"Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beiträge zur NAK-Geschichte

Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon philipp » 09.07.2010, 12:44

Cemper hat geschrieben:In den Tagen seines Abschieds hat er ... erklärt, dass an der hiesigen Universität ... nur Leute wären, die man nicht wirklich ernst nehmen könne.

Das sagen manche anderen Menschen auch über ihresgleichen - auch außerhalb von Universitäten - aus welchen Gründen/auf welchen Grundlagen auch immer. :? 8)

*sorry - s' is warm heut*
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Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon Kati » 09.07.2010, 20:57

Guten Abend Cemper,

in Ihrem längeren Beitrag auf der ersten Seite wundern Sie sich, warum die Botschaft von so manchem (ehemaligen) NAK-Mitglied noch immer so wichtig genommen wird. Sie reihen die Bischoff-Botschaft ein in eine lange Reihe anderer Endzeit-Erwartungen. Damit haben Sie sicher völlig Recht; die Bischoff-Botschaft ist nur für einen verschwindend kleinen Teil der Menschheit relevant; selbst in der NAK interessieren sich viele nicht wirklich dafür und wünschen sich einfach nur Ruhe.

Das ist auch das gute Recht eines jeden, nicht ständig mit Themen konfrontiert zu werden, die erstens lange vorbei sind und zweitens ihn nicht betroffen oder berührt haben.

Auf der anderen Seite ist es aber doch das Recht eines jeden Betroffenen und auch eines jeden Interessierten, dieses Thema für sich aber aufzuarbeiten, und das kann er auch von der Institution verlangen, die maßgeblich an der Mythenbildung der Botschaft beteiligt war.

Als jemand, der keine Gefühle in dieses Thema investieren muss, lässt sich leicht fragen: "Was regen die sich nach 50 Jahren noch so darüber auf?"

Jemand, dessen Leben aber davon geprägt ist, dem bei Nichtglauben der Botschaft Repressalien drohten und der bisher niemals eine offizielle befriedigende Antwort für sich erhalten hat, hat aber wesentlich größere Schwierigkeiten das Thema Botschaft gelassen zu sehen.

Ähnliches kann man jetzt z. B. bei den Missbrauchsfällen in den letzten Jahrzehnten in den Klosterschulen und Internaten beobachten; viele Betroffene schaffen es erst das Thema für sich abzuschließen, wenn das Unrecht, was Ihnen getan wurde, offiziell benannt und gewürdigt wurde.

Und dann gibt es Menschen, die zwar nicht direkt betroffen sind, aber die das Unrecht, das den anderen getan wurde, nicht kalt lässt. Die fordern Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit.

Auch wenn die kleine NAK global gesehen mit ihrer alten Botschaftsproblematik für das gesellschaftspolitische Tagesgeschehen keine Rolle spielt; die Betroffenen und Fragenden sollten doch wohl ein Recht auf Aufklärung und Wahrhaftigkeit haben? Und sicher auch ein Recht auf Anerkenntnis Ihres Leides. Nur so wird ihre verletzte Würde geheilt. Das mag ein unbedeutender Schritt für die Menschheit sein; für die Betroffenen ist das aber ein großer Schritt weg von der Vergangenheit und hin in eine persönliche Zukunft.

Darüber hinaus kann ein offener und bußfertiger Umgang der jetzigen Kirchenleitung mit der Botschaft und den Betroffenen die Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit in die Kirche nur stärken.

Nicht aufgearbeitete Vergangenheit führt nicht in die Zukunft, sondern ins Leere.

Freundliche Grüße
Kati
Zuletzt geändert von Kati am 09.07.2010, 21:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon Kati » 09.07.2010, 21:26

...noch eines lieber Cemper,

Sie fragen sich auch, warum viele ehemalige NAKler nach ihrem Ausstieg plötzlich über die Dinge so hart urteilen, an die sie früher selbst geglaubt haben.
Sie fragen, warum die Leute denn nicht auch mal selbst nachgedacht haben.

Ich will mal platt antworten: So geht es zu in totalitären Systemen.
Ich höre nun die Aufschreie aus allen Richtungen und möchte daher etwas modifizieren:

Die NAK war und ist noch immer und einigen Teilen, Bezirken oder Gemeinden totalitär. In anderen Bereichen mag sie wiederum offen und tolerant sein; aber in kleinen Teilen ist sie sogar heute noch totalitär und weist Sektenstrukturen auf..

Menschen, die von dem totalitären Teil der NAK geprägt sind, hatten/haben oft wenig Gelegenheit über den Tellerrand zu sehen. Es gab/gibt für sie nur eine einzige Wahrheit, und die wird von der NAK verkündet. Alles andere ist Teufelszeug. Nachdenken wurde vom totalitären Teil der NAK immer als nicht gut verurteilt. Selbst St. Leber lässt neulich noch in der UF verkünden, dass die Kirchenlehre zwar nicht mehr im Widerspruch zur wissenschaftlichen Evolutionsforschung stehen solle; aber er rate doch vor allzu vielem Nachforschen ab...Wer die Kirche verlässt/ sich von den NAK Aposteln abwendet, erleidet Schiffbruch...usw. Diese Prägungen gingen und gehen teilweise sehr tief und sind eben in Einzelfällen Symptome klassischen Sektentums. Dem entsprechend leiden die Betroffenen eben auch unterschiedlich: Manche stark und andere auch gar nicht. Erst nachdem manche den Blick über den Tellerrand gewagt haben, fühlen sie sich (oft nachträglich) um vieles betrogen. Und teilen sich öffentlich mit.

Das mag manchmal laut und polemisch und kleinlich sein; aber es hilft ihnen und ist oft ihre einzige Möglichkeit ihrer Verletztheit Ausdruck zu geben. Denn die Erfahrung zeigt ja, dass eine Aufarbeitung mancher "alter Zöpfe" innerhalb der Kirche in großen Teilen nicht möglich ist.

Lieber Cemper, nichts für ungut; aber rational ist dieses Phänomen nicht zu erklären. Ich fürchte, Sie als Außenstehender können die Tragik in manchen NAK Lebenswegen nicht wirklich nachvollziehen.

Amen und Gute Nacht :wink:
Kati
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Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon Cemper » 09.07.2010, 21:42

Liebe Kati,

ich habe wegen der hier geführten Diskussion einer Frau aus meiner Verwandtschaft, einer Lehrerin, Konf. neuap., Jahrgang 1950, geschrieben und sie gefragt, ob sie mir einmal mit wenigen Sätzen beschreiben würde, welche Erinnerungen sie an die Zeit der Botschafts-Probleme hat. Die Antwort ist heute per Mail gekommen. Ich kopiere einen Auszug. Das damals zehnjährige Mädchen - die jetzt erwachsene Frau - schreibt:

"Ich kann mich daran erinnern. Ich dachte aber, es sei im August 1961 gewesen. Was ich aus meiner Kindheit mit diesem Datum als sehr gravierend in Erinnerung habe, ist dann wahrscheinlich der Mauerbau 13./14. Aug. 1961?

An die Vernichtung der Glaubwürdigkeit der Botschaft durch den Tod des StA Bischoff kann ich mich sehr gut erinnern. Unsere Mutter lag nur noch im Bett und heulte, war wie gelähmt. Ich konnte es nicht so richtig nachvollziehen, weil ich wohl nicht verstand, welche Tragweite dieser Tod hatte. Ich erinnere mich nur, dass unsere Mutter dachte, jetzt, jetzt würde die Verheißung wahr werden. Sie war so ratlos. Ich hab ihr jedenfalls in meiner kindlichen Einfalt geraten, sich überraschen zu lassen. So wie bei einem Geburtstagsgeschenk. Also: Abwarten und Tee trinken."

Das ist doch eine interessante Antwort. Diese Frau - die heute ein "normales" Kirchenmitglied ist und sich über manche Probleme nicht mehr aufregt - hat sich mit dem "Jahrestag" offenbar nicht befasst und davon in ihrer Kirchengemeinde und anderweitig nichts gehört. - Die Gemeinde ist übrigens eine Gemeinde mit einem erstaunlich hohen Bildungs- und Ausbildungsniveau - mehrere Amtsträger sind promovierte Herren oder sogar Hochschullehrer (Ausnahme: der Vorsteher - ein einfacher und geschätzter Mann).

Eine andere Frau hat mir eine ganz andere Antwort gegeben. Sie sagte: "Ich war damals ein kleines Kind. Wenn ich mich richtig erinnere, waren in meiner Familie alle froh, dass dieser Spuk vorbei war und man normal leben konnte."

Ich antworte Ihnen mit diesen beiden Beispielen, weil sie zeigen, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen waren. Angesichts dieser Differenzen bin ich nicht bereit, die "Schuld" oder die "Verursachung von Problemen" immer jenseits der von den damaligen Schwierigkeiten betroffenen Menschen zu sehen. Ich habe aber Verständnis für die seelischen Nöte mancher neuap. Christen. Im Klartext heißt das: Ich stimme Ihrer Skizze zu und versuche, mit dem Ziel der Objektivierung zu differenzieren und zu relativieren.

Aus Zeitgründen nur dies. Näheres können wir übernächste Woche austauschen.

Halleljua und gute Nacht.

Cemper
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Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon Kati » 09.07.2010, 21:51

...sicher sind Schuld und Verantwortung nicht immer an andere abzuschieben.

Und doch hat die NAK heute die Verantwortung, sich den Fragen zur Vergangenheit (und Gegenwart) zu stellen.

Es geht weniger um Schuld als um Aufrichtigkeit.

Noch einmal gute Nacht,
bin dann erst mal für ein paar Tage fort...
Kati
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Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon Cemper » 09.07.2010, 22:09

Ja - diese kleine Kirche steht in dieser Verantwortung. Aber was heißt das denn? Was ist gemeint, wenn Sie sagen "sich den Fragen zur Vergangenheit (und Gegenwart) zu stellen"? Die Anerkennung der Tatsache, dass die Neuap. Kirche als Institution in einer Verantwortung steht, ist keine Antwort auf die Frage, wie man dieser Verantwortung gerecht werden kann. Wie kann man das denn? Kann ein sachkundiger Zeitgenosse heute eine ekklesiogene Neurose bei nicht mehr lebenden Menschen diagnostizieren? Kann jemand nachweisen, was tatsächlich passiert ist? Wie soll man denn die Interdependenzen zwischen Kirchenleitung und Gläubigen erforschen - die Menschen leben doch nicht mehr (von Ausnahmen abgesehen).

Kati - ich habe manchmal den Eindruck, dass diejenigen, die von der Neuap. Kirche eine Lösung dieses Problems erwarten, Menschen sind, die immer noch nicht begriffen haben, dass sie selber die Verantwortung für ihr Christsein haben und dass sie immer noch - ich sage es mal so knapp - eine geheime Sehnsucht nach dem großen Führer haben.

C.
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Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon johnnelsonjun » 10.07.2010, 17:25

Cemper hat geschrieben:Kati - ich habe manchmal den Eindruck, dass diejenigen, die von der Neuap. Kirche eine Lösung dieses Problems erwarten, Menschen sind, die immer noch nicht begriffen haben, dass sie selber die Verantwortung für ihr Christsein haben und dass sie immer noch - ich sage es mal so knapp - eine geheime Sehnsucht nach dem großen Führer haben.

C.


Herr vergib ihm, denn er weiß nicht, was er da schreibt.

Meine Güte Cemper,

die Menschen, die vom "neuapostolischen Kaiser, der keine Kleider an hat", erwarten, dass er genau das endlich selbst realisiert und zugibt, die haben keine geheime Sehnsucht nach einem großen Führer. Ganz im Gegenteil - die wissen nämlich, dass der Kaiser keine Kleider an hat.

JNj. :wink:
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Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon maijken » 11.07.2010, 08:29

Cemper hat geschrieben:(...) Die Gemeinde ist übrigens eine Gemeinde mit einem erstaunlich hohen Bildungs- und Ausbildungsniveau - mehrere Amtsträger sind promovierte Herren oder sogar Hochschullehrer (Ausnahme: der Vorsteher - ein einfacher und geschätzter Mann).



Ja, bei "uns hier"ist das ganz ähnlich... zwei promovierte Bezirksleiter...Dr.-Ing...intelligente Menschen...der eine hat mir erst vor kurzem erzählt, er hätte ein Buch des Papstes gelesen: "sehr interessant", aber ich habe den Endruck, diese Lektüre wurde postwendend irgenwie ins eigene NAK-Weltbild eingepasst und hat zu keinen größeren Reflexionen desselben geführt...

Ich bin übrigens auch so eine "Ehemalige", die es leider nicht schafft, ihre Vergangenheit emotionslos hinter sich zu lassen um sich freudig neuen Ufern zuzuwenden..vielleicht weil ich total sauer bin, dass es die Dumpfbacken geschafft haben, sich auf breiter Ebene durchzusetzen und mir kein Lebensraum in der von mir vormals sehr geliebten Kirche geblieben ist...

So, jetzt höre ich mir Klepper-Lieder an und danach geht es mir sicher wieder besser...

sonntägliche Grüße,
maijken
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in fraglichen Dingen die Freiheit
in allem die Liebe" (Augustinus)
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Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon damkina » 11.07.2010, 17:45

Ich weiss, die NAK glänzt seit einiger Zeit gerne mit Doktortiteln und ähnlichem bei ihren Mitgliedern und Amtsträgern. Aber was weiss ein Dr.med. oder ein ebensolcher Chemiker schon mehr von Gott oder Jesus als einer ohne Vorzeigetitel. Ein Mensch mit vielen medizinischen Büchern und Bildung, kommt eher zum Schluss, daß es eben nach dem Tod nichts mehr gibt - was bringst dann ? Ist Dr. Leber theologisch ausgebildet ? weiss er von was er redet oder ist er hoffnungslos auf den HG angwiesen, wenn der denn auch mal zu ihm kommen sollte ?
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Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon heinrich » 12.07.2010, 12:23

Ist Dr. Leber theologisch ausgebildet ? Weiss er, von was er redet oder ist er hoffnungslos auf den HG angewiesen, wenn der denn auch mal zu ihm kommen sollte ?


Bon jour, Damkina.

Meines Wissens ist Herr Dr. Leber promovierter Mathematiker und keinesfalls ein studierter Theologe. Und ob er immer weiss, von was er redet, mag ein jeder selbst beurteilen….. :D

Gruss aus dem heissen Süden,
Heinrich
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Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon Püdi » 12.07.2010, 12:49

maijken hat geschrieben:
Cemper hat geschrieben:(...) Die Gemeinde ist übrigens eine Gemeinde mit einem erstaunlich hohen Bildungs- und Ausbildungsniveau - mehrere Amtsträger sind promovierte Herren oder sogar Hochschullehrer (Ausnahme: der Vorsteher - ein einfacher und geschätzter Mann).



Ja, bei "uns hier"ist das ganz ähnlich... zwei promovierte Bezirksleiter...Dr.-Ing...intelligente Menschen...der eine hat mir erst vor kurzem erzählt, er hätte ein Buch des Papstes gelesen: "sehr interessant", aber ich habe den Endruck, diese Lektüre wurde postwendend irgenwie ins eigene NAK-Weltbild eingepasst und hat zu keinen größeren Reflexionen desselben geführt...

Ich bin übrigens auch so eine "Ehemalige", die es leider nicht schafft, ihre Vergangenheit emotionslos hinter sich zu lassen um sich freudig neuen Ufern zuzuwenden..vielleicht weil ich total sauer bin, dass es die Dumpfbacken geschafft haben, sich auf breiter Ebene durchzusetzen und mir kein Lebensraum in der von mir vormals sehr geliebten Kirche geblieben ist...

So, jetzt höre ich mir Klepper-Lieder an und danach geht es mir sicher wieder besser...

sonntägliche Grüße,
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Ja, dieser Anflug von Zwangsprotestantismus ist in manchen Bereichen der NAK schon gravierend.
Bier ist der Beweis, dass Gott uns liebt und will, dass wir glücklich sind.
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Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon Kati » 12.07.2010, 13:04

Cemper hat geschrieben:Ja - diese kleine Kirche steht in dieser Verantwortung. Aber was heißt das denn? Was ist gemeint, wenn Sie sagen "sich den Fragen zur Vergangenheit (und Gegenwart) zu stellen"? Die Anerkennung der Tatsache, dass die Neuap. Kirche als Institution in einer Verantwortung steht, ist keine Antwort auf die Frage, wie man dieser Verantwortung gerecht werden kann. Wie kann man das denn? Kann ein sachkundiger Zeitgenosse heute eine ekklesiogene Neurose bei nicht mehr lebenden Menschen diagnostizieren? Kann jemand nachweisen, was tatsächlich passiert ist? Wie soll man denn die Interdependenzen zwischen Kirchenleitung und Gläubigen erforschen - die Menschen leben doch nicht mehr (von Ausnahmen abgesehen).

Kati - ich habe manchmal den Eindruck, dass diejenigen, die von der Neuap. Kirche eine Lösung dieses Problems erwarten, Menschen sind, die immer noch nicht begriffen haben, dass sie selber die Verantwortung für ihr Christsein haben und dass sie immer noch - ich sage es mal so knapp - eine geheime Sehnsucht nach dem großen Führer haben.

C.


Lieber Cemper,

sich den Fragen der Vergangenheit zu stellen, bedeutet nicht nur, den unsäglichen Drave-Vortrag aus dem Netz zu nehmen, "weil man keinen Stein des Anstoßes bieten möchte". St.AP Leber hat neulich auf der offiziellen Kirchenseite über den St. Bischoff geschrieben, dass er ihm als Kind immer als Heiliger vorgekommen sei und er erst viel später gemerkt habe, dass auch Bischoff nur ein Mensch gewesen sei. Ich habe aus diesem Artikel wieder die unbedingte Hochstellung gelesen; zwar gab Leber zu, dass Bischoff nur ein Mensch gewesen sei, aber er unterstrich das Heilige und Herausragende. Es mag von Leber anders gemeint gewesen sein, ich habe diesen Artikel so verstanden.

Wissen Sie, es geht nicht darum, aus Bischoff nun nachträglich einen Verbrecher oder Verführer zu machen; es geht schlicht darum, ihn und ebenso die anderen "alten Glaubensmänner" nicht immer nur als heilige unfehlbare Männer darzustellen, sondern durchaus auch zuzugeben, dass da eben sehr viel Menschliches war; nicht nur im Privaten, sondern auch in den GDs und kircheninternen Prozessen.

Sie und ich und viele andere wissen das; aber nicht alle, die jahrzehntelang nichts anderes als NAK Exklusivismus-Apostelvergottung-alles-andere-ist-vom-Teufel erlebt haben, können sich so einfach daraus befreien.

Lieber Cemper,
es geht auch nicht darum, von der KL eine Lösung zu verlangen; es gibt keine Lösung, nach der alles gut wäre.

Aber Offenheit wäre fair. Nicht über Gebötlein oder vielleicht jetzt über ein Botschafts-Dogmalein spotten, dass hier und da zu ernst genommen worden ist, sondern anerkennen, dass viele viele Amtsbrüder - geprägt durch ihre Apostel - den Geschwistern diesen Gehorsam abgepresst haben wider den menschlichen Verstand und wider christliches Erbarmen.

Das zuzugeben und daraus für die Gegenwart zu lernen, ist meines Erachtens vielleicht der anstrengendste aber der aufrichtigste Weg, den die Kirche gehen kann.

Es geht nicht darum, heute bis ins Kleinste nachzuweisen, wer wann was gesagt und geglaubt hat, wie. Ich denke, dass es genügend Schriften, GD-Berichte und auch Zeitzeugenaussagen gibt, die aussagekräftig sind. Selbstverständlich muss das alles auch im geschichtlichen Zusammenhang gesehen werden, also auch die allgemeinen Ängste nach dem Krieg, der Wunsch nach Erlösung und Führung berücksichtigt werden.

Man könnte noch viel dazu schreiben, aber alles das ist ja schon oft durchgekaut worden; ich hoffe aber, Sie verstehen, was ich meine.

Draußen gewitterts...

Undogmatische Grüße
Kati
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Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon Kati » 12.07.2010, 13:44

Cemper hat geschrieben:Was ist gemeint, wenn Sie sagen "sich den Fragen zur Vergangenheit (und Gegenwart) zu stellen"? (...)
Kati - ich habe manchmal den Eindruck, dass diejenigen, die von der Neuap. Kirche eine Lösung dieses Problems erwarten, Menschen sind, die immer noch nicht begriffen haben, dass sie selber die Verantwortung für ihr Christsein haben und dass sie immer noch - ich sage es mal so knapp - eine geheime Sehnsucht nach dem großen Führer haben.

C.


...meine Meinung zum Umgang mit den Fragen der Vergangeheit habe ich Ihnen eben geschrieben. Nun zur Gegenwart, und natürlich immer aus meiner ganz subjektiven Sicht:

Viele ehemalige NAKler haben glaube ich ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich: Irgendwann gab es den Punkt, an dem man begann nachzudenken, an dem man so manche Phrase hinterfragte und quasi das Gehirm einschaltete.

Und dann wird es bei sehr vielen auch den Punkt gegeben haben, an dem man sich mit so einigen Fragen "vertrauensvoll an seinen Segensträger" wandte; und dann die Hilflosigkeit der Amtsträger spürte. Außer einem "Du musst das einfach glauben können", bekam ich keine Antworten.

Es gab keine oder nur sehr oberflächliche inhaltliche Auseinandersetzung im Sinne eines konstruktiven Dialogs. Es gab eigentlich nur: Friss oder geh (nicht stirb :wink: ).

Und das sowohl von gut gebildeten als auch von einfachen Amtsträgern. Auch Apostel können wunderbare nichtssagende Plattidüden von sich geben...

Lieber Cemper,
ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass die NAK auch lieber das bequeme und etwas dumme Glaubensvolk hat, die anderen sollen bloß gehen. Die Bequemen und Dummen zahlen meistens auch brav ihr Opfergeld und sind dankbar für stimmungsvolle Wohlfühl-Gottesdienste. Denen kann man dann weiter ohne nervige Nachfragen von der Wichtigkeit des Apostelamtes erzählen.

So interpretiere ich jedenfalls die Artikel in der UF, die sich ja eher an einfach gestrickte Klientel zu wenden scheinen. Der Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man vom Stammapostel liest: "...ich rate von zuviel Nachdenken und Nachforschen ab".

Es bleiben also die gleichen Denk- und Verhaltsmuster wie vor 50 Jahren: Es werden Behauptungen oder Lehren aufgestellt, und das Glaubensvolk soll es gehorsam schlucken. Und das kommt direkt von der Kirchenführung (trotz hoher Bildung) und setzt sich natürlich bis in die Gemeinden fort.

Einiges mag moderner geworden sein; es gibt Sat-Schüsseln auf dem Dach und Amtsträger im Konkubinat (welch ein schlimmes Wort); den Mitgliedern wird noch immer der Heilige Geist gespendet, aber die selbstständige Anwendung des Heiligen Geistes wird misstrauisch beäugt.

Mir ist klar, dass ich hier sehr verpauschaliere, und sich mancher NAKler verletzt fühlt; aber so habe ich die NAK erlebt und zwar in mehreren Gemeinden und Bezirken. Es ist warm und kuschelig in den Gemeinden; aber Nachdenken ist eher hinderlich.

Ich glaube übrigens nicht, dass sie sich da ändern wird. So kann die NAK weiter Heimat für diejenigen sein, die sich genau so wohl fühlen, wie die Kirche jetzt ist (das meine ich ohne Spott); und die sich nicht davon angesprochen fühlen, können ja wirklich gehen. Es gibt noch viel Schönes zu entdecken!

Das ist meine bescheidene und subjektive Meinung; für andere kann das ganz anders sein.

Freundliche Grüße
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Re: "Wir schweigen und gehen unseren Weg."

Beitragvon manfredo » 12.07.2010, 17:39

So interpretiere ich jedenfalls die Artikel in der UF, die sich ja eher an einfach gestrickte Klientel zu wenden scheinen. Der Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man vom Stammapostel liest: "...ich rate von zuviel Nachdenken und Nachforschen ab".


Er begeistert immer wieder neu, mit schier seltsamen Sprüchen und das wird auch noch abgedruckt und veröffentlicht :motz:

"...ich rate von zuviel Nachdenken und Nachforschen ab".
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