Alles hat seine Zeit

Selbstgedichtet und verfasst oder entdeckt

Beitragvon maranatha » 21.09.2007, 22:54

Die Zeit des Loslassens

Alle spirituellen Wege lehren uns die Kunst des Loslassens.
Das Abschiednehmen und Loslassen, das Einüben des Sterbens begleitet uns alle Tage unseres Lebens. Wir klammern uns an das Leben und suchen Halt, Sicherheit und Geborgenheit. Diese wichtigen und nötigen Grundwerte werden wir aber nie endgültig haben können. Paradoxerweise erfahren wir sie erst wirklich, wenn wir uns immer wieder lösen. Kinder werden nur sie selber, wenn sie sich von ihren Eltern lösen können. Partnerschaft gelingt, wenn ein Freiraum zur Selbstentfaltung bleibt. Menschenrechte verwirklichen sich nur in freien, demokratischen Prozessen. Die Habenmentalität gehört zu unserer menschlichen Existenz, doch in uns lebt auch unwiderruflich die große Sehnsucht nach dem Sein. Das Bedürfnis einfach sein zu dürfen, nimmt gerade in unserem materiellen Überfluss zu. Durch die Industrialisierung ist uns das natürliche Eingebundensein in die Schöpfung mit ihrem Rhythmus des Werdens und Sterbens zunehmend abhanden gekommen. Dies führt zu einer grenzenlosen Maßlosigkeit, die immer mehr Menschen krank werden lässt und zu gefährlichen Grenzüberschreitungen führt. Wir brauchen eine neue Kultur des Loslassens ohne leibfeindliche Züge. Wer loslässt, dem eröffnet sich ein neuer Freiraum. Intensives Angerührtsein, Kreativität und neue ganzheitliche Lernprozesse sind ohne Gabe des Lebens nicht möglich. Meine Beziehung zu mir selber, zu den anderen, zur Mitwelt und auch zu Gott kann nur lebendig bleiben und sich erneuern, wenn ich nicht festhalte angemachten Erfahrungen, sondern offen bleibe für die Überraschungen des Lebens. Die Natur lehrt uns, dass durch das Loslassen neue Kräfte freigesetzt werden. Wirklich loslassen kann ich nur, wenn ich mich zuerst einlasse auf das Leben mit seinem Lachen und Weinen, seinen Sorgen und seiner Lust, seiner Schönheit und Zerbrechlichkeit. Freude und Trauer: Beides wohnt in uns, solange wir lebendig bleiben und wachsen und reifen. Khalil Gibrans „Prophet“ spricht davon: „Manche von euch sagen: Freude ist größer als Trauer und andere sagen: Nein, Trauer ist größer als Freude. Aber ich sage euch, dass beide nicht zu trennen sind. Sie treten zusammen auf, und wenn eine an eurem Tisch sitzt, so liegt die andere schlafend in eurem Bett.
Freude und Trauer begegnen uns vielfältig. Jeden Abend versuche ich, beides loslassen, das Schöne und Lustvolle und das Mühsame und Belastende.
Im Abschiednehmen können wir konkret das Loslassen einüben. Wir sind traurig und erahnen manchmal, welche Wachstumschancen sich durch den Abschied auftun. Dann sprechen wir von einem lachenden und weinenden Auge. Unsere Seele braucht Abschiedsrituale, in denen in aller Ehrlichkeit das kraftvolle und verletzende nochmals hervorgeholt werden kann, damit es denn gelassen wird. Abschiednehmen heißt sterben lernen und neues Leben erahnen. Die Psychotherapeuten Elisabeth Lukas sieht im Abschied und der notwendigen Trauer die Kraft, „in den nächsten Lebensabschnitt hineinzuleben und dessen noch ungeahnten Werten zu öffnen“.
Der Herbst bestärkt uns in diesem Urvertrauen.


(aus – Zeit des Wachsen – Zeit des Reifens – Pierre Stutz, Herder spektrum )
Gott des Aufbruchs, sei mit mir unterwegs zu mir selbst, zu den Menschen, zu dir.
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Beitragvon orig.gabi » 22.09.2007, 16:57

Wie eine Welle, die vom Schaum gekränzt
Aus blauer Flut sich voll Verlangen reckt
Und müd und schön im großen Meer verglänzt -

Wie eine Wolke, die im leisen Wind
Hinsegelnd aller Pilger Sehnsucht weckt
Und blaß und silbern in den Tag verrinnt -

Und wie ein Lied am heißen Staßenrand
Fremdtönig klingt mit wunderlichen Reim
Und dir das Herz entführt weit über Land -

So weht mein Leben flüchtig durch die Zeit,
Ist bald vertönt und mündet doch geheim
Ins Reich der Sehnsucht und der Ewigkeit.

H.H.
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
1.Johannes, 4,16
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Beitragvon evah pirazzi » 01.10.2007, 07:01

Lied im Herbst

Wie Krieger in Zinnober
Stehn Bäume auf der Wacht.
Ich taumle durch Oktober
Und Nacht.

Blut klebt an meinem Rocke.
Mein Weg ist weit und lang.
Des Tales dunkle Glocke
Verklang.

Auf einem schwarzen Pferde
Reit ich von Stern zu Stern.
Die Sonne und die Erde
Sind fern.

Ich bin von vielen Winden
Zu Gott emporgereicht.
Werd ich den Frühling finden?
Vielleicht...

(Klabund, 1890-1928)
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Beitragvon evah pirazzi » 03.10.2007, 09:45

Zum Tag der deutschen Einheit ein Gedicht von:


Erich Kästner

(Knigge für Unbemittelte)


Ans deutsche Volk, von Ulm bis Kiel:
Ihr esst zu oft! Ihr esst zu viel!
Ans deutsche Volk, von Thorn bis Trier:
Ihr seid zu faul! Zu faul seid ihr!

Und wenn sie auch den Lohn entzögen!
Und wenn der Schlaf verboten wär!
Und wenn sie euch so sehr belögen,
dass sich des Reiches Balken bögen!
Seid höflich und sagt Dankesehr.

Die Hände an die Hosennaht!
Stellt Kinder her! Die Nacht dem Staat!
Euch liegt der Rohrstock tief im Blut.
Die Augen rechts! Euch geht’s zu gut.

Ihr sollt nicht denken, wenn ihr sprecht!
Gehirn ist nichts für kleine Leute.
Den Millionären geht es schlecht.
Ein neuer Krieg käm ihnen recht,
So macht den Ärmsten doch die Freude!

Ihr seid zu frech und zu begabt!
Seid taktvoll, wenn ihr Hunger habt!
Rasiert euch besser! Werdet zart!
Ihr seid kein Volk von Lebensart.

Und wenn sie euch noch tiefer stießen
und würfen Steine hinterher!
Und wenn Sie euch verhaften ließen
und würden nach euch Scheiben schießen!
Sterbt höflich und sagt Dankesehr.

:wink:
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Beitragvon evah pirazzi » 12.11.2007, 21:39

Bild


Das Alter




Euch, lose Mädchen, hör ich sagen:
"Du bist ja alt, Anakreon
Sieh her! du kannst den Spiegel fragen,
Sieh, deine Haare schwinden schon;

Und von den trocknen Wangen
Ist Blüt und Reiz entflohn.
Wahrhaftig! ob die Wangen
Noch mit dem Lenze prangen,
Wie, oder ob den Wangen
Der kurze Lenz vergangen -

Das weiß ich nicht; doch was ich weiß,
Will ich euch sagen: daß ein Greis,
Sein bißchen Zeit noch zu genießen,
Ein doppelt Recht hat, euch zu küssen.



(Gotthold Ephraim Lessing)

Na, denn... :wink:
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Beitragvon orig.gabi » 05.01.2008, 14:15

Da kommt ein Tag

Langsam, du verrücktes Kind
dein Ehrgeiz ist zu sehn, wo die Juwelen sind
doch sag, wenn du so gut bist,
wovor hast du dann soviel Angst

Wo brennt`s, wozu der Alarm
du zündest alles an, doch es wird nicht warm
du hast so viel zu tun, dass du endlose Tage verlangst

Da kommt ein Tag, da zählt nur heiß und kalt
da wirst du sein, was du willst oder du wirst nur alt
wenn du Sterne siehst, fällst du auf`s Gesicht
Warum merkst du nicht
- Wien wartet auf dich

Langsam, du machst es gut
du kannst nicht ernten, bevor die Zeit das ihre tut
obwohl es so romantisch ist
auf Messers Schneide heut nacht, heut nacht

Zu lang mit Vollgas gehst du drauf
du bist dir so weit voraus, dass du verlierst,
was du brauchst
obwohl du weißt, was dir fehlt
kannst du nicht sehn, was du hast, du hast

Hast deinen Stolz und deine Leidenschaft
doch nur ein Narr kann glauben, er hat endlos Kraft
mach`s gut, doch steh nicht da und sag,
es werde Licht!
Warum merkst du nicht
- Wien wartet auf dich

Langsam, du verrücktes Kind
lass das Telefon gehn und gib dir Sonne und Wind
es ist o.k. für ein paar Tage nur ein kleines Licht
Warum merkst du nicht
- Wien wartet auf dich

Da kommt ein Tag, da zählt nur heiß und kalt
da wirst du sein, was du träumst oder du wirst nur alt
wenn du nur Sterne siehst, fällst du auf`s Gesicht
und warum merkst du nicht
- Wien wartet auf dich ...

Ulla Meinecke
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
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Beitragvon Randnotiz » 05.01.2008, 14:26

Nur wer die Fakten kennt, kann sie verdrehen.

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Beitragvon steppenwolf » 05.01.2008, 14:40

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Beitragvon evah pirazzi » 10.04.2008, 15:32

- Alles Hat Seine Zeit -

Lag an einem Strand
und war zufrieden
in einem fernen Land
und es war Frieden
ein Paradies
beschaffen für die Ewigkeit
für alle Zeit

Doch die Welt verändert sich
ob wirs mögen oder nicht
nichts bleibt für die Ewigkeit
alles hat seine Zeit

Doch die Welt verändert sich
ob wirs mögen oder nicht
da wo heut noch Frieden ist
wird morgen schon Trümmer sein

Ich sah das Sonnenlicht
im Meer sich wiegen
Kinder die im Sand
furchtlos spielen
ein Paradies
beschaffen für die Ewigkeit
für alle Zeit

Doch die Welt verändert sich
ob wirs mögen oder nicht
da wo einst dank Landes war
ist heute nur das meer

Doch die Welt verändert sich
ob wirs mögen oder nicht
und der Platz
neben dir
ist morgen vielleicht schon leer

Kein Paradies
bleibt für die Ewigkeit
alles
hat seine Zeit

Denn die Welt verändert sich
ob wirs mögen oder nicht
da wo einst dank Landes war
ist heute nur das Meer

Denn die Welt verändert sich
ob wirs mögen oder nicht
und der Platz
neben dir
ist morgen vielleicht schon leer

(Puhdys)
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Beitragvon scholli » 10.04.2008, 16:04


Unsere Kinder

Wächst ein Kind mit Kritik auf, lernt es zu verurteilen.

Wächst ein Kind mit Hass auf, lernt es zu kämpfen.

Wächst ein Kind mit Spott auf, lernt es, scheu zu sein.

Wächst ein Kind mit Schmach auf, lernt es, sich schuldig zu fühlen.

Wächst ein Kind mit Toleranz auf, lernt es, geduldig zu sein.

Wächst ein Kind mit Ermutigung auf, lernt es, selbstsicher zu sein.

Wächst ein Kind mit Lob auf, lernt es, dankbar zu sein.

Wächst ein Kind mit Aufrichtigkeit auf, lernt es, gerecht zu sein.

Wächst ein Kind mit Sicherheit auf, lernt es, zuversichtlich zu sein.

Wächst ein Kind mit Anerkennung auf, lernt es, sich selbst zu schätzen.

Wächst ein Kind mit Freundlichkeit auf, lernt es, die Welt zu lieben.


Unbekannt

Übertragbar auf die momentane Situation der "Gotteskinder"
Ich setze Liebe mit Freiheit gleich. Die Liebe zu Gott kann nicht durch Gebote, sondern nur durch einen Akt der Willensfreiheit bewirkt werden. - Isaac B. Singer
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Beitragvon trinity » 10.04.2008, 16:07

Angelehnt an eine Buchtitel und an Goethe ...

"Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln,
wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel."
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