USTER-ABEND

Beiträge zur NAK-Geschichte

Re: USTER-ABEND

Beitragvon Cemper » 10.12.2010, 10:25

Fragen Sie doch mal die Gesellschaft: das Publikum
Ob ich gläubig bin? Das weiß nur Gott allein.
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Re: USTER-ABEND

Beitragvon Heidewolf » 10.12.2010, 11:51

Ist die Gesellschaft in deinen Augen nun krank oder dumm? Im zweiten Fall, fürchte ich, gibt es keine Hilfe.


Ich erlaube mir mal, dazu folgendes anzumerken.
Unsere Gesellschaft würde sich das nicht gefallen lassen, was der franz. Präsident seinem Volke zumutet. Insofern, auch wegen K21, bin ich mit unserem System, manchmal zähneknirschend, noch zufrieden, auch mit dem Volk.

Wie zeigt uns doch holy das an:
"Man kann kein Vaterland haben, wenn man nicht auch mit seinen Spießbürgern
und Nachtwächtern zu leben bereit ist."
Karl Rahner
Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen, denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. (Matthäus 23,8-12)
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Re: USTER-ABEND

Beitragvon a cappella » 10.12.2010, 15:06

Hallo Heidewolf,
was speziell in Frankreich meinst Du?

Cemper,
das Publikum wird wohl kaum die richtige Antwort geben.

tar_gawan
Vielleicht beides? :mrgreen:

LG in die Runde,
a c.
a cappella
 

Re: USTER-ABEND

Beitragvon Cerebron » 10.12.2010, 15:41

Zum Publikumsjoker:

Schiller hat geschrieben:Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn,
Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen.
Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat?
Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?
Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,
Um Brot und Stiefel seine Stimm verkaufen.
Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen;
Der Staat muß untergehn, früh oder spät,
Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.

Klick
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Re: USTER-ABEND

Beitragvon Cemper » 10.12.2010, 17:58

Wie hätten wir's denn gern?

BISMARCKSCHE REICHSVERFASSUNG

Präambel
Seine Majestät der König von Preußen im Namen des Norddeutschen Bundes, Seine Majestät der König von Bayern, Seine Majestät der König von Württemberg, Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Baden und Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein für die südlich vom Main gelegenen Theile des Großherzogtums Hessen, schließen einen ewigen Bund zum Schutze des Bundesgebietes und des innerhalb desselben gültigen Rechtes, sowie zur Pflege der Wohlfahrt des Deutschen Volkes. Dieser Bund wird den Namen Deutsches Reich führen und wird nachstehende Verfassung haben.

WEIMARER REICHSVERFASSUNG

Präambel
Das Deutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuen und zu festigen, dem inneren und dem äußeren Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern, hat sich diese Verfassung gegeben.

Artikel 1
(1) Das Deutsche Reich ist eine Republik.
(2) Die Staatsgewalt geht vom Volke aus.


Artikel 109
1) Alle Deutschen sind vor dem Gesetze gleich. Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.
(2) Öffentlich-rechtliche Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes sind aufzuheben. Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden.

ERMÄCHTIGUNGSGESETZ 1933

1. Reichsgesetze können außer in dem in der Reichsverfassung vorgesehenen Verfahren auch durch die Reichsregierung beschlossen werden. Dies gilt auch für die in den Artikeln 85 II und 87 der Reichsverfassung bezeichneten Gesetze.
2. Die von der Reichsregierung beschlossenen Reichsgesetze können von der Reichsverfassung abweichen, soweit sie nicht die Einrichtung des Reichstags und des Reichsrats als solche zum Gegenstand haben. Die Rechte des Reichspräsidenten bleiben unberührt.
3. Die von der Reichsregierung beschlossenen Reichsgesetze werden vom Reichskanzler ausgefertigt und im Reichsgesetzblatt verkündet. Sie treten, soweit sie nichts anderes bestimmen, mit dem auf die Verkündung folgenden Tage in Kraft. Die Artikel 68 bis 77 der Reichsverfassung finden auf die von der Reichsregierung beschlossenen Gesetze keine Anwendung.
4. Verträge des Reiches mit fremden Staaten, die sich auf Gegenstände der Reichsgesetzgebung beziehen, bedürfen für die Dauer der Geltung dieser Gesetze nicht der Zustimmung der an der Gesetzgebung beteiligten Körperschaften. Die Reichsregierung erläßt die zur Durchführung dieser Verträge erforderlichen Vorschriften.
5. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage seiner Verkündung in Kraft. Es tritt mit dem 1. April 1937 außer Kraft, es tritt ferner außer Kraft, wenn die gegenwärtige Reichsregierung durch eine andere abgelöst wird.

GRUNDGESETZ FÜR DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

Präambel
Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben. Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.

Artikel 20
(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Ein schönes Wochenende
- und denken Sie im Gottesdienst an Art. 10 Glaubensbekenntnis NAK
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Re: USTER-ABEND

Beitragvon Heidewolf » 10.12.2010, 18:50

Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen, denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. (Matthäus 23,8-12)
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Re: USTER-ABEND

Beitragvon a cappella » 10.12.2010, 22:04

Hallo Heidewolf,
ich sehe nicht, wo unsere Politiker besser sind. Wenngleich der französische Staatspräsident nicht gerade mein Favorit ist.

Lieber Cemper,
ja, alle Gewalt geht vom Volk aus. Das bedeutet aber auch, dass zuvor alle Gewalt dem Volk gegeben ist. Ist das nicht entsetzlich?
Und weiter: Alle Gewalt geht vom Volk aus. Aber dann ist sie weg. Das hat gute und schlechte Seiten.
Und zuletzt: Wenn die Gewalt ausgegangen ist, kommt sie wieder zurück? Und wenn ja, wie und wozu?

Fragen über Fragen.
Liebe Grüße,
a cappella
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Re: USTER-ABEND

Beitragvon Heidewolf » 10.12.2010, 22:37

Naja, bei uns kosten solche Affären meistens den Job, siehe Ulla Schmidt, Christian Schwerdfeger, Peter Hartz, Klaus Volkert, Margot Käßmann und viele andere.
Und Justiz und Presse funktionieren dabei besser. Wir sollten das Thema abschließen; obwohl, wenn man vom Thema ablenkt, kommt man drauf, das auch Uster und Zürich sein Gutes haben. Unsauberkeiten werden bestraft.
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Re: USTER-ABEND

Beitragvon Cemper » 10.12.2010, 22:44

Lieber a cappella - zu Ihrem Eintrag oben über Heidi:

Die klassische Frage hat Brecht gestellt. Er verwies auf den Satz "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus" und fragte dann: "Aber wo geht sie hin? ..." - Ja, wohin geht sie? Adolf Arndt - ein bemerkenswerter Jurist - hat die Frage so beantwortet: "Gegeben ist uns nicht das Recht, sondern die Rechtlosigkeit; das Recht ist uns aufgegeben." Hier wird Recht als Aufgabe gesehen und zugleich zwischen den Zeilen angezeigt, dass wir uns aufgeben, wenn wir die Arbeit an dieser Aufgabe aufgeben. Die Aufgabe dieser Aufgabe wäre der Verzicht auf Recht, dessen vornehmste Aufgabe der Schutz der Schwachen ist und das wir - mit Radbruch - definieren können als "Wille zur Gerechtigkeit". Das wäre - durchaus oberflächlich - auch eine Antwort auf Ihre jüngsten Einträge zu gesellschaftlich-politischen Fragen.

Jetzt nur das. Es ist spät. Und ich bin ... sagen wir mal: müde.

HC
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Re: USTER-ABEND

Beitragvon a cappella » 11.12.2010, 09:46

Lieber Heidewolf,
ich denke, dass Du Dinge vergleichst, die man nicht vergleichen kann.
Wir hatten und haben immer wieder Politiker, die sich Vergleichbares leisten. Die Frage ist immer, wie fest sie im Sattel sitzen.
Bei uns gehen meiner Auffassung nach oft die Falschen, weil wir uns seit 1945 eine geradezu lächerliche Betroffenheitskultur angewöhnt haben. (Wie es vorher war, kann ich nicht beurteilen.) Und dabei sehen wir über vieles hinweg, was man wirklich ändern müsste. (Womit ich nicht ausdrücken möchte, dass Politiker sich solche Dinge leisten sollten! Der Idealfall wäre natürlich, dass man Idealen auch folgt.)
Deinem Schlusssatz kann ich allerdings nur zustimmen!

LG,
a c.
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Re: USTER-ABEND

Beitragvon a cappella » 11.12.2010, 09:49

Lieber Cemper,
Sie scheinen mir mit Ihrer Antwort etwas zu verschleiern, was Sie sicher wissen.
Das Recht schafft keine Gerechtigkeit. Dafür ist es auch nicht da. Es schafft einen Rechtsfrieden. (Und das oft genug nicht.)
Und ich sehe nicht, wo Juristen das Publikum befragen, was sie wohl zu tun hätten.

Aber das nur mal kurz, ich bin, sagen wir, in Eile. :wink:
Liebe Grüße,
a cappella
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Re: USTER-ABEND

Beitragvon Cemper » 14.12.2010, 09:26

Lieber a cappella,

"verschleiern" möchte ich das nicht nennen. Sehen Sie - wenn ich durch die Seminarbibliotheken Rechtswissenschaft und Sozialwissenschaften gehe, blicke ich auf kilometerlange Buchreihen mit tausend und abertausend Büchern, in denen die zwischen uns mit kleinsten Gedankensplittern angedeuteten Zusammenhänge bis in die hinterletzten Winkel ausgeleuchtet sind. In den zehn oder 100 Zeilen, die wir hier schreiben, kann ja nur wenig gesagt werden. "Verschleiern" ist das nicht.

Ansonsten: Sie haben recht. Es gibt manches, was ich - wenn auch nur zufällig - weiß. So weiß ich zum Beispiel, dass es nicht richtig ist, wenn Sie sagen, dass das Recht keine Gerechtigkeit schafft. Ich weiß aber auch, dass man nicht sagen kann, dass Recht würde Gerechtigkeit schaffen. Mit anderen Worten: Wir sitzen sozusagen zwischen den Stühlen und wundern uns oder lachen, wenn der Richter Azdak aus Brechts Kreidekreis ein Gesetzbuch verlangt und es nicht benutzt, um ordentlich zu subsumieren, sondern er braucht es, weil sein Stuhl so niedrig ist und er nicht gut sitzt - er setzt sich deshalb aufs Gesetzbuch.

Zu Ihrem Hinweis auf die Staatsgewalt weiter oben will ich Ihnen noch sagen: Sie und ich und alle sind Teil der Gesellschaft. Die Gesellschaft muss eine Ordnung haben - und nun beginnt das Theater. In diesem Theater muss der Satz "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus" mit Respekt und Kritik gesehen werden. Natürlich sind die Gewalt- und Herrschafts- oder Regierungsmechanismen - wie Sie es ja auch andeuten - kompliziert. Natürlich ist manches unerträglich. Aber das liegt nun mal in der Natur der Menschen (also auch in unserer) und in der Natur der Sache. Wir sollten aber nicht vergessen, dass der Rechtsstaat eine der ganz großen kulturellen Errungenschaften ist. Die Stärke der vielen einzelnen Menschen, die ihre Probleme zunächst mal selber regeln, und zwar - vereinfacht gesagt - mit dem Faustrecht, wird "abgegeben" an den Staat. Dadurch wird der Staat mächtig: übermächtig. Thomas Hobbes hat ihn mit dem biblischen
Begriff für ein mythologisches Seeungeheuer bezeichnet: Leviathan. Dieses Ungeheuer Staat muss an das Recht (an Gesetze) gebunden werden. Dadurch wird das Ungeheuer halbwegs berechenbar. Es gibt aber immer wieder Versuche, die Macht des Staates in den Dienst eigener Interessen zu stellen. Das ist Politik.

Und so weiter und so fort. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Ihr Cemper
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