Darum mein Gott hab ich dich verlassen

Selbstgedichtet und verfasst oder entdeckt

Darum mein Gott hab ich dich verlassen

Beitragvon Kati » 26.03.2015, 13:15

Nach Jahren der intensiven Auseinandersetzung mit Kirche, mit Gott und mit den Fragen des Lebens kann ich heute in Frieden zurückblicken. Ich habe dazu ein Gedicht verfasst. Vielleicht findet sich die eine oder der andere darin wieder.

Freundliche Grüße
In die klein gewordene Forenrunde
Von der alten Kati


Mein Gott mein Gott, darum hab ich dich verlassen:

Vom Baum der Erkenntnis ich genossen
War mit dir ich sehr verdrossen.
Und dein Engel aus dem Paradies
Mich verwies.
Auf dein Wort
Ging ich fort.

Schicktest mich in neue Räume
Wo ich fand weitre Bäume
Deren Frucht ich aß
Und genas.

Wandere nun durchs finstre Tal.
Lasse mir den Sternensaal
Vom Mond erleuchten.
Und du
nickst mir zu.

Grüßest mich vom Paradiese,
Wo auf grüner frischer Wiese
brave Schafe schlafen
Im Vertrauen
auf dein Schauen.

Diese geistlich armen
Schafe kennen kein Erbarmen.
Allein deine Herrschaft und dein Richten
Sind Gesetz ihnen und Pflichten.
Ach, ich bin kein Teil der Herde!
Doch Der sprach, es werde,
Schuf auch mich.
Und da wurde ich.

Du bist du
Und ich bin ich.
Blick ich hinter mich
Erstarre ich.
Kein Paradies
Sei mein Verlies.
Es bleibet dabei:
Denken macht frei!

Frei und mutig öffne ich
Nun der Morgenröte mich,
Schwinge jubelnd mich empor
Breite singend meine Schwingen!
Nein, da tönt kein Engelschor
Niemand da, in mich zu dringen
Meiner Freude Bahn zu zwingen.

Fühl ich endlich frei und weit
Nur dem Leben mich verschrieben,
Meinem Jetzt und meiner Zeit
Meinem Sinnen, meinem Lieben.
Staunend schau ich alles an,
Fasse, was ich fassen kann.

Mein Gott, mein Gott, darum hab ich dich verlassen!
Denn ich weiß, du wirst nicht hassen,
Wie die Schafe es gern hätten,
Die in selbstgewählten Ketten
Sich das Denken
schenken.

Ganz allein
doch Teil des Ganzen
Weiß ich, dass ich fallen kann.
Weiß nicht wo und weiß nicht wann.
Werde noch im Tode tanzen,
Weil auch Sterben leben ist.
Und keiner Religionen List
macht klein
Mein Sein.

Du bist du und ich bin ich,
ich bin du
Und du bist ich.

Du verlässt mich nicht.
Kati
 
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Re: Darum mein Gott hab ich dich verlassen

Beitragvon Sonia » 26.03.2015, 18:04

Danke, Kati!

Ein anderer schrieb es so:

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.
Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -,
so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.
Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.
Ich danke dir dafür, daß ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.
Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.
Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!
Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.
(Ps.139,7-18)

Viele Grüße
von Sonia
Let's eat Grandma. Let's eat, Grandma. Grammar saves lives.
Sonia
 
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Re: Darum mein Gott hab ich dich verlassen

Beitragvon kreiner » 19.12.2019, 09:52

Gefällt mir sehr gut, Kati!
Frag‘ nicht – Du könntest eine Antwort erhalten
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Re: Darum mein Gott hab ich dich verlassen

Beitragvon reh » 02.04.2020, 20:30

Hallöchen in die Runde,
Wegen einer Lebenskrise Gott verlassen?
Immer wieder schreien alle nach Selbständigkeit und danach, alles selbst entscheiden zu wollen. Und wenn es dann schief geht, ist Gott schuld?

Mein Blick fällt so oft auf einen WhatsApp-Spruch eines Bekannten, den möchte ich zu den Problemen in diesem Fall, sowie allgemein (besonders zur Zeit) fast aller Menschen dazu anfügen:
Sei nicht traurig über das
was dir fehlt
Sondern erfreue dich an dem
was du hast (Autor unbekannt)
Gruß vom Reh

Bittet Gott mit Danken
(K. Müller-Osten, 1942)
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Re: Darum mein Gott hab ich dich verlassen

Beitragvon Peter B aus E » 06.04.2020, 15:36

@reh,
reh hat geschrieben:
Wegen einer Lebenskrise Gott verlassen?
Immer wieder schreien alle nach Selbständigkeit und danach, alles selbst entscheiden zu wollen. Und wenn es dann schief geht, ist Gott schuld?


Das kann ich irgendwie nicht so richtig herauslesen . Ich lese eher eine gewachsene Erkenntnis . Nach schwierigen Lebensprozessen ( oder in Diesen ) nicht verlassen worden zu sein ..
" .. und bettete ich mich selbst in der Hölle .. "

Würde für mich bedeuten , Gott ist mit menschlichen Gedanken schlecht fassbar . Versteht aber die schwierigsten Wege und Fehlentscheidungen . Bleibt auch bei dir , wenn du stinksauer auf ihn bist und nichts als Vorwürfe für ihn über hast ... , weil er vielleicht als Einziger versteht , weshalb du so fühlst und verzweifelt bist .

freundlichst
Peter B.
Mit Toleranz definiert man die Feigheit,jemand mal ordentlich die Meinung zu geigen ( Rainer Sarkasmus )
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Re: Darum mein Gott hab ich dich verlassen

Beitragvon reh » 08.04.2020, 08:49

Hallo Peter,
Zunächst - es ist ein wirklich schönes und gutes Gedicht!
Aber schon alleine die Überschrift,
so endgültig!
Das Ende des Gedichtes,
so endgültig.

Nein, dabei bleibe ich,
keiner sollte Gott verlassen!
Vielleicht als Überschrift :
Darum hatte ich Dich, Gott, mal verlassen.
Und als Ende:
Du, Gott, verlässt mich nicht,
und ich werde Dich, Gott, auch nie wieder verlassen!
Gruß vom Reh

Bittet Gott mit Danken
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Re: Darum mein Gott hab ich dich verlassen

Beitragvon Peter B aus E » 13.04.2020, 17:19

@reh

Ich verstehe es eher als persönlichen Weg der Erkenntnis . Wobei sie wohl festgestellt hat , nicht von Gott ( allerdings von ihren vermeintlichen Mitgeschwistern ) verlassen worden zu sein .
Ich meine mich zu Erinnern , dass besonders in ihrer Gemeinde und der neuap. Verwandschaft viel Ablehnung und wenig Akzeptanz zu ihreren persönlichen
Entscheidungen vorhanden war .

In der Anfangszeit lässt sich für manchen Christen nicht zwischen Gott und Kirche unterscheiden . Da dieses gern untrennbar eingepflanzt wurde .
Zurück zum Gedicht .
Ich lese es als persönliche Erkenntnis , dass Gottes Liebe unabhängig von christlicher Kirche und Selbstanspruch Selbiger weiter lief.
Endgültig ( so verstehe ich es zumindest ) hat sie weder Gott verlassen , noch wurde sie von ihm verlassen .

Ich verstehe sie so : Die Liebe zwischen ihr und Gott hat wenig mit Kirche und deren Vorstellung zu tun .

freundlichst
Peter B.
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