Die schmale Pforte- eine Traumvision

Selbstgedichtet und verfasst oder entdeckt

Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon Klaus Binding » 06.02.2012, 15:03

Entrückt schaue ich auf das große Tor. Von allen Seiten hinter der steinernen Barriere drängen sie heran.
Sie alle wollen die schmale Brücke überschreiten, doch lichte, große Gestalten stehen links und rechts einer Waage am Brückenanfang, und gebieten den Ankommenden zu verharren.
In Gruppen hasten sie vorwärts.
Ich zittere am ganzen Leib, doch Johannes hält meine Hand, und ein warmer Strom durchdringt mein ganzes Sein.
-Wer sind diese ? – frage ich, – sind sie tot? -
-Nein- erwidert mein Beschützer, – sie sind im Grenzland. -
- Sie müssen erst die Waage passieren, die jedes Wort, jede Tat und jeden Gedanken beurteilt. -
- Auch die Gedanken? – frage ich meinen Seelenführer
- Gerade die, – bekomme ich zur Antwort.
Die erste Gruppe erreicht die Waage. Sie tragen ein Banner vor sich her mit der Aufschrift Frömmigkeit.
Eine zweite Gruppe erscheint. Güte schmückt ihr hochgehaltenes Banner.
Die dritte Gruppe hält eine Fahne in den Händen, die mit dem Wort Gerechtigkeit beschriftet ist.
Eine vierte Gruppe erblickte ich. Ihr Losungswort heißt Liebe.
Noch eine Schar strömt heran. Ihr Bannerspruch lautet: Wir sind es !
Klugheit steht auf dem Banner der kleinen Gemeinschaft, die ich jetzt vom großen Tor zur Brücke schreiten sehe.
Nun kommen Menschen in mein Blickfeld mit dem Ruf nach Reinheit, der ihr Banner ziert.
- Sie alle sind gute Menschen, sie werden alle die Brücke überqueren, nicht wahr? – frage ich meinen Begleiter.
- Nein ! kein einziger von ihnen ist des jenseitigen Lichtes würdig! -
Mein Herz schnürt sich zusammen. – Sie alle werden an der Waage scheitern? -
Johannes Stimme durchdröhnt meine Seele:
- Die frommen Kirchengänger, die selbstgefälligen Gütigen, die Gerechten, die nur menschengemachte Gesetze anerkennen, die Liebenden, die nur ihres gleichen lieben, die sich selbst hochmütig Auserwählten, die Klugen, die nur auf irdische Klugheit bauen, die Reinen, Unbescholtenen, die innerlich unrein sind, alle diese, die jetzt hadern, zetern und fluchen – für sie ist die Brücke zu schmal. -
Heiße Tränen rinnen über meine Wangen, klagendes Stimmenkonzert schmerzt in meinen Ohren.
- Gibt es keine Hoffnung für die Fehlerhaften?-
Johannes küsst meine Tränen. – Doch, beim nächsten Mal. -
Eine letzte Gruppe erreicht das Tor, still und ohne Banner, ein schwacher Lichtschein geht von ihnen aus.
- Wer sind nun diese, und welches Licht tragen sie? -
Mein treuer Begleiter lächelt mild.
- Sie haben das göttliche Lichtgeschenk durch schweres Erdenleben getragen, und geben es nun zurück. -
Ich sehe jetzt voller Freude wie ein Lichtbogen von der Schar sich zum großen Licht jenseits der Brücke hinüberspannt.
Und wieder fließen meine Tränen. Ich spüre Johannes Hand, die mich sanft streichlt.
- Komm! -
- Über die Brücke? -
- Nein, jetzt noch nicht -
- Komm zurück… -
Ich öffne die Augen, erwache. Ein Sonnenstrahl fällt durchs Fenster.
Ich schließe die Augen wieder, dankbar, erleichtert und froh…
Klaus Binding
 
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Re: Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon exkantor » 06.02.2012, 15:27

Musst du jetzt in mehreren Foren deinen gequirlten Quark veröffentlichen???

Reicht das nicht, wenn du das in nur einem veröffentlichst oder fehlt dir Aufmerksamkeit????

ex.
"Dass nur die Neuapostolischen das(die Apostel) wahrnehmen, ist eigentlich ein Betriebsunfall, das soll ja gar nicht so sein. Die sollen in der Mitte der Kirche Christi stehen und nicht am Rande, wie es jetzt ist." (Dr. Reinhard Kiefer)
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Re: Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon Klaus Binding » 06.02.2012, 18:08

@ exkantor
ich hab nichts gegen Aufmerksamkeit, es spricht auch nichts dagegen Beiträge durch Doppelt-Einstellungen einer größeren Leserschaft vorzustellen.
Was fehlt dir? Außer Sachlichkeit und Souveränität ?
liebe Grüße, Klaus
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Re: Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon a cappella » 06.02.2012, 21:42

Völlig verzückt sehe ich sie, die Pforte zum Forum. Dieser Platz wundervollsten Niveaus, dieser Ort hehrer Weisheit und aufrichtiger Anteilnahme, dieser Hort freundschaftlichen Meinungsaustauschs. Von überall drängen sie heran, die Poeten, die Philosophen, die Theologen, die Wissenschaftler.
Sie alle wollen lesen. Und nicht nur das, sie wollen auch schreiben, wollen gelesen werden. Sie wollen die schmale Brücke überschreiten, über die sie ins Bewusstsein der Interessierten und Desinteressierten gelangen. Aber die Brücken werden bewacht. Von wundersamen Gestalten, die einen Rest Vernunft, einen Rest Intelligenz, einen Rest Hoffnung, einen Rest Normalität verkörpern.
In Gruppen hasten sie vorwärts.
Ich zittere am ganzen Leib, doch Onkel Barnabas hält meine Hand, und Wärme durchdringt mich. Ich bin dankbar, denn schon lange war es nicht mehr so kalt.

"Wer sind diese?" frage ich, "sind sie tot?"
"Nein," erwidert mein Beschützer, "aber sie sind im Grenzland. Sie laufen Gefahr, sich zu verlieren in den Worthülsen und gedanklichen Verwirrungen des Forums."
"Sie alle?" frage ich meinen Esoterik-Coach.
"Ja, aber die einen mehr und die anderen weniger!" bekomme ich zur Antwort.

Und da kommen sie, die Unzufriedenen, die schon immer alles besser wussten.
Und die, die sich in ihrem Leid suhlen.
Und die, die alles besser wissen.
Und die, die sich in merkwürdig wirren Gedanken verlieren.
Und die, die sich immer verletzt, unverstanden, angegriffen und missachtet fühlen.
Und die, die sich für die besonders Guten halten.

Und sie alle wollen schreiben. Und sie schreiben. Und ich habe Angst, das alles lesen zu müssen, das alles ertragen zu müssen.

Und ich schreie und frage: "Muss das sein? Darf das sein?" und Onkel Barnabas sagt mit donnernder Stimme: "Ja, die Freiheit des Menschen ist heutzutage unantastbar. Er darf tun und lassen was er will und bildet sich sogar ein, keine Konsequenzen tragen zu müssen."

Mein Herz schnürt sich zusammen. "Sie alle werden schreiben?"
Und Onkel Barnabas sagt:
"Ja, aber Du musst nichts von alldem lesen, wenn Du nicht willst. Denn auch Du bist frei."

Meine Tränen fließen. Ich bin glücklich und erleichtert.
Ich spüre Barnabas' Hand, die mich sanft berührt.
"Komm!"
"Ins Forum?"
"Nein, ins Bett."
Ich schließe die Augen, dankbar, erleichtert und froh…
a cappella
 

Re: Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon Randnotiz » 06.02.2012, 21:51

Einer deiner besten Beiträge.
Nicht mehr und nicht weniger.

Ich möchte "Amen!" schreien, doch das "Hallelujah!" in meinem Hals erstickt jeden Ton - oder nein: Es reicht, um ein "Hosiannah!" zu krächzen.

Sulamith.
Nur wer die Fakten kennt, kann sie verdrehen.

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Re: Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon exkantor » 06.02.2012, 21:56

.....ich hab' geweint vor Glück....
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Re: Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon Bert » 06.02.2012, 21:58

Wahrhaftig, mit Randnotiz zusammen stimme ich ein in ein Halleluja! Noch nie gab es Wertvolleres! Einfach genial, einfühlsam, so wahrhaftig, sooo ... ach, mir fehlen jetzt die Worte!

Sohn des Nabu
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Re: Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon exkantor » 06.02.2012, 22:00

Bert hat geschrieben:Wahrhaftig, mit Randnotiz zusammen stimme ich ein in ein Halleluja! Noch nie gab es Wertvolleres! Einfach genial, einfühlsam, so wahrhaftig, sooo ... ach, mir fehlen jetzt die Worte!

Sohn des Nabu


Bert, das heißt Kanu... :mrgreen:
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Re: Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon Bert » 06.02.2012, 22:03

Ach, exkantor, es sind nur deine Tränen in den Augen, die dir das Lesen unmöglich machen ... :mrgreen:
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Re: Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon a cappella » 06.02.2012, 22:08

Du bist ein Sohn des Naturschutzbundes? :wink:
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Re: Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon Randnotiz » 06.02.2012, 22:14

Bert, es sind bei exkantor Tränen der Freude, die von Tränen der Dankbarkeit hinweggespült werden!
Nur wer die Fakten kennt, kann sie verdrehen.

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Re: Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon Laura1 » 06.02.2012, 22:21

Über sieben Berge musst Du gehn.
Sieben Zwerge, Dich scheel von der Seite ansehn.
Sieben dunkle Foren überstehn.
Siebenmal wirst Du einsam sein.
Aber, auf einmal leuchtet ein heller Schein.. :oops: :mrgreen:
Scheint die Inversion absurd und unglaubwürdig, ist die Wahrheit ganz nah.
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Re: Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon tosamasi » 06.02.2012, 22:37

Jubelklähänge-e, Festgesähenge-e, nah und ferne froher Schall...

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Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden
(Hermann Hesse)
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Re: Die schmale Pforte- eine Traumvision

Beitragvon Corinna » 07.02.2012, 05:07

Herr a cappella! Tief empfundene Dankbarkeit umflutet mein Herz ob ihres Postings. Es wird heute meinen Tag erhellen. :mrgreen:
Ohne Vollpfosten hätten wir nichts zu lachen. Also nimm dir Zeit und danke dem nächsten Pfosten dafür.
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