Predigt aus der "Fernsehkanzel"

u.a. Diskussion der Idee eine Basisorganisation in der NAK

Predigt aus der "Fernsehkanzel"

Beitragvon Gaby » 06.09.2003, 11:31

aus der Arche<br><br>TV - Sendung vom 31.08.2003 <br><br>Glaube und Gewissen<br><br>Von Pastor Wolfgang Wegert © <br><br>Predigttext: "Laßt uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Glaubenszuversicht durch Besprengung der Herzen, los vom bösen Gewissen." Hebräer 10, 22<br><br>Wir wollen uns heute mit der Frage beschäftigen, was es bezogen auf unser Gewissen bedeutet, täglich aus dem Glauben zu leben. Manche Christen leiden beständig unter einem schlechten Gewissen. Natürlich gibt es auch solche, die "ein dickes Fell" haben und die nichts, aber auch gar nichts beunruhigt. Da kann man predigen, daß sogar Feuer vom Himmel fällt, und auch das tangiert sie nicht. Bei anderen dagegen braucht man nur anzudeuten: "Tue das Gebot des Herrn", und schon machen sie sich Sorgen, daß sie gefehlt haben, weil sie ein äußerst sensibles Gewissen haben und sich über alles mögliche Gedanken machen. <br><br>Der Segen des Evangeliums liegt der Bibel nach darin, daß es ein gutes Gewissen schenkt. Das Evangelium und ein gutes Gewissen gehören zusammen. Oder anders gesagt: Wer ein schlechtes Gewissen hat, hat das Evangelium noch nicht richtig verstanden. Entweder verdirbt dein schlechtes Gewissen das Evangelium, oder das Evangelium verdirbt dir dein schlechtes Gewissen. Petrus erklärt uns: "Die Taufe ist die an Gott gerichtete Bitte um ein gutes Gewissen" (1. Petrus 3,21). Luther übersetzt: "...der Bund eines guten Gewissens." Und in Hebräer 10, 22 fordert der Schreiber des Briefes auf: "Laßt uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Glaubenszuversicht durch Besprengung der Herzen, los vom bösen Gewissen." <br><br>Christen sollen also los sein vom bösen Gewissen, und sie haben auch kein schlechtes Gewissen, wenn sie aus dem Glauben und im Vertrauen an den Sohn Gottes leben. Der Apostel Paulus schreibt an Timotheus: "Dieses Gebot vertraue ich dir an, mein Sohn Timotheus, damit du den Glauben und ein gutes Gewissen bewahrst" (1. Timotheus 1,18). Beides hängt zusammen. Wer den Glauben bewahrt, bewahrt auch ein gutes Gewissen, und wer ein gutes Gewissen bewahrt, bewahrt den Glauben. Darum:<br><br>Aus dem Glauben leben bedeutet, ein gutes Gewissen zu haben<br><br>Der Glaube lebt aus der Gnade und nicht aus der Verurteilung des Gesetzes. Wenn wir Gottes Gebot übertreten, verurteilt das Gesetz uns, und wir haben ein schlechtes Gewissen und Angst vor der Gerechtigkeit Gottes. Ich rede natürlich jetzt von Christen.<br><br>Die Ungläubigen lassen sich durch das Gesetz Gottes innerlich nicht strafen, denn sie kennen es gar nicht. Darum haben sie beim Lügen und Stehlen und Ehebrechen höchstens noch ansatzweise ein schlechtes Gewissen. Ihr Gewissen ist vom Gesetz Gottes her uninformiert und darum abgestumpft. Man sagt auch: Die Leute haben kein Gewissen. Woher kommt das? Sie haben den Maßstab, den Gott gesetzt hat für die Prägung unseres Gewissens, verworfen. Deshalb braucht man sich über die zunehmende Gewissenlosigkeit in unserer Zeit auch gar nicht zu wundern.<br><br>Als ich vor einiger Zeit im Krankenhaus war, hatte ich einen Mitpatienten, der mit mir unsere Fernsehsendung ansehen wollte. Darin ging es auch um Sünde und die Notwendigkeit der Vergebung. Als ich "Amen" gesagt hatte, schaltete er die Sendung aus und sagte: "Herr Wegert, nicht daß Sie denken, ich wäre ein Sünder. Ich habe niemandem etwas Böses getan." Das war seine Überzeugung." Dann habe ich noch mit ihm darüber geredet. Wilhelm Busch antwortete einmal solchen "anständigen" Sündern: "Ich gebe Ihnen nun eine halbe Minute Zeit. Dann beantworten Sie mir die Frage, ob Sie wirklich unwiderruflich bis in alle Ewigkeit auf jegliche Vergebung verzichten wollen, weil Sie sie Ihrer Meinung nach ja sowieso niemals brauchen." Nun wurde es den Leuten doch ziemlich mulmig, weil jeder eigentlich weiß, daß er gesündigt hat. Und trotzdem verdrängen die Leute ihre Schuld. <br><br>Es ist aber nicht so, daß die Menschen, die aus Unwissenheit über Gottes Gesetz ohne Gewissen sind, nicht von Gott verurteilt und verdammt würden. Nicht, daß jemand denkt: "Ich habe den Maßstab für das Gewissen nicht, weil ich das Gesetz Gottes nicht kenne, denn ich bin ja nicht christlich erzogen worden. Und ich will es auch gar nicht kennenlernen, denn wenn ich es nicht kenne und demzufolge auch kein Gewissen habe, kann mich auch niemand nach dem Gesetz verurteilen." Schon der Volksmund sagt ja: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht." <br><br>Von Natur aus kennt jeder das Wesen des Geistes Gottes<br><br>Der Apostel Paulus formuliert das so: "Welche ohne Gesetz gesündigt haben, die werden auch ohne Gesetz verlorengehen, und welche unter dem Gesetz gesündigt haben, die werden durch das Gesetz verurteilt werden" (Römer 2,12). Das ist nicht ungerecht, denn wenn sie das geschriebene Gesetz Gottes auch nicht als Maßstab für ihr Gewissen haben, haben sie doch von Natur aus ein Stück des Gesetzes in ihrem Herzen, auch ohne die Formulierung des buchstäblichen Gesetzes je gehört zu haben. Wenn z. B. jemand noch nie das Wort gehört hätte: "Du sollst nicht töten", weiß er doch von seiner Schöpfung her, daß es nicht recht ist, einen anderen umzubringen. <br><br>Paulus sagt in Römer 2, 14-15, daß jeder von Natur aus das Wesen des Gesetzes Gottes kennt. Aber der Mensch schlägt sein Gewissen tot. Er soll aber nicht glauben, daß er dann den Unschuldigen spielen kann. Ob du das Gesetz Gottes kennst oder nicht, du wirst auf jeden Fall durch dasselbe gerichtet werden. Denn Gott hat es durch die Schöpfung in das Herz der Menschen gesetzt und auch durch das geschriebene Wort. So ist das Gesetz Gottes auf jeden Fall die Grundlage für Sein göttliches Gericht – für diejenigen, die es kennen, und auch für die, die es nicht kennen. <br><br>Aber wieder zurück zu den wiedergeborenen Christen. Sie kennen das Gebot und den Willen Gottes. Deshalb haben sie ein schlechtes Gewissen, wenn sie es übertreten. Auch der Heilige Geist mahnt und straft sie, Er wühlt sie auf und macht sie unruhig. Gott klagt einmal, daß es Christen gibt, die zu Seinem Volk gehören, die sich aber von Seinem Geist nicht strafen lassen. Und dieses böse Gewissen ist wie der Schmerz des Leibes. Ist Schmerz etwas Gutes?<br><br>Ich hörte von jemandem, der zum Arzt ging. Dieser mußte ihm dann leider mitteilen: "Sie haben Krebs im Endstadium." Der Patient konnte diese Diagnose gar nicht glauben, und er fragte nach: "Aber das kann doch gar nicht sein, ich habe doch nie Schmerzen oder irgendwelche Beschwerden gehabt!" "Ja," antwortete der Arzt, "das ist das Heimtückische an diesen Tumoren." Daraufhin erwiderte der Kranke: "Wenn ich das doch bloß vorher irgendwie gespürt hätte!"<br><br>Die gleiche Funktion hat auch das Gewissen. Langfristig gesehen ist es natürlich nicht gut, ständig ein schlechtes Gewissen zu haben, ebensowenig wie es gut ist, ständig unter Schmerzen zu leiden. Ich hatte schon einmal Nierensteine und dadurch bedingt furchtbare Schmerzen. Aber ich bin froh, daß ich durch die Schmerzen die Krankheit bemerkt habe. Als die Steine weg waren, war auch der Harnfluß wieder frei. Ansonsten hätte ich wohl eine Rückstauniere bekommen und hätte die Niere dadurch wahrscheinlich verloren. So aber zeigte mir der Schmerz rechtzeitig die Krankheit an. <br><br>Aus demselben Grund, aus dem Gott den Schmerz gibt, gibt Er auch das schlechte Gewissen. Auf Dauer möchte Er nicht, daß du aufgrund eines belasteten Gewissens ständig Seelenschmerzen hast. Aber Er gibt das schlechte Gewissen doch, damit du merkst, daß in deiner Seele etwas nicht stimmt. Dann aber sollst du los sein vom bösen Gewissen, und du darfst eine hohe Lebensqualität genießen durch ein gutes und gereinigtes Gewissen. Halleluja!<br><br>Mit körperlichen Schmerzen geht man zu irdischen Ärzten und natürlich auch im Gebet zu Jesus. Aber mit den Seelenschmerzen und mit der inneren Unruhe aufgrund von Sünde und Übertretung kann man nur zu dem großen Arzt und Psychologen Jesus Christus gehen. Bei Ihm kannst du dein böses Gewissen loswerden, indem du dem Werk Christi am Kreuz von Golgatha vertraust.<br><br>Wer aus Glauben lebt, geht mit den Übertretungen täglich zum Kreuz<br><br>Je mehr ein Christ mit Jesus lebt und je mehr er Gottes Wort kennenlernt, desto sensibler wird er - und desto mehr schätzt er das vergossene Blut Jesu und lebt täglich aus der Buße und der Vergebung. Er glaubt, daß alle seine Sünden um Christi willen bedeckt sind. Der Glaubende, der um seine Missetaten weiß, lebt dennoch nicht mit einem schlechten Gewissen, denn das Blut und die Gerechtigkeit Jesu Christi schützen ihn. So ist er frei vom bösen Gewissen. <br><br>Leider gibt es dennoch viele Christen, die diese Botschaft der Bibel noch nicht richtig erfaßt haben und die sich ständig mit Schuldgefühlen quälen, bis dahin, daß sie psychisch krank werden. Und dann sagen manchmal die Ungläubigen: "Ja, das kommt von ihrer Religion." Das liegt aber nicht am Evangelium, sondern daran, daß solche lieben Gotteskinder die Fülle des dargebotenen Heils noch nicht richtig ausgekostet haben. Du bleibst an deinen Schuldvorwürfen und an deinem bösen Gewissen hängen, und das plagt dich und plagt dich und plagt dich. Warum? Du lebst nicht aus dem Glauben und aus dem Vertrauen an den Sohn Gottes, wie Paulus es gesagt hat: "Was ich lebe in dieser Welt, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes" (Galater 2,20).<br><br>Das möchte ich noch verdeutlichen: Wir kennen das Wort aus Hesekiel 3, 18: "Wenn du den Gottlosen nicht warnst, so wird er um seiner Sünde willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern." Ich habe von Christen gehört, die sich ihr Leben lang, ja bis zu ihrem Tod, mit einem belasteten Gewissen quälten wegen dieser Schriftstelle. Denn es gab bereits verstorbene Menschen, denen sie das Evangelium noch hätten sagen sollen. Aber sie hatten es nicht getan. Darum hatten die Gläubigen nun keinen Frieden und plagten sich mit Selbstvorwürfen. So waren sie sogar durch das Wort Gottes unter einen Gewissenszwang geraten und fürchteten sich nun, was aus ihnen werden würde, wenn Gott das Blut dieser Menschen von ihnen fordern würde.<br><br>Natürlich ist es wahr: Das Gesetz Gottes verurteilt uns. Es muß uns auch verurteilen, denn es ist gerecht. Unsere Hilfe kann aber nicht darin liegen, daß wir versuchen, Gottes Gesetz zu erfüllen, das schaffen wir ja nicht. Sondern unsere Hilfe liegt darin, die Vergebung im Blute Jesu zu empfangen. Solchen Christen möchte ich auch noch sagen: Du lebst nicht aus dem Glauben, liebes Herz, sondern durch die Verurteilung des Gesetzes. Weißt du denn nicht, daß "nichts Verdammliches an denen ist, die in Christus Jesus sind" (Römer 8,1)? Lebe aus dem Glauben an das Geschenk deiner Rechtfertigung, dann bist du los vom bösen Gewissen. Dann bist du frei und psychisch gesund!<br><br>Nun gibt es auf der anderen Seite Menschen, die ihre christliche Freiheit zum Alibi für Sünde benutzen, nach dem Motto: "Dann brauche ich ja niemandem mehr Jesus zu bezeugen." Oder wenn wir z. B. im Wort Gottes lesen: "Verlasset nicht eure Versammlungen" (Hebräer 10,25). Dann gibt es Gläubige mit einem sensiblen Gewissen, die sich noch mit hohem Fieber und in äußerster Schwachheit zur Gemeinde schleppen, da sie Gottes Gebot nicht vernachlässigen möchten. Anderen aber kommt jede beliebige Gelegenheit gerade recht, um ihre Gottesdienste zu versäumen. Und sie nehmen auch sonst die Pflichten eines christlichen Lebens nicht weiter ernst. Paulus deutet ein solches Verhalten als Mißbrauch von christlicher Freiheit und fragt diese Leute in Römer 6, 1-2: "Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade um so mächtiger werde? Das sei ferne!" Wer so lebt, tritt die Gnade mit Füßen. Er kehrt das Evangelium von der Barmherzigkeit Gottes um und schlägt dem Sohn Gottes ins Gesicht. <br><br>Eine solche Haltung, die – wie Paulus es einmal sagt – unsere Freiheit zum Deckel der Boshaftigkeit werden läßt, gibt es in den Herzen wahrer Gotteskinder nicht. Denn in ihrem Innern wohnt der Heilige Geist, und der zieht wiedergeborene Christen immer zum Gehorsam. So haben sie Sehnsucht und Lust zum Gesetz des Herrn. Und wenn sie doch einmal sündigen, leben sie durch den Glauben an die Gnade Gottes und werden so wieder aufgerichtet. Wie herrlich gesund machend ist doch das Evangelium! Amen. <br><br> <br>===========================================================<br><br>Wenn mir jemand vor einigen Jahren so das Evangelium erklärt hätte, würde ich wohl auch heute noch die Gottesdienste besuchen.<br><br>Hier versucht jemand zu erklären, wie man trotz Fehlbarkeit ein fröhlicher Christ sein kann.<br>Nicht ständig niedergedrückt zu sein, wenn man aus dem Gottesdienst kommt, weil einem wieder einmal schmerzlich bewußt wird, dass man eben nicht "vollkommen" ist.<br><br>Nur mal so zum Nachdenken, dass es auch Predigten gibt, die einen befreien können.<br><br>Liebe Grüße<br><br>Gaby<br> <br><br> <br><br>Interview <br><br>Glaube und Gewissen<br><br> <br><br>Moderator Andy Mertin:<br><br>Oft erlebe ich, daß nach einem Gottesdienst sehr gewissenhafte und übersensible Christen mit einem belasteten Gewissen zu mir kommen, weil sie viel stärker auf Predigten reagieren als andere. Sie fühlen sich immer schuldig.<br><br>Pastor Wegert:<br><br>Ja, solche Leute sind wie geschaffen für das Evangelium. Diesen lieben Menschen möchten wir von ganzem Herzen sagen: Versuchen Sie, mit dem Herzen zu verstehen, was es heißt, aus dem Glauben, aus dem Vertrauen zu leben. Gott will nicht, daß Sie aus jedem Gottesdienst mit einem schlechten Gewissen nach Hause gehen. Er möchte vielmehr, daß Sie, wenn Sie durch die Predigt Sünde erkannt haben, sich dazu von Herzen stellen und Jesus bitten: "Vergib mir, Herr Jesus." <br><br>Dann aber verharren Sie nicht in dieser Gewissenshaltung, in diesem schlechten Gewissen, sondern glauben Sie an das Evangelium, daß Sie nämlich gerechtfertigt sind durch Jesus Christus und durch Sein teures Blut. Wenn Sie das tun, gehen Sie nicht mit einem schlechten Gewissen aus dem Gottesdienst, sondern mit einem fröhlichen Herzen, weil Sie aus dem Glauben leben an den Sohn Gottes, der Ihnen Ihre Versäumnisse vergibt.<br><br>Moderator:<br><br>Heißt das also, daß man sich ein dickeres Fell zulegen sollte?<br><br>Pastor Wegert:<br><br>Nein, das heißt es natürlich nicht. Es gibt allerdings auch Christen, die ein dickes Fell haben. Aber so sieht "aus Glauben leben" nicht aus. Sondern Gott möchte, daß wir uns immer ansprechen lassen und uns in jeder Predigt von Seinem Geist strafen lassen - nicht nur die sensiblen Christen, sondern auch diejenigen, die "etwas fester" gebaut sind. Er möchte, daß wir auf Sein Wort und auf Seine Ermahnungen reagieren. Aber dann darf jeder zum Kreuz Christi kommt und sagen: "Herr Jesus, vergib mir meine Schuld." Menschen mit einem dicken Fell meinen: "Ach, das geht mich nichts an." Aber das ist nicht evangeliumsgemäß. <br><br>Aus Glauben zu leben heißt vielmehr:<br><br>Lebe im Vertrauen auf das teure Blut Jesu, <br><br>durch das dir deine Sünde vergeben ist, <br><br>so daß du kein böses Gewissen mehr zu haben brauchst.<br><br>Moderator:<br><br>Ich kann mich gut daran erinnern, daß ich selbst auch eine Zeitlang ein schlechtes Gewissen hatte. Folgendes war passiert: Mein Cousin, zu dem ich allerdings keinen Kontakt hatte, war krebskrank – er hatte Leberkrebs. Und ich sagte mir selbst: "Ich muß ihn unbedingt einmal besuchen." Aber gerade an dem Tag, für den ich mir den Besuch vorgenommen hatte, erfuhr ich, daß er gestorben war. <br><br>Es traf mich wie ein Keulenschlag. Ich war fix und fertig, und mein Gewissen schlug: "Jetzt hast du es verpaßt. Er war nicht richtig gläubig, kannte Gott vielleicht gar nicht, und du hättest ihm vom Glauben erzählen müssen!" <br><br>Um es kurz zu machen: Letztendlich bin ich zu Jesus geflohen und habe Ihn angefleht: "Herr, vergib mir." Und Er hat mir vergeben. Ich durfte wieder Ruhe finden.<br><br>Pastor Wegert:<br><br>Aber welcher Zeitraum lag dazwischen?<br><br>Moderator:<br><br>Gut zwei Wochen.<br><br>Pastor Wegert:<br><br>Du hattest also zwei Wochen lang ein schlechtes Gewissen?<br><br>Moderator:<br><br>Ja, das hatte ich. Aber es war auch interessant, wie Gott mich beruhigte und wie ich Seine Gnade spürte. Das geschah zum einen dadurch, daß Er mir in meinem Herzen klarmachte, daß Er mir vergeben hatte. Zum anderen erfuhr ich dann aber auch, daß ein anderer Pastor in seinen letzten Stunden bei meinem Cousin war und noch tiefe und gute Gespräche mit ihm führen konnte. Das beruhigte mich sehr. So sorgt Gott für uns und hat Seinen Weg mit uns!<br><br>Pastor Wegert:<br><br>Aber diese Phase, in der Du 14 Tage lang mit einem belasteten Gewissen umherliefst, war natürlich eine Zeit, in der Du nicht aus dem Glauben gelebt hast, sondern durch die Verurteilung des Gesetzes. Und das ist eine große Bedrückung und bewirkt manchmal sogar Depressionen. <br><br>Manche Christen tragen das, was Du 14 Tage lang getragen hast, sogar bis an ihr Lebensende mit sich herum und können nicht einmal in Ruhe sterben. Das liegt daran, weil sie das Evangelium nicht wirklich in ihrem Herzen verstanden haben. Deshalb leben sie nicht aus dem Vertrauen, daß Jesus ihr Versagen und ihre Versäumnisse und ihre Schuld getragen hat. <br><br>Sie aber, liebe Zuschauer, dürfen los sein vom bösen Gewissen durch das Blut Jesu Christi. Das schenke Gott Ihnen!
Denn in alledem liegt der Anfang des Reiches Gottes, das entstehen soll an der Stelle, an der du stehst. Nicht irgendwo, sondern in dir selbst. (Jörg Zink)
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Gaby
 
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Predigt aus der "Fernsehkanzel"

Beitragvon Gaby » 16.11.2003, 12:43

So eine Aussage wie diese, sollte man als NAK Mitglied vielleicht auch einmal hören dürfen, um Fällen, in denen der Glaube Krankheiten verursacht, vorzubeugen.<br><br>Liebe Grüße<br><br>Gaby<br><br><br>Das Wunder der Heiligung<br><br>Von Pastor Wolfgang Wegert © <br>-----------------------------------------------------------<br><br>Predigttext: "Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer ganzes Wesen, der Geist, die Seele und der Leib, werde unsträflich bewahrt bei der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus." <br><br>(1. Thessalonicher 5,23)<br><br>Wenn wir diesen Bibelvers lesen, wird ganz klar, wer die Heiligung im Leben eines Glaubenden durchführt. Es ist Gott selbst: "Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch." Heiligung geschieht nicht von uns Menschen aus, sondern sie kommt von Gott und durch Seinen Heiligen Geist. Der gefallene Mensch, ja selbst der wiedergeborene Mensch ist nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft zu Gott zu erheben und Heiligkeit wiederherzustellen. Sondern das geht vom Herrn aus. Ein geheiligter und vorbildlicher Christ ist deshalb immer ein Werk Gottes. <br><br>Ja, nicht nur die Heiligung, sondern auch wir selbst "sind sein Werk" (Epheser 2,10). Bist du ein Gotteskind? Dann sage ich dir: Du bist Gottes Werk. Daß du den Glauben hast und ein Christ bist, daß du die Heiligung empfangen hast, ist allein das Ergebnis des Werkes Christi. "Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken" (Epheser 2,10).<br><br>Wir sind als Christen also nicht nur Gottes Schöpfungswerk, sondern auch Sein Heiligungswerk. Das ist wirklich entspannend. Deine Heiligung und Vollendung schaffst nicht du, sondern die schafft der Herr. <br><br>Wie schafft Gott die Heiligung eines Menschen?<br><br>Am Anfang steht natürlich die neue Schöpfung, die neue Geburt, die geistliche Schöpfung. Das ist die Initialzündung im Leben eines Menschen. Jesus sagt: "Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen" (Johannes 3,3; Sch). Durch die biologische Geburt erwacht der Mensch zu natürlichem Leben. Durch die geistliche Geburt erwacht er zu geistlichem Leben. Gott gibt Seinen Geist in dein und mein Herz hinein, Er gibt uns von Seiner göttlichen Natur, von Seiner göttlichen Art, von Seinem Wesen, aber zunächst wie ein Samenkorn. Noch ist nicht viel zu sehen. Aber dieses Samenkorn wächst durch den Schutz Jesu und des Heiligen Geistes. Und dann entfaltet sich etwas. <br><br>Beim Anfang eines christlichen Lebens gibt es noch einen zweiten wichtigen Aspekt, das ist die Vereinigung mit Christus. Christus kommt durch die Wiedergeburt, durch den Heiligen Geist in unser Herz hinein. Und wir werden mit Jesus eins gemacht. Das ist eine der großen, überragenden Wahrheiten der Heiligen Schrift. Wir folgen Jesus nicht, wie man vielleicht Mahatma Gandhi folgen kann, indem man sein Verhalten nachahmt. Sondern Jesus kommt in unser Herz. Wir werden durch ein übernatürliches Wunder des Heiligen Geistes – Spötter bitte ich jetzt innezuhalten, die Bibel sagt es so – mit Jesus Christus eins gemacht. Wir verschmelzen in Ihm. Deshalb sagt Paulus: "Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir" (Galater 2,20; Sch). <br><br>Eine Fernsehzuschauerin, mit der ich telefonierte, sagte zu mir: "Pastor Wegert, ich bin so froh. Ich habe Ihre Sendungen nun schon eine Zeitlang gesehen. Und ich bin ein ganz anderer Mensch geworden, seit ich mit Jesus vereinigt worden bin." Ihre Worte fand ich wunderbar. Denn sie sagte nicht: "Seit ich mich bekehrt habe", sondern: "seit ich mit Jesus vereinigt worden bin." Das trifft den Kern dieser biblischen Wahrheit sehr gut. Und es ist wichtig, daß wir das als Voraussetzung erkennen. Deswegen sagt Paulus in 1. Korinther 1,30: "Durch ihn, durch Gott, aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht worden ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung."<br><br>Dann kommt die Rechtfertigung. Da wir nun mit Christus eins gemacht worden sind, sieht Gott in uns Jesus und Seine Gerechtigkeit. Durch Seine Innewohnung, durch Ihn selbst also, sind wir vor Gott gerechtfertigt. Das ist der Stand, in dem wir sind, in dem ich bin, weil Jesus in meinem Herzen wohnt. Der Vater sieht Jesus in mir. Zwar noch nicht voll ausgestaltet. Der Christus in mir wird oft noch überdeckt von der Wegert’schen Unart. Und manchmal könnt ihr Jesus gar nicht richtig sehen. Dann bitte ich euch um Verzeihung. Aber der Vater sieht den wachsenden Samen Seiner göttlichen Natur, die Charaktereigenschaften Jesu und des Vaters werden immer mehr sichtbar. Der Vater sieht in uns schon den vollendeten, den ausgestalteten Christus. Er sieht uns schon im Zustand der Vollendung. Er weiß ja: So wird es kommen. Und deswegen sagt Er prophetisch: "Du bist gerecht" (vgl. Römer 5,19; 8,30). <br><br>Heiligung beginnt also mit: von neuem geboren, <br>vereinigt mit Jesus, gerechtfertigt aus dem Glauben<br><br>Der Herr sagt nicht: "Nun habe Ich euch einen guten Anfang gegeben. Ich habe euch auf die Straße gesetzt, und jetzt seht mal zu, daß ihr tüchtig aus eurer Kraft heraus das vollendet, was Ich angefangen habe." Nein. Vielmehr arbeitet der dreieinige Gott immer weiter an uns. Sein Werk soll noch vollendet werden. So werden wir mehr und mehr gereinigt vom Einfluß der Sünde. Christus wird immer stärker in unserem Innern, wir werden dem Wesen Jesu immer ähnlicher und werden tüchtig zu guten Werken, bis hin zur Vollendung. <br><br>Zusammenfassend können wir sagen: Heiligung hat nichts zu tun mit Selbstbesserung, mit dem allgemeinen Streben nach Werten. Sie ist nicht das Ergebnis eines selbstdisziplinierten, moralischen Menschen, der sich hohe ethische Maßstäbe setzt. Heiligung ist nichts Menschliches, sondern etwas Göttliches. Sie ist ein Wunder Gottes – ein Werk des Allerhöchsten. Warum tut Gott das? Weil: "Der in euch das gute Werk angefangen hat, der wird es auch vollenden" (Philipper 1,6; LÜ ’84). Deshalb bekenne ich: "Meine Heiligung ist Gottes Werk." <br><br>Natürlich kommt jetzt die Frage: <br><br>Welche Rolle spielt der Mensch bei der Heiligung?<br><br>Haben wir denn gar nichts damit zu tun? Die Heiligung meines Lebens und meiner Person kann ohne mich nicht stattfinden, das ist ja klar. Es ist also selbstverständlich, daß ich etwas damit zu tun habe. Aber jetzt kommt immer dieser Konflikt, den man manchmal auch in der Verkündigung hört: Die Heiligung sei zum Teil Gottes Werk, aber zum Teil auch Menschenwerk. Sie sei also eine Art "Mischwerk". Dazu sage ich ganz klar: Dem ist nicht so, sondern es ist Gott selbst, von dem gesagt ist. "Er selbst aber heilige euch durch und durch." Wer nicht völlig verstanden hat, daß Christus selbst der Garant unserer Heiligung ist, für den wird Heiligung zur Qual, zum religiösen Streß. <br><br>Und ich habe im Laufe der Jahre zu viele Christen gesehen, die diese Thematik vom Worte Gottes her nicht wirklich im Herzen verstanden hatten. So sind sie immer zwischen Gottes Gnade und eigenem Verdienst hin und her gerüttelt und geschüttelt worden und sind nie zur Ruhe gekommen. Wer die Rolle des Menschen darin sieht, daß er selbst seine Heiligung bewirken muß, der läuft ständig mit einem schlechten Gewissen umher, denn er sieht nur sein Versagen, seine Unfähigkeit, ein heiliges Leben zu führen. Er wird depressiv, und manchmal auch psychisch krank. Sein falsches Verständnis vom Evangelium heilt ihn nicht, sondern läßt ihn am Ende sogar zerbrechen. Das ist wie mit einer Medizin, die du nicht richtig anwendest. Statt zu heilen, tötet sie dich. Deshalb lies den Beipackzettel. Lies Gottes Wort, denn es ist Gottes Beipackzettel zu Seiner Medizin. <br><br>Eine tief gläubige Frau, eine absolut gottesfürchtige Seele, die meine Predigten seit einiger Zeit verfolgte, schrieb mir: "Pastor Wegert, was habe ich mich vorher abgequält, und keiner konnte mir helfen." Sie war depressiv geworden, weil sie ihre Heiligung nicht schaffen konnte. Natürlich blieb sie immer hinter dem göttlichen Standard zurück, denn kein Mensch ist vollkommen und ohne Sünde. <br><br>"Aber was erwartet die Bibel von uns?", ist nun die Frage. Haben wir Menschen keine Rolle in der Heiligung? Jesus war ja ein großartiger Lehrer. Er war sozusagen Professor der Theologie, aber Er war auch in der Lage, uns die Wahrheiten so warm und menschlich verständlich nahezubringen. Er gab uns auch dieses köstliche Gleichnis von dem Weinstock und den Reben. Da spricht Er von dem Bleiben der Rebe. Christus ist der Weinstock, und wir sind die Reben. Und Jesus lehrt uns nun, was die Rebe zu tun hat, nämlich zu "bleiben" (Johannes 15,5). Aber wenn die Rebe lebendig ist und Leben aus dem Weinstock hat, dann wird sie auch bleiben. Ich habe noch nie gehört, daß eine Rebe plötzlich versuchte, sich von dem Weinstock zu lösen. <br><br>Natürlich dürfen wir das Gleichnis Jesu auch nicht überziehen, aber wir können feststellen, daß unser Herr sagt: Dieses Bleiben ist symptomatisch, es ist charakteristisch für einen Menschen, der mit Ihm vereinigt wurde, der den Lebenssaft aus dem Wurzelstock Christus hat. Wird die Rebe dann sagen: "Oh, Weinstock, gib den Saft her. Ich muß mich beeilen"? Oder zittert die Rebe, quetscht, drückt und kämpft sie, damit sie Trauben bekommt? Das tut sie nicht, sondern sie "bleibt" einfach.<br><br>Eine unechte Rebe fällt irgendwann ab, aber ein echter, wiedergeborener Christ lebt das Leben einer solchen Rebe. Und "bleiben" heißt eigentlich nichts anderes als ruhen, als glauben und vertrauen. Wir sehen die Rebe in ihrer Hingabe. Sie muß auf keinen Fall eigene Anstrengungen unternehmen, sondern ihre Frucht entsteht einfach durch Stillesein. Wenn wir das jetzt einmal auf die Frage der Heiligung übertragen, kommen wir zu dem Schluß: Alles Leben kommt aus dem Weinstock. Man spricht ja vom "Treiben" der Rebe. Diese Triebkraft kommt aus dem Weinstock, und die Frucht, also die Heiligung, wird durch den Weinstock, durch Jesus, gewirkt. Die Rebe gibt sich letztlich nur hin. Darum heißt es: "Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein" (Jesaja 30,15; LÜ ’84). <br><br>"Aber müssen wir nicht gehorsam sein, müssen wir nicht konkret die Lüge ablegen?", höre ich jetzt jemanden flüstern. "Pastor, wir müssen doch auch etwas tun!" Dieser Einwand zeigt, daß das Wesen wahren Glaubens noch nicht wirklich verstanden wurde. Denn dieses auf Christus ausruhende Vertrauen hat eine Wunderkraft in sich. Dieses Bleiben in Ihm hat eine geheime Dynamik, eine göttliche Dynamik in sich, die uns unverkrampft und auf natürliche Weise zu guten Werken, zu wahrer Fruchtbarkeit freisetzt. Denn der uns heiligende Christus in uns ist nicht tot, die Wurzel lebt ja. Und somit handelt der Christus in uns, so daß auch wir handeln. Ehe wir uns versehen, entsteht so eine heilige Tatkraft. Aber das geschieht nicht durch deinen Aktivismus, sondern durch deine Ruhe und das Vertrauen, den Glauben, daß alles durch die Wurzel, durch Christus geschieht. <br><br>Entdecke diese Offenbarung des Evangeliums für dich persönlich, und dein Denken wird in der ganzen Frage der Heiligung verändert werden. Dann ist der fromme Kampf und die Qual, Heiligkeit nicht schaffen zu können, vorbei. Kannst du das nun durch die Gnade Gottes im Glauben annehmen, daß Jesus dich erfolgreich heiligt und in dir und durch dich Frucht schafft? Wenn das so ist, sagst du zu dir selbst: "Ach so geht das! Herr, mach bloß weiter so!" Und ehe du dich versiehst, machst du mit. Auf einmal macht es dir richtig Spaß, nicht mehr zu rauchen. Auf einmal ist es richtig beglückend, nicht mehr zu lügen – ganz einfach weil du spürst: Da ist die Heiligkeit Gottes, das Leben Gottes, der Saft des Weinstocks, der dein ganzes Leben durchdringt, und du erwartest deine Heiligung von deinem Gott. Was du tust, ist: Du vertraust deinem Herrn Jesus Christus. <br><br>Das ist das Leben aus Gott. Deine Freude ist auf einmal der Gehorsam. Vertraue also, daß Jesus es schafft. Laß das Wunder der Heiligung an dir geschehen und gib dich Jesus hin. Auf einmal merkst du, wie Gott deinen Charakter verändert hat. Du brauchst dich nicht mehr anzustrengen und zu verkrampfen wie früher, als du z. B. beschlossen hattest, deinen Fernseher aus der Wohnung zu entfernen, damit du nicht mehr so viel fernsiehst. Das mag eine Hilfe sein. Aber wenn du erlöst bist durch die heiligende Kraft Gottes, kann der Fernseher stehenbleiben, denn du vergißt ganz, daß er da ist. Du herrschst über die Sünde. Du bekommst Kraft in deinen Versuchungen, weil Christus sich durch dich auslebt. Das Geheimnis des Evangeliums ist also, daß wir durch den Geist leben und daß die Herrschaft Christi in unserem Leben ist. Dafür laßt uns Gott von Herzen danken! Amen. <br><br>Interview <br><br>Das Wunder der Heiligung <br> <br>Moderator Andy Mertin:<br><br>Wenn ein Mensch in seinem Wesen, seinem Charakter, seinen Gewohnheiten grundlegend verändert wird, dann ist das wirklich ein Wunder Gottes, etwas Übernatürliches, was wir nicht selbst erreichen können, sondern wie wir gerade in der Predigt hörten: Alleine Gott schafft es. <br><br>Pastor Wegert:<br><br>Das kann man nicht laut genug sagen. Das ist eine der großen, zentralen Botschaften des Evangeliums: Gott ist es, der uns verändert, der unseren Charakter verändert, unsere Sündhaftigkeit minimiert und Heiligkeit maximiert in unserem Leben. Nicht wir schaffen es durch den angestrengten Versuch der Selbstbesserung, durch Pädagogik, durch Philosophie und Psychologie, sondern die Schrift sagt: "Gott selbst ist der Autor und der Urheber unserer Heiligung." Um es mit Paulus zu sagen: "Wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken" (Epheser 2,10).<br><br>Moderator:<br><br>Das hört sich super an. Man ist dadurch entspannt und ermutigt dadurch. Aber die Bibel sagt doch auch: "Schaffet eure Seligkeit mit Furcht und Zittern" (Philipper 2,12). Und es steht ebenfalls geschrieben: "Jaget nach der Heiligung," – über die wir ja sprechen – "ohne die niemand den Herrn sehen wird" (Hebräer 12,14). Offensichtlich müssen doch auch wir etwas tun.<br><br>Pastor Wegert:<br><br>Diese beiden Verse nimmt man immer gern heraus aus dem gesamten biblischen Zusammenhang, wenn man eine selbstgemachte Besserung und selbstgeschaffte Heiligung erreichen will. Man vergißt dabei aber, daß alle Ermahnungen im Neuen Testament – und übrigens auch die Gebote Gottes für das Neue Testament, für die Gemeinde Jesu – doch nur vor dem Hintergrund gegeben sind, daß wir sie durch den Heiligen Geist, der in unseren Herzen wohnt, auch behalten können. <br><br>Diese beiden Verse sind also nicht ein Aufruf zu hektischem Aktivismus, sondern sie wollen sagen, daß wir durch den Heiligen Geist in die Lage versetzt werden, Gott wohlgefällig zu leben und natürlich auch nach Wohlgefälligkeit zu streben. So wie wir die Gebote nicht durch Beachtung des Buchstabens halten können, so können wir auch die Anweisungen der Apostel nicht durch Beachtung dieser Buchstaben halten, sondern die Schrift sagt: "Der Buchstabe wird uns töten." <br><br>Der Versuch, mit Gewalt und in eigener Anstrengung ein Heiligungsleben zu führen nach dem Buchstaben – das wird uns nicht gelingen, das bringt uns eher um. Deshalb betont das Evangelium immer wieder – und in diesen Zusammenhang hineingewebt muß man diese Ermahnungen verstehen: Lebt durch den Geist, wandelt im Geist. Paulus sagt: "Wenn ihr nach dem Fleische lebt, so müßt ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Geschäfte des Leibes tötet, so werdet ihr leben" (Römer 8,13).<br><br>Moderator:<br><br>Du hast ja in der Predigt auch ein gutes Beispiel gebraucht, nämlich das vom Weinstock und den Reben. <br><br>Pastor Wegert:<br><br>Das ist natürlich grandios, was unser Herr Jesus Christus uns hier anhand eines Bildes wieder so wunderbar zeigt. Da ist der Weinstock, das ist Jesus. Da sind die Reben, das sind wir. Und ohne daß wir Fachkompetenz in Sachen Botanik besitzen müssen, ist uns klar: Die Rebe ist aus sich selbst heraus niemals in der Lage, Trauben hervorzubringen, sondern sie bezieht die Kraft zu ihrer Fruchtbarkeit aus dem Weinstock. <br><br>Und nun sagt der Herr: "Ihr müßt nicht wirbeln" – ich habe im übrigen auch noch keine wirbelnde und hektische Weinrebe gesehen, die rief: "Oh, jetzt muß ich mich aber anstrengen, damit Trauben hervorkommen." Sondern Jesus sagt: "Bleiben." Das ist ihr Charakteristikum. Ruhen, vertrauen, daß ich von der Wurzel, die Jesus ist, versorgt werde. Und dann geschieht Wachstum und Fruchtbarkeit durch Stillesein und Hingabe. <br><br>Moderator:<br><br>Ich denke aber auch an die Menschen, die uns jetzt zuhören und die noch Fragen haben. Betrachten wir doch einmal ein konkretes Beispiel: Da ist ein Christ, der immer noch mit Jähzorn und mit allerlei Süchten kämpft. Er möchte frei werden und Besserung erfahren. Muß er nicht doch ein kleines bißchen selber aktiv sein? <br><br>Pastor Wegert:<br><br>Natürlich. Diesen Menschen darf gesagt werden: Das Wesen des Vertrauens in den Weinstock, in Jesus, das Wesen lebendigen Glaubens ist, daß dieser Glaube nicht tot ist, sondern daß er lebt und Früchte hat. Dieses Vertrauen in sich birgt eine geheimnisvolle Dynamik, entwickelt eine starke Tatkraft, aber nicht im Hau-Ruck-Verfahren, im künstlichen Sich-Selbst-Antreiben, sondern aus der Ruhe des Vertrauens, denn es ist ja ein übernatürliches Werk Gottes. Dadurch entsteht eine Dynamik, eine Tatkraft, eine Freude zum Gehorsam, eine Freude, diese oder jene Sünde zu lassen. Und auf einmal merkt der Betreffende: Ich bin ja ganz anders geworden, ich brauche das gar nicht mehr. Und das ist das Geheimnis, Andy. <br><br>Moderator:<br><br>Im Grunde kann man nur Gott bitten: Laß es den Menschen klar werden.<br><br>Pastor Wegert:<br><br>Weil es ein übernatürliches Werk Gottes ist. Es ist ein Wunder. Bezüglich der Veränderung Ihres Lebens, Ihres Charakters, Ihrer Wesensunart, unter der Sie wahrscheinlich selbst auch leiden, ist ein Wunder Gottes nötig, eine übernatürliche göttliche Kraft, ein Eingreifen Gottes – und Er schafft es auch! Es ist Sein Werk. Vertrauen Sie Jesus Christus!
Denn in alledem liegt der Anfang des Reiches Gottes, das entstehen soll an der Stelle, an der du stehst. Nicht irgendwo, sondern in dir selbst. (Jörg Zink)
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Gaby
 
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Predigt aus der "Fernsehkanzel"

Beitragvon Ceci » 16.11.2003, 12:54

Liebe Gaby,<br><br>tja,es gibt in der Tat recht schöne und erbaulich Predigten.<br>(auch in der NAK) Aber ab und an lese ich auch mal gerne Bücher (Münsterschwarzacher Kleinschriften z.B.) in denen ebenso schöne verzeichnet sein können.<br><br>Schade, dass ich nicht mehr Zeit habe, sonst könntest du meinetwegen zig solcher Seiten hier füllen.<br><br>Ceci
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