Der Judas in UNS

Selbstgedichtet und verfasst oder entdeckt

Re: Der Judas in UNS

Beitragvon Cleopatra » 06.04.2012, 07:53

Steht Judas nicht die gleiche (auch unsere !!) Vergebung zu ?


Stell dir doch mal die Frage, ob Judas überhaupt vergeben werden muß. Hält man das Geschehen um Judas für eine Tatsache, dann hat er nur erfüllt, was er erfüllen mußte. Ohne ihn wäre höchstwahrscheinlich der Opfertod Jesu nicht möglich gewesen. Gott nahm ihn als Werkzeug in seine Hand, um dem Sohn den von ihm gewünschten Opfertod durch den sogenannten " Verrat" zu ermöglichen. Ist das nicht auch eine mögliche Sehensweise? Und wie ist es zu erklären, dass es sinngemäß heißt, dass der Teufel den Judas verführt habe - dann hat sogar der Teufel den Opfertod und damit das Christentum erst ermöglicht. Kannst du den Gedankengängen folgen - und wenn ja - sind solche Gedanken von der Hand zu weisen - und wenn ja - warum?

LG, Cleo
Jedes Phänomen, das uns bewusst wird, ist stets eine Manifestation des Geistes. [Buddha Shakyamuni, Surangama Sutra, ca. 500 v. Chr.]
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Re: Der Judas in UNS

Beitragvon Klaus Binding » 06.04.2012, 08:40

@ Cleo,

deine Gedanken sind begründet. Aber die Polarität darf nicht verwischt werden. Gut und Böse sind in unserer Welt Gegensätze. Deshalb ist Vergebung und Umkehr bedeutend. Auf höherer Stufe wird sichtbar, dass das Böse das Gute erst hervorbringt, das die Pole von einander abhängen. Verschwindet das Böse ist auch das Gute weg. Man sagte früher, der Satan muss mitbauen an der großen göttlichen Kathedrale.
In der Judas-Geschichte spiegelt sich ein Ur-Phänomen wider, einer muss immer durch Schuld die Entwicklung vorantreiben, ohne Judas keinen Verrat, ohne Verrat kein Opfertod Christi- keine Errettung unserer Seelen-keine Überwindung des Todes. Das Phänomen der Zwölf, unter denen einer die Schuldenlast trägt, ist ein kosmisches Urprinzip, unter den 12 Monaten ist es der Todesmonat November, unter den 12 Söhnen Jakobs war es Juda, der seinen Bruder für 20 Silberlinge verkaufte, auch unter den zwölf Rittern der Tafelrunde sitzt ein Verräter, unter den 12 Tierkreiszeichen der Skorpion ( kommt von griech. skorpizein= zerstreuen) Judas ist der "Zerstreuer", ihm fehlt die gemeinschaftsbildende Kraft, er ist der Kopfmensch, dem die Liebe fehlt. Er will nur "vernünftige, politische, irdische" Machtverhältnisse durch den Messias verwirklicht sehen. Dass Christus nicht der weltliche Retter, sondern aus Liebe zur Menschheit unsere Seelen retten wird, dieses höhere Geheimnis blieb im verschlossen.
Möglicherweise war Judas ein Werkzeug der göttlichen Mächte, oder er hat in seinem höheren Selbst die Entscheidung getroffen sich als "Verräter" zu opfern. Wie weit der freie Wille in Judas lebte ist schwer zu sagen.

P.S. zum Thema historische Wahrheit: was die heutige Kopf-Theologie als historisch bewiesen betrachtet, sollte kein Maßstab für uns sein. Nur weil keine damaligen Schreiberlinge Aufzeichnungen hinterlassen haben ?? Die ganze heilige Schrift AT (besonders) und NT sind historisch zum größten Teil unbewiesen.
Viele religiöse Urkunden sind in Legendenform erhalten, in denen Historisches und Geistig-Seelisches vermischt sind. Viele Wahrheiten sind über Jahrtausende nur mündlich überliefert worden. Aber in allen Kulturen tauchen die gleichen Menschhheitsgschichten auf, die gleichen Bilder- wir sind wohl oder übel gezwungen uns selbst auf die Suche nach Wahrheit zu begeben- oder wir überlassen uns den "Autoritäten".
liebe Grüße, Klaus
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Re: Der Judas in UNS

Beitragvon Peter B aus E » 06.04.2012, 10:44

Klaus Binding hat geschrieben:@ Peter B.

es ist der gleiche Würgeengel, der in Ägypten die Erstgeburten schlug. Christus hat ihn im Garten Gethsemane überwunden, in der Nacht seiner Festnahme. Der Würgeengel ist der Tod, die erschreckenste Waffe des Widersachers.
Im jüdischen Volk lebte der Glaube, dass der Würgeengel in der Gründonnerstagnacht um die Häuser streicht, wie damals in Ägypten, als das Blut der Tiere an den Türen der Juden, sie schützte. Daher die Nacht des Passahlamms, das Passahfest.
Wenn das Mahl im Kreise der engen Familie beendet war, las das Familienoberhaupt aus der Haggada vor, der Geschichte des jüdischen Volkes. Nie im Leben wäre ein Jude auf den Gedanken gekommen in dieser Nacht das Haus zu verlassen !!! Christus ging mit seinen Getreuen auf den Ölberg...

Ob Judas zum Heiligen, von wem auch immer, gemacht wurde, ist für mich nicht relevant, ist Personenkult. Ich wollte die tiefere Bedeutung des Judas-Problems beleuchten, nicht eine moralische Verfehlung- Petrus hat den Christus dreimal verleugnet ( und verraten) das hätte Judas nie getan.
Christus selbst hat in Petrus den Widersacher erkannt und zurückgewiesen, als dieser ihn bedrängte doch einen einfacheren Weg zu gehen. Ihm wurde vergeben.
Steht Judas nicht die gleiche (auch unsere !!) Vergebung zu ?
Gruß, Klaus


Das wäre wirklich tragisch.
Das ausgerechnet Christus genau den Würgeengel überwand ,den sein Vater sandte um das Volk " Israel " aus ägyptischer Gefangenschaft zu befreien.
Um eben den Pharao umzustimmen.
Mit Toleranz definiert man die Feigheit,jemand mal ordentlich die Meinung zu geigen ( Rainer Sarkasmus )
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