Ist alles so, wie es scheint?

u.a. Diskussion der Idee eine Basisorganisation in der NAK

Ist alles so, wie es scheint?

Beitragvon Mona Lisa » 16.09.2005, 10:30

Hallo zusammen,

ich möchte heute meinen Eröffnungsbeitrag einstellen. Ich habe mir den Nickname Mona Lisa bewusst zugelegt, denn dieses Bild symbolisiert für mich, dass der erste Blick oft trügt. Lächelt sie, oder ist sie nachdenklich? Ist es eine Frau oder nicht vielleicht doch ein Mann?
Ist es in der Religion nicht oft auch so? Man bekommt von seiner Kirche ein Bild des Glaubens gezeichnet, das auf den ersten Blick schlüssig erscheint. Doch je mehr man sich mit ihm beschäftigt, desto verschwommener werden die Züge. Der Hintergrund drängt sich in den Vordergrund und umgekehrt.
Fühlt nicht der eine oder andere auch manches Mal so? Und wenn dann versucht wird, zu hinterfragen, kommt so wenig bis gar nichts dabei heraus - ausser neue Fragen.
So habe ich auch versucht, meine Kirche zu sehen. Sie erschien mir lange Jahre wie ein vertrauter Freund, den ich meinte zu kennen. Doch je intensiver ich mich ihm zuwandte, desto fremder ist er mir geworden. Heute bin ich mir nicht immer sicher, ob wir uns je gekannt haben.
Wie geht es Euch damit? Ich freue mich auf Eure Antworten.

Mona Lisa
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Beitragvon fireangel » 16.09.2005, 10:40

"Nichts ist, wie es scheint, das es ist."

Ist es nicht so, dass wir, die wir schon sehr lange, vielleicht schon von Geburt an, einer Kirche angehören, uns in dieser Kirche unsere eigene kleine Glaubenswelt aufbauen/aufgebaut haben?

Wenn wir nun aber festellen/feststellen MÜSSEN, das unsere heile Glaubenswelt so gar nicht mehr in die Kirche, mit all ihren Veränderungen und Anpassungen passt, bricht dann unsere eigene kleine Glaubenswelt zusammen, oder ist unser Glaubensgebäude so fest und sicher gebaut, dass es unter dieser Belastung eben nicht zusammenbricht?

Liebe Grüße
fireangel
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Beitragvon Wiwi » 16.09.2005, 10:54

Moin zusammen und herzlich willkommen, M.L.!

Ab und zu kommen einem ketzerische Gedanken. Mir z.B. folgender: Ob der liebe Gott wohl manchmal leise lächelt und mit dem Kopf schüttelt, wenn er uns und unsere selbstgemachten Probleme sieht?

*duckundweg*
Wiwi
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Beitragvon Zwischenruf » 16.09.2005, 11:19

Ob der liebe Gott wohl manchmal leise lächelt und mit dem Kopf schüttelt, wenn er uns und unsere selbstgemachten Probleme sieht?


Wiwi, davon bin ich fest überzeugt. :wink:

LG, Z.
Auch und gerade in dem , was uns aufgrund unserer tiefsten Glaubensüberzeugung voneinander unterscheidet, müssen wir uns gegenseitig respektieren und lieben. (Papst Benedikt XVI.)
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Beitragvon Mona Lisa » 16.09.2005, 12:39

Auch ich bin fest davon überzeugt, dass ER manches Mal den Kopf schüttelt, wenn er auf uns Würmlein schaut. Ob er dabei jedoch lächelt und nicht nur das Gesicht verzieht? Ich hoffe doch, daß das Erste zutrifft.
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Beitragvon 17einhalb » 16.09.2005, 13:04

@ Mona Lisa

Du sprichst mir aus der Seele.
Genau das macht mir manchmal Angst.
Diese "heile Welt", die irgendwie auseinandergebrochen ist beunruhigt mich doch sehr.
Meine Gefühle und Gedanken kann ich oft nicht in Worte fassen. Die Verunsicherung macht mich dann wütend.

Ich bin einerseits froh darüber, dass ich "aufgewacht" bin, andererseits doch traurig.

Es fällt mir immer schwerer klare Positionen zu bestimmten Dingen einzunehmen und das verunsichert mich.
Manchmal frage ich mich, woher Einige ihre festen Meinungen in Glaubensfragen nehmen.

Wie lange werde ich noch zweifeln?
Mut gibt mir da der Ausspruch (ich glaube es sagte BAP Klingler), dass Derjenige, der noch nie gezweifelt hat, auch noch nie richtig geglaubt hat.

Traurige Grüße 17einhalb
Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann;
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und die Weisheit , das eine vom anderen zu unterscheiden (R. Niebuhr)
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Beitragvon Sonnenschein » 16.09.2005, 14:49

Hallo 17einhalb,

mir geht es sehr ähnlich wie dir, auch ich weiß oft nicht mehr, was ich glauben soll und was nicht. Aber vielleicht sind die, die so genau wissen, wo sie stehen, einfach schon einen Schritt weiter als wir. Wenn man anfängt über etwas nachzudenken, dann finde ich es nur natürlich, daß man auch etwas in Frage stellt. Aber wenn man nicht nachdenkt, dann kann man doch auch seinen Standpunkt nicht bestimmen.
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Beitragvon Sesemi » 16.09.2005, 15:34

Sonnenschein hat geschrieben:Aber vielleicht sind die, die so genau wissen, wo sie stehen, einfach schon einen Schritt weiter als wir.


Liebe(r)Sonnenschein und alle anderen,

ist es nicht eher umgekehrt? In jungen Jahren meint man oft alles zu wissen und feste Standpunkte zu haben. Im Lauf der Zeit kommen gute und weniger gute Erfahrungen, auch Enttäuschungen und Verletzungen hinzu. Das verunsichert und zieht manchmal den Boden unter den Füßen weg. Zwischenzeitlich wiegt man sich wieder in vermeintlicher Sicherheit und meint, man könne seinen Standpunkt nun endlich ganz klar bestimmen - doch auch das ist nicht von Dauer.

@ 17einhalb:

Wenn Kinder in einer heilen Welt leben, bedeutet dies noch lange nicht, dass dies zur gleichen Zeit auch für ihre Eltern gilt. Wachsen sie dann heran, liegt manchmal die Welt der Kindheit in Trümmern, doch Neues kann aufgebaut werden. Manchmal ändert sich die uns umgebende Realität, manchmal jedoch auch nur unser Blick auf unsere Umgebung. Sei nicht allzu traurig, wenn du nicht überall "heile Welt" sehen kannst, diese Erfahrung teilst du mit vielen. Suche dir doch Fixpunkte, an denen du dich orientieren kannst - die sind manchmal zwar besser versteckt als Ostereier, jedoch nicht unauffindbar. Auch das Gebet kann in Krisenzeiten eine Kraftquelle sein.

Zu den Äußerungen in diesem Thread ist mir noch ein Gedicht aus Goethes "West-östlichem Divan" in den Sinn gekommen, das durchaus zur Sache spricht:


Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einziehn, sich ihrer entladen.
Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
So wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich presst,
Und dank' ihm, wenn er dich wieder entlässt.


Liebe Grüße von der Trave

Sesemi
Das Normale, Wohlanständige und Liebenswürdige ist das Reich unserer Sehnsucht, ist das Leben in seiner verführerischen Banalität. (Tonio Kröger)
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Beitragvon 17einhalb » 16.09.2005, 16:12

@ Sonnenschein

Ich glaube, du hast recht. Das ist es auch, was mich nicht vollends verzweifeln lässt, denn so habe ich die Hoffnung auch wieder meinen inneren Frieden zu finden.
Es tut aber auch gut, wenn man weiß, dass es anderen Nakis ähnlich geht.

Auf das wir alle Stück für Stück zur Erkenntnis kommen
Liebe Grüße 17einhalb
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Beitragvon 17einhalb » 16.09.2005, 16:32

@ Sesemi

So ist mein Leben ja bis jetzt verlaufen.
In der Kindheit und bis vor 1 1/5 Jahren war mein Standpunkt zu meinem Glauben, der NAK und den Amtsträgern eindeutig.
Nichts hätte mich aus der Bahn werfen oder mich von etwas anderen überzeugen können.

Nun steh ich da ich armer Tropf und erlebe genau das, was du beschrieben hast. Mal bin ich mir meines Standpunktes sicher und kurz darauf nicht mehr.

Ohne Zwiesprache mit unserem Herrn wäre es oft unerträglich.
Das Zitat beschreibt wunderbar meine Empfindungen beim Gebet.

Fixpunkte zu suchen ist gar nicht so einfach, denn woher weiß ich, dass diese Bestand haben?
Wenn du da Vorschläge hast - dann mal los!

Liebe Grüße 17einhalb
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Beitragvon Sonnenschein » 16.09.2005, 19:54

Liebe Sesemi,

Du hast völlig recht, in der Vergangenheit habe ich mir keine Fragen gestellt, sondern habe ohne nachzudenken einfach das nachgeplappert, was ich über Jahrzehnte gelernt hatte. Aber dann habe ich feststellen müssen, daß einiges von dem, was ich geglaubt habe, einfach eine Illusion war. Dann habe ich plötzlich gemerkt, daß ich gar nicht wirklich weiß, was ich glauben kann und soll und was nicht. Und ich stelle mir vor, wenn ich das geklärt habe, wenn ich weiß, wo ich stehe, dann kann mir niemand mehr so einfach den Boden unter den Füßen wegziehen. Ich hoffe es, aber vielleicht ist es wirklich so, je mehr Fragen man beantworten kann, um so mehr Fragen tun sich auf.
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Beitragvon eric » 16.09.2005, 21:11

Hallo!

ich denke, wer sich als erwachsener für seinen Glauben entschieden hat, der hat gekämpft und hat deswegen einen festen Standpunkt. Wenn man hineingeboren wird, dann trottet man mit. So habe ich es bei mir erlebt. Bis mir Gott ein paar Knüppel zwischen die Beine geworfen hat. Dann steht man vor der Frage: "Was ist das eigendlich, was Du da glaubst" Dann hinterfragt man. Dann muss man kämpfen um seinen Glauben. Ich hatte mal gehofft, das man irgendwann an einem Punkt ankommt, an dem man sicher ist. Ab hier gehts nicht mehr zurück. Quasi ein Karabinerhaken. Aber ich musste lernen, den gibt es nicht.
Werdet wie die Kinder ist ein Rat an uns. Für die ist es immer ganz einfach. Gott liebt mich, Ende der Diskussion. Ein hohes Ziel.
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Beitragvon seewolf » 17.09.2005, 08:19

Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.

Liebe Grüße
vom
seewolf
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Beitragvon tergram » 17.09.2005, 08:38

seewolf
hat geschrieben:
Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.


...oder stell fest, dass du dir einen anderen Besitz schaffen möchtest. "Verkaufe", was du vermeintlich hast und folge IHM nach. In diesem Fall lass fröhlich "dahinten", was nach hinten gehört und geh deinen neuen Weg ruhig und voller Zuversicht, weil ER immer mit dir ist.
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