Gedanken zum Heiligen Abend

Selbstgedichtet und verfasst oder entdeckt

Gedanken zum Heiligen Abend

Beitragvon James » 23.12.2005, 16:50

„Als Gott nicht mehr wusste, wie er sich verständlich machen sollte, kam er auf die Erde, arm und gering.
Hätte Jesus nicht unter uns gelebt, bliebe Gott fern, unerreichbar fern.
Durch sein Leben lässt Jesus Gott wie durchscheinend sehen.“
(Frere Roger, Gründer der ökumenischen Brüdergemeinschaft von Taize)




…und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge (Lukas 2.7).

Nüchtern, doch gleichzeitig mit tiefer Dramatik hält der Schreiber Lukas hier die Umstände der Geburt Jesu fest. Gott wurde Kind, kam hinein in die menschliche Existenz, ER – der vor dem Urknall schon da war und sich die Schöpfung ausdachte, teilte sich mit….- und fand keinen Raum.
Kaiser Augustus, Herrscher über halb Europa und den Mittelmehranrainerländern, also auch über Israel & Galiläa, ordnete eine Volkszählung an. Nicht für statistische Planungen, um Fördermittel – soziale Wohltaten gerechter verteilen zu können, nein, sondern um die Steuerpflichtigen seines Machtbereiches besser und genauer erfassen zu können.
Rom war teuer und Rom brauchte Geld. Wo Macht aufgebaut und Macht verteidigt wird, brauchts immer viel Geld.
Aus verwaltungstechnischen und registrierungtechnischen Gründen der damaligen Zeit waren nun die Menschen gezwungen, ihre Geburtsstädte aufzusuchen.
Menschen waren unterwegs- unfreiwillig, frustriert, verärgert, Arbeitsausfälle, Unsicherheiten, Befindlichkeiten!
So war um diese Zeit auch ein junges Pärchen unterwegs, noch nicht verheiratet, doch die junge Frau schon schwanger- unmoralisch, damals in israelischen Landen. Jeder rechtgläubige Israelit, dem das mosaische Gesetz etwas bedeutet hatte, wird arrogant & herablassend auf dieses junge Paar geschaut haben.
Wie kann man nur….vor der Hochzeit…..ts,ts,ts…(Kopfschüttel).

…..aber Gott machte, was ER wollte!

Nun kamen die beiden, (die Bibel nennt dieses junge unverheiratete Paar Joseph & Maria) in Bethlehem, der Geburtsstadt Josephs (Joseph stammte übrigens aus dem Geschlechte des legendären Königs David ab, der auch aus Bethlehem stammte) an.

Es wurde nun Zeit, das Kindchen wollte ja zur Welt kommen, die lange Anreise war ja auch beschwerlich genug
……und man fand keinen Raum in der Herberge.
-Ausgebucht
-Tut uns leid
-Alles belegt
-Versucht es doch doch mal bei den Nachbarn
-Ihr fehlt uns noch
-Was wollt Ihr denn hier
-Geht dorthin, wo Ihr herkommt,
-Sorry, keine Zeit
-Was, ne Schwangere?! Nee!

So wurde die Not immer größer. Wo konnte man nun noch hin??? Es wurde langsam Abend, schon dämmerte es!!!
Nach langem Suchen fanden sie nur noch einen Schafstall. Stickig, eng, unkonfortabel, auch unhygienisch, nicht gerade die besten Bedingungen für eine Geburt, noch dazu die ERSTE, einer jungen, noch unerfahrenen Mutter und eines noch unerfahreneren jungen Vaters.

Doch Gott ließ sich nicht aufhalten!!!

In jener Nacht geschah das größte Geheimnis, das es je gab. Gott kam zu den Menschen.

---------------------------------------------------------------

Heute sind die Menschen immer noch unterwegs: Tagespendler, Wochenpendler, Freizeitpendler, Einkaufspendler, Pendler, Pendler.
Heute geht es immer noch ums Geld. Leben ist teuer, Leben kostet Geld. Einige haben zuviel, viele zuwenig. Genau die richtige Menge hat niemand. Die einen überlegen, wie man es am besten ausgibt, die anderen, wo man welches herbekommt.
Die Menschen sind auf der Flucht: politische Flüchtlinge, Wirtschaftsflüchtlinge, Steuerflüchtlinge, Kirchenflüchtlinge, Beziehungsflüchtlinge, Glaubensflüchtlinge.
Die Menschen sind unterwegs.
Keine Zeit, kein Platz, kein Geld, keine Lust, kein Bock, keinen Glauben, KEINEN RAUM.

…..und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge (Luk. 2,7)



DOCH HALT! STOPP ! GANG RAUS ! ZÜNDUNG AUS!!!!



STILLE




……UND DOCH ist heute noch der heilige Abend der eigenartigste, geheimnisvollste Abend des Jahres.

In Mitarbeiterbriefen aus den Konzernzentralen und Weihnachtsansprachen von Staatsoberhäuptern werden etwas andere Formulierungen gebraucht, als sonst.
Für winzige Momente geht es MAL nicht nur ums Geld, um Leistung, ums Fordern.
Auf einmal werden aus Mitarbeitern- Menschen; aus rationalem Denken- Gefühle; Statistiken werden unwichtig.
Für einen ganz kleinen, winzigen Moment.

Der Händedruck dauert einen Bruchteil länger, als sonst. Man sucht wieder Blickkontakt, andere Themen, irgendwie will man über das Menschsein sprechen und traut sich kaum. Geschweige denn, das Thema GOTT anzusprechen. Weil man dann so ganz schnell ganz, ganz klein wird und sich gar nicht getraut, die nicht messbare Liebe Gottes zu begreifen.
Denn je mehr wir die Liebe Gottes begreifen, umso mehr werden unsere mühsam aufgebauten menschlichen Strukturen über den Haufen geworfen.

Geben wir ihm RAUM in der Herberge, dass ER ankommen, dass ER dableiben kann!
Mit SEINER Liebe. Mit SEINEM Gottesbild (das IHN als Gotteslästerer ans Kreuz brachte, weil es nicht ins Gottesbild der Menschen passte). Als Herrscher im Herzen. Als König der Wahrheit.
Als der ALLEINIGE HERR über unseren Glauben. Als DER, der seiner Kirche, seiner Gemeinde, zu jeder Zeit, an jedem Ort entgegen gehen will.

Laudate omnes gentes, laudate Dominum.

Sing praises, all jou peoples,
sing praises to the Lord.

Sjung lovsang, alla länder, och
Prisa Herrens namn!

Lobsingt, ihr Völker alle,
lobsingt und preist den Herrn.

Cantai todos os povos, louvai
Nosso Senhor.

Alabe todo el mundo, alabe
Al Senor. Alabe todo el
Mundo, alabe a nues-tro Dios.

Giedokit visos tautos,
giedokit Viespaciui.

Sifoni watu wote sifoni
Mwen yen zi.

Oh, kiitke nüüd koik rahvad,
Oh, kiitke Jumalat!

(Gesang aus Taize)


Als Jesus als Kind in diese Welt kam, hat Gott diesen blauen Planeten, der durchs Weltall rast, in seine beiden Hände genommen und sacht, ganz ganz sacht auf die Stirn geküsst.


Fröhliche Weihnachten
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Beitragvon maranatha » 23.12.2007, 21:27

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Vom Engel der nicht mitsingen wollte

Als die Menge der himmlischen Heerscharen über den Feldern von Bethlehem jubelte:
„Ehre sei Gott in den Höhen
und Friede auf Erden unter den Menschen“ –
hörte ein kleiner Engel plötzlich zu singen auf. Obwohl er im unendlichen Chor nur eine kleine Stimme war, machte sich sein Schweigen doch bemerkbar. Engel singen in geschlossenen Reihen, da fällt jede Lücke sogleich auf. Die Sänger neben ihm stutzten und setzten ebenfalls aus. Das Schweigen pflanzte sich rasch fort und hätte beinahe den ganzen Chor ins Wanken gebracht, wenn nicht einige unbeirrbare Großengel mit kräftigem Anschwellen der Stimmen den Zusammenbruch des Gesanges verhindert hätten.
Einer von ihnen ging dem gefährlichen Schweigen nach. Mit bewährtem Kopfnicken ordnete er das weitere Singen in der Umgebung und wandte sich dem kleinen Engel zu.
„Warum willst du nicht singen?“, fragte er ihn streng.
Er antwortete: „Ich wollte ja singen. Ich habe meinen Part gesungen bis zum »Ehre sei Gott in der Höhen«. Aber als dann das mit dem »Frieden auf Erden unter Menschen« kam, konnte ich nicht mehr mitsingen. Auf einmal sah ich die vielen römischen Soldaten in diesem Land und in allen Ländern. Immer und überall verbreiten sie Krieg und Schrecken, bringen Junge und Alte um und nennen das römischen Frieden. Und auch wo nicht Soldaten sind, herrschen Streit und Gewalt, fliegen Fäuste und böse Worte zwischen den Menschen und regiert die Bitterkeit gegen Andersdenkende. Sogar dieses Paar mit dem neugeborenen Kind musste wegen der Militärsteuer nach Bethlehem ziehen, und wer weiß, was die Menschen mit diesem Kind machen werden!“
„Weißt denn du es?“, unterbrach ihn der Großengel.
„Nein, ich weiß es nicht und kann es nicht voraussehen“, erwiderte der Kleine. „Aber das, was ich sehe, genügt mir. Es ist nicht wahr, dass auf erden Friede unter den Menschen ist, und ich singe nicht gegen meine Überzeugung!“ Und er zeigt ein trotziges Gesicht. Einige seiner jüngeren Nachbarn riefen laut Beifall.
„Schweigt! – vielmehr: singt!“, rief der große Engel ihnen zu und nahm den jungen Rebellen zur Seite.
Dort sprach er ihm zu: „Du willst also wissen, was Friede ist? Du lässt zu, dass ein Friedloser Gedanke durch dein Gemüt zieht, und steckst andere mit deiner Unruhe an? Du brichst die Harmonie unseres Gotteslobes und störst die Einheit der himmlischen Welt, dir der Unfriede der menschlichen Welt zu schaffen macht? Du verstehst nicht, was in dieser Nacht in Bethlehem geschehen ist, und willst die Not der ganzen Welt verstehen?“
Der kleine Engel verteidigte sich: „Ich behaupte nicht, alles zu verstehen. Aber ich merke doch den Unterschied zwischen dem, was wir singen, und dem, was auf Erden ist. Er ist für mein Empfinden zu groß, und ich halte diese Spannung nicht länger aus.“
Der große Engel schaute ihn lange an. Er sah wie abwesend aus. Es war, als ob er auf eine höhere Weisung lauschen würde. Dann nickte er und begann zu reden.
„Gut. Du leidest am Zwiespalt zwischen Himmel und Erde, zwischen der Höhe und der Tiefe. So wisse denn, dass in dieser Nacht eben dieser Zwiespalt überbrückt wurde. Dieses Kind, das geboren wurde und um dessen Zukunft du dir Sorgen machst, soll unseren Frieden in die Welt bringen. Gott gibt in dieser Nacht seinen Frieden allen und will auch den Streit der Menschen gegen ihn beenden. Deshalb singen wir, auch wenn die Menschen dieses Geheimnis mit all seinen Auswirkungen noch nicht hören und verstehen. Wir übertönen mit unserem Gesang nicht den Zwiespalt, wie du meinst. Wir singen das neue Lied“
Der kleine Engel rief: „wenn es so ist, singe ich gerne weiter.“
Der Große schüttelte den Kopf und sprach: „Du wirst nicht mitsingen. Du wirst einen anderen Dienst übernehmen. Du wirst nicht mit uns in die Höhe zurückkehren. Du wirst von heute an den Frieden Gottes und dieses Kindes zu den Menschen tragen. Tag und Nacht wirst du unterwegs sein. Du sollst an ihre Häuser pochen und ihnen die Sehnsucht nach ihm in die Herzen legen. Du musst bei ihren trotzigen und langwierigen Verhandlungen dabei sein und mitten ins Gewirr der Meinungen und Drohungen deine Gedanken fallen lassen. Du musst ihre heuchlerischen Worte aufdecken und die anderen gegen die falschen Töne misstrauisch machen, damit die wahre Meinung zum Vorschein kommt und sie erschrecken. Sie werden dir die Türe weisen, aber du wirst auf den Schwellen sitzen bleiben und hartnäckig warten. Du musst die Unschuldigen unter deine Flügel nehmen und ihr Geschrei an uns weiterleiten. Du wirst nichts zu singen haben, du wirst viel weinen und zu klagen haben.“
Der kleine Engel war unter diesen Worten zuerst noch kleiner, dann aber größer und größer geworden, ohne dass er es selber merkte. Er wollte sich gegen diese schwere Aufgabe auflehnen, aber der andere Engel sagte: „Du hast es so gewollt. Du liebst die Wahrheit mehr als das Gotteslob. Dieses Merkmal deines Wesens wird nun zu deinem Auftrag. Und nun geh. Unser Gesang wird dich begleiten, damit du nie vergisst, das der Friede in dieser Nacht zur Welt gekommen ist.“
Während er noch redete, brach er von einer Palme einen Zweig und hauchte darauf. Und er sprach: „Nimm diesen Zweig mit dir. Er bewahrt den Geruch des Himmels und wird dich in den menschlichen Dünsten stärken.“ Dann ging er an seinen Platz im himmlischen Chor zurück und sang weiter.
Der Engel des Friedens aber setzte seinen Fuß auf die Felder von Bethlehem. Er wanderte mit den Hirten zu dem Kind in der Krippe und öffnete ihnen die Herzen, dass sie verstanden, was sie sahen. Dann ging er in die weite Welt und begann zu wirken. Angefochten und immer neu verwundert tut er seither seinen Dienst und sorgt dafür, dass die Sehnsucht nach dem Frieden nie mehr verschwindet, sonder wächst, Menschen beunruhigt und dazu antreibt, Frieden zu suchen und zu schaffen. Wer sich ihm öffnet und ihm hilft, hört plötzlich wie von ferne einen Gesang, der ihn ermutigt, das Werk des Friedens unter den Menschen weiterzuführen.


Dieses Licht wird allen Menschen leuchten,
die in Nacht und Todesfurcht leben;
es wird uns auf den Weg des Friedens führen.
LUKAS 1,79

(aus „Vom Engel der nicht mitsingen wollte“ und andere Gesichten von Werner Reiser – Brunnen Verlag)

Friedvolle Weihnachten!
Gott des Aufbruchs, sei mit mir unterwegs zu mir selbst, zu den Menschen, zu dir.
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Beitragvon orig.gabi » 23.12.2007, 21:36

Danke Dir! Und liebe Grüße in den Süden ... :wink:
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
1.Johannes, 4,16
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Beitragvon Holytux » 23.12.2007, 22:34

Weihnachten heisst:
Er ist gekommen.
ER hat die Nacht hell gemacht.
ER hat die Nacht unserer Finsternis,
unserer Unbegreiflichkeiten,
die grausame Nacht unserer Ängste
und Hoffnungslosigkeiten
zur Weihnacht,
zur heiligen Nacht gemacht.

Gott hat
sein letztes, sein tiefstes,
sein schönstes Wort
im fleischgewordenen Wort
in die Welt hineingesagt.
Und dieses Wort heisst:
Ich liebe dich,
du Welt und du Mensch.
Ja, zündet Kerzen an.
Sie haben mehr recht als alle Finsternis.


Karl Rahner
"Man kann kein Vaterland haben, wenn man nicht auch mit seinen Spießbürgern und Nachtwächtern zu leben bereit ist."
Karl Rahner
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Beitragvon ChristSein » 24.12.2007, 07:35

Liebe Freundinnen und Freunde, Schwestern und Brüder im Herrn,

Weihnachten 2007 heisst für mich zurück zu meinen Wurzeln christlichen Glaubens.
Weg von einer Menschenverherrlichung, weg von dogmatischen Formeln, weg von hierachischem Denken, weg von einer lästigen Exclusivität und einem selbsternannten Heilsanspruch.
Hin zu einem kleinen Kind, hin nach Bethlehem, hin zu einem einfachen Stall, weil es keinen Raum in der Herberge fand.....

Gott wurde Mensch und das möchte wir wieder werden. Wir haben seinen Stern gesehen, lasset uns ihn und nur ihn anbeten und verherrlichen.
Weihnachten 2007 heisst für mich zurück und gleichzeitig nach vorne, wo nur einer wichtig ist und der heisst Jesus Christus.
Geboren auf den Fluren Bethlehems, das wertvollste Geschenk Gottes an uns alle.

Einen gesegneten Heiligen Abend und lasst auch die Einsamen bei euch sein.

Liebe Grüsse
ChristSein
ChristSein zeigen in Wort und Tat.
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Beitragvon maranatha » 26.12.2007, 20:59

Liebe, die das Leben verzaubert

Schon an den römischen Neujahrstagen war es üblich, Beamten und angesehenen Persönlichkeiten Glückwünsche darzubringen. Wir wünschen uns „Frohe und gesegnetes Weihnachten" oder „Gottes Segen zum Neuen Jahr". Wir wünschen einander Gutes. Das deutsche Wort „wünschen" kommt entweder aus der Kriegssprache oder von der Nahrungsmittelsuche und meint: „umherziehen, streifen, nach etwas suchen oder trachten, etwas erringen, gewinnen". Wir ziehen umher, um das zu finden, was wir zum Leben brauchen. Wir trachten danach, dass wir gewinnen, dass unser Leben gelingt. Das steckt in jedem Wunsch. Wünschen hängt auch zusammen mit „lieben, gern haben". Das germanische Wort für Freund „wini" hat die gleiche Wurzel wie „wünschen". Einem
anderen etwas zu wünschen ist daher Ausdruck von Freundschaft, Zuneigung und Liebe.
Fragen wir uns an Weihnachten und zu Beginn eines neuen Jahres: Was wünschen wir wirklich? Was brauchen wir? Wonach trachten wir, was möchten wir gewinnen? Wenn wir alle unsere Wünsche zulassen, entdecken wir oft genug, dass wir eigentlich dankbar sein dürfen für das Leben, das Gott uns geschenkt hat. Im Wünschen steckt die Ahnung, wir könnten uns und unsere Welt von neuem erschaffen. Aber zugleich spüren wir, dass diese Welt, dass unser Leben gar nicht so schlecht ist, wie wir es oft genug darstellen. Wenn ein Wunsch das Herz der Menschen erreicht, dann drückt sich in ihm Liebe aus: eine Liebe, die das Leben des anderen verzaubern kann.

Aus: Anselm Grün – Das kleine Buch der Weihnachtsfreude – Herder spektrum
Gott des Aufbruchs, sei mit mir unterwegs zu mir selbst, zu den Menschen, zu dir.
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Beitragvon Cerebron » 17.09.2008, 07:13

Die nächste Weihnachtsfeier kommt sicher. Hat noch jemand schöne Texte zum Vortragen?

Es scheint, dieser hier fehlt bisher:
Mit Freude antworten wir sofort und in dieser hervorgehobenen Weise auf die unten wiedergegebene Mitteilung und drücken gleichzeitig unsere große Befriedigung aus, dass ihr getreuer Autor zu den Freunden der Sun zählt:

"Lieber Redakteur: Ich bin 8 Jahre alt. Einige meiner kleinen Freunde sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Papa sagt ’Wenn du es in der Sun siehst, ist es so. Bitte sagen Sie mir die Wahrheit; gibt es einen Weihnachtsmann?Virginia O'Hanlon. 115 Ninety-fifth Street."

Virginia, deine kleinen Freunde haben unrecht. Sie sind beeinflusst durch die Skepsis eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben nichts, außer sie sehen es. Sie denken, dass nicht sein kann, was nicht für ihren kleinen Geist begreiflich ist. Aller Verstand, Virginia, egal ob von Erwachsenen oder Kindern, ist klein. In diesem unseren großen Universum ist der Mensch ein bloßes Insekt, eine Ameise an Verstand, verglichen mit der grenzenlosen Welt über ihm, und gemessen an dem Verstand, der fähig ist, alle Wahrheit und alles Wissen zu erfassen.

Ja, Virginia, es gibt den Weihnachtsmann. Es gibt ihn so sicher, wie es Liebe und Großzügigkeit und Zuneigung gibt, und du weißt, dass sie reichlich vorhanden sind und deinem Leben seine höchste Schönheit und Freude geben. Ach, wie öde wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Sie wäre so öde, als wenn es keine Virginias gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik, um dieses Dasein erträglich zu machen. Wir hätten keine Freude, außer durch Wahrnehmung und Anblick. Das ewige Licht, mit dem die Kindheit die Welt erfüllt, wäre ausgelöscht.

Nicht an den Weihnachtsmann zu glauben! Du könntest ebenso nicht an Elfen glauben! Du könntest deinen Papa dazu bringen, Menschen anzustellen, um auf alle Kamine am Weihnachtsabend aufzupassen, um den Weihnachtsmann zu fangen, aber selbst wenn sie den Weihnachtsmann nicht herunterkommen sähen, was würde das beweisen? Niemand sieht den Weihnachtsmann, aber das ist kein Anzeichen dafür, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Die wahrhaftigsten Dinge in der Welt sind jene, die weder Kinder noch Erwachsene sehen können. Hast du jemals Elfen auf dem Rasen tanzen sehen? Natürlich nicht, aber das ist kein Beweis dafür, dass sie nicht da sind. Niemand kann all die Wunder begreifen oder sich vorstellen, die in der Welt ungesehen oder unsichtbar sind.

Du kannst eine Babyrassel auseinanderreißen und sehen, was innen das Geräusch macht, aber es gibt einen Schleier, der die unsichtbare Welt bedeckt, den nicht der stärkste Mann, ja nicht einmal die vereinte Kraft aller stärksten Männer, die gemals gelebt haben, auseinander reißen könnte. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik, kann diesen Vorhang beiseite schieben und jene himmlische Schönheit und den Glanz dahinter betrachten und schildern. Ist dies alles wahr? Ach, Virginia, auf der ganzen Welt ist außer diesem nichts wahr und bleibend.

Kein Weihnachtsmann! Gott sei Dank, er lebt, und er lebt ewig. Tausend Jahre ab jetzt, Virginia, nein, zehnmal zehntausend Jahre ab jetzt, wird er das Herz der Kindheit erfreuen.“
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Beitragvon Cemper » 17.09.2008, 07:25

Den Weihnachtsmann gibt es wirklich. Nur:

Erich Kästner
Weihnachtslied, chemisch gereinigt

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man’s bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist’s noch nicht soweit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bisschen durch die Straßen,
dort gibt’s Weihnachtsfest genug!
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen -
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt’s an Holz!
Stille Nacht und heil’ge Nacht -
Weint, wenn’s geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt für’s Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit …
Ach, du liebe Weihnachtszeit!….
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Beitragvon Cerebron » 17.09.2008, 07:33

@Cemper

Sie belieben zu übersehen, dass ich um Texte für eine Weihnachtsfeier bat. Halten Sie Ihren Text für angemessen, um ihn freundlichen älteren Damen als liebevollen Beitrag zum Weihnachtsfest um die Ohren zu schlagen? Bei aller Sanftmut, aber so geht es doch nun wirklich nicht.
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Beitragvon Uli » 17.09.2008, 07:55

Cerebron - Kästners Weihnachtslied ist doch sehr zeitgemäß, was ist das Problem?
Uli
 

Beitragvon Cemper » 17.09.2008, 08:04

@ Cerebron

Nun - das kann man so und so sehen. Ich mache Ihnen einen anderen Vorschlag. Sie lesen die Weihnachtsgeschichte vor. Lukas. Danach hören Sie sich mit den alten Damen die erste Kantate des Weihnachtsoratoriums von Bach an. Zuerst den großen Eingangschor, der mit Paukenschlägen beginnt und dann mit festlichem Streicherklang zum großen Choreinsatz führt: "Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage, rühmet, was heute der Höchste getan ..." Danach hören Sie das Rezitativ aus Lukas: "Es begab sich aber zu der zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augusto ausging ..." Dann folgt die schöne Alt-Arie "Bereite dich Zion, mit zärtlichen Trieben, den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn ..."

Und dann der Choral:

"Wie soll ich dich empfangen und wie begegn' ich dir?
O aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier!
O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei."

Danach stellen Sie den alten Dame diese Frage: "Zu welcher Melodie - Ihr lieben Schwestern - wurde denn dieser schöne Choraltext gesungen?" Vielleicht hat eine der Damen bemerkt, dass es die Choralmelodie "O Haupt voll Blutt und Wunden" ist. Mit dieser Passions- oder Leidensmelodie setzt Bach eine Zäsur nach dem Jubel des Anfangs.

Damit sind wir dann vielleicht doch wieder bei meinem Kästner-Text.

C.
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Beitragvon heinrich » 17.09.2008, 08:12

Sie belieben zu übersehen, dass ich um Texte für eine Weihnachtsfeier bat.


Werter Cerebron,

hier ist ein Text, den ich letztes Jahr verwendete:

Wann fängt Weihnachten an?

(von Rolf Krenzer)

Wenn der Schwache dem Starken die Schwäche vergibt,
wenn der Starke die Kräfte des Schwachen liebt,
wenn der Habewas mit dem Habenichts teilt,
wenn der Laute mal bei dem Stummen verweilt,
und begreift, was der Stumme ihm sagen will,
wenn der Leise laut wird und der Laute still,
wenn das Bedeutungsvolle bedeutungslos,
das scheinbar Unwichtige wichtig und groß,
wenn mitten im Dunkel ein winziges Licht
Geborgenheit, helles Leben verspricht,
und du zögerst nicht, sondern du gehst,
so wie du bist, darauf zu,
dann, ja dann
fängt Weihnachten an.

Herzliche Grüße aus dem derzeit kalten Süden,
Heinrich
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Beitragvon Cerebron » 17.09.2008, 08:24

@Cemper:

Alles hat seine drei Seiten, schon klar. Und natürlich ist es offensichtlich, warum das "et incarnatus est" der h-moll-Messe ohne Fanfarenklänge auskommt. Aber alles hat seine Zeit; und eine Weihnachtsfeier ist nicht immer der geeignete Augenblick für spöttische Hinweise auf seichte Gefühligkeit.

Wenn Ihre Frau Sie zu einem schönen Essen einläd, womöglich selbst mit viel Hingabe etwas leckeres zubereitet hat, was sagen Sie dann zu Ihrer Frau? "Danke" oder "In Afrika verhungern die Kinder"? Kochen Sie?

@Heinrich: Danke
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Beitragvon Cemper » 17.09.2008, 09:01

@ Cerebron

Alles hat seine drei Seiten? Auf meinem Schreibtisch steht ein Würfel - er hat sechs Seiten. Und das Cello und die Geige im Zimmer nebenan haben jeweils vier Saiten. Aber ich verstehe schon, was Sie sagen wollen ... Ich glaube ohnehin, dass wir wechselseitig verstehen, was wir meinen - und ich stimme Ihnen ja auch insgeheim zu. Nicht immer, aber doch schon so, dass ... wir gemeinsam predigen könnten.

Zum "schönen Essen": Die Praxis ist so: Meine Frau kocht gern und ich auch. Wir wechseln uns ab. Wenn wir uns dann an den Tisch setzen, sagt meine Frau - wirklich: so passiert es - sehr oft: "Haben wir es nicht gut?" Und dann sage ich "ja". Dabei schwingt dann oft mit, dass viele es nicht gut haben. Aber wenn man immer daran denkt, würde man verrückt - und es würde ja auch nicht helfen. "Danke" wird auch gesagt.

Nur: Fakt ist: In Afrika - und woanders auch - verhungern täglich viele Kinder. Die Lebenswirklichkeit der gegenwärtigen Menschheit ist in großen Teilen dramatisch schlecht. Die Geschichte der Menschheit ist in großen Teilen eine Geschichte des Elends. Blutspuren über Blutspuren durchziehen sie. Der Prediger Salomo hat doch Recht, wenn er sagt: "Ich wandte mich um und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne; und siehe, da waren die Tränen derer, so Unrecht litten und hatten keinen Tröster; und die ihnen Unrecht taten, waren zu mächtig, daß sie keinen Tröster haben konnten. Da lobte ich die Toten, die schon gestorben waren, mehr denn die Lebendigen, die noch das Leben hatten, und besser als alle beide ist, der noch nicht ist und des Bösen nicht inne wird, das unter der Sonne geschieht."

Und dann stellt sich - auch Weihnachten - die Frage: Was heißt das theologisch? Darauf muss man eine tragfähige Antwort geben. Die Dimensionen der Antwort habe ich in diesem Forum schon einmal angedeutet - und dann einige "dumme Bemerkungen" kassiert.

Die Probleme der Gestaltung einer Weihnachtsfeier oder einer Christmette kenne ich auch. Ich hatte viele Jahre am Heiligen Abend um 23 Uhr in der hiesigen Uni-Kirche Organistendienst. Der Uni-Prediger hat in diesem Gottesdienst Jahr für Jahr das Elend der Welt beschrieben, in die Gott seinen Sohn ... Sie wissen schon. Das waren sehr ambivalent erbauliche Stunden. Wenn ich dann nach Mitternacht zu Hause war, brauchte ich einen Schnaps - und manches Mal habe ich gefragt: Wie ist das Elend theologisch zu deuten?

C.

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