Plädoyer für einen offenen Neuapostolizismus

u.a. Diskussion der Idee eine Basisorganisation in der NAK

Beitragvon Randnotiz » 29.03.2007, 11:22

Hm, und ich dachte immer, hinter einem wirklich wichtigen Mann steht eine noch kleinere Frau. *grübel*
Nur wer die Fakten kennt, kann sie verdrehen.

(Natural Born Kieler)
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Beitragvon Geir » 29.03.2007, 11:25

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Beitragvon tergram » 29.03.2007, 11:48

Was man aus Rippen so alles machen kann... :lol:
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Beitragvon Renders » 29.03.2007, 15:23

Hallo BT,

zu dem, was bisher in die Diskussion eingeflossen ist, möchte ich noch folgende Gedanken von Rahner dazusetzen, denn ich denke, dass auch dieses ein gewichtiger Aspekt ist, um eine lebendige Glaubenskultur manifestieren zu können.

Einen lieben Gruß Ihnen

Renders



[quote="Karl Rahner"][/quote]
KIRCHE WIRKLICHER SPIRITUALITÄT

Wir sind in der deutschen Kirche diejenigen, unter denen es so etwas
wie „Spiritualität“ wirklich geben sollte. Wenn dieser Satz gesagt
wird, dann ist von vornherein keine „privatistische Engführung“ des
christlichen Denkens und Lebens in der Kirche gemeint. Schon darum
nicht, weil diese „Spiritualität“ nicht nur die selbstlose Liebe zum
nahen und fernen Nächsten einschließt, sondern diese Liebe heute
selbstverständlich nicht nur im Bereich des Privaten, sondern auch als
wirklicher Kampf um mehr Gerechtigkeit und mehr Freiheit in der
Gesellschaft geübt werden muss und nur dann wirklich christliche
Liebe und nicht introvertierte Pflege der eigenen schönen Seele ist.
Dies aber vorausgesetzt im Verweis auf das, was später noch
ausdrücklicher zu sagen ist, muss gesagt werden, dass die Kirche eine
„spirituelle“ Kirche sein muss, wenn sie ihrem eigenen Wesen treu
bleiben soll. Das bedeutet aber nicht bloß die Ablehnung eines -
letztlich atheistischen - „Horizontalismus“, sondern vor allem
zunächst einmal, dass die Kirche heute ihre eigenen spirituellen
Kräfte neu entdecken und aktualisieren muss. Wir sind doch, wenn
wir ehrlich sind, in einem schrecklichen Maße eine spirituell
unlebendige Kirche. Die lebendige Spiritualität, die es natürlich auch
heute noch gibt, hat sich doch in einer seltsamen Weise aus der
Öffentlichkeit der Kirche in (soziologisch gesehen) kleine
Konventikel der „noch Frommen“ zurückgezogen und versteckt. In
der Öffentlichkeit der Kirche herrschen in einem erschreckenden
Maße auch heute noch (bei allem guten Willen, der nicht bestritten
werden soll) Ritualismus, Legalismus, Administration und ein sich
allmählich selber langweilig werdendes und resignierendes
Weiterfahren auf den üblichen Geleisen einer spirituellen
Mittelmäßigkeit. Ich möchte schon hier noch etwas deutlicher
werden. Ich rechne auch mich zu den „Kirchenbeamten“. Ich meine
mit diesem Wort nichts Abträgliches. Ich nenne nur in diesem
Zusammenhang mich und viele andere so, um klarzumachen, dass wir
Priester und Bischöfe eben durch unseren Beruf dauernd schon
vorprogrammiert und abgestützt sind durch gesellschaftliche
Voraussetzungen, die mit der Gewohnheit unseres Berufes, mit dem
Lebensverdienst, den er gewährt, mit der Umgebung, in der wir leben,
uns das Christentum leicht, fast zu leicht machen. Diesen
Kirchenbeamten sage ich (und werfe
damit natürlich auch einen dicken Stein in mein eigenes Glashaus):
stellt euch einmal mit ein wenig existentieller Phantasie vor, ihr wäret
keine Kirchenbeamten, ihr würdet auf der Straße spazieren gehen mit
einem Brotverdienst wie ein Straßenkehrer oder wie (wenn das besser
gefällt) ein Wissenschaftler in einem Labor für Plasmaphysik, wo den
ganzen Tag lang nie ein Wort von Gott fällt und doch stolze Erfolge
erzielt werden. Stellt euch vor, euer Kopf sei müde vom
Straßenkehren oder von der Molekularphysik und ihrer Mathematik.
Stellt euch vor, diese eure Situation dauere schon so ungefähr ein
Leben lang und geschähe nicht aus eurer missionarischen
Herablassung heraus. Und jetzt versucht, diesen Menschen dieser
Umgebung die Botschaft des Christentums zu sagen, die Botschaft
Jesu vom ewigen Leben zu predigen. Horcht zu, wie ihr sie sagt,
schmeckt selbst, wie sie klingt, denkt nach, wie ihr sie sagen müsstet,
damit sie nicht von vornherein nur auf eine solche Ablehnung stößt,
wie sie dem in solcher Umgebung begegnen muss, der da von
tibetanischer Medizin erzählen wollte. Was würdet ihr in dieser
Umgebung sagen? Wie das Wort „Gott“ zunächst einmal
umschreiben? Wie von Jesus so sprechen, dass ein anderer
einigermaßen ahnen kann, was er für eine Bedeutung in eurem Leben
hat, eine reale Bedeutung, eine Bedeutung, die in dem Leben auch
etwas ausmacht, das diese anderen führen? Würden uns nicht viele
Worte im Hals stecken bleiben, die wir, ohne uns selbst über uns zu
wundern, ohne weiteres von der Kanzel herunter predigen? Würdet
ihr dann euch auch so leicht auf den Denzinger berufen? So viel und
erbittert über Dinge reden, die ihr selber nicht zum innersten Kern
eurer Botschaft rechnet? Und so wenig von den Dingen, die, wenn
einer heute neu glauben soll, er zuerst einmal begriffen haben muss?
Sagt nicht, ihr sprecht eben zunächst einmal zu den schon
Glaubenden! Diese sind, wenn sie nicht ebenso behaglich wie ihr in
der untergehenden geistigen Situation einer Volkskirche leben,
ebenso bedroht von jenem Nichtglaubenkönnen, dem ihr euch nicht
radikal und mutig neu stellt. Sagt nicht, ihr seid eben nicht in jener
Situation, in die ihr euch mit dieser existentiellen Phantasie, die heute
jedem Prediger anstünde, versetzen sollt. Gewiss: diese Situation, in
der wir faktisch sind, noch sind, ist auch eine Gnade Gottes, die
Konkretheit der Form der Glaubensgnade, die uns, aber nicht den
vielen anderen, zuteil geworden ist. Aber es ist eine gefährliche
Gnade, eine Gnade, die man miss-
brauchen kann in Trägheit und Spießbürgertum binnenchristlicher
Art. Und ein Prediger sollte um die Gnade der genannten
existentiellen Phantasie beten, damit er wirklich predigen kann, wie es
heute notwendig wäre: langsam, vorsichtig, behutsam, Schritt für
Schritt selbst sich vortastend zu jener Wirklichkeit, für die er schon
immer zu viele Worte parat hat, bescheiden, eher bekümmert, wie
schwer es ist, den wirklichen Glauben und nicht nur seine historischen
und gesellschaftlichen Objektivationen und Relikte zu bezeugen.
Versucht nicht zu trösten, wo nichts zu trösten ist. „Löst“ nicht die
Lebensprobleme, wenn doch unsere einzige letzte Lösung in der
Unbegreiflichkeit Gottes, seines Wesens und seiner Freiheit besteht!
Vergesst nicht beim Predigen, dass wir Menschen alle durch eine
Enge hindurch müssen (Tod genannt), die tausendmal enger ist als das
Loch, das ein Laserstrahl bohren kann, und wir nicht wissen, d. h. uns
vorstellen können, was da von uns wirklich durchgehen kann, dass
wir hoffen gegen alle Hoffnung, getrost sind (Wie macht man das?
Sagt es!) in aller Verzweiflung. Baut nicht darauf, dass es natürlich
auch unter den „Heiden“ Blumenkinder gibt, die noch so naiv sind
wie wir Christen, solange es uns gut geht und Vietnam und die
Napalmbomben weit weg sind. Denkt daran, dass unsere Zuhörer
zwar wie wir selbst gern so bürgerlich und konsumfreudig leben, so
abgesichert (bis der Tod kommt, den man heute nur noch in
aseptischen Krankenhäusern bei uns erleiden darf, wo jeder jeden im
Stich lässt), aber dennoch misstrauisch und ungläubig sind und
bleiben, wenn wir von dieser Position aus predigen! Habt ihr aus der
wahren, unverfälschten Situation heraus schon einmal in der Freude
des Heiligen Geistes gesprochen (ich sage nicht, was ich mir selbst
auf diese Frage antworte)? Gesteht: seid ihr nicht froh, dass man
meist aus dieser Situation heraus von uns gar keine Antwort erwartet?
Uns erst am Grabe wieder reden lässt, wo es feierlich hergehen soll,
nachdem der erste Schock von den anderen schon wieder überwunden
ist und der Skandal der Tatsachen auch bei den Heiden schon wieder
verdrängt wird? Habt ihr schon einmal den Schrecken erfahren, dass
euer Herz stillsteht, wenn ihr euch selbst zuhört und eure Worte, die
frommen und theologisch gelehrten, euch selbst wie ein
unerträgliches Blabla zu klingen scheinen? Seid ihr schon einmal
ehrlich durch dieses Inferno hindurch gekommen?

Wo wird mit feurigen Zungen von Gott und seiner Liebe ge-
sprochen? Wo wird von den „Geboten“ Gottes nicht als von einer
mühselig zu respektierenden Pflicht, sondern von ihnen als der
herrlichen Befreiung des Menschen von versklavender Lebensangst
und von frustrierendem Egoismus geredet? Wo wird in der Kirche
nicht nur gebetet, sondern das Gebet auch als pfingstliche Gabe des
Geistes, als herrliche Gnade erfahren? Wo gibt es über alles rationale
Andozieren der Existenz Gottes hinaus eine Mystagogie in die
lebendige Erfahrung Gottes, die aus der Mitte der eigenen Existenz
aufsteigt? Wo in den Priesterseminaren werden noch die alten
Klassiker des geistlichen Lebens mit der Überzeugung gelesen, dass
sie uns auch heute noch etwas zu sagen haben? Wo wird die Logik
der existentiellen Entscheidung verstanden, in der über alles bloß
„sachgerechte“ Räsonnement hinaus der Mensch nach dem gerade für
ihn geltenden, je einmaligen Willen Gottes fragt? Wo lassen wir uns
darüber belehren, dass alles gesellschaftskritische und
gesellschaftspolitische Engagement, das heute als Kampf für mehr
Freiheit und Gerechtigkeit heilige Pflicht der Christen und der Kirche
ist, eine geheime Spiritualität in sich birgt oder bergen müsste, weil es
für den Christen herauswächst aus jener innersten, absoluten
Verpflichtung, die den Menschen vor Gott stellt, ob er dies reflektiert
oder nicht? Die beschaulichen Klöster mögen auch heute noch ihren
Nachwuchs haben. Aber empfinden wir diese „beschaulichen“
Menschen als solche, die wirklich zu uns gehören, die eine Haltung
repräsentieren, die auch in unserem Leben gar nicht fehlen darf, wenn
wir wirklich Christen sein wollen, die Haltung, in der ein Mensch
wirklich das unsagbare Geheimnis seines Lebens anbetend und
liebend annimmt in einem Akt auch der Entsagung, die über alle
angebbaren Güter dieses Lebens hoffend hinweggreift auf die
Verheißung hin, die keinen Namen mehr hat, die den Tod als den Sieg
und den Aufgang des ewigen Lebens annimmt? Wo gibt es denn noch
die „geistlichen Väter“, die christlichen „Gurus“, die das Charisma
einer Einweisung in die Meditation, ja in eine Mystik haben, in der
das Letzte des Menschen, seine Vereinigung mit Gott, in einem
heiligen Mut angenommen wird? Wo sind die Menschen, die den Mut
haben, Schüler solcher geistlichen Väter zu sein? Ist es denn
eigentlich selbstverständlich, dass es ein solches Meister-Schüler-
Verhältnis nur noch säkularisiert in der Tiefenpsychologie gibt?
Gestehen wir uns doch unsere Armut an Spiritualität in der heutigen
deutschen Kirche ein. Diese Armut kann durch ein solches Eingeständnis
zwar nicht in Reichtum verwandelt werden; wir wissen auch dann
nicht genau, wie eine reichere Spiritualität der Zukunft konkret
aussehen wird, zumal sie ja auch der Reichtum der Armen sein kann,
die nach Gottes Erbarmen verlangen. Aber ein solches Eingeständnis
der spirituellen Armut im privaten und öffentlichen Leben der Kirche
könnte doch vielleicht Raum schaffen für den als berechtigt
anerkannten Mut, nach neuer Spiritualität zu suchen, damit sich diese
nicht immer entschuldigen muss, dass sie „auch noch“ wie ein Relikt
aus früheren Zeiten der Kirche existiert, während in Wirklichkeit
ohne sie die Kirche ein solches Relikt aus früheren Tagen werden
würde.

Die Kirche muss also die Kirche des Mysteriums und der
evangelischen Freude erlöster Freiheit bleiben. Sie darf nicht zu
einem humanitären Wohlfahrtsverein depravieren, schon darum nicht,
weil der Mensch sich auf die Dauer gar nicht selber aushält, wenn er
nicht in die offene Freiheit Gottes erlöst ist. Nur wenn der Mensch
weiß, dass er unendlich mehr ist als unmittelbar greifbar ist, nämlich
der Mensch des unendlichen Gottes von schrankenloser Freiheit und
Seligkeit, kann er sich auf die Dauer wirklich ertragen. Sonst erstickt
er langsam in seiner eigenen Endlichkeit, und alle hohe Rede über die
Würde und die Aufgabe des Menschen wird immer verlogener
klingen. Darum hat es die Kirche im ersten und im letzten mit Gott zu
tun. Zwar ist mit diesem Wort Gott schon unsagbar viel Missbrauch
getrieben worden. Zwar ist dieses Wort das am wenigsten
begreifliche. Sein wirklicher Inhalt als des unsagbaren Geheimnisses,
durch das der Mensch immer überfordert wird, das er nie in das
Kalkül seines Lebens als einen fixen Posten einsetzen kann, muss
immer neu durch alle Höhen und Abgründe der menschlichen
Erfahrung hindurch erahnt und erlitten werden. Aber so muss die
Kirche von Gott reden. Nicht um sich und den Menschen von
Aufgaben zu dispensieren, die der Mensch selber lösen muss, nicht
um ein Opium des Volkes bereitzuhalten, das sich doch selbst seine
Aufgabe stellt und erfüllt und so um immer neue und, wenn möglich,
immer größere Freiheit von aller Selbstentfremdung kämpft. Von Gott
muss geredet werden, um ihm die Ehre zu geben. So und nur so wird
die Botschaft von Gott ihre befreiende Macht zeigen können. Wird
aber Gott um seiner selbst willen bekannt, gehofft und geliebt,
wird er gerühmt als der, dessen selige Unendlichkeit sich dem
Menschen selbst in der Gnade des Heiligen Geistes zu eigen geben
will, dann wird der Mensch wahrhaft ein Mensch der unbedingten
Hoffnung gegen alle Hoffnung, wird der ein Mensch einer letzten
Freiheit, der gerade so ohne einen letzten Vorbehalt für die anderen
dasein kann, wird er ein Mensch, der trotz aller Erfahrung seiner
Begrenztheit und egoistischen Schuld finden kann, dass diese
verzweifelt dunkel scheinende Welt, die unsere eigenen Ideale immer
wieder ad absurdum zu führen scheint, dennoch gut ist und in einem
letzten Vertrauen angenommen werden kann. Wir in der Kirche reden
zu wenig von Gott oder tun es in einer dürren Indoktrination, der eine
wirklich lebendige Kraft fehlt. Wir haben zu wenig die unbegreiflich
hohe Kunst einer echten Mystagogie in die Erfahrung Gottes gelernt
und wenden sie darum auch viel zu wenig an. Wir haben darum auch
das Empfinden, gegenüber dem weltweiten Atheismus einfach nur in
der Defensive zu sein. Dieser im allerletzten doch falsche Eindruck
kommt ja auch zum guten Teil daher, dass wir die geheimnisvolle
Anwesenheit Gottes und deren Geschichte, weil beide unseren
Erwartungen nicht entsprechen, was ja eigentlich selbstverständlich
ist, als Abwesenheit Gottes interpretieren oder gar eine Gott-ist-tot-
Theologie zusammenbasteln und dabei gar nicht wissen, was
eigentlich mit dem Wort „Gott“ gemeint ist. Wenn wir von Gott
sprechen, als ob er der Nothelfer in unseren Lebenssituationen auf die
Weise sein müsse, wie wir es gerne haben möchten, dann können wir
natürlich nur noch feststellen, dass ein solcher Gott in der Welt nicht
vorkommt und vermutlicherweise gestorben ist. Aber dieser Gott, der
es uns erspart, vor seiner Unbegreiflichkeit zu kapitulieren, um selig
zu werden, war noch nie der Gott des Christentums dort, wo es sich
selber recht verstand. Wo aber der Mensch in einer letzten Hoffnung
sich bedingungslos dem wahren Gott über alle kalkulierbaren
Einzelwirklichkeiten hinaus übergibt, da kommt er wirklich in seine
letzte Freiheit hinein, die von Gott selbst erfüllt ist und auch dann
schon eine geheime Seligkeit in sich trägt, wenn wir verzweifelt mit
uns und dieser Welt nicht mehr fertig werden.

Solange dieses alles Theorie bleibt und von uns so gepredigt wird,
als ob es nur eine schlaue utopische Ideologie sei, auf die man sich im
wirklichen Leben vorsichtigerweise doch nicht ein-
lässt, erlöst und befreit die Botschaft von Gott natürlich nicht. Diese
Botschaft muss im Leben ohne Rückversicherung gewagt werden,
dann zeigt sie, dass sie trägt und befreit. Erst wenn diese Botschaft
vom lebendigen Gott in den Kirchen mit aller Kraft des Geistes
gepredigt wird, wird der Eindruck verschwinden, die Kirche sei doch
nur ein seltsames Relikt aus den Zeiten einer Gesellschaft, die zum
Untergang verurteilt ist. Nur wenn wir es fertig bringen, zu begreifen
und zu leben, dass Gott nicht unsere langsam als solche durchschaute
Projektion, sondern wir selbst die in Eigenstand und Freiheit gesetzte
Projektion Gottes sind, nur wenn uns dies gelingt, indem wir arglos
und vertrauend entdecken, dass insgeheim unser Erstes und Letztes in
uns immer schon so denkt und lebt und man sich darum auch in
Freiheit darauf einlassen kann, erfahren wir die befreiende und
seligmachende Macht der Botschaft vom lebendigen Gott, von seiner
erlösenden Gnade, von seiner Vergebung und von seiner uns
vergöttlichenden Liebe, die keine Frage mehr stellt, weil sie selbst die
eine Antwort ist.

Ein zweites muss in der Kirche echter Spiritualität lebendig
verkündet werden: Jesus. Das heißt der Glaube, dass in der
Geschichte unseres Lebens und der Welt in ihm die absolute
Selbstzusage Gottes als des uns befreienden Lebens für uns greifbar
und für immer festgemacht ist, in ihm, dem in den Tod Gegebenen
und endgültig von Gott Angenommenen und Lebenden. Bei der
Verkündigung dieses Jesus als dessen, der in diesem Sinn unser Herr
ist, sollte man sich darüber klar sein, dass einerseits in diesem eben
angedeuteten Ansatz für ein christliches Glaubensverständnis von
Jesus schon die ganze traditionelle und verpflichtend bleibende
Christologie gegeben ist und dass anderseits heute eine solche
Christologie, soll sie wirklich verstehbar und glaubwürdig erscheinen,
nicht einfach und allein in einer Aussage einer
„Deszendenzchristologie“ bestehen kann, sondern ansetzen muss bei
der Erfahrung des Jesus, der in einer radikalen Liebe zu Gott und den
Menschen das Scheitern seines Lebens und seiner Sendung gehorsam
annahm und gerade so als der in Gottes Leben endgültig
Aufgenommene glaubwürdig würde und so für uns das
unüberbietbare Wort der Selbstzusage Gottes an uns geworden ist. Es
ist hier nicht der Ort, darzulegen, dass von einem solchen
Ansatzpunkt aus die kirchenlehramtliche und verpflichtend bleibende
Christologie erreichbar und auch in ihrem wahren Sinn verstehbar ist.
Aber es sollte doch betont werden, dass es ein gemeinsames Bekenntnis der
Christen zu Jesus Christus geben kann und gibt, das vielen
kirchenamtlichen, aber für viele heute schwer verständlichen
christologischen Aussagen vorausliegt. Wenn man einerseits bei
dieser ursprünglichsten, in etwa noch vormetaphysischen Christologie
ansetzt und darüber eine Gemeinsamkeit erzielt, und wenn man
anderseits erreicht, dass sich die gegen metaphysische
Formulierungen der Christologie allergischen Christen wenigstens
bescheiden offenhalten für die traditionelle Formulierung der
kirchlichen Christologie, dann könnte doch eine sehr breite (was nicht
heißt: einfach allgemeine) Übereinstimmung unter denen erzielt
werden, die sich Christen nennen wollen. Und umgekehrt könnte das
Bekenntnis zu Jesus als dem Christus und dem Herrn, dem
entscheidenden und letzten Wort Gottes in der Geschichte,
lebendiger, froher und unbefangener werden.

Durch dieses zweieine Bekenntnis zu Gott und zu Jesus, dem Wort
der Selbstzusage Gottes in der Geschichte, kann und muss die Kirche
die Kirche des Mysteriums und der evangelischen Freude erlöster
Freiheit sein, bleiben und immer besser werden, eine Kirche
wirklicher Spiritualität.


aus
Strukturwandel der Kirche als Aufgabe und Chance
Rahner, Karl
ISBN 3451019469
Herder GmbH & Co, KG, Freiburg
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Beitragvon Jesse » 29.03.2007, 15:54

tergram hat geschrieben:Was man aus Rippen so alles machen kann... :lol:


Mir fehlt bei den Rippchen Kraut und Apfelwein.
Jesse
 

Beitragvon Jesse » 30.03.2007, 12:48

shalom
hat geschrieben:
...das Menü wurde als Brunch (nach dem Abendmahl) in der Kirche zu Sachsenhausen als Bollwerk des Neoapostolizismus sicher schon aufgetischt. Koscher!


Kann gerne nachfragen, wenn Du möchtest. 8)
Jesse
 

Beitragvon Jesse » 30.03.2007, 13:33

Stell Dir vor Shalom, was meine Nachforschungen ergeben haben. Die lassen in Sachsenhausen tatsächlich den Gyros-Mann seinen Stand vor der Kirche aufstellen. Das gemalte Haus ist aber zum Glück nicht weit. :lol:
Was Apostel Kreuzberger betrifft kann ich Dir leider keine Auskunft geben. Das wissen nur die Darmstädter.
Die halten aber dicht. :mrgreen:
Jesse
 

Beitragvon Mark » 30.03.2007, 13:39

Engelchen hat geschrieben:Stell Dir vor Shalom, was meine Nachforschungen ergeben haben. Die lassen in Sachsenhausen tatsächlich den Gyros-Mann seinen Stand vor der Kirche aufstellen. Das gemalte Haus ist aber zum Glück nicht weit. :lol:
:


Moderne fortschrittliche Öffentlichkeitsarbeit eben :wink:
und erspart Frau das Kochen nach dem GD :P
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Beitragvon Jesse » 30.03.2007, 13:41

Wieso Frau?
Mein Mann kocht! 8)
Jesse
 

Beitragvon Geir » 30.03.2007, 13:43

besser so :mrgreen:
weiss der Geir
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Beitragvon Mark » 30.03.2007, 13:48

Wär diese wunderbare göttliche Fügung nicht mal wieder einen Beitrag in der UF wert? - So unter Gebetserhörung oder so? :lol: :P :D
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Beitragvon Jesse » 30.03.2007, 13:49

Geir hat geschrieben:besser so :mrgreen:


Geir diese Bemerkung hat ein Nachspiel. :twisted: :lol:
Jesse
 

Beitragvon Jesse » 30.03.2007, 13:55

Die Schweizer? :shock:
Jesse
 

Beitragvon Mark » 30.03.2007, 13:58

Engelchen hat geschrieben:Die Schweizer? :shock:


waren schon immer tolerant wenn dadurch der Rubel rollte :lol:
und die Kirche hatt nen großen Magen :wink:
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