1. Präambel

u.a. Diskussion der Idee eine Basisorganisation in der NAK

1. Präambel

Beitragvon nassfrosch » 06.05.2003, 06:48

1. Präambel<br><br>1.1 Ziele des Diskussionspapiers<br><br>Dieses Papier will Fragen, Nöte und Ängste thematisieren, die neuapostolische Christen beschäftigen.<br>Es will helfen, auch heikle Themen offen anzusprechen und im Dialog mit der Kirche zu bearbeiten.<br>Da aus Sicht der Verfasser Offenheit und Kommunikation innerhalb der NAK noch nicht in ausreichendem Maße gelernt sind, wollen sie hiermit einen Beitrag leisten, die Gesprächskultur zu verbessern.<br>Weiterhin möchte dieses Papier zu einer Vielzahl von Feldern Anregungen geben, um die Beteiligung der Mitglieder zu fördern.<br><br>Die Autoren des Thesenpapiers identifizieren sich mit der Lehre der NAK. Sie sind sich aber auch bewusst, dass Glaube etwas sehr persönliches und ein dynamischer Prozess ist, der jeden religiösen Menschen während der verschiedenen Phasen seines Lebens immer wieder vor Herausforderungen stellt. Deshalb ist ihnen eine verbesserte Gesprächskultur nicht nur unter aktiven Glaubensgeschwistern, sondern auch zu inaktiven Geschwistern, anderen Konfessionen etc. wichtig.<br>Die Verfasser weisen darauf hin dass die Interpretation und Umsetzung der gaengigen neuapostolischen Lehre nicht zu allen Zeiten und fuer alle Menschen in verschiedenen Kulturen gleich sein kann. Viele aktuelle Fragen bleiben bisher unbeantwortet und neue entstehen, den Anspruechen und Noeten der Glaeubigen entsprechend.<br>Die daraus resultierende Unsicherheit kann nur in einem konstruktiven und unvoreingenommenen Dialog unter gleichwertigen Gespraechspartnern geklaert werden, an dem alle interessierten Glaeubigen miteinbezogen werden sollten.<br><br><br>1.2 Die NAK befindet sich in einer (frühen) Phase des Wandels<br><br>Durch eine Reihe von Faktoren ist die NAK einem zunehmenden Anpassungsdruck unterworfen:<br><br>In den europäischen Ursprungsländern haben sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erheblich verändert. Die inzwischen voll entwickelte demokratische Kultur Europas, die die Verantwortung des Einzelnen für sein privates wie gesellschaftliches Leben in zunehmendem Maße in den Mittelpunkt stellt, hat im Rahmen einer wachsenden Betonung der persönlichen Entfaltung eine fortschreitende Individualisierung herausgebildet. Hiermit einher geht eine weit reichende kritsche Würdigung überlieferter Normen und durch öffentliche Autoritäten vertretener Positionen. Für einen großen Teil der heute lebenden Europäer ist das schiere Selbstverständlichkeit. Reichte früher das Berufen auf die Autorität eines Amtes aus, um Standpunkte gegenüber den Kirchenmitgliedern zu vertreten, so werden diese Standpunkte auch in der NAK in zunehmendem Maße hinterfragt. Das Gesagte muss in sich schlüssig und "befriedigend" sein. Als Reaktionen der NAK sind hier u.a. die unter StAP Urwyler eingeführte Betonung der Eigenverantwortung und Seminarreihen zu den Themen "Dienen und Führen" sowie "Gehaltvolle Predigt" (in Vorbereitung) zu nennen.<br>Die Antworten der christlichen Konfessionen auf die oben beschriebenen Entwicklungen sind allem Anschein nach bislang offensichtlich noch nicht überzeugend genug, um der gegenwärtigen Tendenz der Abkehr vom Christentum wirklich erfolgreich entgegenzutreten. Auch die NAK bleibt hiervon nicht verschont und hat dem entsprechend Mitgliederschwund in Europa zu verzeichnen.<br>Die fortschreitende Verlagerung des geographischen Schwerpunkts nach Asien und Afrika stellen eine besondere Herausforderung für die europäisch geprägte, nach Mitgliedern aber "schwarze Kirche" dar. Hierauf antwortete die NAK z.B. mit dem Verzicht auf die eurozentristische Periodisierung der Offenbarung des Johannes.<br>Bei der Missionsarbeit in ursprünglich nicht christlich geprägten Regionen der Erde stoßen die christlichen Konfessionen zunehmend auf Widerstand. Dieser Umstand zwingt zu mehr Kooperation der christlichen Konfessionen untereinander. Auch die NAK verschließt sich dieser Erkenntnis nicht. In der Folge hat das Thema "Ökumene" zwangsläufig eine neue Aktualität bekommen. Die NAK ringt z.Zt. um eine neue Position hierzu.<br><br><br>1.3 Wirkung von Wandel<br><br>Für die einen bedeutet Wandel Verlust von Sicherheit, weil Maßstäbe ins Wanken geraten, Wahrheiten aufweichen und ist somit beängstigend. Sie können dem Wandel erst dann aus Überzeugung zustimmen, wenn mit ihm das Angebot neuer Sicherheit verbunden ist.<br>Für andere bringt Wandel etwas, was sie erhofft und vielleicht auch erwartet haben. Aber nicht immer bedeutet die Erfüllung des Gewünschten etwas uneingeschränkt Erfreuliches. Mitunter entsteht erst durch den Wandel das Bewußtsein dafür, das etwas nicht so war, wie es hätte sein sollen. Es entsteht Ärger, dass die Veränderung spät kam, dass man etwas mit aller Macht als richtig akzeptieren wollte, und nun sehen muss, dass es nicht richtig war. Die Vorstellung, es sich womöglich über Jahre viel zu schwer gemacht zu haben, ist belastend.<br>Erlittene Verletzungen sind nicht verheilt, auch wenn denen, die verletzt haben, längst vergeben wurde.<br>Auch dann, wenn die strukturellen Ursachen dieser Verletzungen ausgeräumt sind und Wiederholungen nicht mehr vorkommen.<br>Auch dann, wenn es sich um Einzelfälle gehandelt hat und Maßnahmen ergriffen wurden.<br><br>1.4 Reden über das, was nicht gut war oder ist<br><br>Der Austausch über Faktoren, die Unruhe, Unzufriedenheit, Enttäuschung oder Nöte ausgelöst haben oder noch auslösen, ist für eine lebendige Gemeinschaft von herausragender Bedeutung: Es hilft jedem einzelnen Betroffenen, sich wieder besser aufgehoben zu fühlen. Es nützt aber zugleich allen, indem aus der Vergangenheit für die Zukunft gelernt wird.<br>Schweigen schafft Unklarheit und muss daher überwunden werden.<br>Das erfordert aber viel Mut auf allen Seiten. Für Amtsträger, weil heikle Punkte berührt werden und die ohnehin hohe Belastung noch zunimmt. Für Geschwister, weil sie erst lernen müssen, zwischen konstruktiver und destruktiver Kritik zu unterscheiden. Und weil sie lernen müssen, ihre Schwächen als (Lebens-)Aufgabe anzunehmen.<br>Wer auch für seinen Zweifel und seine Schwächen einen verständnisvollen, aufrichtigen Ansprechpartner hat, ist aufgehoben.<br><br>Der Zweifel insofern er Fragen aufwirft, die bisher nicht befriedigend beantwortbar sind, ist nicht wegzudiskutieren. Man kann ihn nicht ueberwinden, indem man behauptet, er sei nicht existent. Auch seine Verteufelung macht insofern keinen Sinn, da alle grossen und kleinen Veraenderungen ausgingen von Menschen mit Zweifel am bisher Bestehenden. Sowohl die Gruender der KAG als auch spaeter die ersten Gemeinden der neuapostolischen Kirche hatte ihre Zweifel am Bestehenden und haben ihn als nutzbringenden Antrieb verstanden um Neues zu schaffen. Selbst Jesus hat sich als Zweifler hervorgetan und das bestehende System kritisiert.<br>Daher ist sowohl der Zweifel als auch Kritik mitnichten zu verdammen sondern sollte als positive Kraft zu Verbesserung und zur Wahrheitssuche begriffen werden.<br><br>Vor allen Dingen ist Demut angebracht und das Bewusstsein, dass man sich auf einem Weg befindet, auch in geistiger Hinsicht. Jegliche vollmundige Verkuendigung in der Vergangenheit fuehrte schliesslich zu unhaltbaren Situationen, die die NAK manchmal an den Rand des Abgrundes fuehrte und viele Glaeubige in Gewissenskonflikte stuerzte. Das freimuetige Bekenntnis zur Unvollkommenheit in der Erkenntnis waere der erste Schritt die Fehler der Vergangenheit zu ueberwinden.
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1. Präambel

Beitragvon user_102 » 06.05.2003, 09:29

Hallo nassfrosch,<br>ich nehme an, Verbesserungsvorschlaege koennen diskutiert werden.<br>Du schreibst:<br>>>Die Verfasser sind sich auch darüber im Klaren, dass nur der Kern der neuapostolischen Lehre klar formuliert ist und dass über einen Großteil der Lehre Unsicherheit herrscht. ("Einerlei Glaube und Erkenntnis" ist also bei Weitem noch nicht erreicht.<<<br><br>Diesen Teil halte ich insofern fuer kritisch, weil die Absicht erkennbar ist, dass die Verfasser zur Einheit in Glaube und Erkenntnis beitragen wollen. <br>Wie kann den die Einheit nur geschaffen werden? Indem sich eben einer hinstellt und sagt, so ist es. Das wird doch genau als der grosse Verdienst des Stammapostelamtes dargestellt, dass durch ihn die Einheit hergestellt wurde. Wie das aber in der Realitaet aussieht, naemlich dass Abweichler zurechtgewiesen und ausgeschlossen werden, ist doch allgemein bekannt. Eine Einheit ist zugleich eine Aufgabe von verschiedenen Auffassungen und damit ein Verzicht auf Dialog. Was wir aber wollen ist Dialog.<br>Sonst wird es wieder so wie die vielen Fragestunden der Apostel oder des Stammapostels, dass Fragen zwar beantwortet werden, aber eben wieder "von oben herunter". Das hatten wir schon.<br><br>Also waere an dieser Stelle aus meiner Sicht angemessener:<br><br>Die Verfasser weissen darauf hin dass die Interpretation und Umsetzung der gaengigen neuapostolischen Lehre nicht zu allen Zeiten und fuer alle Menschen in verschiedenen Kulturen gleich sein kann. Viele aktuelle Fragen bleiben bisher unbeantwortet und neue entstehen, den Anspruechen und Noeten der Glaeubigen entsprechend.<br>Die daraus resultierende Unsicherheit kann nur in einem konstruktiven und unvoreingenommenen Dialog unter gleichwertigen Gespraechspartnern geklaert werden, an dem alle interessierten Glaeubigen miteinbezogen werden sollten.<br><br>>>Denn der, der weder Zweifel noch Schwächen zu haben glaubt, ist nicht zwingend der bessere Christ.<<<br>wuerde ich auch etwas ausbauen, zum Beispiel mit:<br><br>Der Zweifel insofern er Fragen aufwirft, die bisher nicht befriedigend beantwortbar sind, ist nicht wegzudiskutieren. Man kann ihn nicht ueberwinden, indem man behauptet, er sei nicht existent. Auch seine Verteufelung macht insofern keinen Sinn, da alle grossen und kleinen Veraenderungen ausgingen von Menschen mit Zweifel am bisher Bestehenden. Sowohl die Gruender der KAG als auch spaeter die ersten Gemeinden der neuapostolischen Kirche hatte ihre Zweifel am Bestehenden und haben ihn als nutzbringenden Antrieb verstanden um Neues zu schaffen. Selbst Jesus hat sich als Zweifler hervorgetan und das bestehende System kritisiert.<br>Daher ist sowohl der Zweifel als auch Kritik mitnichten zu verdammen sondern sollte als positive Kraft zu Verbesserung und zur Wahrheitssuche begriffen werden.<br><br>Vor allen Dingen ist Demut angebracht und das Bewusstsein, dass man sich auf einem Weg befindet, auch in geistiger Hinsicht. Jegliche vollmundige Verkuendigung in der Vergangenheit fuehrte schliesslich zu unhaltbaren Situationen, die die NAK manchmal an den Rand des Abgrundes fuehrte und viele Glaeubige in Gewissenskonflikte stuerzte. Das freimuetige Bekenntnis zur Unvollkommenheit in der Erkenntnis waere der erste Schritt die Fehler der Vergangenheit zu ueberwinden.<br><br>Gruss Oli
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Beitragvon user_102 » 16.05.2003, 09:28

Hallo ... Hallo ... allo<br> Ist da jemand? ... jemand ...emand<br><br>Ich kann mich erinnern, dass einige Feuer und Flamme waren, sich hier einzubringen. Jetzt wird nicht mal mehr drueber diskutiert und bald ist der Kirchentag da.<br>Also was ist los? Keine Antworten mehr? Kocht jeder an seiner eigenen Suppe? :rolleyes:<br>Fragende Gruesse von Oli
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Beitragvon Wahrheitssucher » 16.05.2003, 11:53

Hi Oli,<br><br>ja da ist noch jemand.<br><br>Du weißt doch, ich schreibe, schreibe, schreibe.<br><br>Nassfrosch Frank muß sich jetzt bald mal melden, gell?<br><br><br>Viele Grüße vom Thesenpapierschreiberling ;)
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Beitragvon nassfrosch » 25.05.2003, 21:22

ich nehme an, Verbesserungsvorschlaege koennen diskutiert werden.
<br><br><br>Lieber Oli,<br><br>entschuldige bitte, dass Du so lange auf eine Reaktion warten musstest.<br><br>Natürlich sind Verbesserungsvorschläge willkommen.<br><br>Du bemängelst vollkommen zu Recht meine Formulierung ""Einerlei Glaube und Erkenntnis" ist also bei Weitem noch nicht erreicht". Da kommt zu wenig heraus, was eigentlich gemeint war.<br><br>Mit der Anmerkung wollte ich in der Tat nicht sagen, dass "ex kathedra" zu verkünden sei, was ein für alle Mal zu glauben ist.<br><br>Mich stört eigentlich eher der Umstand, dass häufig nicht ausreichend klar ist, zu welchen Themen es eine offizielle Auffassung gibt, wie diese zur Zeit aussieht und bei welchen Punkten das nicht der Fall ist.<br><br>Zwar wird es oft als Vorteil angesehen, dass in der NAK eben nicht alles zementiert ist, allerdings sticht das Argument nur teilweise, weil auf den unteren Ebenen je nach Gusto dann doch manches zementiert werden kann.<br><br>Jedenfalls ist Deine Formulierung viel klarer. Deshalb habe ich sie gerne in den Text aufgenommen.<br><br>Gleiches gilt für Deinen ausführlichen Beitrag zum Thema "Zweifel".
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