von gott, kirche und so

Selbstgedichtet und verfasst oder entdeckt

GLAUBEN UND WISSEN...

Beitragvon maximin » 08.09.2007, 13:43

GLAUBEN TU ICH NUR AN DEN HERRGOTT. ALLES ANDERE WILL ICH WISSEN!
(Hobbydedektiv Pfarrer Braun/Bayern)
Der kleine Glaube hat denselben starken Heiland wie der große Glaube...
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Beitragvon Jesu Juva » 19.09.2007, 10:55

Der Stammapostel war am 09.09.2007 in der Gemeinde Hamburg-Eppendorf, u.A., um Apostel Rüdiger Krause und seiner Frau einen besonderen Segen anlässlich ihrer Silberhochzeit zu übermitteln.

Im Gottesdienst verwendete er folgende Geschichte:

Die Kirche der brennenden Lampen

So heißt im Volksmund eine kleine evangelische Kirche in Frankreich. An jedem Sonntagabend versammeln sich in ihr die Leute aus dem Dorf zum Gottesdienst. Jeder Besucher bringt eine Öllampe mit. In der Kirche werden die Lampen angezündet und auf die breiten Banklehnen gestellt. So wird der Raum hell und der Gottesdienst gefeiert.

Im Jahre 1550 entstand diese Gewohnheit. Seitdem bekommt jedes Gemeindeglied, das seinen Glauben bekennt, eine Lampe, die es bis zum Tode behalten und zu jedem Gottesdienst mitbringen soll. Schon über 400 Jahre wandern diese Lampen von Hand zu Hand und jeder weiß, wenn er mit seiner Lampe im Gottesdienst fehlt, wird die Kirche ein wenig dunkler sein.
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Beitragvon Bert » 19.09.2007, 11:23

Wie wunderbar! Und warum wird das nicht in der NAK eingefüht?

Bei den Katholiken gibt's wohl auch solch eine Kirche, s. GD des Ap Hoyer 2006. Oder liegt eine Verwechslung vor? :wink:
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Beitragvon Jesu Juva » 19.09.2007, 11:27

Bert hat geschrieben:Wie wunderbar!

Bei den Katholiken gibt's wohl auch solch eine Kirche, s. GD des Ap Hoyer 2006. Oder liegt eine Verwechslung vor? :wink:

Hab's gerade mal aus einem evangelischen Gemeindebrief kopiert, daher vmtl. die konfessionellen Unterschiede. ;-)
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Beitragvon Jesse » 19.09.2007, 12:26

Kann ich bitte ungeachtet der Konfessionen einmal erfahren, wo diese Kirche in Frankreich ist.
Hier im Forum muss man heute wirklich Katholizismus und
Protestantismus abwehren. :roll: :lol:
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Beitragvon Bert » 19.09.2007, 13:39

Engelchen,

die Kirche gibt es wahrscheinlich nicht (mehr). Jedenfalls sind alle meine Recherchen ergebnislos gewesen. Ich denke mal, es handelt sich, wie so vieles, was so wunderbar klingt, um eine Sage.

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Beitragvon maranatha » 24.11.2007, 18:16

Nachgebildete

Zu derselben Zeit wird man nicht mehr sagen: »Die Väter haben saure Trauben gegessen und den Kindern sind die Zähne stumpf geworden«, sondern ein jeder wird um seiner Schuld willen sterben, und wer saure Trauben gegessen hat, dem sollen seine Zähne stumpf werden.
Jeremia 31,29.30


Nein wir nicht!
Wir ändern es nicht!
Nicht meine Generation!

Wir sind keine Gründer,
keine Erbauer, Eroberer.
Wir sind keine Legende,
und zu Helden haben wir nicht getaugt.

Wir sind nicht von der Art,
die sich verdient gemacht ums Vaterland.

Wir haben die Städte,
die Industrie nicht hochgezogen.
Wachstum und Tempo
Stammen nicht von uns.

Wir sind nur Nachgebildete,
allenfalls Verwalter, willig und tüchtig,
Sachzwangspezialisten ohne Phantasie,
Aufsteiger und Fachleute.
Unsere eigene Zukunft war zu steil,
unerreichbar hoch.

Unsere starken Väter haben uns eingefügt
In ihren Wiederaufbau,
in ihre Rückkehr zu alten Idealen.

Nein, meine Generation nicht!
An der Bruchstelle der Ideologien
Aufgewachsen,
war es uns nicht vergönnt, anzufangen.

Auf unseren Irrwegen
Kommen wir nicht mehr an,
nicht mit später Einsicht ans Ziel
.
Wir gehen unsicheren Fußes
einen schwankenden Weg ohne Geleit.
Die Formeln der Priester schweigen.
Viel zu spät lernen wir
Widerspruch.

Manchmal fürchte ich
Die letzten Stunden,
in denen Teufel und Tod
tanzen nach unserer Pfeife.


(aus – Zukunft beginnt sehr leise – Ein Apokalypse für unsere Zeit – Manfred Fischer – Ewald Stark – Quell Verlag)
Gott des Aufbruchs, sei mit mir unterwegs zu mir selbst, zu den Menschen, zu dir.
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Beitragvon scholli » 11.12.2007, 13:37

Zu exkantor seinem Thread „Gemeinde der Sehnsucht“ fiel mir gerade etwas ein was ich von Claudia Hofrichter einmal gelesen hatte.


Wir träumen von einer Kirche,

die offen ist für Jugendliche,
die ihnen zuhört,
die eine Sprache spricht, die sie verstehen,
die ihnen Mut macht für das Abenteuer Leben,
die sich bereichern lässt von den Ideen der Jugend.


Wir träumen von einer Kirche,

die verständnisvoll ist,
die an das Gute im Menschen glaubt,
die den Gescheiterten Hoffnung und Zukunft schenkt,
die Fremde aufnimmt, die sich Asylsuchender annimmt,
die solidarisch ist mit denen, die zu kurz kommen im Leben.


Wir träumen von einer Kirche,

die sich hinterfragen lässt,
und selber kritisch Fragen stellt,
die aufzeigt, wie Menschen miteinander leben können,
die ungerechte Strukturen aufbricht,
und aus dem Evangelium heraus handelt,
die sich vom Wirken des Heiligen Geistes herausreißen lässt
aus der Enge und Selbstzufriedenheit.


Wir träumen von einer Kirche,

die sich einsetzt für Frieden und Gerechtigkeit,
die für Randgruppen einsteht,
die Verzweifelten weiterhilft,
die die Menschen ernst nimmt
mit ihren Sehnsüchten und Wünschen,
die mit Gott rechnet mitten im Alltag,
und stets unterwegs ist mit ihm.

Claudia Hofrichter
Ich setze Liebe mit Freiheit gleich. Die Liebe zu Gott kann nicht durch Gebote, sondern nur durch einen Akt der Willensfreiheit bewirkt werden. - Isaac B. Singer
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Beitragvon trinity » 07.02.2008, 09:50

Der Geschichtenerzähler


An einem Sommermorgen, um die Zeit, da man das Vieh auf die Weide trieb kam in die Stadt des Rabbi von Polnoe ein Mann, den niemand kannte, und er stellte sich mit seinem Wagen auf den Marktplatz. Den ersten, den er eine Kuh führen sah, rief er an und begann ihm eine Geschichte zu erzählen, und sie gefiel ihrem Hörer so gut, dass er sich nicht losmachen konnte. Ein zweiter griff im Vorbeigehen ein paar Worte auf, wollte weiter doch vermochte es nicht, blieb stehen und lauschte. Bald war eine Schar um den Erzähler versammelt, und die wuchs noch stetig.

Mitten drin stand der Bethausdiener, der auf dem Wege gewesen war, das Bethaus zu öffnen; denn um acht Uhr pflegte darin der Rabbi zu beten, und rechtzeitig vorher musste es geöffnet werden. Um acht Uhr kam der Rabbi ans Bethaus und fand es geschlossen; und da er von genaunehmerischem und aufbrausendem Gemüt war, zog er im Zorn aus, den Diener zu suchen. Schon aber stand der vor ihm, denn der Erzähler hatte dem Diener einen Wink gegeben, von dannen zu gehen, und er war gelaufen, das Bethaus zu öffnen. Der Rabbi fuhr ihn böse an und fragte, warum er seine Pflicht versäumt habe und warum die Männer fehlten, die sonst um diese Zeit schon da seien. Der Diener erzählte: wie er, so seien auch alle, die auf dem Weg zum Bethaus waren, von der grossen Geschichte des Erzählers unwiderstehlich angezogen worden. Der zornige Rabbi war genötigt, das Morgengebet allein zu sprechen, dann aber befahl er dem Diener, sich auf den Markt zu begeben und den fremden Mann zu holen. "Den werd' ich verprügeln lassen!" schrie er.

Indessen hatte der Erzähler seine Geschichte beendet und war in die Herberge gegangen. Dort fand ihn der Bethausdiener und richtete seinen Auftrag aus. Der Geschichtenerzähler kam sogleich, seine Pfeife rauchend, und trat vor den Rabbi. "Was fällt dir ein", schrie der ihm entgegen, "die Leute vom Beten abzuhalten!" "Rabbi", antwortete der Erzähler gelassen, "es frommt Euch nicht aufzubrausen. Lasst mich Euch lieber eine Geschichte erzählen." "Was fällt dir ein!" wollte der Rabbi ihn erneut anschreien, dabei aber sah er ihn zum erstenmal richtig an. Er sah zwar gleich wieder weg; aber das Wort war ihm in der Kehle steckengeblieben. Denn schon hatte der Fremde zu erzählen begonnen, und der Rabbi musste nun lauschen wie alle.

"Ich bin einmal mit drei Pferden über Land gefahren", erzählte der Fremde, "mit einem Roten, einem Scheck und einem Schimmel. Und alle drei haben sie nicht wiehern können. Da ist mir ein Bauer entgegengekommen, der hat mir zugerufen: 'Halt die Zügel locker!' So habe ich die Zügel gelockert. Und da haben sie alle drei zu wiehern angefangen." Der Rabbi schwieg betroffen. "Ich verstehe", stammelte er und brach in Tränen aus. Er weinte und weinte, und als er wieder aufblickte, stand der Erzähler nicht mehr da und ward nie mehr gesehn.


(Martin Buber, Die Erzählungen der Chassidim)
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Beitragvon maranatha » 22.03.2008, 14:43

DAS NEUE SEIN

VON PAUL TILLICH

Die Neue Schöpfung ist heilende Schöpfung, weil sie eine Wiedervereinigung mit dem Selbst bewirkt. Und sie stellt auch die Wiedervereinigung mit den anderen her. Nichts ist kennzeichnender für das Alte Sein als die Trennung des Menschen vom Menschen. Nichts wird in der Geschichte leidenschaftlicher ersehnt, nichts brauchen die menschlichen Beziehungen dringender als eine Heilung der sozialen Verhältnisse in einem Neuen Sein.
Die Religion und das Christentum werden oft heftig angeklagt, dass sie der menschlichen Geschichte noch keine Wiedervereinigung, keine Heilung gebracht haben. Und nicht mit Unrecht! Dennoch - die Menschheit ist noch am Leben. Und die Lebensmöglichkeiten wären ihr längst abgeschnitten, hätte die Macht der Wiedervereinigung, des Heilens, der Neuen Schöpfung nicht dauernd der Macht widerstanden, die Trennung bewirkt.
Wo ein menschliches Antlitz uns in seiner Menschlichkeit ergreift, obwohl persönlicher Widerwille oder Rassefremdheit, nationale Gegensätze, Unterschiede des Geschlechts, des Alters, der Schönheit, der Stärke und des Wissens zu überwinden sind, dazu all die zahllosen anderen Ursachen der Trennung, da ereignet sich Neue Schöpfung.
Die Menschheit ist noch am Leben, weil diese Neue Schöpfung wieder und wieder geschieht. Und wenn die Kirche als Gemeinde Gottes eine letzte Bedeutung hat, dann ist es die, dass man hier, wenn auch nur bruchstückhaft, schwächlich und verzerrt, die Wiedervereinigung des Menschen mit dem Menschen verkündigt, bekennt und verwirklicht.
Die Kirche ist der Ort, an dem die Vereinigung des Menschen mit dem Menschen tatsächlich zum Ereignis wird, obwohl die christlichen Kirchen die Kirche Gottes immer wieder verraten. Aber wenn auch verraten und verbannt, so rettet und bewahrt die Neue Schöpfung gerade das, wodurch sie verraten und verbannt wurde: Kirchen, Menschheit und Geschichte.
Die Kirche und alle ihre Glieder fallen immer wieder vom Neuen in das Alte Sein zurück. Darum ist das dritte Kennzeichen der Neuen Schöpfung das Wiedererstehen. Bei dem Wort „Auferstehung" haben viele Menschen unter anderen phantastischen Vorstellungen auch die, dass tote Leiber ihre Gräber verlassen. In Wahrheit meint Auferstehung den Sieg der Neuen Wirklichkeit, das Neue Sein, das aus dem Sterben des Alten Seins geboren wird. Auferstehung ist nicht ein Ereignis, das in einer fernen Zukunft vielleicht geschehen kann, nein, es ist die Macht des Neuen Seins, Leben aus Tod zu schaffen, hier und jetzt, heute und morgen. Wo ein Neues Sein vorhanden ist, da ist Auferstehung, da wird jeder Augenblick dieser Zeit in Ewigkeit verwandelt.
Das Alte Sein ist durch Unvollkommenheit und Tod gekennzeichnet. Das Neue Sein trägt ein neues Kennzeichen, das über das Alte hinausweist. Aus Unvollkommenheit und Tod wurde etwas von ewiger Bedeutung geboren. Was in Auflösung untergegangen war, taucht als Neue Schöpfung wieder auf. Auferstehung wird heute Ereignis oder überhaupt nicht. Sie ereignet sich in uns und um uns, in Seele und Geschichte, in Natur und Universum.
Versöhnung, Vereinigung, Auferstehung - das ist die Neue Schöpfung, das Neue Sein, die Neue Wirklichkeit. Haben wir daran teil? Das Christentum verkündigt nicht das Christentum, sondern eine Neue Wirklichkeit. Eine Neue Schöpfung ist erschienen, sie erscheint immer wieder. Sie ist zugleich verborgen und offenbar, zugleich dort und hier. Nehmt sie an, dringt in sie ein, lasst euch von ihr ergreifen!

Paul Tillich (1886-1965), evangelischer Theologe und Kulturphilosoph, 1933 in die USA emigriert.
Gott des Aufbruchs, sei mit mir unterwegs zu mir selbst, zu den Menschen, zu dir.
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Re: von gott, kirche und so

Beitragvon Stellungnehmer » 18.08.2011, 12:44

einfach himmlisch
Hans Werner Kube (entnommen der WAZ vom 15.08.2011)

im Himmel wird es lustig sein
man trifft die alten Sünder
nur frisch gewaschen stubenrein
und viele viele Kinder

im Himmel wird man selig sein
mit Arbeit und mit Pause
und niemand überfordert ein'n
man kommt erfüllt nach Hause

im Himmel wird der Große klein
die abgehängten Seelen
die werden dann die ersten sein
die Selbstgerechten fehlen

im Himmel wird ein Staunen sein
man trifft nicht nur die Frommen
und wundert sich auch insgemein
wie bin ich reingekommen :?:
Ich bin neuapostolisch - und das ist auch gut so!
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