Schöne alte Gedichte

Selbstgedichtet und verfasst oder entdeckt

Re: Schöne alte Gedichte

Beitragvon Uli » 08.06.2009, 11:34

"Seele des Menschen, fühlst du rings um dich her
Der Unendlichkeit Strom, fühlst du der Ewigkeit Meer,
Das dich umspült?
Schließ die Lider, o Mensch, und lobsinge:
Heil mir, Meine Seele, o Herr, ist ein Tropfen von dir,
Der die Ewigkeit fühlt!"
- Hugo Salus -

"Der Bogen liegt gespannt,
In seiner aufgehobnen Hand.
Bald holt er, mit entflammten Pfeilen,
Euch auf dem Wege Sodoms ein:
Dann werdet ihr um Hülfe heulen,
Und wird kein Helfer seyn."
- J.P Uz -

"Armer Hugo Salus!!!"
- Uli - :wink:
Uli
 

Re: Schöne alte Gedichte

Beitragvon bundschuh » 08.06.2009, 11:47

Die Worte des Glaubens

Drei Worte nenn' ich euch inhaltschwer,
Sie gehen von Munde zu Munde,
Doch stammen sie nicht von außen her;
Das Herz nur gibt davon Kunde.
Dem Menschen ist aller Wert geraubt,
Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt.

Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,
Und würd' er in Ketten geboren.
Lasst euch nicht irren des Pöbels Geschrei,
Nicht den Missbrauch rasender Thoren!
Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,
Vor dem freien Menschen erzittert nicht!

Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall,
Der Mensch kann sie üben im Leben,
Und sollt' er auch straucheln überall,
Er kann nach der göttlichen streben.
Und was kein Verstand der Verständigen sieht,
Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt.

Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt,
Wie auch der menschliche wanke;
Hoch über der Zeit und dem Raume webt
Lebendig der höchste Gedanke,
Und ob alles im ewigen Wechsel kreist,
Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.

Die drei Worte bewahret euch, inhaltsschwer,
Sie pflanzet vom Munde zu Munde,
Und stammen sie gleich nicht von außen her,
Euer Innres gibt davon Kunde.
Dem Menschen ist nimmer sein Wert geraubt,
Solang er noch an die drei Worte glaubt.

Friedrich Schiller
bundschuh
 

Re: Schöne alte Gedichte

Beitragvon Uli » 08.06.2009, 11:47

"Du schicktest mit dem Flammenschwert
Den himmlischen Gendarmen,
Und jagtest mich aus dem Paradies,
Ganz ohne Recht und Erbarmen!

Ich ziehe fort mit meiner Frau
Nach andren Erdenländern;
Doch daß ich genossen des Wissens Frucht,
Das kannst du nicht mehr ändern.

Du kannst nicht ändern, daß ich weiß,
Wie sehr du klein und nichtig,
Und machst du dich auch noch so sehr
Durch Tod und Donnern wichtig.

O Gott! wie erbärmlich ist doch dies
Consilium abeundi!
Das nenne ich einen Magnifikus
Der Welt, ein lumen mundi!

Vermissen werde ich nimmermehr
Die paradiesischen Räume;
Das war kein wahres Paradies -
Es gab dort verbotene Bäume.

Ich will mein volles Freiheitsrecht!
Find ich die g'ringste Beschränknis,
Verwandelt sich mir das Paradies
In Hölle und Gefängnis."

- Heinrich Heine -
Uli
 

Re: Schöne alte Gedichte

Beitragvon bundschuh » 08.06.2009, 11:53

Die Worte des Wahns

Drei Worte hört man, bedeutungsschwer,
Im Munde der Guten und Besten.
Sie schallen vergeblich, ihr Klang ist leer,
Sie können nicht helfen und trösten.
Verscherzt ist dem Menschen des Lebens Frucht,
Solang er die Schatten zu haschen sucht.

Solang er glaubt an die goldene Zeit,
Wo das Rechte, das Gute wird siegen -
Das Rechte, das Gute führt ewig Streit,
Nie wird der Feind ihm erliegen,
Und erstickst du ihn nicht in den Lüften frei,
Stets wächst ihm die Kraft auf der Erde neu.

Solang er glaubt, dass das buhlende Glück
Sich dem Edeln vereinigen werde -
Dem Schlechten folgt es mit Liebesblick;
Nicht dem Guten gehöret die Erde.
Er ist ein Fremdling, er wandert aus
Und suchet ein unvergänglich Haus.

Solang er glaubt, dass dem ird'schen Verstand
Die Wahrheit je wird erscheinen -
Ihren Schleier hebt keine sterbliche Hand;
Wir können nur raten und meinen.
Du kerkerst den Geist in ein tönend Wort,
Doch der frei wandelt im Sturme fort.

Drum, edle Seele, entreiß dich dem Wahn,
Und den himmlischen Glauben bewahre!
Was kein Ohr vernahm, was die Augen nicht sahn,
Es ist dennoch das Schöne, das Wahre!
Es ist nicht draußen, da sucht es der Thor;
Es ist in dir, du bringst es ewig hervor.

Friedrich Schiller
bundschuh
 

Re: Schöne alte Gedichte

Beitragvon bundschuh » 08.06.2009, 12:18

An einen Weltverbesserer

"Alles opfert' ich hin," sprichst du, "der Menschheit zu helfen;
Eitel war der Erfolg, Hass und Verfolgung der Lohn."
Soll ich dir sagen, Freund, wie ich mit Menschen es halte?
Traue dem Spruche! Noch nie hat mich der Führer getäuscht.
Von der Menschheit - du kannst von ihr nie groß genug denken;
Wie du im Busen sie trägst, prägst du in Taten sie aus.
Auch dem Menschen, der dir im engen Leben begegnet,
Reich ihm, wenn er sie mag, freundlich die helfende Hand.
Nur für Regen und Tau und fürs Wohl der Menschengeschlechter
Lass du den Himmel, Freund, sorgen, wie gestern, so heut.

Friedrich Schiller
bundschuh
 

Re: Schöne alte Gedichte

Beitragvon Stellungnehmer » 17.09.2010, 13:26

Wanderers Nachtlied

Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832)


auch vertont in der NAK-Chormappe

Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest.
Ach! ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede!
Komm, ach komm in meine Brust!
Ich bin neuapostolisch - und das ist auch gut so!
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