Ehrlich zu mir selbst ...

Selbstgedichtet und verfasst oder entdeckt

Beitragvon trinity » 19.10.2007, 04:53

Liebe Solange,

wo immer Du bist ... ich hab hier was für Dich ... und für mich und für alle!
Es (er) spricht von dem, was Du geschrieben hast!

Herzlichen Gruss
Herr T
trinity
 

Beitragvon trinity » 19.10.2007, 06:01

Die Lilien auf dem Felde


Jesus ursprüngliche Botschaft ist so einfach. Sie ist erst mal das Zeugnis eines Menschen, der ein Sohn der Menschen und ein Sohn des Göttlichen zugleich ist, und der von beidem zutiefst weiß und aus beidem zutiefst lebt. Jeder Mensch ist das, aber Jesus ist ein Mensch, der zutiefst daraus und darin lebt und spricht, und dem alles andere nebensächlich ist. Er legt Zeugnis ab von der realen Möglichkeit in das Göttliche hinein zu werden. Das ist Geburtstag des Wesentlichen und Todestag des Egos zugleich. Seine Botschaft ist einfach und ist Feuer. Er ist radikal wie alle Buddhas. Wenn ihr zum Beispiel folgende Geschichte wirklich hört und ernst nehmt, spürt ihr dieses Feuer:

„Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder, er wird den einen hassen und den anderen lieben oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch, sorgt euch nicht um euer Leben - was ihr essen und trinken werdet. Auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und nicht der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an. Sie sähen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne hinzusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt. Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen, sie arbeiten nicht, sie spinnen nicht. Ich sage euch, dass auch Salomon in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, wird er das nicht auch für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr euch nicht sorgen und sagen, was werden wir essen, was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit. So wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, der morgige Tag wird für das seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

Wir sind Teil der Existenz in unserer Form und sind Göttlichkeit in unserer Essenz. Wie könnten wir uns da sorgen? Natürlich werden diese Körper kaputt gehen, aber das macht nichts. Sie werden Erde, Apfelbäume und Lilien auf dem Feld. Und so lange der Körper lebt, lebt er. Das Problem ist, dass wir vergessen haben, dass wir in der Existenz zuhause sind. Aufgrund des sich nicht mehr zu Hause Fühlens in der Existenz, aufgrund unserer Entfremdung fingen wir an uns zu sorgen, fingen an zu sichern, zu horten, zu verteidigen. Und dabei einer gegen den anderen zu kämpfen. Gleichzeitig führt uns all das Horten und Sichern, all das Kämpfen in immer tiefere Entfremdung von der Existenz und vom Göttlichen. Deshalb beginnt Jesus dieses Gleichnis mit „Du kannst nicht zwei Herren dienen.“ Hier ist eine Entscheidung angesagt.

Horten ist ja eine eigenartige Angelegenheit, denn die Schätze der Natur, des Planeten werden nicht mehr, sondern sind immer gleich. Die Menge an Kohlenhydraten auf dem Planeten ist immer gleich. Die Menge an Gold, die Menge an Luft, die Menge an Wasser, ist immer gleich. Immer wenn wir versuchen uns selbst etwas für morgen zu sichern und zu horten, dann ist es einfach woanders nicht da. Wir können nicht vermehren. Es gibt kein Wachstum in diesem Sinne.

Die zweite Illusion in diesem Zusammenhang ist eine eigenartige Verknüpfung in unserem Geist zwischen dem was wir tun, was wir arbeiten und der Sicherung des Lebens. Ich kann für mich eine solche Verbindung gar nicht mehr herstellen. Ich kenne es wohl von früher aber damals habe ich mir auch noch Sorgen gemacht. Jetzt ist es so: Ich tue, was ich tue oder was ansteht und was ich erhalte ist Geschenk. Ich habe überhaupt nicht das Gefühl irgendetwas zu verdienen. Ich betrachte alles was ich esse oder was ich anziehe, wo ich wohne, all die Schönheit und all den Reichtum als absolutes Geschenk und überhaupt nicht als Verdienst. Wir können gar nichts verdienen. Wir können schenken und können empfangen und wir können dankbar sein. Wir können entspannen und sehen, es ist alles da. Und was morgen ist weiß ich sowieso nicht. Je mehr wir uns da hinein entspannen, und je mehr wir aufhören zu fordern und anfangen großzügig zu sein, desto besser können wir all diese Geschenke sehen. Wir müssen nichts mehr halten. Wir können es sowieso nicht - niemand kann irgendwas wirklich halten, niemand kann irgendwas wirklich besitzen.

Und das ist die dritte Illusion, die Jesus hier entlarvt. Besitzen definiert sich meiner Meinung nach dadurch, wirklich Macht über etwas zu haben, damit machen zu können was man will und zwar immer. Und es gibt nichts, was ich auf diese Art besitzen könnte, weil mir alles irgendwann zwischen den Fingen zerrinnt. Also kann sowieso niemand etwas besitzen. Besitz ist reine Illusion. Spätestens wenn man stirbt kann man bekanntlich nichts mitnehmen. Dann ist Schluss mit der Macht über alles was ich glaube besessen zu haben, bis hin zu meinem Körper. Und wenn ich es im Tod nicht retten oder halten kann, hat es mir nie gehört.

Nur was bleibt hat Wert. Deshalb sagt Jesus: „Trachte zuerst nach dem Reich Gottes.“ Dieses Reich Gottes ist nicht irgendwo, sondern ist mitten in eurem Herz die ganze Zeit. Das Reich Gottes ist das Göttliche, das überall ausgebreitet ist. Es ist ein unendliches Mysterium, das die Existenz durchwebt, durchdringt, in jedem Moment neu erschafft, und noch weit, weit darüber hinausgeht. Davor und danach und darüber und darunter. Und das Reich Gottes ist nicht zu erschüttern. Wenn wir uns darauf ausrichten, können wir uns nicht sorgen. Und genau das unterscheidet Menschen des Wegs von Menschen, die diesen Weg nicht für sich wählen. Und da spricht Jesus von Heiden. Das ist die wirkliche Unterscheidung, die im Herzen und im Leben geschieht. Religiosität ist keine Frage der Zugehörigkeit zu irgendeiner Organisation, keine Frage von irgendeinem Ritus, keine Frage von Struktur, sondern eine viel, viel tiefere, viel, viel essentiellere Frage.

Wenn wir langsam anfangen uns nicht mehr zu sorgen, dann ist das eine tiefe Umkehr. Du empfindest die Welt, die Existenz nicht mehr als fremd oder feindlich. Da ist nicht mehr „ich und ...“, keine Feinde mehr, sondern ein Leben, ein Atem. Und wenn da keine Feinde sind und nichts zu sichern ist, wenn nichts zu horten und nichts zu sorgen ist, dann ist da einfach der Tanz des Lebens, Friedlichkeit und Liebe. Und dann beginnt Gebet, ein Gebet, das nicht bettelt, sondern einfach ist, ein Gebet ohne Worte, ein Gebet der Liebe und Hingabe und Dankbarkeit. Dann ist das Himmelreich genau jetzt. Und auch das nicht als Verdienst für irgendetwas, das wäre ein großes Missverständnis, sondern einfach weil es so ist.

Die Jünger fragten Jesus: „Wo bist du? Wir müssen dich suchen. Wo ist das Reich Gottes? Und wie gelangen wir dahin?“ Das Gleichnis von den Lilien auf dem Felde ist eine seiner Antworten. Es sind ganz simple, einfache Antworten. Jesus ist kein Mann der Technik, sondern ein Mann der Liebe. Und Liebe ist keine Technik, sondern ist einfach - ohne Grenzen.




© Pyar 06/2004
trinity
 

Beitragvon trinity » 07.11.2007, 09:18


Nur zwei Dinge
von Gottfried Benn (1886-1956)


Durch soviel Formen geschritten,
durch Ich und Wir und Du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu ?

Das ist eine Kinderfrage.
Dir wurde erst spät bewußt,
es gibt nur eines: ertrage -- ob Sinn,
ob Sucht, ob Sage -- dein fernbestimmtes: Du mußt.

Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.
trinity
 

Beitragvon trinity » 21.11.2007, 07:25

Jeremia 8


4 Darum sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Wo ist jemand, so er fällt, der nicht gerne wieder aufstünde? Wo ist jemand, so er irre gehet, der nicht gerne wieder zurechtkäme?
5 Noch will ja dies Volk zu Jerusalem irre gehen für und für. Sie halten so hart an dem falschen Gottesdienst, daß sie sich nicht wollen abwenden lassen.
6 Ich sehe und höre, daß sie nichts Rechtes lehren. Keiner ist, dem seine Bosheit leid wäre und spräche: Was mache ich doch? Sie laufen alle ihren Lauf wie ein grimmiger Hengst im Streit.
7 Ein Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, eine Turteltaube, Kranich und Schwalbe merken ihre Zeit, wann sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen.

8 Wie möget ihr doch sagen: Wir wissen, was recht ist, und haben die heilige Schrift vor uns? Ist's doch eitel Lügen, was die Schriftgelehrten setzen.
9 Darum müssen solche Lehrer zuschanden, erschreckt und gefangen werden; denn was können sie Gutes lehren, weil sie des Herrn Wort verwerfen?
10 Darum so will ich ihre Weiber den Fremden geben und ihre Äcker denen, so sie verjagen werden. Denn sie geizen allesamt, beide, klein und groß, und beide, Priester und Propheten, lehren falschen Gottesdienst
11 und trösten mein Volk in ihrem Unglück, daß sie es gering achten sollen, und sagen: Friede, Friede! und ist doch nicht Friede.
12 Darum werden sie mit Schanden bestehen, daß sie solche Greuel treiben, wiewohl sie wollen ungeschändet sein und wollen sich nicht schämen. Darum müssen sie fallen über einen Haufen, und wenn ich sie heimsuchen werde, sollen sie fallen, spricht der Herr.
13 Ich will sie alle ablesen, spricht der Herr, daß keine Trauben am Weinstock und keine Feigen am Feigenbaum bleiben, ja, auch die Blätter wegfallen sollen; und was ich ihnen gegeben habe, das soll ihnen genommen werden.

14 Wo werden wir dann wohnen? Ja, sammelt euch dann und laßt uns in die festen Städte ziehen und daselbst auf Hilfe harren. Denn der Herr, unser Gott, wird uns helfen mit einem bittern Trunk, daß wir so sündigen wider den Herrn.
15 Ja, verlasset euch darauf, es solle keine Not haben, so doch nichts Gutes vorhanden ist, und daß ihr sollt heil werden, so doch eitel Schaden vorhanden ist.
16 Man höret, daß ihre Rosse bereits schnauben zu Dan und ihre Gäule schreien, daß das ganze Land davon erbebet. Und sie fahren daher und werden das Land auffressen mit allem, was drinnen ist, die Stadt samt allen, die drinnen wohnen.
17 Denn siehe, ich will Schlangen und Basilisken unter euch senden, die nicht beschworen sind; die sollen euch stechen, spricht der Herr.

18 Da will ich mich meiner Mühe und meines Herzeleides ergötzen.
19 Siehe, die Tochter meines Volks wird schreien aus fernem Lande her: Will denn der Herr nicht mehr Gott sein zu Zion, oder soll sie keinen König mehr haben? Ja, warum haben sie mich so erzürnet durch ihre Bilder und fremde, unnütze Gottesdienste?
20 Die Ernte ist vergangen, der Sommer ist dahin, und uns ist keine Hilfe kommen.
21 Mich jammert herzlich, daß mein Volk so verderbet ist; ich gräme mich und gehabe mich übel.
22 Ist denn keine Salbe in Gilead? Oder ist kein Arzt nicht da? Warum ist denn die Tochter meines Volks nicht geheilet?
trinity
 

Beitragvon Anne » 21.11.2007, 08:46

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Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Luk. 18,27

Jahreslosung 2009
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Beitragvon trinity » 21.11.2007, 08:59

Danke ... :wink:
trinity
 

Beitragvon trinity » 07.02.2008, 10:01

Die Verzweiflung schickt Gott nicht, um uns zu töten -
er schickt sie, um neues Leben in uns zu erwecken.


(Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel)
trinity
 

Danke... ;-)

Beitragvon Anne » 07.02.2008, 11:52

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Auch Hermann Hesse: "Stufen"
:wink:
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Beitragvon Reverend » 07.02.2008, 12:25

...
Zuletzt geändert von Reverend am 11.07.2011, 17:56, insgesamt 1-mal geändert.
1 Joh 4,2: Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott
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Beitragvon scholli » 11.08.2008, 05:54

Wenn du bei dir bist
und dich wohl fühlst,
verträgst du die Eigenart anderer,
ihre so ganz eigene Sicht der
Dinge.
Dann hältst du ihre
Herausforderung
aus.

Aber dann gibt es Tage
an denen du Angst vor dir selbst
hast,
vor deinen übermächtigen Gefühlen,
deinen seltsamen Gedanken,
Angst vor der dunklen Zukunft
und der Macht der Vergangenheit.
Dann wirst du unsicher
und weißt nicht recht,
was du glaubst.
Dann leidest du
unter der Entschiedenheit anderer
und willst dich zurücknehmen.

Bleib bei dir,
bei deiner Schönheit und Herbheit,
bei deiner Freiheit und deinen
Grenzen.
Nimm dich nicht von uns.
Wir brauchen dich, wie du bist.

Du, sei du - du.
Ich setze Liebe mit Freiheit gleich. Die Liebe zu Gott kann nicht durch Gebote, sondern nur durch einen Akt der Willensfreiheit bewirkt werden. - Isaac B. Singer
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Beitragvon exkantor » 21.08.2008, 21:02

1875 hat geschrieben:Der Unterschied liegt im Verhalten, mit dem er auf seine eigenen Fehler reagiert.


Wie Recht du hast!!!!! *pruuuuuuuuuuust* :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Wolltest du dich hier eigentlich nicht verabschieden????? 8)
"Dass nur die Neuapostolischen das(die Apostel) wahrnehmen, ist eigentlich ein Betriebsunfall, das soll ja gar nicht so sein. Die sollen in der Mitte der Kirche Christi stehen und nicht am Rande, wie es jetzt ist." (Dr. Reinhard Kiefer)
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Beitragvon scholli » 22.08.2008, 06:18

"Dummheit ist keine Schande. Hauptsache, man hält den Mund dabei."

Werner Mitsch
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Beitragvon trinity » 23.08.2008, 07:37

Jedes Ding hat drei Seiten: Eine, die Du siehst, eine, die ich sehe
und eine, die wir beide nicht sehen.

(Chinesische Weisheit
)
trinity
 

Beitragvon Randnotiz » 23.08.2008, 10:30

Manches hat auch sechs Seiten.
Nur wer die Fakten kennt, kann sie verdrehen.

(Natural Born Kieler)
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