Gott hat seine Meinung geändert?

Beiträge zur NAK-Geschichte

Beitragvon Cemper » 16.11.2006, 13:35

Herr PeterK -

die Frage nach der Methodik ist zumindest gerechtfertigt durch den Beitrag von Kühnle über die Neuap. Kirche in dem von Obst und Cyranka herausgegebenen kleinen Band „Was ist die Kirche? Das Selbstverständnis apostolischer Kirchen und Gemeinschaften als Kirche Jesu Christi“. (Ich meine die Dokumentation eines Studientages der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen Berlin am 25. Juni 2005.)

Zudem finde ich die Frage angesichts der Arbeiten an einem neuen NAK-Lehrwerk legitim.

Im Blick auf die Geschichte der Neuap. Kirche darf oder sollte jedoch so nicht oder eher nicht gefragt werden.

Abgesehen davon: Das Problem würde sich ja gar nicht stellen, wenn sich Menschen aus eigenem Antrieb mit dem Thema „Die Bibel und mein Leben“ oder „Wie kann ich Christ sein?“ oder so ... befassen und eine religiöse Gemeinschaft bilden würden. Es könnte eine Gemeinschaft mit Kirchen und Gottesdiensten usw. auf Laienbasis sein. Das alles wäre doch in Ordnung. Wenn aber - mit biblischem Anspruch - fundamentale, die gesamte Menschheitsgeschichte und das Universum sowie andere Kirchen betreffende Aussagen gemacht werden, dann ist die Frage nach der Methodik doch berechtigt und im Sinne der Wahrheitsfindung sogar notwendig. Ich vermute auch, dass es in der europäischen Neuap. Kirche einen relativ hohen durchschnittlichen Bildungsgrad gibt - und dass die NAK schon deswegen um Substanz nicht herumkommt. Andererseits: Gut ausgebildete Leute mit anstrengenden Berufen gehen evtl. gern in einen entspannenden Gottesdienst ...

Loriot/Ödipussi kenne ich. Ihre Schlussfolgerung ist aber sozusagen das Ergebnis einer fragwürdigen Methodik: :lol: :!: Ich weiß nicht, wie man Scrabble spielt!
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Beitragvon vigilius peregrinus » 16.11.2006, 13:52

Cemper
hat geschrieben:
Eine Frage an Amtsträger der Neuap. Kirche in diesem Forum:

Unter dieser Adresse (organa hat sie oben auch eingestellt)

http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Bi ... egese.html

finden Sie einige kurze Hinweise zu unterschiedlichen Methoden der Auslegung von Bibeltexten. Dazu habe ich - ernsthaft - die Frage: Welche Methode ist in der Neuap. Kirche üblich?


Werter Cemper,

ich versuche mich einmal in einer ernsthaften Antwort. Es ist evident, daß die historisch-kritische Exegese in der Nak nicht verwendet wird. Die Leute können weder Altgriechisch noch Hebräisch und haben weder einen NA noch eine BHK jemals in der Hand gehabt. Auch der STAP nicht, das merkt, man wenn er mit verschiedenen Bibelübersetzungen rumwurschtelt und ab und zu aufs Glatteis kommt (wie zum Bsp. bei 'verfetteten Herz' in Zürich). Von dem Methodenkanon der hist.-krit. Exegese ganz zu schweigen.
Feministische und Tiefenpsychologische Exegese sind in 'klassischen' nt Theologie, wie ich sie kenne, auch nur bedingt wohlgelitten und bei uns weit, weit weg. Die Befreiungstheologischen Exegese ebenso - wer kennt hier schon Boff. Grammatikalisch-historische Exegese scheitert an den Sprachkenntnissen und dogmatische Exegese an den notwendigen Systmatisch-theologischen Einsichten.

Faktisch betrieben wird m.E. eine Form von fundamentalsitischer Bibelexegese, wobei dieser Wahnsinn im 'Original' eigentlich schon keine Methode hat. Hinzu kommt, daß man freilich von der eigenen Amtsinspiration ausgeht, aber das dürfte bei den Evangelikalen etc. auch nicht anders sein.
Wie Ihnen sicherlich aufgefallen ist, habe ich die existentialistische Exegese übergangen. Freilich käme keine NAK-AT auf die Idee, Bultmann, Schmithals oder gar Braun zu lesen (mich dürfen Sie getrost als Sonderling werten), schon gar nicht dieselbigen zu proklamieren (und unser lieber Dr. Kiefer scheint ja Bultmann ohnehin nicht leiden zu können). Doch kann man mit einer existentialistischen Exegese relativ schnell in einer recht pietistischen Predigthaltung landen, weil die betreffende Textstelle auf die Existenz des heutigen Menschen bezogen und so - etwas ungenau gesagt - 'akutalisisert' wird. Sie können das exemplarisch in Walter Schmithals' Markuskommentar (ÖTK 2) nachvollziehen, in etwas anderer Form im berühmten Johanneskommentar seines Lehrers. Es ist ein echter Witz der Theologiegeschichte, daß sich in der NAK - auch ohne Kierkegaard und Heidegger-Lektüre - dieselben Tendenzen zeigen und bisweilen das Textwort gleichfalls 'existentialistisch' ausgelegt wird, indem einfach der historische Zusammnehang ausgeschaltet und das Wort Jesu auf das Hier und Jetzt übertragen wrid. De facto macht Bultmann das ja auch und so können Sie etwa bei Schmithals lesen, daß das Evangelium die bisher Blinden zu Sehenden macht in dem Sinne, daß sie nun die wahre Bedeutung ihrer Existenz erkennen usw. etc. Leicht verändert könenn Sie das auch in einem NAK-GD hören, wenigsten im pietistischen Württemberg. Von einer Methode - die existentialistische Exegese baut ja auf der hsitorisch-kritischen auf - kann freilich dabei keine Rede sein.

Vielleicht hat Ihnen das etas weitergeholfen.
Ihr
Vigilius
Zuletzt geändert von vigilius peregrinus am 16.11.2006, 16:56, insgesamt 1-mal geändert.
Vor allem: in necessariis keinen Schritt nachgeben, in dubiis sich nichts anmerken lassen, in omnibus die Pfeife nicht ausgehen lassen. Karl Barth an Eduard Thurneysen, 22.Januar 1922
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Beitragvon Tatyana † » 16.11.2006, 14:10

@Cemper:
Wahrheitsfindung? Im Bereich Religion??? Wie, bitteschön, soll das denn gehen? Mal ganz unabhängig von jeder Konfessionsfrage...
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Beitragvon a cappella » 16.11.2006, 14:22

@ organa

fireangel pubertiert gerade. Der Satz war von ihm, ich habe ihn nur zitiert. 8)

Liebe Grüße in die Runde.
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Beitragvon 42 » 16.11.2006, 14:51

Cemper: Wenn aber - mit biblischem Anspruch - fundamentale, die gesamte Menschheitsgeschichte und das Universum sowie andere Kirchen betreffende Aussagen gemacht werden, dann ist die Frage nach der Methodik doch berechtigt und im Sinne der Wahrheitsfindung sogar notwendig.

Absolut. Das ist klar aus der Sicht jedes denkenden Menschen. Das ist einer der Kernpunkte, an denen die NAK nach aussen hin scheitert - und gelegentlich auch nach innen, wie dieses Forum zeigt. Uebrigens: Waren nicht Sie es, der immer darauf hinweist, dass sich ein Theologe und ein Vertreter der NAK schon bei den Begriffen nicht verstehen wuerden?

Aber wie war tergraM gerade hier stets bemueht zu erklaeren :wink: : auf dieser Basis funktioniert die Methode (nicht Methodik) der NAK doch gar nicht. Es geht um Vermittlung von Glaubensinhalten, nicht um logische Folgerungen. Da muss man eben glauben. Polonius: "Though this be madness, yet there is method in it."

Tatyana: Wahrheitsfindung? Im Bereich Religion??? Wie, bitteschön, soll das denn gehen? Mal ganz unabhängig von jeder Konfessionsfrage...

Das stimmt uebrigens auch. Nur wirkt die menschliche Logik oder Schlusskette manchmal "logischer" und manchmal weniger logisch. Welche ist richtig? Koennte Gott nicht unlogisch sein - wenn er das will? Und woher wissen wir, dass er es NICHT manchmal will?
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Beitragvon organa » 16.11.2006, 15:08

a cappella hat geschrieben:

fireangel pubertiert gerade. Der Satz war von ihm, ich habe ihn nur zitiert. 8)



a cappella -
ich weiß.
Ich war die Adressatin des besagten Satzes...es ging um Fortbildung... :wink:

lg
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Beitragvon Zwischenruf » 16.11.2006, 15:53

vigilius, du siehst mich einigermaßen fassungslos. Ich habe gelernt, und so steht es auch heute noch in FuA (Frage 5, Wer ist berufen und fähig, die Bibel auszulegen?), dass allein der Hl. Geist imstande ist, den rechten Aufschluss über Gottes Willen zu geben und dass die mit der Führung des Erlösungswerkes auf Erden von Christo beauftragten Boten, der Stammapostel und die Apostel, zu ihrer Aufgabe das aus dem Hl. Geist kommende Amtsvermögen empfangen haben.

Und du behauptest, der Stammapostel wurschtele mit verschiedenen Bibelübersetzungen herum und käme aufs Glatteis. :shock:

Du solltest doch einmal deine Sehensweise überprüfen. Vielleicht ermangelt es dir an Augensalbe, lieber Bruder.

:mrgreen:

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Beitragvon fireangel » 16.11.2006, 15:55

Zitat:

Vielleicht ermangelt es dir an Augensalbe, lieber Bruder.

Ich hab schon alle Apotheken in meiner Umgebung abgeklappert, hab sie aber nirgens bekommen können. NAK-Augensalben - kennen wir nicht :shock: :mrgreen:
fireangel
 

Beitragvon organa » 16.11.2006, 15:58

fireangel hat geschrieben:Zitat:

Vielleicht ermangelt es dir an Augensalbe, lieber Bruder.

Ich hab schon alle Apotheken in meiner Umgebung abgeklappert, hab sie aber nirgens bekommen können. NAK-Augensalben - kennen wir nicht :shock: :mrgreen:


Mach Dir nix draus - im Sportgeschäft konnte mir auch keiner helfen, als ich nach Herzensknieschonern fragte.... :wink:
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Beitragvon Zwischenruf » 16.11.2006, 16:00

:lol: :lol: :lol:
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Beitragvon fireangel » 16.11.2006, 16:02

Jau, und bei meinem Schosser hat man mich fast rausgeschmissen, als ich ein Schloss für meine Herzenstüre kaufen wollte. Zuerst haben die gedacht, ich meinte die Tür mit dem Herzchen. :mrgreen:
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Beitragvon organa » 16.11.2006, 16:04

Du Dummerle, Du!
Da braucht es doch einen Uhrmacher - der justiert dann die Herzenseinstellung neu... :wink:
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Beitragvon fireangel » 16.11.2006, 16:10

Nicht doch, da brauchst du einen Kardiologen - das Teil nennt man Herz-Schritt-Macher :lol:
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Beitragvon Tatyana † » 16.11.2006, 16:24

42 hat geschrieben:
Tatyana: Wahrheitsfindung? Im Bereich Religion??? Wie, bitteschön, soll das denn gehen? Mal ganz unabhängig von jeder Konfessionsfrage...

Das stimmt uebrigens auch. Nur wirkt die menschliche Logik oder Schlusskette manchmal "logischer" und manchmal weniger logisch. Welche ist richtig? Koennte Gott nicht unlogisch sein - wenn er das will? Und woher wissen wir, dass er es NICHT manchmal will?


Schließlich hat Gott doch ALLES geschaffen-einschließlich der Unlogik. Und er ist zu allem fähig-also auch dazu, komplett wahnsinnig zu sein... :lol:
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