Alles hat seine Zeit

Selbstgedichtet und verfasst oder entdeckt

Beitragvon fireangel » 17.04.2005, 17:33

Dies Haus ist mein; und doch nicht mein.
Der nach mir kommt kann`s auch nur leih`n.
Dann wird`s dem Dritten übergeben,
erkann`s nur haben für sein Leben.
Den Vierten trägt man auch hinaus,
sag, wem gehört nun dieses Haus?
fireangel
 

Beitragvon Cemper » 09.10.2005, 06:51

Vielen Dank shalom.


Hier müssen sie nicht sagen, was sie nicht denken. Hier umfängt sie das
Nichtalltägliche, und sie müssen mit keinem Kompromiß dafür zahlen;
nicht einmal mit dem Ablegen ihrer Jeans.
Hier ist der Ruhepunkt der Woche. Sie sind sich einig im Hiersein.
Hier herrscht die Orgel.

Alle Orgeln – die namenlosen, von denen jede „unsere Orgel“ heißt,
die berühmten, die Silbermannschen,
die Orgel im Dom zu Freiberg,
die kleinen, die Orgel in der Wehrkirche zu Pomßen
(zwölf Register, Cimbelton und Vogelgesang),
die machtvollen, die Naumburger Wenzelsorgel („Man muß aber auch
ein angenehmes Schrecken fühlen, und mit der bebenden Kirche gleichsam
zu zittern anfangen, wenn die etlich und fünfzig Register mit dem
durchdringenden Pedal zusammen gezogen werden, die mit einem so
gewaltigen Schalle ertönen, dass das Gehör gleichsam davon betäubet wird und man fast
denken sollte, als wenn es
ein Krachen von einem rollenden Donner wäre“,
alle Orgeln ... müssten plötzlich zu tönen beginnen und die Lügen,
von denen die Luft schon so gesättigt ist, .... hinwegfegen.

aus Rainer Kunze: Die wunderbaren Jahre
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Beitragvon philippus » 09.10.2005, 13:07

Lieber Shalom,

haben Sie vielen Dank für das Gedicht von Hesse. Ich nehme's gerne für mich, habe ich doch lange genug auf einer solchen Bank gesessen - immerhin fast zwanzig Jahre.

Ich werde es heute abend mitnehmen
zum "Gebet für die Einheit der Christen"
(Ökumenischer Gottesdienst) in der Uni-Kirche.
Veranstalter ist übrigens der Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK).
Werde gegebenenfalls berichten - auch über eine eventuelle na. Beteiligung. ;)

Liebe Grüße
Frank
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Beitragvon orig.gabi » 01.11.2005, 09:30

Im deutschen November

Dies ist der Herbst: der - bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort! -
Die Sonne schleicht zum Berg
Und steigt und steigt
und ruht bei jedem Schritt.

Was ward die Welt so welk!
Auf müd gespannten Fäden spielt
Der Wind sein Lied.
Die Hoffnung floh -
Er klagt ihr nach.

Dies ist der Herbst: der - bricht dir noch das Herz.
Fliege fort! fliege fort!
Oh Frucht des Baums,
Du zitterst, fällst?
Welch ein Geheimnis lehrte dich
Die Nacht,
Daß eis'ger Schauder deine Wange,
Die purpur-Wange deckt? -

Du schweigst, antwortest nicht?
Wer redet noch? - -

Dies ist der Herbst: der - bricht dir noch das Herz.
Fliege fort! fliege fort! -
"Ich bin nicht schön
- so spricht die Sternenblume -
Doch Menschen lieb' ich
Und Menschen tröst' ich -
sie sollen jetzt noch Blumen sehn,
nach mir sich bücken
ach! und mich brechen -
in ihrem Auge glänzet dann
Erinnerung auf,
Erinnerung an Schöneres als ich: -
- ich seh's, ich seh's - und sterbe so." -

Dies ist der Herbst: der - bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!

Nietzsche
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
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Beitragvon orig.gabi » 02.11.2005, 08:12

Vereinsamt

Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
bald wird es schnein -
wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!

Nun stehst du starr,
schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt - ein Tor
zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
was du verlorst, macht nirgends halt.

Nun stehst du bleich,
zur Winter-Wanderschaft verflucht,
dem Rauche gleich,
der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
dein Lied im Wüstenvogel-Ton! -
Versteck, du Narr,
dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
bald wird es schnein,
weh dem, der keine Heimat hat!

Friedrich Nietzsche
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
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Beitragvon Randnotiz » 02.11.2005, 08:22

Zwei Krähen vorm roten Himmel

Das hungerschwarze, flügellahme
Kummerweibchen schwankt am Ast.
Schnee fällt auf der dunklen Dame
Abendrast.

Nicht die Schnauze einer Schneemaus
Und kein blauer Regenwurm!
Nur der Schneesturm
Kämmt der Müden höflich schwarze Federn aus.

Die tuschgefärbte, aasgenährte
Vogeldame neigt
Den kleinen Kopf, bleibt auf dem Ast, duckt sich und schweigt,

Wie nun der nasse Frackgefährte,
Mutvoll krächzend, Hohngebärde,
(Unten liegst du, weiße Erde!)
Schwarz zum roten Himmel steigt.
Nur wer die Fakten kennt, kann sie verdrehen.

(Natural Born Kieler)
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Beitragvon orig.gabi » 02.11.2005, 08:56

Lied eines Vogels


Vor meinem Fenster
singt ein Vogel.

Still hör ich zu; mein Herz vergeht.

Er singt,
was ich als Kind besaß
und dann - vergessen.

Arno Holz
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Beitragvon Randnotiz » 02.11.2005, 09:18

Wenn ein Mensch lebt...

Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt, sagt die Welt das er zu früh geht.
Wenn ein Mensch lange Zeit lebt, sagt die Welt es ist Zeit . . .

Meine Freundin ist schön, als ich aufstand ist sie gegangen,
weckt sie nicht, bis sie sich regt, ich hab' mich in ihren Schatten gelegt.

Jegliches hat seine Zeit, Steine sammeln - Steine zerstreun.
Bäume pflanzen - Bäume abhaun, leben und sterben und Streit.

Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt, sagt die Welt das er zu früh geht.
Wenn ein Mensch lange Zeit lebt, sagt die Welt es ist Zeit . . .daß er geht.

Jegliches hat seine Zeit, Steine sammeln - Steine zerstreun.
Bäume Pflanzen - Bäume abhaun, leben und sterben und Frieden und Streit.

Weckt sie nicht, bis sie selber sich regt,
ich habe mich in ihren Schatten gelegt.

Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt, sagt die Welt das er zu früh geht.
weckt sie nicht, bis sie sich regt, ich hab' mich in ihren Schatten gelegt.

Meine Freundin ist schön, als ich aufstand ist sie gegangen.
Weckt sie nicht, bis sie sich regt, ich hab' mich in ihren Schatten gelegt.

(Puhdys)
Nur wer die Fakten kennt, kann sie verdrehen.

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Lachen wird verboten

Beitragvon Winnie » 05.11.2005, 21:47

Chr. Allert Wybranietz

Verkniffene Gesichter
sind überall mühelos zu finden,
im Einkaufsmarkt,
im Straßenverkehr,
auf Ämtern
an Bushaltestellen,
in Fußgängerzonen,
eben allgegenwärtig.

Gibt es bald schon
den strafenden
Tatbestand des Lächelns?

Oder droht Bußgeld für
Aussagen wie "Es geht mir gut" :?:
Winnie
 

Spuren im Sand

Beitragvon stilleswasser2000 » 05.11.2005, 22:47

es ist bestimmt bekannt! trotzdem immer wieder schön:

Spuren im Sand

Ich träumte eines Nachts,
ich ginge am Meer entlang
mit meinem HERRN.
Und es entstand vor meinen Augen,
Streiflichtern gleich, mein Leben.

Nachdem das letzte Bild an uns
vorbeigeglitten war, sah ich zurück
und stellte fest,
dass in den schwersten Zeiten
meines Lebens
nur eine Spur zu sehen war.

Das verwirrte mich sehr
und ich wandte mich an den HERRN:
„Als ich dir damals, alles
was ich hatte, übergab,
um dir zu folgen, da sagtest du,
du würdest immer bei mir sein.
Warum hast du mich verlassen,
als ich dich so verzweifelt brauchte?“

Der HERR nahm meine Hand:
Geliebtes Kind,
nie ließ ich dich allein schon gar nicht
in Zeiten der Angst und Not.
Wo du nur ein Paar Spuren
in dem Sand erkennst sei ganz gewiss:
Ich habe dich getragen
Jesus lebt - Wer´s glaubt wird selig!
stilleswasser2000
 
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Beitragvon orig.gabi » 06.11.2005, 19:57

Weiß nicht mehr, wo die Erde liegt

Die Raben schreien wie verwundet
Und prophezeien Nacht und Not;
Der Frost hat jede Tür umstellt,
Und der Hungerhund bellt.
Wir halten uns immer noch eng umschlungen,
Im Küssen fanden wir noch kein Wort,
Die Lerchen haben sich tot gesungen,
Und Wolken wälzten den Sommer fort.
Doch dein Haupt, das in meinem Arm
sich wiegt,
Weiß nicht mehr,
wo die Erde liegt.


Max Dauthendey
(1867-1918)
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
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Beitragvon der_ortsgeistliche » 07.11.2005, 00:04

WER HAT DICH SO TIEF VERLETZT?

Wer hat dich so tief verletzt?
Wer hat dir so zugesetzt?
Du fühlst dich im Herzen leer,
Gibt es keine Hoffnung mehr?

Du suchst Halt, um auszuruhn.
Sag, was kann ich für dich tun?
glaub mir, es braucht seine Zeit,
Dann vergeht auch dieses Leid.

Du fühlst Dich vom Glück verlassen,
Scheinst die ganze Welt zu hassen.
Doch das Leben ändert sich,
es gibt einen Weg für Dich.

Niemand weiß, was kommen mag,
drum genieße jeden Tag.
Es gibt viel schönes hier auf Erden.
Jetzt kann es nur besser werden.
Wer am Montag zerknittert zur Arbeit kommt, hat die ganze Woche lang Zeit, sich zu entfalten.
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Beitragvon niltir » 07.11.2005, 00:30

Lieber O_G,

bitte noch den Urheber. Dann ist gut... :wink:

niltir
Am Ende schuf Gott aus Liebe einen neuen Anfang ..
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Beitragvon der_ortsgeistliche » 07.11.2005, 09:01

Ein Gedicht von Hartmut Blessing.
Wer am Montag zerknittert zur Arbeit kommt, hat die ganze Woche lang Zeit, sich zu entfalten.
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