroffen. Der Transport ist pünktlich, die Helfer gehen professionell mit dir um. Trotzdem sehe ich dir an, welche Anstrengung dich das alles kostet. Nur mit großer Mühe schaffst du die wenigen Schritte und stehst statt in einem sterilen Klinikzimmer in unserem Zuhause. Es wird schon wieder dunkel draussen und du siehst die weihnachtliche Dekoration, die Lichter, mit der Freude eines kleinen Kindes. Und dann weinen wir gemeinsam - vor Freude.

Es dauert einige Zeit, bis wir gemeinsam herausgefunden haben, wie du schmerzfrei liegen und sitzen kannst. Ein Haus ist keine Klinik und es fehlt an den dort vorhandenen Hilfsmitteln. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich dir so wenig helfen kann. Aber wenn ich das Leuchten in deinen Augen sehe, weiß ich, dass wir uns richtig entschieden haben: Für die Weihnachtsfreude. Für das Leben. Für uns.

Gott, bis hierher hast du uns geholfen. Wir sind dir dafür dankbar. Bleib bitte bei uns, nicht nur in der Stillen Nacht.
Esperanza
 
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Beitragvon Esperanza » 29.12.2006, 21:27

Immer wieder das Telefon. Immer wieder steht mein Herz fast still. Es will sich nicht an den Schrecken gewöhnen.

Deine Stimme ist schwach, die Worte ungeordnet. Ich habe Mühe, dich zu verstehen. Du gibst dem Arzt den Hörer.

Ja, ein plötzlicher Fieberschub, ohne Vorwarnung. Hoch belastend für die ohnehin angegriffenen Organe. Wir sind noch bei der Analyse, das Labor arbeitet daran. Kann eine Folge der Chemotherapie sein. Auch eine Infektion ist möglich. Wir melden uns, wenn wir Genaues wissen.

Und wieder sitze ich da, das Telefon in der zitternden Hand. Es ist schon spät, dunkel und viel zu still. Es sah doch in den letzten Tagen ganz gut aus. Etwas Besserung war spürbar. Und nun?

Gott bitte - wenn du uns helfen willst: Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt.
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Beitragvon Esperanza » 30.12.2006, 11:31

Die Infektionswerte sind deutlich gesunken. Es wurde von Stunde zu Stunde besser. Wir kennen weder den Auslöser des Fieberschubs, noch den Grund für die deutliche Besserung. Geben sie uns zur Sicherheit noch ein paar Stunden Zeit. Wenn die Werte so bleiben, haben wir gegen einen Feiertagsurlaub nichts einzuwenden.

Was für eine Nacht, was für ein Morgen! Ich bin unendlich glücklich und dankbar für diese schnelle Wendung. Die Ärzte wollten es gar nicht glauben, aber die Tatsachen stehen fest: Alle Werte im guten Bereich.

Wenn die Werte so bleiben, kannst du bis zum nächsten Zyklus der Chemotherapoie nach Hause und dich hier erholen, wieder zu Kräften kommen.

Gott, ich danke dir von Herzen! Auch für alle, die mit uns gebetet haben. Und bitte: Gib mir Kraft, dieses häufige Auf und Ab auszuhalten.
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