Entwicklung der Glaubensartikel

Beiträge zur NAK-Geschichte

Beitragvon Mark » 31.07.2007, 08:04

Nun, inwieweit in den entsprechenden Ländern die Grenzen zwischen Schöntun und Lügen fließend waren ist eine Sache. Wie es aber die Vorgehensweise dort dann z.B. uns hier "verkauft" wurde, ist eine andere. Da stellt man fest, daß man mit den Gebötlein und Verbötlein belogen und betrogen wurde, dann hatt die Kirche einen hier und dort noch etwas angelogen, ... und das ist dann der vielgerühmte Geist der Wahrheit und der Klarheit? - Na, wenn´s denn scheen macht ...
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Beitragvon 42 » 31.07.2007, 08:14

Vielleicht gab es den Artikel wegen dem zweiten Passus >>soweit nicht göttliche Gesetze dem entgegenstehn<< ?

Gabi, ist Dir bewusst, dass auch dieser Glaubensartikel eine Entwicklung durchlaufen hat? Der Zusatz "soweit nicht goettliche Gesetze dem entgegenstehen" ist erst nach 1945 aufgenommen worden - warum wohl?

Abschaffen wollte die NAK ihn aber trotz der im Nachhinein offensichtlich erkannten Probleme nicht, die ein solcher fehlplatzierter Glaubensartikel verursacht hat.

chris: Der Glaubensartikel fordert meiner Meinung nach nicht zum Kuschen auf. Dies wird in der Neuformulierung doch deutlich!

Ja, und? Warum braucht es einen solchen Glaubensartikel, kannst Du stattdessen auf diese Frage eingehen?

Ich danke fuer die Antworten und die Beteiligung! Eine stichhaltige Begruendung, warum ein Glaubensbekenntnis diese Aussage enthalten muss, fehlt mir immer noch. Eher kann ich mich des Gefuehls nicht erwehren, dass er in den 30er Jahren aus bestimmten Gruenden aufgenommen worden ist, die NICHTS mit Gott und Religion zu tun haben.
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Beitragvon tergram » 31.07.2007, 08:28

42, ich wurde 1969 konfirmiert und habe noch den "alten" 10. Glaubensartikel gelernt (ich kann ihn heute noch auswendig):

Ich glaube, dass die Obrigkeit Gottes Dienerin ist, uns zugute. Und wer der Obrigkeit widerstrebt, der widerstrebt Gottes Ordnung, weil sie von Gott verordnet ist.

Die Änderung auf den heutigen Text ist nach meiner Erinnerung irgendwann in den 80-ern vollzogen worden.
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Beitragvon Gaby » 31.07.2007, 08:29

Hallo 42,

dass dieser Glaubensartikel vorher den zweiten Passus nicht hatte, war mir nicht bekannt. Erst als Marks verschwundenes Posting darauf hinwies, dass der zweite Passus vor 1980 nicht da war erfuhr ich davon.
Daraufhin googelte ich und fand dieses, was Du vielleicht übersehen hattest.

Gerade bei wikipedia gefunden:

>>Bischoff wurde 1930 zum Stammapostel berufen und begann rasch gute Beziehungen zum nationalsozialistischen Regime aufzubauen:

1933 fügte er in „Fragen und Antworten“, eine Art Katechismus der NAK, den 10. Glaubensartikel wieder ein: „Ich glaube, dass die Obrigkeit Gottes Dienerin ist uns zugute, und wer der Obrigkeit widerstrebt, der widerstrebt Gottes Ordnung, weil sie von Gott verordnet ist.“ (Römer 13) <<

Allerdings finde ich Chris seinen Einwand über

1933 fügte er in „Fragen und Antworten“, eine Art Katechismus der NAK, den 10. Glaubensartikel wieder ein:

das >>wieder<< auch berechtigt.

Weiß jemand, ob es diesen Passus in der katholisch-apostolischen Lehre gab - bzw. wer diesen Artikel zwischendurch entfernte?

Fragende Grüße

Gaby
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Beitragvon 42 » 31.07.2007, 08:39

Danke! Meine Formulierung war denkbar unpraezise, als ich geschrieben habe "nach 1945". Und wegen Frage der GA in den KAG, da muesste ich mal in den Verweisen stoebern, die jemand gestern (?) hier gebracht hat. Oder eben auch mal googeln.

tergraM: dann habe ich ja auch noch ... :oops: Mei schwerenot korz Gedaechtnis.
Zuletzt geändert von 42 am 31.07.2007, 09:07, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon tergram » 31.07.2007, 08:41

42 hat geschrieben:tergraM: dann habe ich ja auch noch ... :oops:
...was hast du? Schlecht auswendig gelernt? :lol:
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Beitragvon 42 » 31.07.2007, 08:45

Ich moechte zu meiner Verteidigung anfuehren, dass sich diese partielle Amnesie bestimmt erst spaeter ausgebildet hat und bitte um mildernde Umschlaege.

Zu Deiner Frage, Gaby, ich zitiere aus www.apostolisch.de:

Die Katholisch-Apostolischen Gemeinden kannten kein für sich selbst formuliertes Bekenntnis. Sie verstanden die altkirchlichen Bekenntnisse als die Symbole der Einheit der Christenheit. Die späteren Neuapostolischen Gemeinden gaben sich allerdings mit diesen Texten nicht mehr zufrieden. Die Überzeugungen neuapostolischer Christen mussten in einem eigenen Bekenntnis zum Ausdruck kommen.. Zum Neujahrstag 1908 gab der damalige Stammapostel Hermann Niehaus ein "Hülfsbuch für die Priester und Diener der Neuapostolischen Gemeinden für den Religions-Kinderunterricht" heraus, welches wohl hier und da bei manchen Geschwistern noch vorhanden ist. Soweit uns bekannt ist, wurde in diesem kleinen Buch zum ersten Mal das sogenannte 10-Artikel-Bekenntnis veröffentlicht. Es ist im grundsätzlichen Aufbau, wenn auch mit stark verändertem Inhalt bis heute das Glaubensbekenntnis der Neuapostolischen Kirche. Zur Unterscheidung von späteren abweichenden Texten wollen wir es hier das "erste" 10-Artikel-Bekenntnis nennen.
(..)
Im Artikel 10 wurde ein ausdrückliches Bekenntnis zur Obrigkeit formuliert. "Wer der Obrigkeit widerstrebt, der widerstrebt Gott." So hieß es in den Erläuterungen.


Die weiteren Veraenderungen sind auch bedenkens- und nachdenkenswert.
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Beitragvon remuen » 31.07.2007, 09:09

Auch der 9. Glaubensartikel erfuhr Änderungen, die wohl von den wenigsten Gläubigen je bemerkt wurden. Darin hiess es in der Version von 1914 (die 1938 leicht modifiziert, in der inhaltlichen Aussage jedoch gleich geblieben ist):

Ich glaube, dass der Herr Jesus wiederkommen wird, so gewiss wie er gen Himmel gefahren ist, und dass bei seinem glorreichen Erscheinen die Erstlinge aus den Toten und Lebenden, die auf sein Kommen gehofft haben, verwandelt und mit ihm vereinigt werden; ...

In der heute noch gültigen Version ab 1992 heisst es:

Ich glaube, dass der Herr Jesus so gewiss wiederkommen wird, wie er gen Himmel gefahren ist, und die Toten in Christo sowie die lebenden Brautseelen, die auf sein Kommen hofften und zubereitet wurden, verwandelt und zu sich nimmt, ...


Der Unterschied erscheint den meisten Lesern belanglos, jedoch berücksichtigt man, wer mit "Erstlinge" gemeint ist, wird der Unterschied gravierend. In den F&A, Ausgabe 1992, galt bis zur Änderungsmitteilung vom Nov 2005 folgende Definition: Sie sind versiegelt mit dem Geist Christi und haben in ihrem Leben unwandelbare Treue dem Herrn gegenüber bewiesen.

Mit anderen Worten: Von 1914 bis 1992 waren die Toten-Versiegelungen sozusagen für die Katze, denn Erstlinge und damit "Teilnehmer an der Ersten Auferstehung" konnten nur die sein, die in ihrem Leben unwandelbare Treue dem Herrn gegenüber bewiesen. Die Apostel haben also bei der Totentaufe und der Totenversiegelung während Jahrzehnten den 9. Glaubensartikel nicht berücksicht. Gemerkt hat's niemand, die Toten wurden versiegelt, ob sie es wollten oder nicht (mehr dazu unter Entschlafenenwesen der Neuapostolischen Kirche (Teil 2))

Gruss
René
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Beitragvon GG001 » 31.07.2007, 09:10

Es ist doch immer wieder aufschlussreich, die Entwicklungen in der eigenen Kirche zu verfolgen.

Mal sehen, ob das Motto zum 4. Dezember wird:

"Don't know much about history,
Don't know much about theology,
...
what a wonderful world it would be."

http://www.youtube.com/watch?v=Q6BI9XBHpu4
Zuletzt geändert von GG001 am 31.07.2007, 09:13, insgesamt 1-mal geändert.
Fuehre, folge - oder geh' aus dem Weg!
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Beitragvon Michael » 31.07.2007, 09:12

Darf ich meine Sicht der Dinge einmal darstellen?
Ich denke, dass hier über ein Dino diskutiert wird, der mit dem neuen Katechismus aussterben wird. Machen wir unsnichts vor, die GA´s, so wie der gesamte Komplex F&A ist in vielen Bereichen überholt und es wird innerhalb der NAK auch kaum ein Wort darüber verloren. Mal ehrlich: diesen Obrigkeitspassus habe ich in der Kirche das letzte mal gehört, als ich im Konfirmandenunterricht gewesen bin. Ich bin mir sehr sicher, dass im neuen (ersten) Katechismus viele "Karteileichen" nicht mehr zu finden sein werden. Zumindest hoffe ich es. Denn sonst ist es nicht mehr meine NAK. Vieles was derzeit gelebt wird, geht an den altertümlichen Schriften und Formulierungen vorbei. Insofern finde ich diese Diskussion interessant, aber sie handelt um die Vergangenheit.

LG
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Beitragvon Gaby » 31.07.2007, 09:42

Lieber Michael,

der 4. Glaubensartikel bezüglich heilsnotwendiges Apostelamt (Versiegelung von der Taufe abgekoppelt) und Sündenvergebung NUR durch das Apostelamt möglich, ist aber kein Dino wie Du es nennst - im Gegenteil, dies wurde erst sehr viel später in diesem Sinne so formuliert - früher wurden andere Christen nicht ausgegrenzt.
Wie stehst Du dazu?

Fragende Grüße

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Beitragvon Clemens » 31.07.2007, 09:46

Hallo Gaby,

Apropos 10. Glaubensartikel:

Dieser wurde von dem Monarchisten Niehaus zu Beginn der Weimarer Republik entfernt, und von Bischoff anno 33 wieder eingeführt. Krotesk.
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Beitragvon Michael » 31.07.2007, 09:58

Liebe Gaby,

mit Dino meinte ich in allererster Linie,den 10. GA. Ich denke, dass sich dieser nicht wiederfinden wird. Die anderen GA´s sind zumindest in ihren Formulierungen sehr altbacken. Vielleicht hinkt der Begriff Dino ein wenig.
Auf Deine konkrete Frage nach dem 4. GA möchte ich Dir natürlich auch konkret antworten: ich denke schon, dass auch hier noch einmal anders formuliert werden wird. Festmachen tue ich das einfach an der Tatsache, dass ich in meinem Umfeld (Gebietskirche Niedersachsen, Bezirk Braunschweig, Vechelde) nicht feststellen kann, das man gezielt auf Ausgrenzen hinaus ist. Nein, vielmehr wird versucht, zu verbinden. Und irgendwann müssen sich die Formulierungen von "oben" dem gelebten "unten" einfach anpassen. Ich bin sehr optimistisch, dass ich es noch erleben werde, dass aus heilsnotwenig ein heilsförderlich wird. Ich habe es in einem anderen Thread schon einmal geschrieben: viele kleine Mosaiksteine lassen mich frohen Mutes auf das neu entstehende Bild blicken. Aber wie jedes Mosaik, sind die Steine schwer zu finden und schwer zu platzieren.

LG
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Beitragvon tergram » 31.07.2007, 10:04

Michael hat geschrieben:Ich bin sehr optimistisch, dass ich es noch erleben werde, dass aus heilsnotwenig ein heilsförderlich wird.


Lieber Michael,

würde dies aus deiner Sicht nicht bedeuten, dass Apostel Sepers und die 3 Blankeneser Diakone unverzüglich wieder in ihre Ämter eingesetzt werden müssten bzw. ihnen die Ämter wieder angetragen werden müssen?
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