von Forum und so

Selbstgedichtet und verfasst oder entdeckt

von Forum und so

Beitragvon autor » 19.09.2007, 18:00

Liebe Leser

Von Forum und so – literarische Reflektionen sind untrennbar mit einem demokratischen Ort des Austauschs verbunden. Einen freien Ort der keinen Raum zur Selbstreflektion hat kann es nicht geben.

Unter Lyrik und Prosa ist bislang die Fabel zu kurz gekommen. Sie ist der Prüfstein an dem sich eine Austauschkultur messen lassen muss. Hier soll den Protagonisten dieses Forums vom Schreiber, einem Narren gleich, der Spiegel vor Augen gehalten werden.

Ich bitte um rege Beteiligung in Form aller lyrischen und prosaischen Textgattungen.

Grüße,

a.
Zuletzt geändert von autor am 19.09.2007, 18:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon autor » 19.09.2007, 18:02

(shalom)
Elf Elchtexte (14.09.2007)

Die schärfsten Kritiker der Elche
Waren früher selber welche.
(F.W.Berstein)

Was ich an scharfen Kritikern liebe, sind ihre Versuche den Elchen
die Qualitäten des Unelchseins handgreiflich zu machen

Die schärfsten Kritiker von heute
Sind unelchlich qualitätsgesteigerte Leute

Doch die schärfsten Kritiker von morgen
Plagen inkontinent ganz andere Sorgen
(und manchmal noch nicht mal das)

Sie machen sich in einer Tour
Sorgen um die Wohlgestalt der Figur

(bei gewesenen Elchen kein Wunder
Sie sind immer noch keine Flunder)

Für scharfe Elchkritiker ist das ganz natürlich
Doch den alten Elchen dünkt’s eher glaubenssubkultürlich

Und sogar die jungen Elchnovizen
Üben sich schon in Randnotizen

Doch die Steigerung von Qualität – nur keine Qual
Bedeutet für den aussortierten Teil – ab ins Jammertal

Daran, durch Sortieren Qualität zu schaffen
Glaubt ohnehin nur der Stamm der Mandelaffen

Jedem Tierchen
Sein Plasierchen

Ihr CentrOniker – shalom





(autor)
Tierische Kontemplation über shaloms Elf Elchtexte (15.09.2007)

Jedem Tierchen sein Plaisierchen

Einst wollt’ das Haupt der Mandelaffen
letztelchlich sich als Elch erschaffen.
Und sprach vom Oberaffenthron
„Bin nicht nur Elch, bin elcher schon!“

„Seht das Geweih – die Ehrenkrone –
die der Elch empfängt zum Lohne.
Seht diesen eleganten Gang, seht in meine stolzen Augen,
seht meiner Lippen Überhang, die so gut zum sabbern taugen.“

Da hurzt es unterm Elchenrock: „Will nicht nur Elch sein – sondern Bock!“

„Wer nicht so elchlich ist wie ich, der hat nun nichts mehr zu sagen,
und wer meint er sei schon Elch, muss mich um Elchlaubnis fragen.“

So machte sich zum Gärtner gar,
der Affe, der ein Esel war.

(Möge dieser Elch an mir vorübergehen.)


a.


(shalom)
„Die Farm des Forums“ (18.09.2007)

Die größten Kritiker der Elche
Waren früher selber welche
Und kaum so geschehen auf Erden
Auch Autoren angeprangert werden.

Obwohl den Elchtext gut bestanden
Die Gefahr besteht – im Trash zu landen
Doch nur um die Qualität zu pushen
Muss ein Teil halt kuschen.

Kritik – Das Scheiden, Trennen,
um die Bedeutung klar zu nennen
schafft ihre eignen Klassen
der Elch wirkt nun mal im Nassen.

Die großen Kritiker – geläutert und total entelchlicht
Entwachsen den Subkulturen - total verweltlicht
Auf zwei Füßen schreitend, e s p-lich stabilisiert
Kein kultivierter Kritiker je umfall ’n wird

Subkültürlich der Elch den maritimen Weg freigrast
Übernatürlich der Kritiker wütend rast
Im brennenden Eifer nicht rastet noch rostet
selbst wenn’ s manches Elchsein kostet

Auf Elchkuh und ihren Hirsch,
Sind die Kritiker schon länger auf der Pirsch
Das im neoklassistisch gemauerten Gehege
Sich der Segen Gottes nicht allzufrei bewege

Doch Hälge überlebt, verträumt an Seerosen nippend
Kritiker bisweilen auf die Schaufeln schippend
Und Ellen, eine Kossa mit Haaren auf den Zähnen
Lässt ihre messerscharfe Kommentare sich nicht nehmen.

Doch alarmiert vom Elchefant im Laden aus Porzellan
Fangen die großen Kritiker schnell zu mauern an
Zunächst Hinterzimmer und dann ADR – nur kein Gekicher
Erst im Schutz von Mauern fühlt Kritik sich sicher.

Dank Elchsortierprogramm, dem ESP
Tut das Scheiden nicht mehr weh
Und den Schreibtisch des Kritikers, dem großen Schalk
Ziert seitdem ein kleines süßes goldnes Kalb

Ja „alle Tiere sind gleich und einige gleicher“
Und manche Autoren eine Erfahrung reicher.
Selbstverelchlich war das elchlich fälschlich geldlich –
Denn elchlich währt am längsten – Ehrich!
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Beitragvon autor » 19.09.2007, 18:05

„Animal Farm“ – „Forumsfarm“ – Bauernhof – Stall – ich bin gerührt.

Bald ist Weihnachten!

Offenbarte sich doch der Herr nicht dort, in den Hinterzimmern, wo man sagt: „Hier ist kein Platz für euch!“ – nein – das Licht der Wahrheit erstrahlte im Stall. Dort, wo sich Ochs und Esel, Sinus und autor gute Nacht sagen, dort wo Ziege und Schaf, Tatyana und Evah einmütig beieinander stehen, dort ist Platz für das Wort der Wahrheit. Auch die Weisen aus dem Morgenlande, die Eloquenz, die Fulminanz und die Klarheit, shalom, Prolle und Tergram, betreten nicht die dumpfigen engen Kammern, wo man sie doch so gerne empfangen hätte – nein – ihre Geschenke, Erkenntnisse, stringent in reinster Form und wertvoll ausgeschmückt in den entzückendsten Ausprägungen von Lyrik und Prosa, bringen sie dort dar, wo man einfach, einmütig und frei beieinander sitzt – im Stall von „Glaubenskultur“.

a.
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Beitragvon August Prolle » 20.09.2007, 12:55

Die oben hinterlegte Elchlyrik shalomscher und autor-nomer Prägung trägt für mich durchaus kafkaeske Züge. In Ermangelung eigener "Geistesfrüchte" lasse ich den Meister persönlich zu Wort kommen - mit einer Fabel, die möglicherweise gewisse Assoziationen zu dem gewählten Thema "von Forum und so" zulässt:
    Kleine Fabel

    "Ach", sagte die Maus, "die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe." - "Du musst nur die Laufrichtung ändern", sagte die Katze und fraß sie.

    (Franz Kafka)
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Beitragvon Cemper » 20.09.2007, 13:11

Lieber Herr Prolle,

auf meinem Schreibtisch liegt ein Buch „Denken im Zwielicht“ des Theologen Richard Schröder (Ex-DDR). Schröder hat an den Anfang - im Anschluss an die Titelei - eine Geschichte gestellt, die man parallel zur Kafka-Geschichte und in gewisser Weise auch im Blick auf manche Kirchen lesen kann:

„Als auch die Tierkinder zur Schule gehen mußten, wurde der Rabe zum Staatskundelehrer bestellt. Er nahm das Lehrbuch in die Hand und erklärte den Kleinen, wie positiv doch alles sei. Nicht einmal ein Wölkchen war dem Bilde zu sehen, das er von der Welt malte.
Da blickte ein kleines Mäuschen aus dem Fenster und rief: Herr Lehrer, es regnet!
Der Lehrer aber schaute in sein Buch, schüttelte den Kopf und sagte: Regen ist hier nicht drin.
Es regnet aber wirklich! rief das Mäuschen wieder.
Da schrieb der Rabe dem Mäuschen eine Fünf wegen schlechten Betragens ins Heft. Das kommt davon, krähte er, wenn man während des Unterrichts aus dem Fenster guckt.“
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Beitragvon evah pirazzi » 25.09.2007, 09:31

Eine kleine Fabel, die vielleicht auch zum Thema passt.

Die Reichsgeschichte der Tiere (1787)

Die Tiere lebten viele Jahre
In friedlicher Demokratie.
Doch endlich kamen sie einander in die Haare,
Und ihre Republik versank in Anarchie.
Der Löwe machte sich den innern Streit zu Nutze
Und bot sich ohne Sold dem kleinern Vieh,
Als dem gedrückten Teil, zum Schutze,
Zum Retter seiner Freiheit an.
Er wollte bloß des Volkes Diener heißen
Und brauchte weislich seinen Zahn
Im Anfang nur, die Räuber zu zerreißen.
Als dies die frohen Bürger sahn,
Ernannten sie zum wohlverdienten Lohne
Den Diener feierlich zum Chan,
Versicherten die Würde seinem Sohne
Und gaben ihm die Macht, die Ämter zu verleihn,
Um kräftiger beschützt zu sein.
Nun sprach der neue Fürst in einem andern Tone:
Er gürtete sein Haupt mit einer Eichenkrone,
Enthob Tribut, und wer ihm widerstand,
Fiel als Rebell in seine Pranke.
Der Tiger und der Fuchs, der Wolf, der Elefant
Ergaben sich aus List, und jeder ward zum Danke
Zum königlichen Rat ernannt.
Jetzt halfen sie dem Chan die schwächern Tiere hetzen,
Bekamen ihren Teil an den erpreßten Schätzen,
Und raubten endlich trotz dem Chan.
Ha, rief das arme Volk mit tiefgesenkten Ohren
Und mit geschundner Haut, was haben wir getan! -
Allein der Freiheit Kranz war nun einmal verloren,
Der Löwe war und blieb Tyrann;
Er ließ von jedem Tier sich stolz die Pfote lecken,
Und wer nicht kroch, der mußte sich verstecken.

(Gottlieb Konrad Pfeffel, 1736 - 1809)

:wink:
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Beitragvon August Prolle » 03.10.2007, 17:13


        Mauerfall
      Bedurfte es von Fall zu Fall
      in Jericho Posaunenschall,
      in deutschen Landen Volkes Schrei -
      so bleibt das Mittel einerlei.
      Es wird geheiligt durch den Zweck:

      DIE MAUER MUSS WEG!

    Bild
A.P.
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Beitragvon katze » 03.10.2007, 18:20

Bild
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Beitragvon gecko » 03.10.2007, 19:44

lasst den prolle rein ... der macht uns sonst noch die mauer kaputt :lol:
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Beitragvon evah pirazzi » 03.10.2007, 19:53

Der ist schon drin, das ging ganz einfach. :wink:

Die Mauer ist nach wie vor das Problem, Meister.

:roll:
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Beitragvon gecko » 03.10.2007, 19:57

das problem haben aber nicht alle :arrow: hier der beweis
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Beitragvon steppenwolf » 04.10.2007, 00:04

Und geht der Schrei bis nach Wallhall,
Posaunen posaunieren Schall,
ob´s Volk auch schreit: Wir sind das Eine -
der Odin sagt: GK ist Meine!

Soweit sind wir noch lange nicht,
dass jeder sagt, was ihm gebricht!
Hugin und Munin, die treu sind und Raben,
sie geben ihm Kunde, von denen, die wagen,

zu bieten der Mauer im Trotze die Stirn.
Ja Leute, wo lebt ihr, wo ist euer Hirn?
Wollt ihr euch denn wirklich versammeln im Chor,
obwohl ihr doch wißt: Ich schicke den Thor?

Der Thor schwingt den Hammer - es ist eine Freude!
Seid ihr denn nur alle des Wahnsinnes Beute?
Wer ist es, wer wagt es, wer will euch verführen,
obwohl es doch klar ist: Ich sende Walküren?!

Der Thor mit dem Hammer - Mjöllnir ist sein Name,
er schleudert die Blitze auf´s Volk, das infame,
das Ruhe nicht gibt, das stichelt und hetzt,
bis endlich sie falle, die Mauer - zuletzt.

Vergeßt eure Träume, denkt doch an die Leute,
die selbst und von sich aus mir machten die Freude,
bevor sie der Hammer des Thor´ sie erreichte,
sie gingen mit Wut im Gesicht, das erbleichte.

Ich hab´ es beschlossen, drei and´re sind Zeuge:
Das Wort eures Odin, das niemals sich beuge,
dem Rütteln und Klopfen, wie´s einstens geschah -
es ist nur zum Wohle: Die Mauer bleibt da!
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Beitragvon scholli » 04.10.2007, 07:12

G 2 Sendepause seit dem 24.09.2007 :wink:


Der Feldzug ist zu Ende
es war eine blutige Schlacht
eine uneinnehmbare Festung
mein Herz beschimpft und verlacht.

Nein, ich hatte nie gewonnen
Die Festung nur für mich erkoren
es hatte noch nicht begonnen
da war schon alles verloren.

Einbruch und Hilfe schrien sie
unser ehrwürdiges erhabenes Geschlecht
mit Deiner Mittelmäßigkeit
hast Du auf die Festung kein Recht.

Diese kalte unantastbare Mauer
Sie läßt mich erzittern und frieren
der Ehrfurcht weicht Trauer
und langsam erstarrt die Liebe.

Was hat es gebracht ???
Ich setze Liebe mit Freiheit gleich. Die Liebe zu Gott kann nicht durch Gebote, sondern nur durch einen Akt der Willensfreiheit bewirkt werden. - Isaac B. Singer
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NACHFOLGE BIS...

Beitragvon maximin » 29.10.2007, 17:45

Die Stute und der Ackergaul
Leo N. Tolstoi

Eine hübsche Stute war Tag und Nacht auf der Weide und nie vor dem Pflug; ein Ackergaul aber weidete nur des Nachts und musste tagsüber pflügen.

Die Stute sagte zum Ackergaul: "Warum rackerst du dich so ab? Ich an deiner Stelle würde einfach nicht hingehen. Und wenn dir der Bauer mit der Peitsche kommt, komm du ihm mit deinen Hufen!"

Am andern Morgen tat der Ackergaul genau das, was ihm die Stute geraten hatte. Und der Bauer sah, wie störrisch der Ackergaul war, und nahm die Stute ins Geschirr, ehe sie recht merkte, was mit ihr geschah.

Quelle: http://www.hekaya.de/anzeigen.phtml/fab ... europa_103
Der kleine Glaube hat denselben starken Heiland wie der große Glaube...
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