Fastenzeit

u.a. Diskussion der Idee eine Basisorganisation in der NAK

Fastenzeit

Beitragvon agape » 02.03.2006, 10:03

Ökumenischer Aschermittwochgottesdienst

Beginn der Fastenzeit


Gestern Abend habe ich zum ersten Mal einen Aschermittwochgottesdienst besucht.
Ich war interessiert, wie man die ökumenische Gemeinde auf die Fastenzeit geistlich vorbereitet und welche Meditation zur Buße zum Aschermittwoch in den GD einfließt.
Es war ein ökumenischer Gottesdienst.
Mich hat das gewundert, da ich das Aschekreuz immer mit der kath. Kirche in Beziehung gestzt habe.
Erfreulicherweise sah ich auch weitere neuap. Geschwister in diesem GD.

Der ev. Pfarrer hat die Liturgie geleitet, die kleine Meditation mit der Gemeinde gestaltet, die in Form von Fragen dargeboten wurde, die sich dann jeder in einer kleinen Bedenkzeit selbst beantworten konnte.
Diese Hinführung zur Reflexion empfand ich positiv.

Der Gedanke des Karfreitags stand jetzt (schon) im Mittelpunkt.
Jesus ist für unserer „Entschuldung“ gestorben.
Die vor uns liegende Fasten-Zeit bis Ostern
hat dadurch eine wichtige Bedeutung bekommen.

Der katholische Pfarrer hat den Predigtteil übernommen.
Ein paar ganz neue Gedanken konnte ich für mich mitnehmen.
(Diese werde ich noch einmal gesondert notieren).

Zum Abschluss des GDes wurde das Symbol des Aschekreuzes erklärt.
Die Asche kommt aus den verbrannten Palmen- oder Buchsbaumzweigen, Myrrhe und Weihrauch der vorjährigen Osterzeit.
Das Symbol geht zurück auf die Genesis, wo Kain ein Zeichen auf die Stirn gezeichnet bekommt, mit dem Hinweis, dass er bedenken möge vergänglich zu sein.
(Und der HERR machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge, der ihn fände.
Genesis 4, 15)

Der ev. und der kath. Pfarrer baten dann die Gemeinde nach vorne zu kommen, und sich das Zeichen geben zu lassen.

Die Orgel hatte den GD musikalisch begleitet, sehr abstrakt, was mir persönlich gut gefällt. (Manchmal wird auch mit „Orgelbasierter Experimentalmusik“ begleitet.)
Der Gemeindegesang war verständlicherweise weniger abstrakt, da aus dem Buch gesungen wurde.

Gesegnete Fastenzeit,
agape
"2020 wird die NAK eine kleine fundamentalistische Bewegung sein."

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Beitragvon mkoch » 02.03.2006, 10:30

Die SZ hat gestern ja eindrucksvoll auf der Titelseite (siehe auch hier)
dargelegt, dass "eine heilsame Wirkung des Fastens"nicht belegt ist:

"Für den Körper ist Fasten eine künstliche Hungersnot. Sind die dürren Tage vorbei, startet er ein Programm, das die Evolution diktiert hat. Sämtliche Energiespeicher werden wieder aufgefüllt - und zwar kräftig." Das oft gehörte "Entschlacken" ist auch nicht mehr als ein nettes Märchen: "In einem gesunden Körper gibt es keine Ansammlung von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselendprodukten", schrieb die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in einer Stellungnahme. "Dass sich Fastende nach ein paar Tagen euporisch fühlen, sei eine normale Reaktion des Körpers auf Kalorienmangel", sagte der wissenschaftliche Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften, Udo Pollmer. Die Stiftung Warentest warnt sogar vor negativen Folgen einer Fastenkur: "Das Abwägen von Nutzen und Risiko des Fastens falle aus medizinischer Sicht insgesamt negativ aus".

Trotzdem, agape, danke für diesen gelungenen Blick über den Tellerrand. :-)
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Fasten

Beitragvon Andy » 02.03.2006, 10:36

OK. Auf jeden Fall ist das Fasten aber eine interessante GEISTIGE Erfahrung. Ich habe mal 6 Tage gefastet (nur Flüssigkeit zu mir genommen).

Es ist faszinierend festzustellen, wie klar der Kopf wird und mit wie wenig Schlaf man plötzlich auskommt.

Ausserdem stellt man fest, von was man alles abhängig ist: Kaffee, Chips... erscheint plötzlich in den Tagträumen :) .

Ich empfehle aber jedem, der das machen will, nicht einfach loszufasten, sondern sich vorher zu informieren. Man kann viel falsch machen.
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Beitragvon organa » 02.03.2006, 10:42

Vielleicht sollte auch erwähnt werden, daß sich die "Fastenzeit" heute nicht mehr unbedingt auf das Essen bezieht - in unserer ev. Landeskirche gibt es die Tradition der "6 Wochen ohne", während derer man (frau auch) Fasten als eine Übung des Verzichtes praktiziert.

Manche fahren 6 Wochen kein Auto, schauen 6 Wochen nicht fern, in Kindergärten denken sich die Kids oft selbst was aus, manchmal Sachen wie "6 Wochen ohne Gummibärchen", ".. ohne die Lieblingspuppe", oderoderoder...

Es geht dabei nicht um die Reduktion von Essen, sondern um die Erfahrung von Verzicht und somit dem Gewinnen neuer Perspektiven.

herzlich grüßt
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Beitragvon Bert » 02.03.2006, 10:45

jau, 6 Wochen ohne Liebe. Das hilft! Dann kriegst du endlich einen klaren Kopf. :lol:
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Beitragvon agape » 02.03.2006, 10:48

Lieber Chefkoch,

Du hast völlig recht.
Ich habe vor einigen Jahren in Niederbayern gefastet.
"HEILFASTEN".
Das hatte nichts mit Abnehemen oder Diät zu tun, was es aber trotzdem zur Folge hatte, da man in dieser zweiwöchigen Zeit nur Wasser, Tee, Saft und einen Löffel Honig zu sich nimmt.
Die sogenannten "Schlacken" im Körper gibt es nicht.
Jeder Mediziner fragt sich: "Was soll das sein - Schlacken?".
Es ging beim Heilfasten mehr um eine geistige Reflexion über den Körper. Es war eine interessante Erfahrung, aber das meinte ich hier auch nicht.

Das geistliche Fasten, was könnte das sein?

In den Meditations-Fragen ging es z.B. um unchristliche Verhaltensweisen, die man ablegen könnte.

"Wo hast Du gelacht, wo Du besser zur Sache geredet hättest?

"Wo hast Du geredet, wo Du lieber geschwiegen hättest?"

Das hat der Pfarrer ganz angenehm und menschlich gestaltet, ohne dass es nach moralinsaurer Keule roch.

Manche Eltern versuchen in dieser Zeit den Kindern die Zeit mit ihrem Gameboy zu reduzieren oder das tägliche Zeichentrick-Fernsehen.
Einige wollen weniger Glaubenskultur lesen. :lol:

Was meinst Du dazu, lieber Chefkoch? ;)

Gruß
agape
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Beitragvon Geir » 02.03.2006, 10:51

Manchmal ist es ein Vorteil der NAK anzugehören. :lol:
weiss der Geir
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Beitragvon agape » 02.03.2006, 10:54

Geir hat geschrieben:Manchmal ist es ein Vorteil der NAK anzugehören. :lol:


Stimmt Geir,

wir sind so was von okay, wir brauchen DAS ALLES NICHT!

:lol:
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Beitragvon Bert » 02.03.2006, 10:57

@ agape

Das nicht, wie recht du hast. Aber!

Noch gestern im GD habe ich so viel davon gehört, was ich lassen soll. Mir scheint das schlimmer zu sein als das Fasten bei den Anderen. :lol:

Bert
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Beitragvon organa » 02.03.2006, 11:03

Für Interssierte:

Gebräuchlich ist auch das Fasten der Ohren, heißt z.B., daß in der Passionszeit keine Zungenregister gespielt werden, da sich mit diesen der Klang der (Blech)Bläser und somit der Freude verbindet.

Üblich ist auch die Reduktion der Liturgie bis zum Karfreitag, d.h. nach und nach entfallen an den Sonntagen die liturgischen Gesänge Halleluja, Gloria patri, Gloria in excelsis usw.

Dies kann bis zum völligen Verstummen von Glocken und Orgel reduziert werden - in unserer Osternacht gibt es in der 1. Hälfte, dem Karfreitagsteil, keine Musik.

Doch das nur am Rande. :)

herzlich grüßt
organa
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Beitragvon tergram » 02.03.2006, 11:28

organa, das ist ein interessanter und wunderschöner Gedanke, danke dafür.

Fasten für die Ohren, welch himmlische Übung!

Kein Dauergedudel aus allen möglichen Quellen, keine wummernden Bässe aus dem Auto an der Ampel neben mir, kein Gepiepse technischer Geräte (PC, Mikrowelle, etc.), keine unerträglichen Klingeltöne diverser Handy´s. Morgens im Bad kein "Duschradio" (was für ein Wort!), abends im Bett kein CD-Player mit Schlummerfunktion.

organa, meine Fastenzeit beginnt jetzt. :wink:
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Beitragvon Anne » 02.03.2006, 11:34

Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Luk. 18,27

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Beitragvon organa » 02.03.2006, 11:36

tja, tergram,

Kein Dauergedudel aus allen möglichen Quellen(...)


schön wärs - aber ob alle mitmachen? :?

Ich bin ja immer noch sehr energisch für die Schaffung eines grundgesetzlichen Rechtes auf Stille sowie akustische Unversehrtheit der belebten und unbelebten Welt. Aber leider...
:(

liebe Grüße
organa
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Beitragvon organa » 02.03.2006, 11:43

Hallo, Anne,

im Beitext zu der von Dir gelinkten CD lese ich:

In dieser Zeit steckt die Chance, sich wieder selbst zu finden, in sich hineinzuhorchen und frei zu werden für das neu erwachende Leben. Da tut musikalisch Stille und Ernst gut, aber auch ein Vorgeschmack auf den Frühling und neue Lebendigkeit.



da haben wir es wieder: "aber auch ein Vorgeschmack auf den Frühling und neue Lebendigkeit".

Da krieg ich die Krise!
Geht es nicht mal ohne Tralala? Es ist kaum möglich, einfach mal nur nachdenklich zu sein über das kommende Geschehen der Passion! Nö, gleich muß wieder ein kindisches Bildchen her à la "Friede, Freude, Frühling".:motz:


Erinnert mich schwer an weichgespülte Wohlfühlpredigten am Karfreitag, weil mancher Pfarrer meint, soviel Negatives wie eine Kreuzigung sei den "armen" GD-Besuchern nicht zuzumuten...

Grüße von
organa
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