Gott hat seine Meinung geändert?

Beiträge zur NAK-Geschichte

Beitragvon organa » 16.11.2006, 16:31

Liebe Tatyana,

dann sind wir gleich bei der alten Frage, ob Gott einen Stein erschaffen kann, der so schwer ist, daß er ihn selbst nicht hochheben kann....

Die Antwort auf solche Fragen brauchte es m.E. nicht unbedingt. Ich wäre schon zufrieden, wenn man sich - um nur ein Beispiel zu nennen - neuap.-theol.-seits mit geschichtlichen Hintergründen der Bibel beschäftigte, mit Fragen nach Autorenschaften undsoweiter.

Möglicherweise kämen bereits im Zuge dieser "Wahrheitsfindung" (nämlich der Situation der Schriften) - obwohl "nur" mit irdischen Dingen sich befassend - schon Fragen auf, die.... wirklich ans Eingemachte gingen.

Meint: ich muß keinen unlogischen Gott konstruieren, um eine unlogische Kirche zu erkären...

lg
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Beitragvon Tatyana † » 16.11.2006, 16:40

Aber der Mensch an sich ist unlogisch, also kann jedwede Religion und jedweder Gott, den er sich erdenkt, auch nur unlogisch sein...sicher, der eine gibt sich mehr Mühe als der andere, dieser unlogischen Bestimmung gerecht zu werden. Manche(r) verschließt seine Augen gar ganz absichtlich und ganz feste. Aber nun ja. Wenn er/sie damit glücklicher ist...wer bin ich, Steine zu schmeißen, die ich selber kaum begreifen geschweige denn heben kann?
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Beitragvon organa » 16.11.2006, 16:44

Tatyana hat geschrieben: Aber nun ja. Wenn er/sie damit glücklicher ist...wer bin ich, Steine zu schmeißen, die ich selber kaum begreifen geschweige denn heben kann?


ich glaube nicht, daß jemand hier Steine schmeissen möchte - allerdings erwecken auch nicht alle der hier Schreibenden den Eindruck, sonderlich glücklich mit ihrer Kirche zu sein... nur mal so... :roll:
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Beitragvon orig.gabi » 16.11.2006, 16:51

Wobei man davon ausgehen kann, dass mancher,
der hier ständig mit (s)einer Kirche hadert,
ohne dieses Ventil eben sein "Glück am Unglück" woanders auslebte ... 8) :wink:
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
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Beitragvon Tatyana † » 16.11.2006, 16:59

organa hat geschrieben:
Tatyana hat geschrieben: Aber nun ja. Wenn er/sie damit glücklicher ist...wer bin ich, Steine zu schmeißen, die ich selber kaum begreifen geschweige denn heben kann?


ich glaube nicht, daß jemand hier Steine schmeissen möchte - allerdings erwecken auch nicht alle der hier Schreibenden den Eindruck, sonderlich glücklich mit ihrer Kirche zu sein... nur mal so... :roll:


Aber wer ist das denn überhaupt, egal, mit welcher Kirche, welcher Lebenssituation, was auch immer? Irgendeinen Grund gibts doch immer, in Selbstmitleid zu schwelgen...Gabi hat schon Recht.
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Beitragvon Cemper » 16.11.2006, 17:00

Tatyana - Ihre Frage nach Wahrheit hat grundsätzliche Bedeutung. Eine Antwort - eine von vielen - kann vielleicht so angedeutet wrden: Was gehört zu den Voraussetzungen von Wahrheit (präziser gesagt: von Wahrheitsfindung)? Freiheit gehört zu den Voraussetzungen. Sie ist nicht die Garantie für Wahrheit. Pressefreiheit beispielsweise kann dazu führen, dass allüberall Unwahrheiten verkauft werden. Gleichwohl ist Freiheit und nicht zuletzt die Pressefreiheit eine Voraussetzung der Wahrheitsfindung.

Religion kann - so jedenfalls eine Vorstellung - die Menschen frei machen. Ein paulinischer Grundsatz lautet: Zur Freiheit hat uns Christus befreit ... In historischer Sicht können wir sagen, dass das Judentum und später das Christentum auch zur Freiheit der Wissenschaft geführt haben. Beide haben zur Abwendung vom abergläubischen Naturgötterglauben beigetragen und dadurch Türen zur Naturerforschung und damit zu unserer modernen Welt geöffnet. In dieser Welt wird aber von vielen geglaubt, alles sei machbar. Hier kann Religion die Einsicht vermitteln, dass es etwas gibt, was uns nicht verfügbar ist. Auch das kann befreiend sein. Die Wege zu solchen Erkenntnissen sind freilich schwierig.

In der Realität haben aber auch bestimmte Formen von Christentum zu viel Unfreiheit geführt. Es kommt immer darauf, wie Religion verstanden wird ...

Tatyana - Sie schreiben: "Aber der Mensch an sich ist unlogisch, also kann jedwede Religion und jedweder Gott, den er sich erdenkt, auch nur unlogisch sein ..." Stimmt das? Ist der "Mensch an sich" unlogisch? Was ist "ein Mensch an sich"?

Der "an sich unlogische Mensch" kann erkennen, dass jedwede Religion und jedweder Gott nur unlogisch sein kann? Über diese Logik müsse wir noch einmal ...
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Beitragvon Cemper » 16.11.2006, 17:03

vigilius peregrinus hat geschrieben:
Cemper
hat geschrieben:
Eine Frage an Amtsträger der Neuap. Kirche in diesem Forum:

Unter dieser Adresse (organa hat sie oben auch eingestellt)

http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Bi ... egese.html

finden Sie einige kurze Hinweise zu unterschiedlichen Methoden der Auslegung von Bibeltexten. Dazu habe ich - ernsthaft - die Frage: Welche Methode ist in der Neuap. Kirche üblich?


Werter Cemper,

ich versuche mich einmal in einer ernsthaften Antwort. Es ist evident, daß die historisch-kritische Exegese in der Nak nicht verwendet wird. Die Leute können weder Altgriechisch noch Hebräisch und haben weder einen NA noch eine BHK jemals in der Hand gehabt. Auch der STAP nicht, das merkt, man wenn er mit verschiedenen Bibelübersetzungen rumwurschtelt und ab und zu aufs Glatteis kommt (wie zum Bsp. bei 'verfetteten Herz' in Zürich). Von dem Methodenkanon der hist.-krit. Exegese ganz zu schweigen.
Feministische und Tiefenpsychologische Exegese sind in 'klassischen' nt Theologie, wie ich sie kenne, auch nur bedingt wohlgelitten und bei uns weit, weit weg. Die Befreiungstheologischen Exegese ebenso - wer kennt hier schon Boff. Grammatikalisch-historische Exegese scheitert an den Sprachkenntnissen und dogmatische Exegese an den notwendigen Systmatisch-theologischen Einsichten.

Faktisch betrieben wird m.E. eine Form von fundamentalsitischer Bibelexegese, wobei dieser Wahnsinn im 'Original' eigentlich schon keine Methode hat. Hinzu kommt, daß man freilich von der eigenen Amtsinspiration ausgeht, aber das dürfte bei den Evangelikalen etc. auch nicht anders sein.
Wie Ihnen sicherlich aufgefallen ist, habe ich die existentialistische Exegese übergangen. Freilich käme keine NAK-AT auf die Idee, Bultmann, Schmithals oder gar Braun zu lesen (mich dürfen Sie getrost als Sonderling werten), schon gar nicht dieselbigen zu proklamieren (und unser lieber Dr. Kiefer scheint ja Bultmann ohnehin nicht leiden zu können). Doch kann man mit einer existentialistischen Exegese relativ schnell in einer recht pietistischen Predigthaltung landen, weil die betreffende Textstelle auf die Existenz des heutigen Menschen bezogen und so - etwas ungenau gesagt - 'akutalisisert' wird. Sie können das exemplarisch in Walter Schmithals' Markuskommentar (ÖTK 2) nachvollziehen, in etwas anderer Form im berühmten Johanneskommentar seines Lehrers. Es ist ein echter Witz der Theologiegeschichte, daß sich in der NAK - auch ohne Kierkegaard und Heidegger-Lektüre - dieselben Tendenzen zeigen und bisweilen das Textwort gleichfalls 'existentialistisch' ausgelegt wird, indem einfach der historische Zusammnehang ausgeschaltet und das Wort Jesu auf das Hier und Jetzt übertragen wrid. De facto macht Bultmann das ja auch und so können Sie etwa bei Schmithals lesen, daß das Evangelium die bisher Blinden zu Sehenden macht in dem Sinne, daß sie nun die wahre Bedeutung ihrer Existenz erkennen usw. etc. Leicht verändert könenn Sie das auch in einem NAK-GD hören, wenigsten im pietistischen Württemberg. Von einer Methode - die existentialistische Exegese baut ja auf der hsitorisch-kritischen auf - kann freilich dabei keine Rede sein.

Vielleicht hat Ihnen das etas weitergeholfen.
Ihr
Vigilius

Sehr geehrter Herr!

Gott vergelte Ihnen Ihre Mühe. Ich weiß nun Bescheid. Eine Frage hätte ich aber doch noch: Was halten Sie von den Definitionen "Gott ist Liebe" und "Gott ist Licht"?

C.
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Beitragvon Dietemann » 16.11.2006, 17:03

Es kommt immer darauf, wie Religion verstanden wird ...
Nein, wie man sich Religion zum Eigennutz macht ist der Punkt!
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Beitragvon Cemper » 16.11.2006, 17:05

Dietemann - wo ist denn da der Unterschied? Und: Was verstehen Sie unter "Eigennutz"?
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Beitragvon vigilius peregrinus » 16.11.2006, 17:07

Cemper
hat geschrieben:
Sehr geehrter Herr!

Gott vergelte Ihnen Ihre Mühe. Ich weiß nun Bescheid. Eine Frage hätte ich aber doch noch: Was halten Sie von den Definitionen "Gott ist Liebe" und "Gott ist Licht"?

C.


Werter Dr. Cemper,

das schreibe ich Ihnen, wenn Sie mir "Gott", "Liebe", "Licht" und den ontologischen Sinn der Kopula definiert und erklärt haben.

Der Herr sei mit Ihnen auf allen Ihren Wegen
Ihr
Vigilius
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Beitragvon Tatyana † » 16.11.2006, 17:10

Tatyana - Sie schreiben: "Aber der Mensch an sich ist unlogisch, also kann jedwede Religion und jedweder Gott, den er sich erdenkt, auch nur unlogisch sein ..." Stimmt das? Ist der "Mensch an sich" unlogisch? Was ist "ein Mensch an sich"?

Der "an sich unlogische Mensch" kann erkennen, dass jedwede Religion und jedweder Gott nur unlogisch sein kann? Über diese Logik müsse wir noch einmal ...


Gut, Umkehrformulierung. Da historisch kein Mensch bekannt war/ist, der NUR logisch sein konnte/kann, da mensch über Emotionen verfügt und sich eigentlich ständig mit irrationalen Entscheidungen seines Umfeldes oder dem, was manche Menschen "Schicksal" nennen, auseinandersetzen muß, ist "der Mensch an sich" mangels Gegenbeweis eben ein unlogisches Wesen. Und das ist gut so, denn aus Stillstand kann keine Entwicklung hervorgehen, Chaos liegt in der Natur der Schöpfung begründet.

Religion sind menschengeschaffen. Das Konstrukt eines unlogischen Geistes kann aber wieder nur unlogisch sein. Und auch die Vorstellung eines Gottes muß demnach unlogisch sein, da eine begrenzte Logik nicht imstande ist, eine höhergeartete komplexe Logik zu begreifen. Mein Fehler bei der Formulierung, Gott muß nicht unlogisch sein, aber die Vorstellung eines Gottes kann nicht vollkommen logisch sein, wenn sie mithilfs eines ungeordneten (für göttliche Begriffe)Verstandes erfolgt.
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Beitragvon Jesse » 16.11.2006, 17:11

Das mit den Vorwürfen und Anklagen, an wen, welche Institution oder gar ein ganzes Zeitalter sehe ich so.
All diese Anklagen sind wie ein schwerer Sack, den man tagtäglich schleppen muß. Nicht Täter muß den Sack schleppen! Das Opfer das diese Last nicht abgibt, schleppt daran. Tagtäglich

Wie aber macht man das?
Fragendindierundeschau

Engelchen
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Beitragvon Tatyana † » 16.11.2006, 17:12

Was halten Sie von den Definitionen "Gott ist Liebe" und "Gott ist Licht"?


Ich war zwar nicht gefragt... :oops:
Kurze Antwort: gar nichts. Wie kann Liebe Haß erschaffen haben, wie Licht Dunkelheit? Gott KANN also nicht nur gut oder nur Licht sein...
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Beitragvon Cemper » 16.11.2006, 17:25

vigilius peregrinus hat geschrieben:
Cemper hat geschrieben:Sehr geehrter Herr!

Gott vergelte Ihnen Ihre Mühe. Ich weiß nun Bescheid. Eine Frage hätte ich aber doch noch: Was halten Sie von den Definitionen "Gott ist Liebe" und "Gott ist Licht"?

C.

... das schreibe ich Ihnen, wenn Sie mir "Gott", "Liebe", "Licht" und den ontologischen Sinn der Kopula definiert und erklärt haben.

Der Herr sei mit Ihnen auf allen Ihren Wegen
Ihr
Vigilius

Ich werde über Ihre Fragen nachdenken.
Im Sommer rufe ich Sie an.

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