Nachrichten aus dem Jenseits

Selbstgedichtet und verfasst oder entdeckt

Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon Karl » 04.11.2009, 06:46

Cemper,

leider haben wir keine andere Möglichkeit, als ein "jenseitiges Leben" mit den dieseitigen Kathegorien zu beschreiben und zu beurteilen. Deshalb zur gedanklichen Fiktion eines "jenseitigen Lebens":
Voraussetzung hierzu wäre, dass nach dem Absterben unseres materiellen Körpers sich ein inmaterieller Teil ablöst oder bildet, der unser Bewusstsein beinhaltet und unzerstörbar konserviert. Eine 'Mitnahme' des Bewussteins ist unabdingsbar, da man ansonsten von einem WEITER-Leben nicht reden kann.
Ein solcher Vorgang ist - nach allem was wir wissen - undenkbar, weil jedes inmaterielle Medium (sei es nun unser Bewusstsein oder das Programm eines Computer) hierzu eines materiellen Trägers bedarf (i.d.F. ein lebendiges Gehirn bzw. ein Chip oder eine Platte).
Es gibt nicht einmal theoretische Denkansätze wie ein inmaterielles Medium durch einen inmateriellen Träger 'gesichert' werden könnte. Oder haben Sie hierzu ein - wenn auch nur theretisches - Gedankenmodell, wobei Sie durchaus die dieseitigen Denkkathegorien verlassen dürfen - wenn eine gewisse Nachvollziehbarkeit noch bleibt?
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Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon Cemper » 04.11.2009, 09:15

Karl - ja, wir haben keine andere Möglichkeit. Der relevante Punkt ist: Unsere Möglichkeit, ein "jenseitiges Leben" zu beschreiben, führt - wenn wir sie nutzen - zu diesem Ergebnis: Wir malen mit einem schönen Pinsel Bilder in die Luft oder mit weißer Farbe Bilder auf weiße Untergründe.

Zu Ihrem folgenden Gedanken eine Frage: Sie schreiben: "Voraussetzung hierzu wäre, dass nach dem Absterben unseres materiellen Körpers sich ein inmaterieller Teil ablöst oder bildet ..." Halten Sie es für möglich, dass sich aus einem materiellen Körper ein immaterieller Teil ablöst? Hier ist der relevante Punkt: Was ist der Mensch? Woraus besteht er? Was ist Materie? Was ist Geist? Was ist Bewusstsein? Was heißt Geist, Seele und Leib? - Ich kann diese Fragen nicht beantworten; ich habe nur die Ahnung, dass in den Religionen jenseits der wissenschaftlichen Erkenntnismöglichkeiten "tiefe Wahrheiten" verborgen sind. Vielleicht ist diese Ahnung eine gewisse Ahnung. Vielleicht ist sie nur eine Hoffnung.

C.
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Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon Karl » 04.11.2009, 10:35

Sie haben, lieber Herr Cemper, in einem Recht: fast alle Religionen kennen ein sog. "jenseitiges Leben" - obwohl, so weit wir es wissen, sich viele Religionen ohne Beeinflussung durch andere entwickelt haben. Eine gewisse Nachdenklichkeit über dieses 'Phänomen' ist durchaus angebracht.
Zu Ihrer Frage: Rein theoretisch erscheint mir ein Ablösen eines immateriellen Teils zum Todeszeitpunkt noch denkbar. Es wäre z.B. vorstellbar, dass die Inhalte unseres Bewusstsein durch einen für uns im Moment unerklärbaren Vorgang 'ausgelesen" werden könnten. Die Frage aber bleibt, wer und was 'speichert' diese Informationen?
Man könnte sogar so weit gehen, dass wir uns unter Gott einen immateriellen riesigen Bewusstseinsspeicher vorstellen, der alle 'Bewusstseine' der Menschen nach ihrem Tode aufnimmt. Leider würde das aber wahrscheinlich zum Erlöschen der einzelnen Individualität führen.
Diese - sehr vermessene Hypothese - könnte bspw. erklären, warum Gott sowohl gut UND böse ist (weil sein Wesen aus der Summe der einzelnen Bewusstseine besteht) und dem Spruch "Wir IN Gott" einen tieferen Sinn geben.
Betrachten Sie aber bitte lieber meine letzten Ausführungen als mehr oder weniger haltlose Spekulation, weil ich damit in keinster Weise das Problem eines immateriellen Bewusstseinspeichers erklären konnte.
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Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon Cerebron » 04.11.2009, 10:42

Cemper hat geschrieben:Wir müssen wissen, was wir sagen, wenn wir das Leben als eine mit dem Tod endgültig abgeschlossene diesseitige Veranstaltung betrachten und so etwas - wie Sie - hoffen. Wenn wir das tun, dann sagen wir, dass - plakativ gesprochen - das Unrecht das letzte Wort behält. Es gibt dann keine Heilung des Unrechts. Wollen Sie das?

Werter Cemper,

in einer nicht magischen Welt kommt es doch nicht auf unser Wollen an, wenn es um die Beschreibung dessen geht, was der Fall ist. Wenn der Tod das Leben endgültig beendet, dann ändert daran auch unser aller Wollen nichts. Auch wenn die ganze Menschheit ganz fest wollte, dass Sie heute früh um 09 Uhr auf Ihrem Schreibtisch einen lupenreinen 14-Karäter gefunden haben, würde das nichts daran ändern, dass Sie ihn nicht gefunden haben. Wir sind nicht bei "Wünsch dir was".

Im übrigen scheint mir Ihre Schlussfolgerung nicht zwingend: Das letzte Wort behält, wer zuletzt spricht. Und solange es Menschen gibt, kann dem Täter von Unrecht widersprochen werden. Betrachtet man den Tod also als letztes Ende, dann gemahnt dieser Gedanke an die unbedingte, jederzeitige Hinwendung zum Mitmenschen im Diesseits (ein Jenseits scheidet dann als Denkkategorie aus). Betrachtet man den Tod hingegen nicht als letztes Ende, dann darf man auf eine Erlösung oder (Wieder-)Gutmachung im Jenseits hoffen. In diesem Fall sieht JNj bestimmt am Horizont die Gefahr der Bigotterie heraufziehen: Der Nächste leidet, aber das ist ja nicht so schlimm, weil es ihm "dort" besser gehen wird. Am reinen Maßstab der Nächstenliebe orientiert ist der Tod also als letztes Ende sehr wünschbar, denn er zwingt uns hier und jetzt zur tätigen Nächstenliebe.

Gruß,
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Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon Cerebron » 04.11.2009, 10:58

@Karl:

Information setzt eine Ordnung voraus. Ordnung lässt sich nur durch Energieeinsatz aufrechterhalten. Die Gesamtenergie des Universums ist konstant. Ergo: Besteht die Information des einzelnen Bewustseins weiter, dann muss sie irgendwo im Universum "herumliegen" - ansonsten würde sich der Energiegehalt des Universums ändern. Liegt das angenommene "Jenseits" also im Diesseits?

Ferner: Das Universum selbst ist endlich und wird eines Tages wieder kollabieren. Tritt spätestens dann der Tod als letztes Ende ein?

Gruß,
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Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon Karl » 04.11.2009, 11:19

Cerebron,

zu Ihren Fragen:

1.) Aus den von Ihnen genannten Gründen gehe ich davon aus, dass das 'Jenseits' (sofern es sowas gibt) Bestandteil unseres Universums sein muss. Würde Gott ausserhalb unseres Universums existieren, könnte unsere Seelen oder Bewusstseine niemals zu ihm gelangen, ohne den Energieerhaltungssatz zu verletzen.

2.) Es gibt zwei Möglichkeiten: Unser Universum dehnt sich unendlich aus, oder es kollabiert irgendwann zu einer Singularität.
In beiden Fällen bleibt die Gesamtenergie erhalten, nur verteilt sie sich auf verschiedene Raumausdehnungen.

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Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon Cerebron » 04.11.2009, 11:40

@Karl:

ja, so kann man das sehen, und es gibt gute Gründe dafür. Oder man betrachtet "die Seele" bzw das, was den Tod des Leibes "überlebt", als etwas radikal anderes, etwas, das völlig unabhängig vom Universum ist. Wir wären dann vielleicht bei etwas ähnlichem angelangt wie Platons Höhlengleichnis: Unser "Bewustsein" und alle materiellen Vorgänge zu seiner Bildung könnten beispielsweise eine Art "Schattenwurf" der stets im "Jenseits" verharrenden Seele sein.

Gruß,
C.E.
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Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon johnnelsonjun » 04.11.2009, 11:47

Cerebron hat geschrieben:Betrachtet man den Tod hingegen nicht als letztes Ende, dann darf man auf eine Erlösung oder (Wieder-)Gutmachung im Jenseits hoffen. In diesem Fall sieht JNj bestimmt am Horizont die Gefahr der Bigotterie heraufziehen: Der Nächste leidet, aber das ist ja nicht so schlimm, weil es ihm "dort" besser gehen wird. Am reinen Maßstab der Nächstenliebe orientiert ist der Tod also als letztes Ende sehr wünschbar, denn er zwingt uns hier und jetzt zur tätigen Nächstenliebe.

Gruß,
C.E.


Zunächst sehe ich hier erst einmal eine sehr eindimensionale Sicht bzgl. des Weiterlebens nach dem Tode, die sich so nicht im NT findet.

FG,
JNj. :wink:
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Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon Cemper » 04.11.2009, 12:08

Cerebron hat geschrieben:
Cemper hat geschrieben:Wir müssen wissen, was wir sagen, wenn wir das Leben als eine mit dem Tod endgültig abgeschlossene diesseitige Veranstaltung betrachten und so etwas - wie Sie - hoffen. Wenn wir das tun, dann sagen wir, dass - plakativ gesprochen - das Unrecht das letzte Wort behält. Es gibt dann keine Heilung des Unrechts. Wollen Sie das?

Werter Cemper,

in einer nicht magischen Welt kommt es doch nicht auf unser Wollen an, wenn es um die Beschreibung dessen geht, was der Fall ist. Wenn der Tod das Leben endgültig beendet, dann ändert daran auch unser aller Wollen nichts. Auch wenn die ganze Menschheit ganz fest wollte, dass Sie heute früh um 09 Uhr auf Ihrem Schreibtisch einen lupenreinen 14-Karäter gefunden haben, würde das nichts daran ändern, dass Sie ihn nicht gefunden haben. Wir sind nicht bei "Wünsch dir was".

Im übrigen scheint mir Ihre Schlussfolgerung nicht zwingend: Das letzte Wort behält, wer zuletzt spricht. Und solange es Menschen gibt, kann dem Täter von Unrecht widersprochen werden. Betrachtet man den Tod also als letztes Ende, dann gemahnt dieser Gedanke an die unbedingte, jederzeitige Hinwendung zum Mitmenschen im Diesseits (ein Jenseits scheidet dann als Denkkategorie aus). Betrachtet man den Tod hingegen nicht als letztes Ende, dann darf man auf eine Erlösung oder (Wieder-)Gutmachung im Jenseits hoffen. In diesem Fall sieht JNj bestimmt am Horizont die Gefahr der Bigotterie heraufziehen: Der Nächste leidet, aber das ist ja nicht so schlimm, weil es ihm "dort" besser gehen wird. Am reinen Maßstab der Nächstenliebe orientiert ist der Tod also als letztes Ende sehr wünschbar, denn er zwingt uns hier und jetzt zur tätigen Nächstenliebe.

Gruß,
C.E.


Werter Cerebron,

in unseren kleinen Dialogen beobachte ich manchmal, dass Sie mir widersprechen oder ein Argument vortragen, die sich gegen etwas richtet, was ich gar nicht gesagt habe. In Ihrem Eintrag oben sagen Sie, es käme doch nicht auf unser Wollen an.

Ich habe doch gar nicht behauptet, dass es auf unser Wollen ankäme. Am Rande: Genau das habe ich in diesem Forum auch schon mehrfach geschrieben. Ich habe oft angedeutet, dass die Wirklichkeit für alle Menschen - unabhängig von ihrer Religion oder Weltanschauung - gleich sei. Entweder ist etwas nach dem Tod - oder es ist nicht. Dieses Sein oder Nichtsein ist von unserem Wollen unabhängig.

Herrn Karl habe ich doch nur geschrieben, dass wir, wenn wir das Leben als eine mit dem Tod endgültig abgeschlossene diesseitige Veranstaltung betrachten, damit sagen, dass das Unrecht das letzte Wort behält. Es gibt dann keine Heilung des Unrechts. Und dann habe ich gefragt: Wollen Sie das?

Diese auf den Willen gerichtete Frage zielt nicht auf eine naturwissenschaftlich erklärbare Welt und auf Religionskritik wie wir sie etwa bei dem derzeit oft zitierten Zoologen und Biologen Richard Dawkins - der in Oxford lehrt - finden. Vielleicht kennen Sie sein diskutiertes Werk „Der Gotteswahn“, in dem dieser Naturwissenschaftler darstellt, dass der Mensch bzw. die Menscheit seit Ewigkeiten an ein höheres Wesen glaubt und damit einem gewaltigen Irrtum unterliegt.

Ich habe - wenn ich Wollen spreche - eine andere Sicht. Die von Dawkins und auch von anderen Naturwissenschaftlern vorgebrachten Argumente sind - mit Verlaub - oft primitive theologische Vorstellungen. Teilweise handelt es sich um naturwissenschaftliches Gequatsche über theologische Vorstellungen und Aussagen über Gott, die auffällig damit beschäftigt sind, den Menschen das angedeihen zu lassen, was früher die Religion leistete, nämlich die Entschuldung. Verantwortung hat jetzt nicht mehr der handelnde Mensch, sondern irgendein Gen, ein Mem oder die Neurologie. Das Ganze erscheint mir wie eine Geisterdebatte, die sich an kindlichen Gottesvorstellungen abarbeitet. Ich stelle dem etwas entgegen, was ich schon gelegentlich in diesem Forum erwähnt habe. Ich sage mit Bonhoeffer: Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht. Und ich sage mit Tillich: Gott ist ein Symbol für Gott. Mit beiden Sätzen wird nicht gesagt, dass es keinen Gott gibt. Die wirkliche Bedeutung - die auch für das hier diskutierte Thema belangvoll ist - habe ich auch schon einige Male hier skizziert. Ich will das jetzt nicht wiederholen.

Angemerkt sei hier nur, dass ich Ihnen zustimme, wenn Sie sagen: „Am reinen Maßstab der Nächstenliebe orientiert ist der Tod also als letztes Ende sehr wünschbar, denn er zwingt uns hier und jetzt zur tätigen Nächstenliebe.“

Es bleibt aber die Frage, was mit all dem Unrecht „passiert“, das die erlitten haben, die von keiner Nächstenliebe erreicht worden sind. Wer spricht dann zuletzt? Diese Frage reicht über das Diesseits hinaus in ein Land, das es unabhängig von unserem menschlichen Wollen gibt oder nicht gibt und das der Biologie und anderen Naturwissenschaften nicht zugänglich ist. Ich habe bewusst nicht von Jenseits, sondern abstrakt oder auch blumig von „Land“ gesprochen - und ich sage, dass ich nicht weiß, was für ein Land das ist. Für mich reicht es, hier an eine Formulierung des Philosophen Bloch zu denken; er sagt es ungefähr so (ich zitiere aus der Erinnerung): Es ist das Land, in dem noch keiner war und das uns allen in die Kindheit scheint: Heimat.

Ich bin mir der vermutlich grandiosen Unvollkommenheit dieser Antwort bewusst. Sie ist ja nur ein kleiner Ausflug bei der Arbeit an ganz anderen "Geschichten". Nur - wenn ich lese, zu welch unsicheren Ergebnissen in den Fragen zum Jenseits und Gott die Großdenker unter Naturwissenschaftlern und Theologen an den entscheidenden Stellen kommen, dann habe ich immer wieder das tröstende "Gefühl", dass ich mir das Vertrauen nicht zerstören lassen sollte - und sei es nur das Vertrauen darauf, dass die "Frage nach Gott" die Frage ist, was wir tun sollen und was wir hoffen dürfen.

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Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon Cerebron » 04.11.2009, 13:44

Werter Cemper,

Sie schreiben, ich schriebe an Ihrem Thema vorbei. Ehrlich gesagt kann ich Ihnen darin nicht folgen. Ich verstehe den Vorwurf schlicht nicht.

Karl stellt die These zur Diskussion, mit dem Tode sei alles aus, und das sei gut so. In diesem Zusammenhang antworten Sie, das Unrecht behalte dann das letzte Wort, und legen durch Ihre rhetorische Frage nahe, dies könne nicht gewollt werden. Da ich davon ausgehe, dass Sie sich noch immer auf Karls These beziehen, mit dem Tode sei alles aus, muss ich aus Ihrer Antwort schließen, dass wegen der aus Ihrer Sicht unannehmbaren Konsequenzen dieser These die Prämisse falsch sein müsse. An dieser Stelle hake ich ein und weise darauf hin, dass hier (a) die befürchteten Konsequenzen keinen Rückschluss auf die Validität der Prämisse erlauben, und (b) die Konsequenzen nicht so unannehmbar sein müssen wie befürchtet. Das aber ist dann am Thema vorbei. Und zwar warum, bitteschön? Gern per PN.

Gruß,
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Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon Cerebron » 04.11.2009, 14:02

Werter Cemper,

Cemper hat geschrieben:Es bleibt aber die Frage, was mit all dem Unrecht „passiert“, das die erlitten haben, die von keiner Nächstenliebe erreicht worden sind. Wer spricht dann zuletzt? Diese Frage reicht über das Diesseits hinaus in ein Land, das es unabhängig von unserem menschlichen Wollen gibt oder nicht gibt und das der Biologie und anderen Naturwissenschaften nicht zugänglich ist. Ich habe bewusst nicht von Jenseits, sondern abstrakt oder auch blumig von „Land“ gesprochen - und ich sage, dass ich nicht weiß, was für ein Land das ist.

Auch auf die Gefahr hin, wieder am Thema vorbeizuschreiben: Die Frage, was mit all dem Unrecht „passiert“, das die erlitten haben, die von keiner Nächstenliebe erreicht worden sind, reicht dann über das Diesseits hinaus, wenn es ein Land gibt, in das sie hineinreichen kann. Anders: Die Frage stellt sich nur, wenn man von irgendeinem Jenseits ("Land") ausgeht.

Sehen Sie, ich glaube, frei zu sein in der Frage, ob ich an ein Jenseits und Gott glaube oder nicht. Völlig frei. Es gibt kein Argument für oder wider. Es ist nicht plausibler oder wünschbarer, zu glauben oder nicht zu glauben. Und von dieser Freiheit mache ich Gebrauch und glaube. An Gott den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, etc - Sie kennen das. Niemand zwingt mich dazu. Es gibt nicht einmal ein vernünftigerweise anzunehmendes Gebot "Du sollst", und es gibt - für mich - kein "sollte wohl?" mehr. Und indem ich glaube, was ich glaube, merke ich, dass ich mir auf meinen Gebrauch der Freiheit nichts einbilden kann, sondern dass die Freiheit der Wahl und die getroffene Wahl eine Gnade dieses geglaubten Gottes sind.

Gruß,
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Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon Karl » 04.11.2009, 14:33

Cerebron,

ich habe über Ihren Gedanken nachgedacht "..dass die 'Seele' etwas völlig anderes ... lösgelöst vom Universum sein könnte .. die möglicherweise nur in einem 'Jenseits' existiert und in das 'Dieseits' ihren 'Schatten' wirft."
Im Ergebnis komme ich auch hierzu zu keiner anderen Schlussfolgerung:
Ich gehe davon aus, dass trotzdem "Seele' und 'Schatten' in einem Informationsübermittlungskontakt stehen müssen (entweder permanent oder zum Zeitpunkt des Todes), denn die 'Seele' kann ohne Kontakt zum 'Schatten' nicht wissen, was während der Lebzeit des Körpers im 'Dieseits' passiert ist.
.. und da die Information und deren Übermittlung Energie benötigt, würde auch hier (sofern sich die 'Seele' ausserhalb des Universums befindet) der Energieerhaltungssatz verletzt.
Es sei denn, es gibt Informationen (die im 'Dieseits entstanden sind) und deren Übermittlung, die keine Energie benötigen - aber dann müssten wir in unserer Diskussion die bekannten Naturgesetze zumindest teilweise aufheben. Und das erscheint mir nun für uns Erdenmenschen wenig befriedigend.

LG Karl
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Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon Cerebron » 04.11.2009, 14:49

Werter Karl,

ja, es bleibt unbefriedigend. Wie diese "Wechselwirkung" zwischen Seele und Leib funktioniert kann ich nicht sagen. Ich verstehe ja nicht einmal das EPR-Experiment und seine Ergebnisse.

Gruß,
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Re: Nachrichten aus dem Jenseits

Beitragvon Cemper » 04.11.2009, 15:34

Cerebron - zu Ihren beiden Einträgen an mich (oben 14.02 und 14.33) eine nur kurze Antwort.

Vorab dies: Ich habe angemerkt, dass Sie manchmal gegen etwas anschreiben, was ich nicht geschrieben habe. Wenn ich jemanden frage, ob er etwas will, dann schreiben Sie mir, dass es auf das Wollen nicht ankommen könne, weil sich die Wirklichkeit nicht nach dem Wollen richtet. Damit tun Sie so, als hätte ich den Willen als wirklichkeitsbestimmend dargestellt. Das habe ich aber nicht getan. Ich habe nur gefragt, ob jemand etwas will. Außerdem: Einen Vorwurf habe ich - soweit ich sehe - nicht "erhoben". Ich habe nur festgestellt, dass Sie manchmal Argumente gegen eine nicht gemachte Aussage vorbringen. Das aber nur vorab. Vergessen Sie es.

Jetzt zu den wichtigen Punkten:

Das Verständnis von Tod als Endstation ("alles aus") kann richtig sein. Es kann aber - so mein Verständnis von Christentum - aus christlicher Sicht nicht vertreten werden. Eine solche Realität des Todes kann von einem Christen auch nicht gewollt werden. Ich wage mich mal etwas weit vor: Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der sich den Tod als eine solche Realität wünscht, zugleich christlich glauben will. Er kann innerweltlich christlich im Sinne einer Soziallehre handeln und sich insoweit dann auch als Christ verstehen. Aber dieses soziale Handeln ist ja etwas anderes als christlich Glauben. Der Gedankengang dazu ist einfach:

Die Geschichte der Menschheit ist in großen Teilen eine Geschichte des Unrechts. Dieses Unrecht ist mit dem Tod der Menschen nicht verschwunden. Es ragt aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Die Frage ist: Bleibt es dabei? Bleibt es bei diesem Unrecht? Ja oder nein? Wenn mit dem Tod alles aus ist, dann bleibt das Unrecht; vereinfacht-bildlich gesprochen: der Mörder hat dann das letzte Wort. Auch die Natur in Gestalt von Naturkatastrophen hat dann das letzte Wort. Hier meine ich, dass man nicht - wie Sie - sagen kann, die Konsequenzen müssten nicht so unannehmbar sein wie befürchtet. Nein, die Konsequenzen sind der ewige Fortbestand des Unrechts. Ich halte das für unannehmbar. Das akzeptiere ich nicht! Ich akzeptiere das Unrecht nicht und würde - wenn ich könnte - auch Gott verklagen. Nur: Einen Gott, den ich verklagen kann, gibt es nicht. Also stehe ich da ...

Ich kann selbstverständlich nicht ausschließen, dass es bei dem Unrecht bleibt. Manchmal befürchte ich auch, dass es so ist - und dann scheint mir die menschliche Existenz trotz mancher Schönheiten und Freuden letztlich aber doch sinnlos zu sein bzw. nur insoweit Sinn haben zu können, wie Menschen ihrem Dasein Sinn geben. In einer so beschaffenen Wirklichkeit sehe ich auch keinen „Ort“ für einen über allem thronenden allmächtigen und gütigen Gott. An ihn kann ich dann auch nicht glauben.

Unbeschadet der Möglichkeit der Sinngebung in der Gegenwart bleibt aber das aus der Geschichte der Menschheit in die Gegenwart ragende Unrecht. Wenn dieses Unrecht geheilt werden soll, dann muss es eine Wirklichkeit jenseits des Todes geben; der Tod kann dann - dann! - logisch nicht mehr als Endstation personaler Existenz verstanden und in der Perspekive der Solidarität mit den Verstorbenen auch nicht als Endstation gewünscht werden. Das - meine ich - ist so. Ich habe darüber schon mit normalen Pastoren und mit Theologielehrern gesprochen; manche haben mich etwas seltsam angeschaut. Ungefähr so: Du bist doch sonst so vernünftig ... Eine Theologieprofessorin hat mir mal klipp und klar gesagt: „Mit dem Tod ist das Leben zu Ende. Wir fallen wie ein Tropfen Wasser in den Ozean und sind weg und doch noch da - aber nicht mehr personal.“ Ein Theologieprofessor hat mir gesagt: „Leben nach dem Tod - so ein Quatsch. Das gibt es nicht.“

In der Enzyklika "Auf Hoffnung hin" - von Papst Benedikt XVI. 2007 veröffentlicht - heißt es unter Nr. 43: "...Gott gibt es, und Gott weiß, Gerechtigkeit zu schaffen auf eine Weise, die wir nicht erdenken können und die wir doch im Glauben ahnen dürfen. Ja, es gibt die Auferstehung des Fleisches. Es gibt Gerechtigkeit. Es gibt den "Widerruf" des vergangenen Leidens, die Gutmachung, die das Recht herstellt. Daher ist der Glaube an das Letzte Gericht zuallererst und zuallermeist Hoffnung – die Hoffnung, deren Notwendigkeit gerade im Streit der letzten Jahrhunderte deutlich geworden ist. Ich bin überzeugt, dass die Frage der Gerechtigkeit das eigentliche, jedenfalls das stärkste Argument für den Glauben an das ewige Leben ist. Das bloß individuelle Bedürfnis nach einer Erfüllung, die uns in diesem Leben versagt ist, nach der Unsterblichkeit der Liebe, auf die wir warten, ist gewiss ein wichtiger Grund zu glauben, dass der Mensch auf Ewigkeit hin angelegt ist, aber nur im Verein mit der Unmöglichkeit, dass das Unrecht der Geschichte das letzte Wort sei, wird die Notwendigkeit des wiederkehrenden Christus und des neuen Lebens vollends einsichtig."

Der Papst sagt hier etwas, was ich mir schon als Kind ungefähr „zurechtgedacht“ hatte (und woran ich dann später auch oft gezweifelt habe). Verstehen Sie jetzt, was ich meine?

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