Aufbruch in der Kirche

u.a. Diskussion der Idee eine Basisorganisation in der NAK

Aufbruch in der Kirche

Beitragvon agape » 24.07.2005, 16:34

Aufbruch in der Kirche

Anstöße für ein zukunftsfähiges Christentum

Dieser Titel und Untertitel ist entnommen aus
Michael N. Ebertz gleichnamigen Buch.
Ebertz ist 1953 geboren, Professor an der Katholischen FH Freiburg (Soziologie und Theologie)

Er gibt Anstöße für ein zukunftsfähiges Christentum und beschreibt einen Aufbruch in der Kirche, er fasst 50 Thesen zusammen:


KIRCHE HAT CHANCEN

50 Thesen

1. Kirche ist besser als ihr Ruf.

2. Kirche hat Chancen: Die meisten wollen bleiben und nicht austreten.

3. Kirche hat Ressourcen: Die meisten bleiben tatsächlich.

4. Kirche hat Chancen: Konfessionslose (in Westdeutschland) treten im Lauf ihres Lebens eher in die Kirche ein, als Kirchenmitglieder konfessionslos werden.

5. Kirche hat Ressourcen: Nur wenige (in Westdeutschland) besuchen nie einen Gottesdienst im Jahr.

6. Kirche hat Chancen: Nur wenige beteiligen sich überhaupt nicht am kirchlichen Leben.

7. Kirche hat Ressourcen: in der Kraft ihrer kasusorientierten Riten der Lebenswenden.

8. Kirche hat Chancen: an den (familialen) Lebenswenden und -religionsträchtigen - Lebensübergängen.

9. Kirche hat Chancen: in den kritischen Lebensereignissen.

10. Kirche hat Chancen: in den individuellen und kollektiven Unterbrechungen des Lebens.

11. Kirche hat Chancen: im immer noch engen Verweisungszusammenhang von Sterben und Tod (auch in Ostdeutschland).

12. Kirche hat Chancen: im Wandel ihrer Integrationsformen - im punktuellen Kontakt.

13. Kirche hat Chancen: in der personenbezogenen Gemeindebildung.

14. Kirche hat Chancen: in der Qualitätsentwicklung ihrer Riten.

15. Kirche hat Chancen: wenn sie den Eigensinn des Christlichen heraus arbeitet.

16. Kirche hat Chancen: sogar bei Jugendlichen. Mehr als 80 Prozent junger Katholikinnen und Katholiken meinen: »Aus Kirche könnte man mehr machen.«

17. Kirche hat Chancen: wenn sie sich für Quereinsteiger öffnet.

18. Kirche hat Ressourcen: in den Charismen ihrer ehrenamtlich Engagierten.

19. Kirche hat Ressourcen: Dem Pfarrer wird ein hoher Status in der Prestige-Skala der Berufe zugeschrieben.

20. Kirche hat Ressourcen: im >personalen Angebot<, an Orten der Glaubensreflexion und in der Initiierung von praktischen Glaubensprojekten.

21. Kirche hat Chancen: wenn sie aus ihren >vorgestanzten< Sprachmustern und Sinnschablonen ausbricht.

22. Kirche hat Chancen: wenn sie ihre bereits vorhandenen Einrichtungen vernetzt.

23. Kirche hat Ressourcen und Chancen: in der internen Pluralität, auch ihrer eigenen Sozialformen, in ihrer >complexio oppositorurtum<.

24. Kirche hat Chancen: auch als Gemeinschaft der Suchenden und Fragenden.

25. Kirche hat Chancen: in ihren internen Konflikten. Sie sind das Gegenteil von Gleichgültigkeit und sorgen für - verbindende - Kommunikation.

26. Kirche hat Chancen: in der professionellen Wahrnehmung der »Zeichen der Zeit« und im Versuch, »sie im Licht des Evangeliums zu deuten«.

27. Kirche hat Chancen: wenn sie sich als Lernende begreift.

28. Kirche hat Ressourcen: in den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils, das die christliche Gemeinde nicht territorial, sondern sakramental begründet.

29. Kirche hat Chancen: im experimentierfreudigen Aufbruch aus der Fixierung auf die ortsgebundene Pfarrgemeinde.

30. Kirche hat Chancen: im Aufbruch in die Sozialräume, in die Inseln der Lebensräume, aber auch in die ortsungebundenen Kommunikationsräume.

31. Kirche hat Chancen: in einer arbeitsteiligen, kooperativen Kommunikationspastoral im Rahmen größerer pastoraler Verantwortungsräume.

32. Kirche hat Chancen: im Aufbau einer Kultur des Dankes und des Schenkens.

33. Kirche hat Chancen: wenn Prioritäten gesetzt, Ziele geklärt, Ressourcen geschöpft und Erfolgskriterien ausgewiesen werden.

34. Kirche hat Chancen: wenn sie beim Anderen beginnt, also nicht allein in der Zielgruppen-, sondern in der Adressatenorientierung.

35. Kirche hat Chancen: in der Kasusorientierung.

36. Kirche hat Chancen: im Eingehen auf die verschiedenen Erlebnisstil-Milieus.

37. Kirche hat Ressourcen: in den Erwartungen ihrer religiösen Virtuosen.

38. Kirche hat Ressourcen: im Reich-Gottes-Bündnis mit denjenigen, die nicht im Auftrag, aber in inhaltlicher Verbindung mit der Kirche tätig sind.

39. Kirche hat Chancen: weniger in der ökumenischen Fusion als in der ökumenischen Kooperation und Solidarität.

40. Kirche hat Ressourcen: Kaum jemand will dezidiert Atheist sein, sogar in Ostdeutschland sind dies nur wenige.

41. Kirche hat Chancen: Christliches ist auch außerhalb von Kirche präsent.

42. Kirche hat Ressourcen: Kirchenmitglieder zeigen auch als Ehrenamtliche in der Gesellschaft Präsenz.

43. Kirche hat Chancen: in der Öffentlichkeitsarena der Zivilgesellschaft.

44. Kirche hat Ressourcen: auch ästhetischer Art auf dem Markt der Erlebnisgesellschaft.

45. Kirche hat Chancen: im Fremden sich selbst zu entdecken.

46. Kirche hat Ressourcen: in der >leibhaftigen< Eucharistiefeier.

47. Kirche hat Chancen: Die Sehnsucht nach Heil und Charisma ist ungebrochen.

48. Kirche hat Chancen: in der Balance von Identität und Relevanz.

49. Kirche hat Chancen: wenn sie sich an die Moderne anpasst, ohne sich ihr anzugleichen.

50. Kirche hat Chancen: wenn sie >Mensch wird<.


Michael N. Ebertz: Kirche im Aufbruch, Verlag Herder, Freiburg
"2020 wird die NAK eine kleine fundamentalistische Bewegung sein."

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Beitragvon philippus » 24.07.2005, 18:45

Unter Punkt 16 steht: "Aus Kirche könnte man mehr machen."

Uneingeschränkt: JA!! - Nicht nur aus der katholischen Kirche.


Voraussetzung ist jedoch, daß man sich auch mit Punkt 27 einverstanden erklärt.
Und der heißt: "Kirche hat Chancen, wenn sie sich als Lernende begreift."

Und hier klemmts, befürchte ich.
Vergleiche hierzu auch den Verlauf des bisher einzigen Forumsprojektes.

Auch hier stirbt die Hoffnung (wieder) zuletzt.
Wünschen wir ihr ein langes Leben. ;)

Liebe Grüße
Frank
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Re: Aufbruch in der Kirche

Beitragvon ChristSein » 24.07.2005, 19:13

agape hat geschrieben:Aufbruch in der Kirche

Anstöße für ein zukunftsfähiges Christentum

KIRCHE HAT CHANCEN

50 Thesen

50.These Kirche hat Chancen: wenn sie >Mensch wird<.



Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild das uns gleich sei, (1.Mose1,26).

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.(Johannes 1,14)

Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.(Lukas 19,10)


Liebe agape und Ihr Lieben Alle,

Liebe Grüsse
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Beitragvon agape » 25.07.2005, 07:53

Lieber Philippus, lieber ChristSein,

es ist schon wahr, dass man sich viele Punkte hier heraus greifen könnte, die überkonfessionell gelten.
Immerhin weiß das auch unsere KL.

Ich denke auch, dass viel erreicht wäre, wenn sich auch unsere Kirche noch einmal als Lernende begreifen könnte.

Das Bibelwort (sinngemäß):
"Prüfet alles und das Beste behaltet",
war eigentlich nicht als Empfehlung für Einzelne suchende Menschen formuliert worden.
Gerade für die Apostel der Urkirche hatte dieses Wort eine besondere Bewandtnis.

Auf jeden Fall wird verdeutlicht, dass gerade heute die Kirche (wieder) eine besondere Bedeutung hat.
Wie begegnen wir uns?
Die Kirche den Menschen und die Menschen der Kirche?

AltPräses Kock erwähnte häufig, dass die Kirche die suchende Bewegung des Menschen nachempfinden müsse.

Einen lieben Gruß aus diesem riesigen Thema,
agape :D
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"Flache Kirche"

Beitragvon Protestant » 25.07.2005, 11:50

Liebste agape, werte Mitschreiber und -leser, liebe Freunde,

ich stelle jetzt mal eine weitere These in den Raum.

Beim "Überfliegen" dieser "Eingangsthesen", liebe agape, wurde mir wieder einmal überdeutlich, dass man sehr viele Schwierigkeiten "in Kirche" darunter subsummieren kann, dass wir bei vielen Kirchen das Bild einer "hohen Kirche" erleben.

Wenn Kirche aber für Menschen existieren soll und nicht umgekehrt, dann brauchen wir eine "flache Kirche".

"Flache Kirche" heißt, weg mit Hierarchien, achten auf Eignung in der Seelsorge, Orientierung ausschließlich an dem, was wirkliche Orientierung gibt: dem EVANGELIUM JESU CHRISTI !!! Dabei immer in "suchender Grundhaltung" bezüglich der sich täglich neu stellenden lebenspraktischen Herausforderungen.

Die "Hohe Kirche" die wir erleben und unter der wir leiden, ist nicht deshalb "unser Kreuz", weil wir "Kritiker" uns ehrsüchtig und besserwisserisch nicht "unterordnen" können, sondern weil sich diese Kirche, systemisch bedingt, in ihren oberen Kasten ihrer hierarchischen Ebenen ohne wirklichen Basis- und Realitätsbezug zwischen dem 2. und dem 7. Himmel bewegt. Damit sind u.a. auch wirklich gutgemeinte Präsenzversuche, Steuerungshandlungen und Konfliktbewältigungs-Stategien der Kirchenleitung IMMER nachsorgend, also meist "zu spät". Zudem fehlt der tatsächliche Praxisbezug, weil ein wirkliches "Mitleiden" des "Ebene-2-bis-7-Seelsorgers" mit dem einzelnen Gläubigen dauerhaft höchstens rudimentär und dann meist "elitär" geschieht. Das "Leben" in den Gemeinden geht verloren, bzw. steht unter "künstlicher Beatmung" und es dürfte selbstredend sein, dass "WIR" darunter leiden; nicht nur wir "Kritiker".

Ich habe gestern in einem Gottesdienst diesen durchaus ehrlichen Versuch der "Schadensbegrenzung, Ewigkeitsbewahrung und Konfliktvermeidung" durch ein "Ebene-4-Mitglied" unserer Kirche erlebt. Ohne näher darauf eingehen zu wollen, befürchte ich unter Kenntnis der regionalen Gesamtsituation, dass dieser Versuch zwar "lieb gemeint", aber in seiner Wirkung völlig untauglich war, da genau dieser Basisbezug und damit der echte Realitätsbezug fehlt.

Es zeigte sich noch ein bemerkenswertes Phänomen, welches mir jedesmal "die Galle überlaufen läßt", da es bis heute in unserer Kirche Milliarden von Individualkatastrophen bei unseren Geschwistern ausgelöst hat, die sich überwiegend in psychischen Deformationen zeigen, die nicht immer vordergründig zu Tage treten.

Es ist wohl schon zu aller Zeit usus gewesen, aber in letzter Zeit wieder verstärkt zu beobachten, dass man den Zerfall unserer Kirche dadurch zu verhindern meint, indem man von Seiten der "Ebene-2-bis-7" einfach Ursache und Wirkung vertauscht.

"Freut Euch doch einfach, dann verschwinden die negativen Eindrücke über das was so in unserer Kirche passiert nach und nach von alleine ..." :roll: :roll: :roll:.

Ist man auf diesen Ebenen wirklich so degeneriert, dass man tatsächlich verlernt haben sollte, dass es der natürliche Ursprung ist, dass die Ursache die Wirkung erzeugt und nicht umgekehrt.

Ich werde meine Auffassung stande pede ändern, bei allem was mir heilig ist, wenn ich zum ersten Mal erleben darf, dass ein "Ebene-2-bis-7-Mitglied" unserer Kirche mit seinem Auto an die Tankstelle gefahren kommt, den Sprit bis auf den letzten Tropfen komplett zurück in die Tankanlage der Tankstelle fließen läßt und beim wegfahren dem völlig verdutzten Tankwart erklärt, dass er in den letzten Tagen nicht ganz soviel mit seinem Auto gefahren sei und deshalb der Tank seines Autos leider nur halb gefüllt war ... :roll: :roll: :roll: .

Ja, ja diese Kausalitäten ... .

Dabei käme eine weitere These zum Tragen, die ich aber im Moment nur anreißen möchte. Ich habe es gerade ebenfalls im Zusammenhang mit einer Individualkatastrophe einem lieben Freund geschrieben. Ob's ein wirklicher Trost ist ??? Ich glaube eher nicht.

Ich habe gestern Abend auf rbb meinen "Freund" Volker Pispers mit Ausschnitten aus seinem aktuellen Programm gesehen. Dabei kam der geniale Satz, natürlich auf die aktuelle Politik bezogen:" Konservative ... ? Sie meinen Konservative können denken ... ? Da täuschen Sie sich aber ... ! Nee, Konservative können nicht denken ... ! ... das sind alles reine Reflexe !!!"


In diesem Sinne, grüßt Euch ganz herzlich, Euer
Protestant
Zuletzt geändert von Protestant am 25.07.2005, 12:56, insgesamt 4-mal geändert.
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Beitragvon niltir » 25.07.2005, 11:55

@Protestant
Hallo,
ich komme mit den "Ebenen" nicht klar.
Machst Du mich bitte schlau?
Danke und liebe Grüße
niltir
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Beitragvon Protestant » 25.07.2005, 12:26

niltir hat geschrieben:@Protestant
Hallo,
ich komme mit den "Ebenen" nicht klar.
Machst Du mich bitte schlau?
Danke und liebe Grüße
niltir


Lieber niltir,

wirklich nicht ??? Das kann ich fast nicht glauben ... :lol: :lol: :lol:

Ich gebe einen Tipp: Alles was über "Ebene 1" ist, ist "in Amt und Würden" ... . Ich denke, den Rest kann man sich zusammenreimen, oder ... :roll: :?: :roll:


Liebe Grüße von Deinem
Protestanten
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Ebene

Beitragvon cello » 26.07.2005, 07:38

Hallo Protestant,

dir läuft zur Zeit die Galle über. Das ist spürbar.
Dann zu sagen, du mögest dich freuen, wäre wirklich recht platt.

Für meine Kirchenumgebung kann ich deine Thesen nicht unterstreichen. Es gab bei mir sehr wohl Anrufe und Besuche der Ebenen 2-7 im Falle von Krankheit und kommunizierten Schwierigkeiten.
So flach ist die Kirche dann doch nicht und schon gar nicht überall gleicher.

Vielleicht freust du dich trotzdem ein wenig heute.
Es ist nämlich Sommer. :wink:
Liebe Grüße
cello
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Re: Ebene

Beitragvon Protestant » 26.07.2005, 08:58

cello hat geschrieben:Hallo Protestant,

dir läuft zur Zeit die Galle über. Das ist spürbar.
Dann zu sagen, du mögest dich freuen, wäre wirklich recht platt.

Für meine Kirchenumgebung kann ich deine Thesen nicht unterstreichen. Es gab bei mir sehr wohl Anrufe und Besuche der Ebenen 2-7 im Falle von Krankheit und kommunizierten Schwierigkeiten.
So flach ist die Kirche dann doch nicht und schon gar nicht überall gleicher.

Vielleicht freust du dich trotzdem ein wenig heute.
Es ist nämlich Sommer. :wink:
Liebe Grüße
cello



Meine liebe cello,

ich freue mich wirklich echt für Dich, dass Du das über Deine Kirchenumgebung so nicht feststellen kannst. Das ist dann nachahmenswert und sollte dupliziert werden.

Bezüglich der "flachen Kirche" muß ich wohl noch etwas präzisieren. Wenn STAP Fehr gegen die "Verflachung" gepredigt hat, war wohl etwas anderes gemeint, als das was ich mit diesem Begriff der "flachen Kirche" darstellen wollte. Dieser Begriff hat viel mehr etwas mit Augenhöhe zwischen Menschen zu tun, die in einer Kirche durchaus unterschiedliche Funktionen und Positionen innehaben. Gemäß unserem Herrn Jesus Christus sollte der Größte ja sogar "nur" Diener sein (Fußwaschung, etc.), also sogar "tiefer" stehen. Bei der "Verflachung" war wohl der fehlende Tiefgang in vielen Dingen des Glaubens gemeint.

Noch ein Wort zur "Freude" und meine Aussagen bezüglich Ursache und Wirkung. Mir ist sehr wohl gewärtig, dass eine positive Grundhaltung zum Leben im Allgemeinen und zu Religion und Glaubensdingen im Besonderen, durchaus eine andere Betrachtungsweise bedingen wird, als wenn ich grundsätzlich pessimistisch und ständig negativierend durch meinen Alltag laufe.

Könnten wir uns darauf verständigen, dass wir versuchen so zu handeln, wie unser Herr Jesus Christus dies getan hat. Er hat sich Menschen gegenüber grundsätzlich in einer liebevollen und damit positiven Haltung genähert und ist ihnen auch so dauerhaft begegnet. Bei Institutionen, Zusammenschlüssen, Gruppierungen, Lobbys etc. hat er immer messerscharf "hinter die Kulissen" geschaut, hat sie geprüft, entlarvt und blosgestellt. Man könnte in unserer heutigen Sprache sagen, er hat "kein gutes Haar" an ihnen gelassen. Auch ihm ging ab und an "die Galle über".

So möchte ich eigentlich meine Darstellung verstanden wissen, ohne mir wirklich irgendetwas anmaßen zu wollen. Dieses instrumentalisierte Vertauschen von Ursache und Wirkung erinnert mich so extrem an unsere manipulative mediale Welt in der wir leben und vor der wir uns wirklich schützen sollten (schlechte Managerseminare, Motivationsveranstaltungen, Werbung, etc.). Hier wird auch versucht durch Umkehrung der Ablauflogiken Bewußtsein so zu verändern, dass sich Wahrnehmung umkehrt. Wirkliche Kraftreserven werden in realiter nur rudimentär aktiviert.

Ich bin grundsätzlich ein positiv denkender Mensch, der gerne ganz auf die Hoffnung setzt. Insbesondere deswegen bin ich NOCH in dieser Kirche, ... nach fast 47 Jahren ... und nach mehr als 22 Jahren AT-Tätigkeit. Anders gings auch gar nicht.

Liebe cello, ich habe heute schon mehrmals echte tiefe Freude empfinden können, ... obwohl die Sonne noch nicht die Wolken besiegt hat ... :wink: .

Ich danke Dir für Deine Wünsche und Deine Gedanken mich betreffend.


Es grüßt Dich ganz lieb, Dein
Protestant
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mitgehen...!

Beitragvon maximin » 26.07.2005, 09:14

:) Geschätzte Agape,
unsere seltenen Begegnungen haben ja auch wieder was:

Du zitierst AltPräses Kock, wonach (die) Kirche die suchende Bewegung des Menschen nachempfinden müsse. Ich würde Kock so antworten: "Nicht nachempfinden, mein lieber Präses, mitgehen sollte sie!"

Maxi grüßt Agape :roll:
Der kleine Glaube hat denselben starken Heiland wie der große Glaube...
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Verständigen

Beitragvon cello » 26.07.2005, 09:14

Lieber Protestant,

Mir ist sehr wohl gewärtig, dass eine positive Grundhaltung zum Leben im Allgemeinen und zu Religion und Glaubensdingen im Besonderen, durchaus eine andere Betrachtungsweise bedingen wird

Das wollte ich doch gerne lesen... :lol: Diese Gedanke geht hin und wieder unter und muss dann nochmals aus dem trüben Teich gefischt werden.

Könnten wir uns darauf verständigen, dass wir versuchen so zu handeln, wie unser Herr Jesus Christus dies getan hat
.
Keine Frage. Wir verständigen uns wie du sagst eben auch darauf, dass es ein Versuch ist und wir alle noch ausserhalb des Himmels leben.

Dieses instrumentalisierte Vertauschen von Ursache und Wirkung erinnert mich so extrem an unsere manipulative mediale Welt in der wir leben und vor der wir uns wirklich schützen sollten

Auch Zustimmung. So ganz genau weiß ich natürlich nicht was du meinst. Ich sage mal, es gibt immer soviele Wahrnehmungen über eine Tatsache, wie Menschen, die sie beobachtet haben. Und jeder denkt, es sei die Wahrheit.

Liebe Grüße zurück :wink:
cello
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Beitragvon maranatha » 26.07.2005, 09:36

werter Protestant,
du hast folgendes geschrieben:
Ich gebe einen Tipp: Alles was über "Ebene 1" ist, ist "in Amt und Würden" ... . Ich denke, den Rest kann man sich zusammenreimen, oder ... Mit den Augen rollen Frage Mit den Augen rollen

bist du dir da wirklich sicher dass es nach der Ebene 1 so ist?
Und was kommt bitte schön vor Ebene 1?
Gruß in die Runde
Gott des Aufbruchs, sei mit mir unterwegs zu mir selbst, zu den Menschen, zu dir.
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Noch mal kurz

Beitragvon Protestant » 26.07.2005, 09:52

Mein liebe cello,

noch mal kurz, denn dann muß ich los :wink: .

Genau, aus dem trüben Teich fischen und nicht Chemikalien in den Teich kippen, damit der Teich klar wird ..., aber die Fische tot sind :roll: :roll: :roll: .

Natürlich gibt es soviele Wahrnehmungen, wie es Menschen gibt. Aber was bedeutet für Dich diese Wahrnehmung:

Geschwist:"Also das hat mir sehr wehgetan, was Du da gesagt hast, denn schau mal aus "dem und dem Grund" habe ich das so gemacht und ich habe das intensiv geprüft und ich fühle, dass das richtig war."

Seelsorger:"Nee, nee mein Lieber, da hast Du mich nicht verstanden. Du machst aber aus allem ein Problem. Freu dich doch lieber und laß das Negative "außen vor". Du verbaust Dir noch die Seligkeit, mit Deiner Art. Du mußt Deine Grundhaltung ändern."

Sehr plakativ, aber tausendemale in Predigten und abertausendemale in Seelsorgegesprächen passiert. Und das ist wirklich kein Zufall und/oder menschliche Schwäche, sondern Programm in unserer Kirche; allerdings nicht nur dort.

Nicht die Menschen scheinen in der NAK im Vordergrund zu stehen, sondern das System. Das System ist schon selig, also kannst Du nur im System selig werden. Außerhalb gibt es keine Seligkeit. So kann man Exklusivität auch begreifen und mit vollkommen irren Axiomen einen in sich logischen Schluß bauen.

Das ist der kleine aber feine Defekt in unserer Kirche. Aber letztendlich löst er all unsere Verdrückungen durch diesen Trugschluß aus.

Das einzig zulässige Axiom ist Jesus Christus. Dieser wird aber nicht wirklich in unsere Kirche hereingelassen, sonst gäbe es das vorgenannte "Rollenspiel" sicher nur hin und wieder, nicht aber als "System".


Ich grüße Dich ganz lieb, Dein
Protestant

P.S.: ... von wegen ganz kurz ... :oops: :oops: :oops: ... jetzt aber hurtig ... :lol: :lol: :lol:
P.
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System

Beitragvon cello » 26.07.2005, 12:13

Werter Protestant,

solche Unterhaltungen sind einfach ätzend.
Du fragst, welche Wahrnehmung ich habe.
Das Geschwist dürfte gerne sagen, es habe sich lange diesen Weg überlegt und für richtig befunden und bitte den Seelsorger darüber nachzudenken und Verständnis zu haben.

Und der Seelsorger hatte in der geschilderten Situation wohl einen Totalausfall. Entschuldige wenn ich beinahe sage: "Typisch M..." :wink:
Unzählige Bücher wurden darüber geschrieben. (Dienen und Führen beinhaltet nichts Anderes.) Es ist ein menschlicher Defekt, keine kircheneigene Systemfalle. Als Mitmensch kann ich darauf rumhacken, mich ins Schneckenhaus zurückziehen oder versuchen, an das Innere meines Gegenübers heranzukommen.
Ein Freund sagte kürzlich, dort sei wohl die menschliche Unvollkommenheit versteckt, damit uns der Himmel überhaupt schmackhaft gemacht werden könne :lol:

Ich finde, die Tendenzen zur Besserung sind erkennbar. Wir sollten kleine Fortschritte loben...

Sommergrüße
cello
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