Ist alles so, wie es scheint?

u.a. Diskussion der Idee eine Basisorganisation in der NAK

Beitragvon Mona Lisa » 17.09.2005, 09:10

Liebe Schreiberlinge,

vielen Dank für Eure Postings. Es freut mich, dass ich mich mit meinen Zweifeln nicht allein auf weiter Flur befinde und mich in Eurem Kreis gut aufgehoben fühle. Vor allem 17 1/2 kann ich gut nachvollziehen. Ihr scheint es ziemlich ähnlich wie mir zu gehen.

Und liebe tergram, ich glaube, Dir auch. Denn auch Du scheinst Dich von manchem zu trennen, was dahinten liegt. Hast Du es schon getan oder bist Du noch damit beschäftigt?

Eric, ich wäre so froh, einen Karabinerhaken zu finden. Doch, wie 17 1/2 schreibt, woher nimmt man die Gewissheit? Ich möchte mich nicht in einen Haken einhängen, der vielleicht in der Luft hängt.

Haben nicht viele, die sich soo sicher sind, nur Angst, ihre eigene Ansicht zu hinterfragen? Prüfet alles, und das Gute behaltet. Dieser Spruch macht vielen Angst, denn er stellt das scheinbar Gute stets in Frage. Und um sich nicht damit auseinanderzusetzen, wird vieles ungeprüft übernommen.

Nur ein nachfolgendes Beispiel:

Die christliche Religion lehrt die Sanftmut Jesu. War er es wirklich? Die Vertreibung der Wechsler im Tempel - ein Beispiel für Gewaltlosigkeit und Sanftmut? Eher das Gegenteil!

Oder Matth. 10,34: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.

Sind dies nicht eher Hinweise auf einen gar nicht so friedfertigen Jesus? Nur mit viel Zuckerguss in der Vergangenheit überdeckt?

Was ist Wahrheit?

fragt sich Mona Lisa
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Beitragvon Wiwi » 17.09.2005, 10:37

Was ist Wahrheit? fragte sich auch schon Pontius Pilatus...

Und WIR (Du und Du und Ich) sollen das wissen?? Ich schrieb es schon mal: Der liebe Gott sieht auf uns hernieder und lächelt leise...

Wünsche Euch allen einen sonnigen gesegneten Tag!
Wiwi
Wer nicht mit der Zeit geht, muss - mit der Zeit - gehen
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Beitragvon Mona Lisa » 17.09.2005, 15:02

Hallo Wiwi,

und weil schon Pilatus keine Antwort erhielt, ist die Frage heute tabu? Das kann eigentlich nicht sein.
Auch ich weiß, dass wir die endgültige Wahrheit auf dieser Erde nie erfahren werden. Und falls die Atheisten recht behielten, sogar auch dann nicht, wenn wir tot sind.
Aber deshalb die Suche nach der Wahrheit aufgeben? So bequem will ich es nicht haben...
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Beitragvon tergram » 17.09.2005, 15:37

Auch auf die Gefahr hin, es mir nun endgültig mit allen (Hobby)Theologen, (Gelegenheits)Philosophen und sonstigen Denkern und Schreibern zu verscherzen :roll: :

Es gibt im Bereich des Glaubens nicht DIE "Wahrheit", sondern nur eine Wahrheit, die ich in meinem Leben ganz subjektiv erlebe.

Mein Gott lebt und ist beständig bei mir (und er lächelt). Mein Jesus lebt und ist die (unerreichbare) Richtschnur meines Handelns. Ich fühle den Geist Gottes in mir und vertraue mich seiner Weisheit an. Nichts von alledem kann ich beweisen, aber alles kann ich glauben. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Jeder andere Mensch wird seine ganz persönliche Wahheit erleben - auf seine eigene Weise.
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Beitragvon raul » 17.09.2005, 15:57

@ tergam,
ich kann mich deinen Ausführungen nur anschliessen!
Liebe das Leben, es liebt auch Dich!
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Beitragvon Cemper » 17.09.2005, 15:58

@ tergram

Sie beschreiben hier eine gewisse Lebensweisheit. Sie ist für den religiösen Alltag auch schön und gut. Das ist wörtlich gemeint. Es gibt aber auch eine Wirklichkeit jenseits dieses Alltags. In dieser Wirklichkeit stellt sich die Frage, ob die Subjektivität Maßstab der Wahrheitsfrage sein kann. Aus dem Gebiet des Rechts eine Art Beispiel zur Verdeutlichung:

In slawischen Sprachen hat das Wort „Prawda“ die Bedeutung von Recht und Wahrheit. Und nun fragen wir: Was ist Recht? Was ist Gerechtigkeit? Was ist Wahrheit auf dem Gebiet Gerechtigkeit? Gibt es diese Wahrheit überhaupt?

Eine subjektive Antwort habe ich vor einer Stunde „erlebt“. Ich sprach mit einer 25jährigen Studentin. Sie hat vor einigen Monaten etwa 3,5 Millionen Euro Erbschaftssteuern bezahlt und sich vor einigen Wochen einen irrsinnig teuren Sportwagen gekauft. Wirklich geleistet hat sie noch nichts. Sie hält ihre Lebenslage - ihre sozialen Verhältnisse - für gerecht. Begründung: Es ist gerecht, weil ich die Tochter von ... bin. Die Höhe der Erbschaftssteuer hält sie für ungerecht. Meine Fragen versteht sie nicht. Und morgen wählt sie FDP.

Auf dieser subjektiven Basis kommen wir bei der Erörterung der Gerechtigkeits- und Wahrheitsfrage nicht weit ... Außerdem: Was heißt "im Bereich des Glaubens"? Gehört dazu das historisch korrekte Verständnis des Evangeliums? Oder können wir mit dem Text nach Belieben oder so ungefähr verfahren? Ich hatte eben mit Randnotiz dazu einen kleinen Austausch ...

Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen.
Ein gesegnetes ...

Ihr C.
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Beitragvon autor » 17.09.2005, 16:36

Natürlich kommen wir mit 'subjektiven Alltagswahrheiten' auf der suche nach 'DER WAHRHEIT DAHINTER' weiter. Wir haben ja nichts anderes als Subjekte und deren Wahrheiten, die uns beim Erörtern von Wahrheit helfen können.

Cemper! Erzählen Sie uns doch mal eine Wahrheit!

Muss nicht alles was gedacht wird aber mindestens alles was sich äußert oder alles was in Erscheinung tritt Teil 'der Wahrheit dahinter' sein?


Grüße,

a.
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Beitragvon tergram » 17.09.2005, 16:47

Cemper,

ehrlich: Ich weiss es nicht! Ich weiss nicht mal, was/wen ich morgen wählen soll. Ehne, mehne, muh... :lol:

Die Sache mit Recht und Gerechtigkeit... Sagt vor dem Verhandlungssaal der Anwalt zum Mandanten: "Hier kriegen sie kein Recht, hier kriegen sie ein Urteil!" :shock:

Zu ihrer Millionenerbin: Was tut ein Bankier, wenn er eine Million zur Verfügung hat? Sich sehr einschränken! :wink:

Was erwarten sie von diesem jungen Ding? Ich würde erwarten, dass sie sich schämt, wirklich schämt - nicht für ihr Geld, sondern für ihre Dummheit! Schämt sich Paris Hilton? Wofür sollte sie? Für Millionen Männer weltweit, die das Video "One Night In Paris" gekauft haben? Schämen sich diese Männer?

Cemper, so ist nun mal die Welt in der wir alle leben und wir haben und kriegen keine andere, als eben diese. Lebenslänglich! Ein Zoo, ein Irrenhaus, ein Jammertal - und die beste aller Welten.

Lassen sie mir meine Küchentheologie; für´s Große und Ganze lasse ich IHN sorgen - mehr ist mir nicht gegeben.

Wenn ich ihnen schon Prawda nicht liefern kann, dann wünsche ich ihnen doch von Herzen MIR - nicht nur am Wahlsonntag! :wink: Wählen sie weise!
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Beitragvon Bedenkentraeger » 17.09.2005, 17:13

tergram hat geschrieben:[...]

Es gibt im Bereich des Glaubens nicht DIE "Wahrheit", sondern nur eine Wahrheit, die ich in meinem Leben ganz subjektiv erlebe.

[...]


Nur ist, liebe "tergram", wahrscheinlich die eine Wahrheit, die Lieschen Müller und Fritzchen Mayer für sich subjektiv erleben, genau das, was man allgemein in der Theologie und Philosophie als DIE Wahrheit bezeichnet.

Es ist zu befürchten, daß dies so ist. ;)

Herzliche Grüße in die recht muntere Runde der Wahrheitssuchenden und Wahrheitsfragenden hier!
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Beitragvon Bedenkentraeger » 17.09.2005, 17:26

tergram hat geschrieben:Ja und?

Was wäre, wenn es so ist? :?: Oder: Was ist, wenn es so wäre? :?:

Ernsthaft: Was machen diese Erkenntnisse (so es sie gibt) mit mir, meinem Leben, meinen Glauben?

Fragt (unschuldigguck) Lieschen-Fritzchen :oops:


Nun, wahrscheinlich macht dies erst einmal nicht sehr viel aus, liebe "tergram", denn im Grunde bleibt doch alles irgendwie recht fraglich. Das ist wohl die eine, einzige Erkenntnis, die wir ausnahmslos alle hier machen: Wir haben im Leben eigentlich immer mehr offene Fragen als Antworten. Doch für den, der seine Hoffnung im Letzten auf Gott setzt, findet sich eine Antwort, die ihn die Fraglichkeit einigermaßen aushalten läßt.

Oder nicht?

Fragt Ihr "Bedenkenträgerchen" ;)
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Beitragvon tergram » 17.09.2005, 17:46

Eben! Und damit ist es "rund". :)
Trotz aller berechtigten Bedenken.

Liebe Grüße,
t.

P.S.: Das müssen wir nur noch Cemper beibringen - spätestens jetzt habe ich erhebliche Bedenken! :wink:
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Beitragvon Cemper » 17.09.2005, 21:26

autor hat geschrieben:Natürlich kommen wir mit 'subjektiven Alltagswahrheiten' auf der suche nach 'DER WAHRHEIT DAHINTER' weiter. Wir haben ja nichts anderes als Subjekte und deren Wahrheiten, die uns beim Erörtern von Wahrheit helfen können.

Cemper! Erzählen Sie uns doch mal eine Wahrheit!

Muss nicht alles was gedacht wird aber mindestens alles was sich äußert oder alles was in Erscheinung tritt Teil 'der Wahrheit dahinter' sein?


Grüße,

a.


Lieber autor! Ich soll Ihnen eine Wahrheit erzählen? Hier sind zwei Beispiele: Ich habe vor langer Zeit Gadamers "Wahrheit und Methode" studiert. Danach hatte ich Kopfweh. Dann kam der uralte Gadamer zu einem Gastvortrag. Ich saß im Publikum. Nach dem Vortrag traf ich eine alte Dame. Ich hatte zwei Jahre zuvor kurz mit ihr zu tun. Diese 85jährige Frau kam zu mir und begrüßte mich mit Namen. Ich war sprachlos. So ein Gedächtnis.

Und nun an Sie die Frage: Ist das Wahrheit?

Auf jeden Fall ist es spät.

C.
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Beitragvon Wiwi » 17.09.2005, 22:07

@ Mona Lisa:

Schließe mich Margret absolut an.

"So forsche nun und raste nie -
Du kommst nicht weit mit deinen Schlüssen.
Es ist das Ende aller Philosophie
zu wissen, dass wir glauben müssen."

Werde mal die Quelle raussuchen.

Meine Güte - wir alle suchen ständig nach der Wahrheit! Glaubst Du, ich nicht? Und dennoch sollten wir demütig und bescheiden sein und wissen (!), dass wir Gott gegenüber sehr klein sind...

Liebe Grüße!
Wiwi
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Beitragvon tergram » 18.09.2005, 06:03

Wiwi:
Goethe - in Deutschland im Zweifel immer: Goethe! :lol: Zweite Wahl: Schiller!

Beide sind fast immer richtig... :roll:
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