von gott, kirche und so

Selbstgedichtet und verfasst oder entdeckt

Beitragvon niltir » 13.12.2006, 23:01

Vom Tun des göttlichen Willens

* Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten. * Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind's, die auf ihm hineingehen. * Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die ihn finden! * Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. * An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? * So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. * Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. * Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. * Darum: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. * Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. * Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder getan? * Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!

Matthäus 7, 12 ff
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Beitragvon egil » 18.12.2006, 15:49

Dies gehört eigentlich in die Predigtvorbereitung für den kommenden Wochengottesdienst, aber es ist doch ein bisschen zu viel. Deshalb stelle ich diesen Text hier ein. Egil

4 Mose 21,4-9; Johannes 3,14-18: Schaut auf den Jenseitigen

Unsere Religion hat ihr Zentrum im jenseitigen Gott. Der Glaube an ihn ist der entscheidende Inhalt. Doch werfen diese beiden Aussagen sofort die Frage auf: Wie stellt sich dieser Glaube konkret dar? Ist er nicht in Gefahr, esoterisch zu werden und von den wirklichen Dingen abzuheben? Sind da die heidnischen Religionen nicht realitätsbezogener? Greift bei ihnen die Religion nicht deutlicher in das hinein, was interessieren muss, weil es existentiell ist? Ist nicht eine rein praktische Lebensweise ohne Blick auf den Jenseitigen uns Menschen angemessener?
Die Stelle 4 Mose 21,4-9, die als priesterschriftlich eingestuft wird, möchte auf diese Fragen antworten. Die Erzählung selbst ist sicher uralt; ihre redaktionelle Einbindung aber dürfte kurz nach dem Exil geschehen sein.

Bedrängtes Volk
Die Geschichte erzählt: Das Volk der Israeliten wanderte durch die Wüste. Es ging den Leuten nicht gut. Das Essen war knapp, die Stimmung verdüsterte sich von Tag zu Tag. Eine Kleinigkeit mochte schon genügen, und die Menschen schimpften los gegen ihren Führer Mose. Er hatte sie aus Ägypten herausgeführt. Schlau war er dabei vorgegangen, und es bestand kein Zweifel: eine höhere Macht hatte mitgewirkt. Aber nun zeigte sich von dieser höheren Führung überhaupt nichts mehr. Jahrelang war das Volk inzwischen durch diese schreckliche Wüste geirrt, von Brunnen zu Brunnen, von Oase zu Oase. Einmal zogen sie nach Osten, dann wieder nach Westen, anderntags nach Norden und nach wenigen Tagen wieder südwärts. Niemand konnte sich mehr orientieren. „Wie sollen wir an ein Ziel kommen? Werden wir genarrt?“ So fragten sich die Leute. Auch konnte niemand garantieren, dass für den morgigen Tag das Essen noch reichen würde. Die Leute wurden unruhig. Sie schimpften: „In Ägypten ist es uns zwar schlecht gegangen, aber wir hatten wenigstens zu Essen. Die Machthaber wollten uns zwar klein halten und an die Seite drücken, aber vielleicht hätten wir es doch geschafft zu überleben? Zumindest hatten wir Nahrung und lebten unter einem schützenden Dach. Jetzt aber irren wir durch diese trostlose Gegend, schwitzen am Tag und frieren in der Nacht, können alles nur vorläufig in Zelten unterbringen und müssen immer wandern und wandern. Wir haben genug!“ So dachte die Leute, und sie meuterten.
Doch da bekamen sie eine Lektion, eine bittere. Vipern lagen im Wüstensand, hunderte. Sie waren kaum zu sehen. Doch immer wieder schnellte plötzlich eine hoch und biss. Wer verwundet wurde, war ein Todeskandidat. Nach wenigen Minuten wurde sein Körper steif, und der Atem setzte aus. Hunderte starben, und die Schlangen wurden immer mehr. Da schrie das Volk zu Mose: „Sorge doch für Hilfe!“ Mose betete. Und da bekam er einen eigenartigen Auftrag: „Fertige eine Schlange aus Erz und hänge sie auf einer Stange hoch in die Luft. Wird jemand gebissen, so schaue er hinauf zu diesem Schlangenbild, und er wird überleben.“
Für uns klingt diese Szene wie Magie, zumindest kommt sie uns unverständlich vor. Die Alten konnten darin aber eine tiefere Botschaft entdecken. Wie lautet sie?

Die Schlange und ihre Botschaft
Die Schlage war ein Symboltier. In diesem bündelt sich eine Überzeugung, die besagt: Die erdhaften Dinge sind wichtig; das Leben organisiert sich praktisch; es kennt eigene Gesetze und ist nicht erstgeprägt von jenseitigen Einflüssen. „Handelt praktisch! Lebt euer Leben erdnah, nach eine Weise, wie es euch nützt. Was schaut ihr nach oben?“ Solche Appelle vermittelte die Schlange. Und so war sie Symbol für eine Religion.
Als Tier ist eine Schlange ein faszinierendes Wesen, unheimlich und doch anziehend. Sie gilt als schlau und verschlagen, da ihre gespaltene Zunge ein doppelzüngiges Reden anzeigt. Sie häutet sich jedes Frühjahr und bekommt von innen heraus ein neues Kleid; das wird zu einem Anschauungsbild für Selbstverjüngung. Sie kennt gleichsam ein ewiges irdisches Leben. Weiterhin kann sich die Schlange nach allen Seiten hin krümmen und drehen, ja sie kann einen Kreis in sich schließen. Und damit zeigt sie an: das Leben kann in einem ewigen Kreislauf bei sich selbst bleiben. Weiterhin sagten die Alten der Schlange nach, sie haben einen hypnotischen Blick; sie zwingen einen Menschen mit ihrer übermächtigen Kraft und verzaubere ihn. Ja, sie verführe ihn zu dem Glauben, seine irdischen Geschäfte seien lebensspendend und gäben ihm eine bleibende Zukunft; denn die Schlange lebt direkt auf der Erde und bannt den Blick zum Erdhaften hinab. Sie symbolisiert also eine Kraft, die dem Menschen sagt: „Hier unten ist dein Gott! Und Leben schenken dir jene Eigenschaften, die du an der Schlange siehst: Schlauheit, Selbsterhaltung durch Vorsorge und Innovation, ausschließliche Sorge um die handfesten irdischen Dinge, Glaube an die ewig jungen Kräfte der Natur, Leben für sich selbst.“
Die Schlange zeigt also den Typ einer Religion, von dem sich die Israeliten damals blenden ließen, als sie in der Wüste Hunger hatten und es leid waren, nicht täglich nach einem Plan für eine sichere Zukunft arbeiten zu können. Der Weltengott schien ihnen zu fern. Sie wollten einen nahen Erdengott. Das war ihr Begehren: nicht mehr nach dem Jenseitigen schauen, sondern das Diesseitige zum Maßstab machen! Das würde ihnen nützen, damit ließe sich leben. So meinten sie. Doch es wurde ihnen gezeigt, was eine solche Überzeugung wirklich bringt. Wer gebissen wird von dem Glauben an dieses Handfeste, der stirbt, noch ehe er die Wüste des Irdischen durchquert hat.

Die Gegenbotschaft
Dann musste Mose ein Bild der Schlange in den Himmel hängen, in Erz gegossen wie die Bildnisse von Gottheiten. Ehern mögen diese Eigenschaften erscheinen. Aber sie werden erst zum Segen, wenn sie aus dem Irdischen herausgehoben werden, hinein in den Ort ihrer wahren Herkunft. Denn nicht eine irdische Kraft ist göttlich, sondern allein vom jenseitigen Gott her kommt der Segen, allein er ist der Herr des Lebens, allein von ihm kommt Zukunft. Denn er ist der Sitz der Weisheit, er ist die Quelle des Lebens, in ihm liegt die Kraft des Daseins.
So wird in dieser Szene gesagt: Wer nicht zu Gott aufschaut, für den bleibt alles, was irdisch sein mag, ohne Zukunft. Sein Leben mag ihm gesichert erscheinen, aber irgendwann wird im das, worauf er vertraut, zum tödlichen Biss. Hebt er dieses aber in die Sphäre Gottes, wird es ihm zum Segen. Ja, der Blick nach oben kann die tödlich Infektion mit dem Gift eines Erdenglaubens unwirksam machen. Das – so meine ich – hat die Erzählung von der ehernen in der Bildsprache der Alten zum Ausdruck gebracht.
Gilt dies auch neutestamentlich? Ist nicht unser Gott auf die Erde gekommen, um das Menschliche zu heilen? Hat er nicht geheilt? Hat er nicht das alttestamentliche Gesetz abgeschafft und Freiheit gegeben? Um Missverständnissen vorzubeugen, zitiert das Johannesevangelium die eben besprochene Stelle von der ehernen Schlange (Joh 3,14) und verbindet sie mit Christus. Es zeigt sich, dass die Inkarnation nichts an der Grundoption verändert hat.

Der Menschensohn
Christus wurde auch über die Erde erhöht, aufgehängt am Kreuz. Und das erinnert den Evangelisten an die eherne Schlange am Pfahl. Er verbindet beides, wenn er sagt: „Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat.“ (Joh 3,14-15) Was will uns der Evangelist damit sagen? Ich versuche eine Deutung:
Gerade das Johannesevangelium spricht davon, dass viele sich an Jesus begeistert haben, und zwar in der Art, dass sie ihn zum König machen wollten (vgl. Joh 6,14-15). Sie wollten einen König, der Brot beschafft und damit die Wüstenstrecken des Lebens angenehm gestalten hilft. Seine faszinierende Person stand dabei im Mittelpunkt. Und an ihr sahen diese Bewunderer ein edles Menschsein, das für sie und andere alles leichter machen würde. Er soll weise handeln im Sinne abwägender Klugheit; er soll jedem Selbständigkeit garantieren; er soll dafür sorgen, dass alles harmonischer zugeht und das Leben angenehmer wird. So fanden sie es gerade recht, wenn er Hungernden einfach Brot verteilte. Er solle so weitermachen, dann sei das schon genug Reich Gottes. Es reiche, wenn alle zu Essen hätten, wenn ale gesund wären, wenn alle ihr eigene Leben leben könnten und wenn alle möglichst lange leben dürften. Dies wäre eine Religion, die ausschließlich das Irdische bewegt. Ihr letztes Ziel wäre es, ein Leben nach der Art zu garantieren, wie wir uns gutes Leben vorstellen. In einer solchen Religion wäre es das höchste Glück, wenn jemand gut eben kann, träumen darf und immer geliebt wird. Es wäre ein Reich Gottes nach dem Muster des Irdischen, des Bekannten. Das aber, so sagt unser Text, genügt nicht. Diese faszinierende Heiler, diese liebenswürdige Brotgeber, dieser ideale Mensch – er muss erhöht werden wie die Schlange in der Wüste. Er muss mit seiner ganzen Faszination in der Sphäre des Göttlichen gesehen werden. Erst dann wird zum Segen werden, was er an menschlich Gewinnendem gebrach hat. Mit „erhöht werden“ ist aber hier unzweifelhaft gemeint: er ist als der am Kreuz Aufgehängte gestorben. Das war den Jüngern unbegreiflich, und es ist wohl auch für uns schwer nachvollziehbar. Alles, was so griffig und so plausibel das Reich Gottes anzeigen könnte, muss weggenommen werden. Der so überzeugende Künder dieser Botschaft, er muss sterben. Zwar hat er viele infiziert mit seiner Lehre, aber kein einziger konnte es ihm auch nur annähernd gleichtun. An ihm war greifbar, dass Göttliches bei uns wohnt – aber nicht nach unserer Vorstellung; er war nicht reich, nicht mächtig, nicht in harmonischem Umfeld, nicht im Schlaraffenland. Ja, er musste hinweggehoben werden, hinaufgehoben als ein Opfer. Was zurückbleibt, sind Menschen, die glauben, und wat an ihn und an das, wovon er gesprochen hat. Ihnen wird gesagt: „Wenn ihr aufschaut, dann seht ihr zwar zunächst nur den gestorbenen Herrn, der gescheitert ist im irdisch-politischen Sinn. Doch sein Sterben war ein Opfer.“ Er hat alles Erkannte und Geschaffene und alles, was an seiner Person so reif geworden war, dem Vater-Gott angeboten. So wurde er für uns zu einem Richtzeichen – wie damals die eherne Schlange in der Wüste für alle, die gebissen worden waren. Schauten sie auf, so waren sie gerettet. Verweigerten sie den Blick nach oben, so waren sie verloren.
Die folgenden Sätze bei Johannes versuchen anzugeben, warum das so ist. Sie sagen: Jesus ist der Mann Gottes. Er kam von oben, um unseren Blicke nach oben zu lenken. Er kam ganz zu uns herab, um wie ein Licht in der Welt der Menschen zu Leuchten, um wie ein Leuchtturm den im Dunkel Fahrenden die Richtung zu zeigen. Und er musste sich opfern, damit einer von uns Menschen konsequent seine Liebe zum Vater-Gott zeigt. So gelangen wir Menschen in einer höhere Form zu leben. Unsere Bibelstelle nennt dies „ewiges Leben“. Es ist nicht eine Fortsetzung des Bleibenden, Bekannten. Es geht durch ein Sterben hindurch, und zwar ein Hinsterben aus Liebe; so führt es in ein Leben, das alles Bekannte übersteigt.
Wir, die Nachfolger, können uns auf ihn verlassen. Uns muss es genug sein, an ihn zu glauben. Und das meint wohl: Wir vertrauen uns seiner Lehre an, begeben uns in seine Nähe und richten uns nach ihm aus. Denn an ihm wird zukünftig alles gemessen. Er ist zum Richtmaß geworden. Das besagt der Satz: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat“ (Joh 3,18 ).
So war Christus also gesandt worden, um unsere Welt vor dem Gericht und vor einer Verurteilung zu bewahren. Doch geschieht in der Auseinandersetzung mit ihm ein dauerndes Gericht. Denn wo Menschen den Gedanken an den in den Himmel gehängten Herrn völlig außer acht lassen, da mögen sie bauen und werkeln und planen und veredeln und ihre Tage in Qualitäten hüllen – auch kirchlich – es wird ihnen unter der Hand schal, es rostet ihnen weg, es altert unmerklich dahin. In ihrem notwendig absterbenden Leben gibt es nichts, das dieses Absterben durchstrahlt. Die Fülle bleibt leer, die Weisheit verpufft, die Größe löst sich auf. Der aber, der glaubt, dass der erhöhte Herr in seinem Sterben die Sphäre des Göttlichen aufgesperrt hat, dem wird sogar noch das Sterben zum Gewinn. Solches behauptet die Stelle der Bibel, die wir eben betrachtet haben. Beweisen werden wir es freilich nicht anders können als durch das Leben.

Die Heiligen
Es kommen mir Menschen in den Sinn, die an den erhöhten Herrn geglaubt haben. Es sind die Heiligen. Da gibt es die offiziellen; ihr Glaubensweg kann gleichsam angesehen werden, wie eine klassische Weise zu glauben. Daneben gibt es aber noch die anderen, die nicht sosehr als offizielle Glaubenszeugen in die Mitte gestellt werden, an deren Leben wir aber auch sehen, wie das Glauben geht.
Ich denke da z.B. an Anna Schäffer aus Mindelstetten. Ihr Leben zeigt, wie in einer menschlich hoffnungslosen Lage die Botschaft von der Erhöhung des Herrn alles verändert und aus Trostlosigkeit Freude erwachsen kann. Mit 18 Jahren war sie schwer verunglückt. Wir war mit den Füßen bis über die Knie in einen Waschkessel mit kochendem Wasser gerutscht. Dreißig Operationen konnten ihren Zustand nur geringfügig verbessern. Daraufhin musste sie 27 Jahre lang im Bett liegen. Ihre Mutter – eine arme Witwe – pflegte sie. Ihr Leben war klein und eng. Ein Zimmer und ein Bett, eine Mutter und wenige Angehörige, selten Besuche, ein kluger und mitfühlender Seelsorger und ein paar Bücher – das war ihre Welt. Und die Mitteilungen von außen waren wenig verheißungsvoll: der Erste Weltkrieg, die Revolution, die Geldentwertung. Das alles vermehrte nur noch die eigentlichen Sorgen: Schmerzen und keine Chance auf Linderung. Dieses kleine Leben war aber doch erfüllt von einer Größe, die dem aufgeht, der versteht, was unser Text meint: das Leiden und Sterben unseres erhöhten Herrn verwandelt Leben, Leiden und Sterben eines Glaubenden. In diesem Leben war nach außen hin nichts mehr zu gewinnen, ja es war alles verloren. Die Kranke konnte keiner geregelten Arbeit nachgehen, sie konnte sich selbst nicht versorgen, sie konnte nicht heiraten, sie konnte sich überhaupt keine Zukunft mehr bereiten. Alles, was eine junge Frau vom Leben erhofft, war ihr genommen. Für viele Leute der Umgebung zählte ihr Leben nichts mehr. Was kann eine so schwer Leidende noch ausrichten? Sie ist nur eine Last. Wer wird sie pflegen, wenn die Mutter eines Tages nicht mehr kann? Ein Leben ohne Wert! Ein Leben voller Last für die Betroffene und für die Umgebung! Was soll das noch für einen Sinn haben?
Anna Schäffer aber schaute immer und immer wieder auf das Kreuz. Da hing der Herr, leidend und sterbend. Damals mussten jene, die unter dem Kreuz standen, auch sagen: „Wir wissen nicht, wofür es gut sein soll.“ Ja, Jesus selbst hat gerungen mit der Sinnlosigkeit des Sterbens. Und am Ölberg durchlitt er die Zweifel: Wäre es nicht besser, die Botschaft noch tiefer in die Seelen der Jünger einzugraben? Sie sind doch noch gar nicht reif, sie bräuchten doch noch einige Zeit ihren Herrn, sie kennen sich hintern und vorne noch nicht aus! Doch Jesus betet: „Nicht mein Wille geschehe, Vater, sondern der deine“ (Lk 22,42). Auch wenn das Ganze aussieht wie ein Torso, es wird sich fügen. Und zu diesem Gebet rang sich Anna Schäffer täglich durch: „Nicht wie ich möchte, mein Gott, sondern wie du willst. Nicht wie ich mir mein Glück erträumt hatte, sondern wie Jesus, mein Meister, alles zum Glück werden lässt.“ Und darum ist ihr kleines Leben groß geworden. Es war Gebet. Es hat alles hochgehoben in die Sphäre Gottes und gedacht: „Herr, ich kann für dich und für die Leute nichts Rechtes tun. Ich kann nur leiden. Aber nimmt dieses mein Leid als ein Zeichen an. Ich möchte dir damit kundtun, das ich an dich glaube und dass ich dich liebe. Anders kann ich meine Liebe nicht ausdrücken. So nimm denn meine Schmerzen, so nimm denn mein hoffnungsloses Schicksal, so nimm denn meine kleine Welt als meine Gabe an. Nicht viel zählt alles vor der Welt, und in der Tat, es ist auch nicht viel. Aber es ist alles, was ich habe. Es ist für dich, mein Gott. Es ist ein Zeichen meines Glaubens und meiner Liebe. Es ist mein Leben, das ich von dir bekommen habe. Es ist die Art, wie ich es dir wieder zurückgebe. Und ich bin damit zufrieden. Ich weiß: Es ist mir auch dies geschenkt. Und so vertraue ich darauf: Du nimmst es an, du zählst es, als wenn es ein großes Verdienst wäre, obwohl es doch ein Nichts ist. Du lässt mein Wollen gelten. Und so machst du mich reich. Mein Gott, ich preise dich!“
Und so muss auch der beten, der Erfolg hat, der weisheitlich sein eben gestaltet, der frei entscheiden kann, dem es gut geht. Er darf sich nicht dazu verführen lassen zu meinen: meine Welt wird mich tragen; denn wenn er nicht aufschaut, dann wird seine Grundeinstellung tödlich sein. Er muss immer wieder herausschauen, sein Wirken gleichsam in den Himmel hängen und wissen: Wenn alles glatt geht, dann ist das noch nicht alles. Weisheit, Lebenskraft und Zukunft kommen mir von dem zu, dessen Wesen ich nicht durchschaue. Wenn dieser Men dann betet und sich an den Unbegreiflichen wendet, um sein Leben auf ihn hin zu formulieren, dann mag er zurückhören: „Du hast einen Wert.“ Alles hat einen Wert, was erhoben wird, was aus der Illusion herausgehoben wird, die meint: das Irdische allein würde genügen. Es bringt erst Segen, wenn es in die Sphäre Gottes kommt. Doch dort hat auch noch Wert, was irdisch unwert erscheint. Denn der Herr hat, als er erhöht war, alles an sich gezogen – menschliche Größe und menschliches Leid.
So hilft die Religion, die Nischen menschlicher Erbärmlichkeit zu meistern. Doch nicht nur dies: sie hilft auch, die verborgenen Nischen angeblicher Größe zu erkennen und sie vom Gift der todbringenden Illusion zu befreien.
Und so mögen wir uns fragen: Wie steht es um meine Religion? Ist sie mir nur Gestaltungselement eines Lebens, das in sich kreist? Oder orientierte ich mich am Ewigen, nicht Fassbaren, Jenseitigen? Denke und fühle ich über das Fassbare hinaus? Und suche ich ein Reich Gottes, das sich nicht erschöpfend beschreiben lässt? Rechne ich noch mit dem je größeren Gott? Hebe ich alles in die Sphäre jenes Gottes, der sich als nahe geoffenbart hat, der aber doch der je größere Unbekannte bleibt?
Der erhöhte Herr hat alles an sich gezogen, damit jeder, der an ich glaubt, ein Leben hat, das Ewigkeit verheißt.

Ludwig Mödl (1993): Aus der Bibel schöpfen. Gedanken wider den Kirchenfrust – Anregungen zu Meditation und Predigt. München: Wewel, S.39-49
Christ ist erstanden von den Martern allen. Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.
Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so freut sich alles was da ist. Kyrieleis.
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Beitragvon niltir » 21.12.2006, 10:50

Die vollkommene Rettung.

Auch eine Weihnachtsgeschichte.

* Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. * Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. * Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig * und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! * Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König. * Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! * Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? * Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. * Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! * Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein ..

Lukas 23, 34 ff
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Beitragvon niltir » 25.12.2006, 12:44

Vom Wirken des Heiligen Geistes.

(Der echte Diener Gottes.)

* Und siehe, ein Mann war in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser Mann war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war mit ihm. * Und ihm war ein Wort zuteil geworden von dem Heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. * Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, * da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: * Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; * denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, * den du bereitet hast vor allen Völkern, * ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel. * Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. * Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird * - und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen -, damit vieler Herzen Gedanken offenbar werden ..

Lukas 2, 25 ff
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Beitragvon niltir » 29.12.2006, 14:15

Himmel, Erde und Hölle.

(Von der Nichtigkeit jeglicher irdischen "Freisprache".)

* Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. * Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein ..

Matthäus 16, 18 ff

- und -

Himmel, Erde und *Gemeinde.

(*Gemeinde der Gläubigen, nicht der "Kirchenkonfessionen".)


* Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. * Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde. * Hört er auf die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner. * Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein. * Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. * Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen ..

Matthäus 18, 15 ff
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Psalm 1

Beitragvon Andy » 06.01.2007, 12:59

GLÜCKLICH DIE KIRCHE

Glücklich die Kirche,
die nicht sitzt im Rat der Ratlosen;
die sich nicht um sich selber dreht.

Glücklich die Kirche,
die nicht die Wege geht der Sünde und Schande -
ohne Sinn und Verstand;
in der sich alles um das Geld dreht.

Glücklich die Kirche,
die kein Risiko scheut;
die sich selber aufs Spiel setzt -
die die Güte Gottes austeilt an die Armen
mit vollen Händen.

Glücklich die Kirche,
die Lust hat an den Geboten Gottes;
die das Leben auf Erden schützt
auf allen Kontinenten.

Glücklich die Kirche,
in der Menschen zusammenkommen
ohne Angst und Furcht;
sie wird zum Ort der Befreiung.
Glücklich die Kirche,
die hungert und dürstet nach Gerechtigkeit;
ihre Sehnsucht wird gestillt.

Glücklich die Kirche,
die durchschaubar ist für Jung und Alt;
in ihr werden wir Gott schauen.

Hanns Dieter Hüsch und Uwe Seidel
aus: "Ich stehe unter Gottes Schutz; Psalmen für Alletage"
"Ich weiß, dass mein Erlöser lebt."
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Beitragvon Renders » 16.01.2007, 11:01

Was ist denn los?
In unsrer alten Kirche Schoß?
Das kann nicht mehr zur Ruhe kommen,
Das quält und ängstet alle Frommen,
Das brodelt, gärt und schäumt und zischt,
Als hätt' der Teufel was gemischt,
Das riecht verflucht nach Ketzern,
Nach Neuerern und Hetzern!
Es wird gebessert, aufgehellt,
Das Alte auf den Kopf gestellt,
Es regen sich die Zweifler,
Die Nicht-so-ganz-Begreifler - - -
Da aber schallt
Zu Rom ein donnernd Halt.
Wir finden keine neuen Wege.
Wer sie betritt, kommt ab vom Stege,
Der immer noch so eng und schmal
Zu Gott führt aus dem Jammertal.
Ihr eifervollen Umgestalter!
Was Dummheit und was hohes Alter
Der guten Menschheit heilig macht,
Wird nie in andre Form gebracht!
Wie wollt ihr Halben und ihr Lauen
Das Eingestürzte neu erbauen?
Entweder Heide — oder Christ,
Und nehmt die Kirche, wie sie ist!


Ludwig Thoma
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Beitragvon Mark » 19.02.2007, 11:35

Ich fand zur Vesperzeit in einem Dom mich wieder
und setzte mich im Seitenschiff auf einer Holzbank nieder
Schräg vor mir saß ein Mann, der spielte dort mit Karten.
"Sie müssen damit", sprach ich, "bis nach der Messe warten!"
Der Fremde hob den Kopf und sah mir ins Gesicht
"Verzeihung, Herr, aber ich spiele nicht."
"Kommt mit hinaus", sagt er, indem er sich entfernt,
"Ich zeig´ Ihnen, was man von meinen Karten lernt."
Und draußen im Portal, dort wo es niemand stört,
hat mir der Fremde dann sein Kartenspiel erklärt.
"Mit jedem As", sprach er, "soll ich erinnert werden:
Es gibt nur einen Schöpfer des Himmels und der Erden".
"Die 2", sagt er, "2 Menschen gibt s im Paradies,
Adam, und seine Frau die Eva hieß,
zieh ich die 3, so heißt es für den Frommen,
3 heilige Könige sind nach Bethlehem gekommen."
"Zieh ich die 4 Evangelisten zu unseren Herren Ruhm
haben uns gebracht das Evangelium"
"5 Kieselsteine
suchte David sich im Bach,
dann legte mit der Schleuder
den Goliath er flach"
"In 6 Tagen schwerer Arbeit erschuf sich unser Herr die Menschen,
Tiere, Pflanzen, die Erde und das Meer.
Am 7. Tage ruhte der Liebe Gott sich aus,
auf einer kleinen Bank vor seinem goldnem Haus"
"8 Menschen wohlgezählt, 8 nur und zwar die Frommen
sind bei der großen Sintflut damals nicht umgekommen.
Noah und die 3 Söhne, das sind zusammen 4.
und jede ihrer Frauen, danach schloss sich die Tür."
"9 Aussätzige, bis auf den Tod erkrankt,
haben für ihre Heilung dem Herrn nicht mal gedankt"
"10 Gebote Moses dem Auserwähltem gab,
als er vom Berge Sinai zum Volke stieg hinab.
ich habe hier 4 Buben, ich habe hier 4 Damen,
ich habe hier 4 Könige, das sind 12 zusammen."
"12 Stunden hat der Tag,
12 Stunden hat die Nacht,
12 Monate das Jahr,
so wird die Zeit gemacht."
"Herz, Karo, Pik und Treff
4 Farben in der Hand,
4 Jahreszeiten färben Wald, Wiese, Welt und Land.
52 Karten hab ich in meinem Spiel
nun zählen wir die Wochen,
und zählen wir die Punkte,
so sind es ohne Frage 365,
so viel ein Jahr hat Tage."
"Moment", sagte ich, nachdem ich Papier und Blei genommen,
ich kann nur auf 364 kommen!"
"Ja, sagte da der Fremde mit einem stillen Lachen,
"Sie dürfen nie die Rechnung ohne den Joker machen!"
(Bruce Low)
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Beitragvon tosamasi » 06.04.2007, 16:54

OSTERN

Über den Grenzen
irdischen Lebens
jenseits
lebt die Wahrheit

Und völliges Licht
der Erkenntnis
blendet
den Ungläubigen

Aufschimmernde Hoffnung
wie Morgengrauen
zittert
in eine neue Zeit

Nach dem Werktag
das endlich Unendliche
ein größerer Tag
AUFERSTEHUNG

© tosamasi
Zuletzt geändert von tosamasi am 21.09.2008, 13:01, insgesamt 1-mal geändert.
Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden
(Hermann Hesse)
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Beitragvon Mark » 17.06.2007, 12:55

Die Eintrittskarte

Ein russisch-orthodoxer Bischoff, so erzählt Lesskow, war betrübt darüber, dass seine Missionsversuche unter den Budhisten und Lamaisten Sibiriens fehlschlugen.

Ein weiser Mönch tröstete ihn: Du siehst Dir die Sachen an und ärgerst Dich. Ich aber freue mich immerzu. Ich denke, Eminenz, daß wir alle zu einem Gastmahl gehen. Siehst Du, wir beide sind getauft, und das ist gut so. Uns ist damit gleichsam eine Eintrittskarte zum Festmahl gegeben. Und wir gehen auch hin und wissen, dass wir eingeladen sind, weil wir ja eine Karte haben.

Jetzt sehen wir aber, dass neben uns ein Menschlein ohne Karte auch dorthin wandert. Wir denken: Das ist ein Dummkopf. Es hatt doch gar keinen Sinn, dass er hingeht. Man wird ihn gar nicht hereinlassen.

Wenn wir aber angekommen sind, werden wir sehen, dass die Türhüter ihn fortjagen wollen, weil er ja keine Karte hat; der Gastgeber aber sieht es und befiehlt, ihn hereinzulassen und sagt " Ist nicht schlimm, dass er keine Karte hat, ich kenne ihn auch so. Komm nur her, tritt ein!"

Und er wird ihn hereinführen, und sieh da, womöglich erweist er ihm größere Ehre als manchem, der mit einer Karte gekommen ist.

(aus Gisbert Kranz, Schmunzelkatechismus)
Laudate omnes gentes, laudate Dominum.
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Beitragvon maranatha » 25.07.2007, 09:15

Die Unerbitterlichkeit des Hartglaubens

Ich bin euren Feiertagen gram
und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen,
spricht der Herr.
AMOS 5, 21


Die Kirchen werden immer leerer,
klagen sie angestrengt,
denn die Kirchenväter haben das Wort.
Sie halten fest an ihrer Rede.
Sie reden mit einer Stimme
überall zu allem, nichts von Bedeutung.
Sei reden über die Herzen hinweg
kalt in die frierenden Gedanken
der zwanghaften Christen.

Alles gerät zur Pflichtübung.
Ihre erhobenen Zeigefinger erstarren.
Unter ihrer Drohgebärde
wächst und blüht nichts.
So ereignet sich die allsonntägliche
Zerklärung des Sohnes,
biblische Texte werden geschleift.

Auch die selbsternannten Wächter
haben Platz genommen.
Sie hören mit Ohren von Aufpassern.
Was ihnen nicht passt, wird verarbeitet
zur Denunziation.
In Gedanken bekämpfen sie stets das Böse
in anderen.

Die Stille hat sie alle verlassen.
Die Kirche ist voller Parolen,
sie machen sich auf,
Menschen zu verfolgen.
Die Finsternis weiß schon Bescheid.


(aus – Zukunft beginnt sehr leise – Ein Apokalypse für unsere Zeit – Manfred Fischer – Ewald Stark – Quell Verlag)
Gott des Aufbruchs, sei mit mir unterwegs zu mir selbst, zu den Menschen, zu dir.
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Beitragvon maranatha » 31.08.2007, 14:19

Hirten, die sich selbst weiden

So spricht Gott der Herr:
Wehe den Hirten,
die sich selbst weiden!
Das Schwache stärkt ihr nicht,
und das Kranke heilt ihr nicht,
das Verwundete verbindet ihr nicht,
das Verirrte holt ihr nicht zurück
und das Verlorene sucht ihr nicht.
HESEKIEL (Ezechiel) 34, 2 und 4


Ich klage dir, Gott,
die Hirten, die sich selbst weiden,
die unaufhörliche Wiedergeburt
der breitgesichtigen Machtmenschen,
der Hartgesottenen Mandatsträger.
Wann endlich hat ihre Selbstbedienung
ein Ende?

Ich klage dir, Gott,
die unaufhörliche Paarung
der Stützen der Gesellschaft,
der Experten für Beschwichtigung,
der Kenner aller Gesetzeslücken
und Schleichwege des Geldes.
Sie übernehmen jedes Restrisiko unbesehen.
Ihr persönlicher Ausstieg
im Fall der Verheerung des Landes
ist schon bezahlt.

Ich klage dir, Gott,
die Gedankenlosigkeit, das Unwissen.
Noch feiern sie das Bruttosozialprodukt.
Noch ist das Volk trunken
vom Wirtschaftsteil der Zeitung.
Die Mehrheit wird wiederaufbereitet
mit Optimismus,
der sich auswächst ins Gesicht.
Sie möchten dabei-sein-ist-alles.

Ich klage dir, Gott,
die fahle Resignation
all der Zurückgebliebenen.
Langfristig arbeitslos, wer hält das noch aus?
Die Zeit der Traumberufe ist vorbei.
Die Jungen bleiben auf der Straße.
Das kleine Haus fällt an die Bank.

Lass alles Stumme Lärm schlagen.
Gib den Nachwachsenden
das Leben selbst in die Hand.
Lass sie nicht warten, Gott,
mache die Zeit reif
für einen großen Ausgleich aller Lasten,
denn dein ist das Reich und die Kraft.


(aus – Zukunft beginnt sehr leise – Ein Apokalypse für unsere Zeit – Manfred Fischer – Ewald Stark – Quell Verlag)
Gott des Aufbruchs, sei mit mir unterwegs zu mir selbst, zu den Menschen, zu dir.
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Beitragvon Ich+Ich » 06.09.2007, 14:21

Johannes

Ich bin müde und verärgert, heute gab‘s Krach und nur Trara.
Jeder wusste was zu meckern und die Hälfte ist nicht wahr.
Gleich halb zwölf, ich guck‘ noch Fernsehn. Als ein leichter Luftzug geht,
stockt das Blut mir in den Adern, weil da plötzlich einer steht.

Ja, am Esstisch steht ein Fremder, helle Kleidung, langes Haar,
und der Ausdruck seiner Augen ist so blendend ‚ hell und klar.
Er kommt näher, mir wird schwindlig, doch er schaut mich freundlich an:
“Keine Angst, ich bin Johannes aus dem Himmel nebenan.

Sag‘ nie mehr, dass Du Gott liebst, wenn Du Schuld so schwer vergibst.
Macht Dich Gottes große Güte nicht zum ersten Schritt bereit?
Daran wird die Welt erkennen, dass ihr seine Jünger seid!“

Ich sag „Möchten Sie was trinken?“ Und Johannes setzt sich her
“Ja, mir schmeckt der trock‘ne Patmos seit der Offenbarung sehr.
Was ich sah, wird sich erfüllen. Keiner weiß die Zeit, die bleibt.
Dass die Kürze Deines Lebens dich nicht schon zur Umkehr treibt?

Sag nie mehr, dass Du Gott liebst, wenn Du Schuld so schwer vergibst.
Dir wird selbst so oft vergeben und Du gräbst Dich ein im Streit –
woran soll die Welt erkennen, dass Ihr seine Jünger seid?“

Heimlich kneif‘ ich mich am Ärmel, doch Johannes bleibt real
“Gottes Kinder sind Geschwister, das ist keineswegs banal.
Was ich Dir noch raten wurde für den irdischen Betrieb,
steht ja soweit in den Briefen, die Ich Dir vor Jahren schrieb.“

(Andreas Malessa)
"Man muß träumen wollen,um träumen zu können."

Charles Pierre Baudelaire
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Apostel! mit Robert Duvall in der Hauptrolle

Beitragvon ChristSein » 06.09.2007, 18:56

Apostel!


Ein Film mit einem auf den ersten Blick vielversprechenden Titel, der heute um 22:25 bei 3sat gesendet wird.


"Der Prediger Sonny (*Robert Duvall*) lebt glücklich und zufrieden mit seiner Frau, seinen Kindern und einer treuen Kirchengemeinde. Als er jedoch seine Frau mit einem Liebhaber erwischt, erschlägt er ihn aus Eifersucht. Sonny ist nun auf der Flucht vor der Polizei und nimmt eine neue Identität an - er nennt sich von nun an "Apostel". An einem neuen Ort angekommen, baut er eine Kirchengemeinde auf und erntet dafür Anerkennung. Doch als ihm seine Gattin auf die Spur kommt, holt ihn sein Vergangenheit wieder ein... - "Apostel!", eine Charakterstudie eines religiösen Fanatikers, lebt vom starken Auftritt Robert Duvalls".
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