Kontemplatives

Selbstgedichtet und verfasst oder entdeckt

Beitragvon Renders » 06.09.2006, 21:53

Erlösung ist immer da. Wir haben uns nur für sie zu öffnen. Sie ist nicht etwas, das kommt. Die Kräfte der Urwirklichkeit, der wir so viele Namen gegeben haben, ist die eigentliche Triebkraft. Wir machen nicht unsere Erlösung, wir öffnen uns für unsere Erlösung. Wir sind nicht die Suchenden, wir sind die Gesuchten. Erlösung ist Erkennen unseres göttlichen Lebens.

Willigis Jäger
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Beitragvon trinity » 15.09.2006, 05:09

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Beitragvon egil » 25.09.2006, 17:33

Hier kommt "Das Wort zum Sonntag" vom 23. September 2006, gesprochen von Propst Ralf Meister

Was ist der Mensch?

Es fasziniert mich immer wieder hier zu stehen. Ganz egal ob in einem tobenden Herbststurm, wo der Wind die Meereswellen aufbraust oder eben an einem dieser ganz seltenen Tage, wo die Nordsee spiegelglatt daliegt so wie ein Bergsee, oder eben so wie heute. Eigentlich schon Herbst, aber ein Tag mit blauem Himmel und einem großen Gefühl von Sommer.

Das Meer ist faszinierend, das Meer ist geheimnisvoll, aber das Meer macht auch melancholisch. Hier allein zu stehen und die Augen zu schließen und nichts zu hören als das Rauschen der Wellen. Und zu wissen, dass sie seit Jahrtausenden, seit Jahrmillionen ans Ufer branden. Das erinnert mich an meine eigene Endlichkeit. Wie kurz ist mein Leben, wie schnell verrinnt es im Rhythmus der Jahre, wie schnell vergehen die paar Sommer, die Gott mir schenkt auf dieser Erde!

In der Bibel heißt es: "Was ist der Mensch?" Wenn er lange lebt, so lebt er hundert Jahre. Wie ein Tröpfchen Wasser im Meer, wie ein Körnlein Sand sind diese Jahre im Vergleich mit der Ewigkeit."

Nirgendwo sonst erfahre ich die Grenzenlosigkeit Gottes so unmittelbar wie am Meer. Die Weite des Meeres, die Endlosigkeit des Himmels, das sind Geschwister der Ewigkeit. Beim Blick in einen nächtlichen Sternenhimmel oder hier über die Grenzenlosigkeit des Meeres, da werden die gleichen Fragen wach: Wie winzig kurz mein Leben ist, wie lange dauert die Ewigkeit?

Das sind genau die gleichen Fragen, die alle Religionen stellen. Alle Religionen versuchen Grenzen zu überschreiten, die Grenzen von Zeit und Raum. Und sie fragen danach, wie die Geschichte mit Gott weitergeht ohne Ende. Hinter dem Horizont geht's weiter. Die Ewigkeit Gottes hat kein Ende. Das sind magische, geheimnisvolle Augenblicke so am Meer zu stehen und diesen Gedanken nachzugehen.

Und es sind Gefühle in diesem Augenblick, dass Gott mir so nahe ist wie niemals sonst und gleichzeitig so unendlich fern wie sonst nie. Das kann man mit dem Verstand nicht begreifen, denn es sind mystische Augenblicke. Und vielleicht sind es genau diese Augenblicke, die der Psalmbeter vor dreitausend Jahren hatte, als er gedichtet hatte: "Und nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Rechte mich halten und deine Hände mich führen."
Christ ist erstanden von den Martern allen. Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.
Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so freut sich alles was da ist. Kyrieleis.
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Beitragvon Renders » 02.10.2006, 19:37

Frage:
Kann ich zu einer Vorstellung von Vollkommenheit gelangen?

Krishnamurti:
Wahrscheinlich können Sie das. Indem Sie spekulieren, erfinden,
projizieren, indem Sie sagen: „Dies ist hässlich und das
ist vollkommen“, werden Sie sich eine Vorstellung von Vollkommenheit
machen. Aber Ihre Vorstellung von Vollkommenheit hat, wie Ihr
Glaube an Gott, keine Bedeutung. Vollkommenheit ist etwas,
das in einem nicht vorbedachten Augenblick gelebt wird, und
dieser Augenblick hat keine Dauer. Deshalb kann Vollkommenheit
weder erdacht werden, noch lässt sich eine Möglichkeit
finden, ihr Dauer zu verleihen. Nur der Geist, der sehr still
ist, der nichts vorherplant, erfindet oder projiziert,
kann einen Augenblick von Vollkommenheit erkennen, einen Moment,
der in sich vollständig ist.


Im Menschen ist das Ganze des Lebens enthalten. Der
Mensch trägt das ganze Universum in sich. Doch empfindet
sich der Mensch nur als Ausschnitt aus dem Ganzen und
lebt entsprechend in einer inneren Begrenztheit, die seinem
Wesen nicht gemäß ist. Er ahnt die Möglichkeit grenzenloser
innerer Weite, denn das ewige Leben bedrängt von innen
her seine Enge und erzeugt in ihm eine ursprüngliche Sehnsucht
nach einem anderen Leben. Darum sucht der Mensch
ständig, bewußt oder unbewußt, nach einem Weg, der ihn
zur Vollkommenheit führen soll. In seiner Unwissenheit
greift er außen nach dem Heil, von wo ihm niemals Rettung
kommen kann. Er erwartet immer von einem anderen, daß
er ihm das Licht bringe. Er empfindet die Welt mitsamt ihren
Himmeln und Höllen als etwas Fernes, Fremdes, Feindliches,
Abgesondertes. Diese schmerzliche Trennung von
Objekt und Subjekt, Ich und Welt ist eine Illusion.
Die Vollendung menschlicher Bestimmung ist,
das Ganze zu sein.


aus
J. Krishnamurti
Das Tor zu Neuem Leben
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Beitragvon trinity » 05.10.2006, 12:40

DEN KAMPF AUFGEBEN
von Paul Ferrini
aus 'Denn Christus lebt in jedem von uns'



Was in deinem Leben geschieht ist neutral, weder positiv noch negativ. Du legst fest, ob es positiv oder negativ, spirituell oder profan ist.
Alle deine Erfahrungen können von spiritueller Qualität sein, wenn du deine Liebe, Akzeptanz oder Vergebung hineinbringst. Selbst eine tödliche Krankheit, eine Vergewaltigung oder ein Mord kann durch die Kraft deiner Liebe transformiert werden.

Du meinst, du verstündest die Bedeutung der Ereignisse in deinem Leben. Nichts könnte mehr von der Wahrheit entfernt sein. Du verstehst nichts von dem, was geschieht, weil du allem deine eigene Bedeutung aufpfropfst. Wenn du die Bedeutung der Ereignisse in deinem Leben verstehen willst, mußt du aufhören, ihnen deine eigene Bedeutung überzustülpen. Laß die Situation einfach sein. Spüre sie ganz. Erlaube ihr, dir zu zeigen, warum sie in dein Leben gekommen ist.

Wenn du direkt bis zum Kern vordringen willst, dann frage dich: "Auf welche Weise hilft diese Situation mir, bedingungsloser lieben zu lernen? Was verlangt sie von mir, was soll ich geben, was halte ich noch zurück?" Diese Frage wird dich zum Kernn der Dinge bringen, weil sie deine Bereitschaft zeigt, die Situation als Geschenk und nicht als Strafe zu betrachten.

Solange du der Situation deine eigene Bedeutung überstülpst, wirst du sie immer als Bestrafung erleben - entweder als deine eigene oder als die eines anderen. So wirkt sich deine Angst auf alle Ereignisse in deinem Leben aus. Deine Angst verdammt dich und deine Mitmenschen. Sei nicht überrascht, wenn das geschieht. Es ist zu erwarten.

Versuche nicht, ohne Angst zu leben. Der Versuch, ohne Angst zu leben, ist die ängstlichste Haltung, die du dir vorstellen kannst. Erkenne die Angst einfach an und gehe hindurch, bis du am anderen Ende wieder herauskommst. Versuche nicht, frei von Urteilen über dich und andere zu leben. Sieh einfach die Verurteilung und geh hindurch, bis du zur Vergebung gelangst.

Die Tatsache, daß es eine Wahl gibt, bedeutet nicht, daß du derjenige sein solltest, der sie trifft. Sieh einfach die Wahlmöglichkeit und laß dich von deiner Bewußtheit hindurchführen. Es gibt nichts, was du tun kannst, um deine Erlösung herbeizuführen. In Wirklichkeit hält dich alles, was du tust, lediglich davon ab, zu sehen, was bereits da ist. Die Erlösung ist schon da. Du bist schon gerettet. Du brauchst deine Erlösung weder von mir noch von deinem Bruder noch von irgendeiner Kirche zu erkaufen.

Du praktizierst Vergebung nicht, um dir deine Erlösung zu erkaufen, sondern weil dir die Praxis der Vergebung hilft, hier und jetzt Erlösung zu erfahren. Du lernst, alles, was auf dich zukommt, als Geschenk anzunehmen, nicht, um bei Gott Punkte zu sammeln, sondern weil dieses Annehmen dich daran erinnert, daß jetzt nichts verkehrt ist und daß noch nie irgend etwas verkehrt war. Du lernst, genau auf jene Momente zu achten, in denen du anfängst, dich zu verschließen und Menschen zurückzuweisen, weil du weißt, daß es sich besser anfühlt, weich, empfänglich und offen zu bleiben.

Deine ganze Spiritualität ist nur in diesem Moment lebbar. Sie hat nichts mit irgend etwas zu tun, das du in der Vergangenheit gedacht oder gefühlt hast. Sie zeigt sich jetzt, in diesem Moment, in den augenblicklichen Gegebenheiten. Du erlebst nur dann Dunkelheit und Mangel, wenn du die Situation ablehnst, mit der du im Augenblick konfrontiert wirst. Wenn du die Situation einfach siehst und dankbar dafür bist, erlebst du nichts als Freude.

Versuche nicht aus der Dunkelheit herauszukommen. Versuche nicht, zur Freude zu gelangen. Diese Bewegung findet ganz von selbst statt. Sei einfach bereit, mit dem Strom zu schwimmen, und laß dich von dieser Bereitschaft tragen.

Das meiste, was du auf eigene Faust zu tun versuchst, wird fehlschlagen, weil du nicht weißt, wer du wirklich bist. Dein Selbstbild ist eingeschränkt. Du kennst oder spürst das Ausmaß von Gottes Liebe nicht. Du glaubst, daß irgendwann irgend etwas in dir kaputtging oder daß dir vielleicht ein paar Teile fehlen. Aber das ist nicht wahr. Dir fehlt nichts, und nichts ist kaputtgegangen. Du bist ganz - in diesem Augenblick.

Viele von euch beschäftigen sich mit Reichtumsbewußtsein, und doch scheint das, was ihr tut, nicht zu gedeihen. Warum? Weil ihr euren wahren Wert nicht kennt. Würdet ihr euren wahren Wert kennen, hättet ihr nicht das Gefühl, daß etwas in eurem Leben fehlt. Ihr wäret dankbar für alles, was ihr habt. Die Wahrheit ist, daß jeder Gedanke gedeiht. Jeder Gedanke, den du denkst, bringt seine Energie - positive oder negative - in die betreffende Situation ein. Negative Gedanken gedeihen genauso gut wie positive, und weil deine Gedanken eine Mischung aus positiven und negativen Gedanken sind, spiegelt deine äußere Situation beides wider.
Es wird dir jedoch nicht gelingen, negative Gedanken zu verbannen, indem du dich auf positive konzentrierst. Im Gegenteil, je mehr du dich auf die positiven Gedanken konzentrierst, desto mehr Macht gibst du deinen negativen Gedanken. Diesem Paradoxon kannst du nicht entkommen.

Deshalb kannst du all deine Affirmationen vergessen. Sie sind nur Hokuspokus. Hör auf, deine negativen Gedanken verändern zu wollen. Sei dir ihrer einfach bewußt. Sei dir der mit ihnen verbundenen Gefühle bewußt, und laß dich von deiner Bewußtheit führen.

Wie willst du lernen, dich vom göttlichen Gesetz führen und tragen zu lassen, wenn du stets in sein Wirken eingreifst? Ich sage dir, du kannst dich nicht selbst in Ordnung bringen. Dein Versuch, dich selbst in Ordnung zu bringen, spaltet dein Bewußtsein nur noch mehr.

Vielleicht scheint es, als würde ich dir zwei gegensätzliche Dinge sagen, aber das ist nicht der Fall. Ich sage dir, daß dein Leben nur die Bedeutung hat, die du ihm gibst, und daß du wählen kannst, ob du ihm eine positive oder eine negative Bedeutung gibst. Und ich sage dir auch, daß jede Bedeutung, die du ihm gibst, eingeschränkt ist. Beide Aussagen sind wahr.

Wenn du deine Gedanken beobachtest, wird dir bewußt daß ein Teil von dir ein Ergebnis wünscht und ein anderer ein anderes. Du hast das Gefühl, dich für eine dieser beiden Möglichkeiten entscheiden zu müssen, und das verursacht Druck und Konflikte. Einen inneren Konflikt kannst du nicht dadurch lösen, daß du dich für eine von zwei gegensätzlichen Positionen entscheidest. Das wird den Konflikt nur verstärken. Vielmehr löst du den Konflikt auf, indem du beide Positionen akzeptierst. Mit anderen Worten, du akzeptierst die positiven und die negativen Gedanken gleichzeitig, ohne das eine als "besser" zu betrachten als das andere. Dies ist ein Akt der Liebe.

Liebe überwindet jede Form von Dualismus. Liebe wählt nie eine Seite. Sie akzeptiert stets, daß beide Seiten ihre Gültigkeit haben. Du glaubst, daß du zwischen richtig und falsch wählen mußt. Aber bist du oder ist irgend jemand anders in der Lage zu bestimmen, was richtig und was falsch ist? In dem Moment, in dem du glaubst, du wüßtest es, hast du den Faden der Wahrheit verloren.

Versuche also nicht zu wählen. Du weißt nicht, was die Wahrheit ist und was die Unwahrheit. Heiße nicht eine Seite willkommen und weise die andere zurück. Heiße sie beide willkommen oder keine. Sei neutral, und du wirst dem Leben begegnen, wie es ist. Solange du nicht an diesen Punkt der Neutralität gelangst, wirst du fortfahren, allem, was in deinem Leben geschieht, deine eigene Bedeutung überzustülpen, und wirst immer irgendeinen Aspekt von Mangel oder Bestrafung entdecken, weil du deinen eigenen Wert nicht kennst. Verstehst du, was ich sage? Selbst wenn es an dir irgend etwas gäbe, das in Ordnung gebracht werden müßte - und damit sage ich nicht daß dies der Fall ist -, wüßtest du nicht, wie du es in Ordnung bringen solltest. Wenn du kaputt bist, wie kannst du dich dann selbst reparieren? Wie kannst du Ganzheit herstellen, wenn du innerlich zerrissen bist? Nur das, was nicht zerbrochen ist, kann seine Ganzheit erfahren.

Verstehe, daß jetzt in diesem Augenblick an dir oder deinem Leben nicht das geringste verkehrt ist. Alles ist, wie es sein sollte. Jetzt, in diesem Augenblick, bist du absolut geliebt.

Hast du Schmerzen oder Probleme? In Ordnung. Aber dennoch bist du absolut geliebt. Die Vorstellung, daß dich dein Schmerz von der Quelle der Liebe abschneidet ist nichts als eine Vorstellung, die du der Situation übergestülpt hast. In Wahrheit schneidet dich nichts von der Liebe ab, außer deinen eigenen Glaubensmustern. Und das ist der eigentliche Grund, warum du leidest. Du leidest, weil du denkst und fühlst, daß du von der Liebe abgeschnitten wurdest.

Du verdrehst die wahrheit der Situation. Du machst die Ursache zur Wirkung und die Wirkung zur Ursache. Das ist deine Angst in Aktion. Verstehe es, damit du darüber hinausgehen kannst. Vertiefe deine Wahrnehmung, dein Verstehen. Sieh dein ganzes Ego-Drama als das, was es ist.

Verstehe, daß du deine Erfahrung der Welt durch deine eigene Angst selbst erschaffst. Aber verurteile dich deswegen nicht. Akzeptiere, was du siehst, und laß es sich von selbst verändern. Wenn du die Welt in ihrer absoluten Neutralität siehst, wirst du verstehen, daß sie nur existiert, um dir als Mittel für deinen eigenen Lernprozeß zu dienen.

Ich will dich nicht mit Konzepten verwirren, aber du mußt verstehen, wie deine eigene Angst die Wahrheit verdreht. Sie läßt dich zum Opfer der Welt werden, und das ist nicht die Wahrheit. Als Opfer wirst du niemals deine kreative Kraft oder deine wahre Identität in Liebe erkennen.

Spiele nicht die Rolle des Opfers. Das ist ein sinnloses Spiel, ein Spiel mit Spiegeln. Dejenige, der sich Übergriffe auf dich erlaubt, ist nur eine Spiegelung deines eigenen Mangels an Selbstwertgefühl. Du hast seine Anwesenheit in deinem Spiegel selbst hervorgerufen. Steh auf, gestehe deinen Selbsthaß ein, und laß den anderen innerlich frei.

Groll gegen ihn zu hegen wird dir nicht helfen. Ihn zu bestrafen, wird dir kein besseres Gefühl geben. Laß diejenigen, die dich schlecht behandeln, in Frieden ziehen. Bete für sie und segne sie. Binde sie nicht mit Rachegedanken an dich, sondern entlasse sie mit Worten der Liebe und Ermutigung. Wisse, daß du dich selbst befreist, indem du sie freiläßt.

Ich kann euch von der Macht der Vergebung predigen, aber ihr werdet nie wissen, wie groß diese Macht ist, solange ihr sie nicht selbst erfahren habt. Die Bereitschaft, sich selbst zu vergeben und andere vom eigenen Urteil zu befreien, ist die stärkste Kraft, die ihr in dieser Verkörperung erfahren könnt. Die einzige Macht, die noch größer ist, ist die Macht der Liebe selbst. Und ohne die Geste der Vergebung, die den Schleier der Angst zerreißt, bleibt die Macht der Liebe gezügelt.

Fasse dir ein Herz, mein Freund. Jedesmal wenn du vergibst, entfernst du eine Schranke, die du selbst vor deiner Fähigkeit zu lieben aufgebaut hast. Jedesmal wenn du vergibst, wird die Liebe in dir wachgerufen, und deine Fähigkeit, diese Liebe weiterzugehen, wächst. Das ist der Zweck dieser Reise. Widme dich ihm, und du wirst dein Ziel nicht verfehlen. Du kommst nach Hause!

Paul Ferrini
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Beitragvon Anne » 05.10.2006, 17:18

Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein.

Matthäus 5, 37
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Luk. 18,27

Jahreslosung 2009
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Beitragvon fireangel » 05.10.2006, 17:29

Wenn sie euch nun überantworten werden, so sorgt nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es soll euch zu der Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt....

Math. 10; 19
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Beitragvon trinity » 06.10.2006, 11:18

Nicht suchen: Du brauchst Gott nicht zu suchen, denn Gott ist schon da. Er ist dein Sein, dein inneres Wesen. Du kannst aufhören, dich und andere zu beurteilen und dich mit negativen Gedanken zu plagen, auf denen kein Segen ruht. Dann wirst du sehen, wie der Schleier verschwindet.

Die Wahrheit in dir: Du kannst nicht froh und glücklich werden, wenn du dich nach den Träumen und Plänen anderer richtest. Freude kannst du nur erfahren, wenn du deiner inneren Stimme vertraust und ihr folgst.

Der Spiegel: Was du an deinem Bruder oder an deiner Schwester kritisierst, zeigt sehr deutlich, was du an dir selbst nicht akzeptierst. In allen Menschen, die du nicht leiden kannst oder über die du ein vernichtendes Urteil fällst, findest du dich selbst wieder.

Der Himmel auf Erden: Wann kommt das Himmelreich auf die Erde? Sobald du bereit bist, dein Herz zu öffnen und durch deine Ängste hindurch zu gehen. Wann kommt der Messias? Er kommt nicht irgendwann, sondern jetzt. Wenn du die Erlösung in eine ferne Zukunft verlegst, kommt sie nie. Bitte jetzt darum. Nimm sie jetzt an. Das Reich Gottes manifestiert sich nur jetzt. Wann kommt der Himmel auf die Erde? Wenn dieser Moment genug ist. Wenn dieser Ort genug ist. Wenn dieser Freund genug ist. Wenn du die Ereignisse und die Gegebenheiten akzeptierst. Wenn du nichts anderes verlangst, als das, was du jetzt hast.

(Paul Ferrini)
trinity
 

Erfahrungen

Beitragvon Renders » 08.10.2006, 14:59

Haben wir schon einmal geschwiegen, obwohl wir uns verteidigen
wollten, obwohl wir ungerecht behandelt wurden? Haben wir schon
einmal verziehen, obwohl wir keinen Lohn dafür erhielten und man
das schweigende Verzeihen als selbstverständlich annahm? Haben wir
schon einmal gehorcht, nicht weil wir mussten und sonst Unannehmlichkeiten
gehabt hätten, sondern bloß wegen jenes Geheimnisvollen,
Schweigenden, Unfassbaren, das wir Gott und seinen Willen nennen?
Haben wir schon einmal geopfert, ohne Dank, Anerkennung, selbst
ohne das Gefühl einer inneren Befriedigung? Waren wir schon einmal
restlos einsam? Haben wir uns schon einmal zu etwas entschieden, rein
aus dem innersten Spruch unseres Gewissens heraus, dort, wo man es
niemand mehr sagen, niemand mehr klarmachen kann, wo man ganz
einsam ist und weiß, dass man eine Entscheidung fällt, die niemand
einem abnimmt, die man für immer und ewig zu verantworten hat?
Haben wir schon einmal versucht, Gott zu lieben, dort, wo keine Welle
einer gefühlvollen Begeisterung einen mehr trägt, wo man sich und
seinen Lebensdrang nicht mehr mit Gott verwechseln kann, dort, wo
man meint zu sterben an solcher Liebe, wo sie erscheint wie der Tod
und die absolute Verneinung, dort, wo man scheinbar ins Leere und
gänzlich Unerhörte zu rufen scheint, dort, wo es wie ein entsetzlicher
Sprung ins Bodenlose aussieht, dort, wo alles ungreif bar und scheinbar
sinnlos zu werden scheint? Haben wir einmal eine Pflicht getan, wo
man sie scheinbar nur tun kann mit dem verbrennenden Gefühl, sich
wirklich selbst zu verleugnen und auszustreichen, wo man sie scheinbar
nur tun kann, indem man eine entsetzliche Dummheit tut, die einem
niemand dankt? Waren wir einmal gut zu einem Menschen, von dem
kein Echo der Dankbarkeit und des Verständnisses zurückkommt, und
wir auch nicht durch das Gefühl belohnt werden, »selbstlos«, anständig
usw. gewesen zu sein?

Suchen wir selbst in solcher Erfahrung unseres Lebens, suchen wir
die eigenen Erfahrungen, in denen gerade uns so etwas passiert ist.
Wenn wir solche finden, haben wir die Erfahrung des Geistes gemacht,
die wir meinen. Die Erfahrung der Ewigkeit, die Erfahrung, dass der
Geist mehr ist als ein Stück dieser zeitlichen Welt, die Erfahrung, dass
der Sinn des Menschen nicht im Sinn und Glück dieser Welt aufgeht,
die Erfahrung des Wagnisses und des abspringenden Vertrauens, das
eigentlich keine ausweisbare, dem Erfolg dieser Welt entnommene
Begründung mehr hat.


aus
Karl Rahner
Alltägliche Dinge
BENZIGER VERLAG
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Beitragvon trinity » 08.10.2006, 16:23

Wenn etwas mir vom Fenster fällt
[und wenn es auch das Kleinste wäre]
wie stürzt sich das Gesetz der Schwere
gewaltig wie ein Wind vom Meere
auf jeden Ball und jede Beere
und trägt sie in den Kern der Welt.

Ein jedes Ding ist überwacht
von einer flugbereiten Güte
wie jeder Stein und jede Blüte
und jedes kleine Kind bei Nacht.
Nur wir, in unsrer Hoffahrt, drängen
aus einigen Zusammenhängen
in einer Freiheit leeren Raum,
statt, klugen Kräften hingegeben,
uns aufzuheben wie ein Baum.
Statt in die weitesten Geleise
sich still und willig einzureihn,
verknüpft man sich auf manche Weise, –
und wer sich ausschließt jedem Kreise,
ist jetzt so namenlos allein.

Da muss er lernen von den Dingen,
anfangen wieder wie ein Kind,
weil sie, die Gott am Herzen hingen,
nicht von ihm fortgegangen sind.
Eins muss er wieder können: fallen,
geduldig in der Schwere ruhn,
der sich vermaß, den Vögeln allen
im Fliegen es zuvorzutun.


Rainer Maria Rilke, aus "Das Stundenbuch"
trinity
 

Beitragvon Anne » 08.10.2006, 18:54

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Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Luk. 18,27

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Beitragvon Bedenkentraeger » 08.10.2006, 20:56

Anne hat geschrieben:Und Sein Schweigen sagt dir, dass ER da ist.
Karl Rahner


Welcher Gott ist Dir eigentlich in dieser Leere des Herzens fern?
Nicht der wahre und lebendige Gott,
denn dieser ist ja gerade der Unbegreifliche,
der Namenlose, damit er wirklich der Gott Deines maßlosen Herzens sein kann.
Fern ist Dir nur geworden ein Gott, den es nicht gibt:
ein begreiflicher Gott [...],
ein sehr ehrwürdiger - Götze. [...]
Laß in diesem Geschehen des Herzens ruhig die Verzweiflung Dir scheinbar alles nehmen [...].
Denn, wenn Du standhälst [...],
dann wirst Du plötzlich inne werden,
daß dein Grabeskerker nur sperrt gegen die nichtige Endlichkeit,
daß seine tödliche Leere nur die Weite einer Innigkeit Gottes ist,
daß das Schweigen erfüllt ist von einem Wort ohne Worte,
von dem, der über allen Namen und alles in allem ist.
Das Schweigen ist Sein Schweigen:
Es sagt Dir, daß er da ist.


Karl Rahner ;)

Und damit eine gute Nacht allen hier!
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Beitragvon tergram » 08.10.2006, 21:34

O Herr,

du weißt besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde.

Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.
Und erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.

Lehre mich, nachdenklich, aber nicht grüblerisch, hilfreich, aber nicht diktatorisch zu sein.
Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit erscheint es mir ja schade, sie nicht ständig weiterzugeben - aber du verstehst, Herr, dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.

Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen.

Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden.
Sie nehmen zu - und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.
Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir Leidensberichte anderer mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.

Erhalte mich so liebenswert wie möglich.
Ich möchte kein Heiliger sein - mit ihnen lebt es sich so schwer - aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, es ihnen auch zu sagen.

(Theresa von Avila zugeschrieben + 1515)
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Beitragvon trinity » 09.10.2006, 06:16

Rainer Maria Rilke,
aus "Das Buch von der Pilgerschaft)


Alle, welche dich suchen, versuchen dich.
Und die, so dich finden, binden dich
an Bild und Gebärde.

Ich aber will dich begreifen
wie dich die Erde begreift;
mit meinem Reifen
reift
dein Reich.

Ich will von dir keine Eitelkeit,
die dich beweist.

Ich weiß, daß die Zeit
anders heißt
als du.
Tu mir kein Wunder zulieb.
Gieb deinen Gesetzen recht,
die von Geschlecht zu Geschlecht
sichtbarer sind.




Danke, tergram, für das Theresa-von-Avila-Gebet ...
trinity
 

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