Virtueller Arbeitskreis Religionspädagogik

Praxistipps für die Kinder- und Jugendarbeit, Reflexion und Diskussion aller relevanten Themen

Beitragvon Anne » 05.06.2008, 07:08

Uli hat geschrieben:Frustrationen können mir die Diskussionen in diesem Forum längst nicht mehr bescheren. Ich habe lediglich die mir wichtig erscheinenden Argumente vorgetragen - nicht mehr und nicht weniger.


Lieber Uli,

wenn ich mich auch mal kurz einmischen darf: Mit deiner obigen Aussage bringst du das "Problem" m.E. auf den Punkt.

Du entziehst dich der Diskussion offensichtlich menschlich und emotional, deinen Argumenten fehlt also eine "Qualität" (Verzeihung), die unter Menschen wichtig ist und die Diskussionen Leben verleiht. Sie ist es m.E. auch, die Menschen überhaupt lernen und annehmen lässt, was an Argumenten vorgetragen wird.

Ich finde das schade, nicht aus moralischer Sicht, sondern deshalb, weil deine Argumente eine Berechtigung haben.

Ich weiß - ich weiß, dass die Haltung von "Kirchenseite" oft nicht besser ist, aber ist Sisyphos deshalb wirklich in einer so glücklichen Position? :wink:

Schöne Grüße
Anne
Benutzeravatar
Anne
 
Beiträge: 1693
Registriert: 01.08.2002, 10:12

Beitragvon Uli » 05.06.2008, 07:33

Liebe Anne,

die Bandbreite der möglichen Emotionen - was meine Person betrifft - umfasst weit mehr als Frustrationen, das kann ich dir versichern - "Gott" sei Dank!

:mrgreen:

Grüßle
Uli
Uli
 

Beitragvon Anne » 05.06.2008, 07:48

Ich weiß! Aber so ein Banausendasein hat auch seine Qualitäten, nech Uli? Bild Bild
Benutzeravatar
Anne
 
Beiträge: 1693
Registriert: 01.08.2002, 10:12

Beitragvon kindermusikbox » 05.06.2008, 08:04

Hallo in die Runde,

bevor dieser Thread komplett zerschossen wird, will ich auf das eigentliche Thema zurückkommen: Wie gelingt es, Kindern christliche Glaubensinhalte zu vermitteln, ihnen Werte mitzugeben und sie in die Gemeinden zu integrieren?

Ich bin kein Pädagoge, daher ist meine Sicht von familiären und eigenen Laien-Erfahrungen geprägt. Meine Beobachtung: Bis zum Alter von ca. 10 Jahren lassen sich fast alle Kids mit Geschichten, Rollenspielen, Singspielen begeistern – und was sie in dieser Form gelernt haben, bleibt oft auch erstaunlich gut hängen.

Schwieriger wird es in den Jahren danach, weil dann viele (nicht alle!) aus dem „Kinderschauspiel-Alter“ herauswachsen. Andererseits stelle ich immer wieder fest, dass sich auch Kinder, die scheinbar zurückgezogen sind, motivieren lassen, wenn man den richtigen Dreh findet. Die Bereitschaft, sich produktiv in die Gemeinde einzubringen, ist nämlich öfter vorhanden als man manchmal vermutet.

Musik mit Kindern im Gottesdienst kann ein Teil des Ganzen sein, aber nicht alles. Man sollte nämlich auch die mit einbinden können, die andere Talente haben. Warum also nicht mal z.B. Unterrichtsinhalte in Form eines Reli- oder Sonntagsschulprojektes als kleine PC-Präsentation aufbereiten und diese dann im Anschluss an einen (verkürzten) Sonntagsgottesdienst der Gemeinde vorstellen?

Wissensvermittlung ist wichtig, aber Kind sein als lebendiger und aktiver Bestandteil der Gemeinde mindestens ebenso. Eine wichtige Ergänzung zu den Unterrichten ist deshalb die aktive Integration der Kids in Gemeinde und Gottesdienst. Kinder brauchen Erfolgserlebnisse und Anerkennung. Das motiviert.

Liebe Grüße
Kindermusikbox
kindermusikbox
 
Beiträge: 3
Registriert: 04.10.2006, 07:20

Beitragvon Uli » 05.06.2008, 08:15

@Melanie

Ich weiche nicht aus, ich sehe lediglich keinen persoenlichen Gewinn darin, mich mit dir ueber das Thema auseinanderzusetzen.

Ok, das musst Du auch nicht...

Die Trennung zwischen Methode und Inhalt ist natuerlich paedagogisch ein alter Hut, spontan war nur meine Erkenntnis, dass es in Sesemis Beitrag um beides gehen koennte.

Du billigst mir hoffentlich zu, dass ich von Anfang an diese Trennung für notwendig angesehen und vorgenommen habe. Für mich geht es bei diesem Thema grundsätzlich "um beides" - und ich halte eine bestimmte Reihenfolge und Priorität für logisch und richtig...

Die Inhalte der typischen neuapostolischen Kinderarbeit mute ich meinem Kind sehr bewusst schon seit einer Weile nicht mehr zu.

Interessant, das ist ein sehr wertvoller Hinweis zum Thema!

Dennoch habe ich Anlass, majken oder Sesemi zu unterstellen, dass sie christliche Inhalte in positiverer Weise vermitteln, als ich es erlebt habe ...

Ich selbst unterstelle maijken und Sesemi grundsätzlich "positive Absichten" mit ihrem Engagement. Dennoch übe ich Kritik an maijkes Zielrichtung!

Christliche Inhalte, die ich meinen eigenen Kindern - aus Gründen der Wahrung einer positiven Entwicklung - nicht zumuten kann, anderen Kindern auf "positivere" Weise vermitteln zu wollen, halte ich jedenfalls für ein paradoxes Unterfangen. Was erreiche ich denn, wenn ich negative Inhalte "positiver" vermittle? Will ich anderen Kinder etwas zumuten, vor das ich meine schützende Hand halte, wenn es um meine eigenen Kinder geht? Will ich dort unterstützend mitwirken, wo ich meine eigenen Kinder vorsorglich raushalte?

An einer radikalen Kritik christlicher Werte oder Inhalte beteilige ich mich nicht, das ist derzeit fuer mich kein Thema und der Kontext motiviert mich auch nicht.

Du hast dich aber zu Wort gemeldet und eingemischt!
:wink:

Einen angenehmen Tag - trotz Wolken und Regen,

Uli
Uli
 

Beitragvon Uli » 05.06.2008, 08:16

@Anne

Ist der Ruf erst ruiniert...
:mrgreen: :wink:
Uli
 

Beitragvon maijken » 05.06.2008, 21:51

@ all:

Kurze Zwischenbilanz:

Literaturhinweise und hilfreiche Links: Einige für mich sehr interessante Hinweise – Dankeschön dafür! :D

Feedback aus den Gemeinden (positve und negative): immerhin 4, wenn ich richtig gezählt habe – Danke sehr! :D

Inhaltliche Diskussion: ging am eigentlichen Kern der Sache etwas vorbei :(

Auseinandersetzungen (auch auf persönlicher Ebene): umfangreich und wenig erbauend: :shock:'

Schlussfolgerung (vorläufig): richtiges Thema – falscher Ort. :(

Falls noch etwas kommen sollte, würde ich mich freuen , ansonsten bis soweit „Danke für das Gespräch“.

Liebe Grüße,
maijken
Benutzeravatar
maijken
 
Beiträge: 434
Registriert: 13.03.2008, 21:29

Beitragvon maijken » 05.06.2008, 21:53

@Uli,

Mir ist klar geworden, dass ich Ihrer Wortgewalt und Argumentationsmacht hoffnungslos unterlegen bin. Außerdem befürchte ich, dass ich durch den „Blick über den Tellerrand“, den Sie mir zweifellos aufgenötigt hätten, in den Grundfesten meines Glaubens und meiner Überzeugungen erschüttert worden wäre.

Diese Gefahr war mir einfach zu groß, schließlich muss ich an meine Kinder denken, die meiner Ansicht nach ein Recht auf psychisch stabile Eltern haben.

Ich hoffe sehr auf Ihr Verständnis, das ich bei Ihnen, aufgrund Ihrer zutiefst verankerten Mitmenschlichkeit, sicherlich finden werde.

Mit sehr freundlichen Grüßen,
maijken
Benutzeravatar
maijken
 
Beiträge: 434
Registriert: 13.03.2008, 21:29

Beitragvon tergram » 05.06.2008, 22:02

Liebe maijken,

ich verfolge diesen Thread von fachlicher Ahnung völlig frei, aber sehr interessiert. Dein Engagement in der Sache beeindruckt mich.

Ich fände es schade, wenn du die Diskussion aus (allerdings sehr verständlichem!) Frust abbrechen würdest. "Der Klügere gibt nach" ist einer der Gründe für die Herrschaft der Dummheit auf der Welt. Daher: Bitte nicht nachgeben.

Was hältst du von den Vorschlägen von "kindermusikbox" (5.6.08, 9.04h)?
Benutzeravatar
tergram
 
Beiträge: 9124
Registriert: 12.12.2004, 18:21

Beitragvon kindermusikbox » 06.06.2008, 07:30

Hallo nochmal,

es wäre wirklich schade, wenn dieses Thema versanden würde. Uli kann ja einen eigenen Thread zur Frage aufmachen, in wieweit Kinder durch religiöse Erziehung geschädigt werden ;-)

Mein Vorschlag: Vielleicht sammeln wir erstmal ein paar Ideen, die bereits irgendwo umgesetzt worden sind und bei den Kindern gut ankamen. Dann kann man in der Auswertung bestimmt das eine oder andere erfolgsträchtige Strickmuster erkennen...

Ich mache den Anfang:

In unserer Gemeinde bereiten die Kinder jetzt schon den Erntedank vor, indem jedes Sonntagsschulkind Kürbisse, Mais und andere Pflanzen zieht - Samen, Töpfe und Anleitung gab's in der Sonntagsschule. Das Ergebnis wird dann am Erntedank-Gottesdienst als Altarschmuck verwendet.

Hier noch ein Link, wie die Wunder Jesu den Kindern auch mal anders nahegebracht werden können:

http://cms.nak-pforzheim.de/OEtisheimer-Ferienprogramm-2003.4662.0.html?&contUid=2618

Und mit welchen Ideen habt ihr gute Erfahrungen gemacht?

Viele Grüße
Kindermusikbox
kindermusikbox
 
Beiträge: 3
Registriert: 04.10.2006, 07:20

Beitragvon Anne » 06.06.2008, 07:35

maijken hat geschrieben:Schlussfolgerung (vorläufig): richtiges Thema – falscher Ort. :(


Liebe(r) maijken,

den gleichen Gedanken hatte ich gestern auch: Dieses Thema braucht Begegnung - so wie viele andere auch. Die sind es, die wirklich weiterhelfen, ganz vor allem dann, wenn man mit Schwierigkeiten konfrontiert ist. Schon ein Telefongespräch mit jemandem, der "im Thema ist", hilft meiner Erfahrung nach mehr, als "virtuelle Beiträge".

Zu Uli, dem Banausen :wink:, noch ein paar Worte: Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Argumente der Art, wie er sie aufführt, dazu gehören. Und wie ich ihm auch schrieb: Sie haben eine (gewisse) Berechtigung. Wenn man die "Schattenseiten" der Erziehung - ich sage mal: die Erziehungsmoral - in der NAK kennengelernt hat, weiß man, wovon er spricht.
Wir müss(t)en über so etwas sprechen - ganz vor deshalb, weil viele Aktive die Erfahrung machen, dass bereits ihre Kinder überhaupt keinen Bock mehr auf "sowas" haben und für Kirche nicht mehr zu motivieren sind.

Letztlich macht wohl der Ton die Musik, aber auch da denke ich manchmal: Was erwartet man denn? Die oft heftigen Reaktionen der Kritiker sind auch nur 'Gegenreaktionen' - verstehst du, was ich meine?

Der Weg, Kritik entspannt anbringen zu könnnen ... nämlich in dem Wissen, dass sie wirklich gehört und ernst genommen wird, muss/müsste m.E. erst gefunden werden.

Deshalb: Immer erstmal "abkühlen lassen"... :wink:

Ich wünsche dir weiterhin gute Erfahrungen auf deinem Weg und Erfolg bei deinen Bemühungen.

Herzliche Grüße
Anne
Benutzeravatar
Anne
 
Beiträge: 1693
Registriert: 01.08.2002, 10:12

Beitragvon Uli » 06.06.2008, 07:38

@maijken

Mir ist klar geworden, dass ich Ihrer Wortgewalt und Argumentationsmacht hoffnungslos unterlegen bin.

Jetzt beschämen Sie mich! Ihre Unterlegenheit spricht tatsächlich aus jedem ihrer Worte...
:oops:

Außerdem befürchte ich, dass ich durch den „Blick über den Tellerrand“, den Sie mir zweifellos aufgenötigt hätten, in den Grundfesten meines Glaubens und meiner Überzeugungen erschüttert worden wäre.

Diese Gefahr sehe ich bei Ihnen allerdings nicht.

schließlich muss ich an meine Kinder denken, die meiner Ansicht nach ein Recht auf psychisch stabile Eltern haben.

Da können Sie einmal sehen, was ich meinen Kinder zugemutet habe. Inzwischen laufe ich als frustierter Agnostiker mit hohem missionarischen Anspruch durch die Welt; von psychischer Stabilität keine Spur...

Ich hoffe sehr auf Ihr Verständnis, das ich bei Ihnen, aufgrund Ihrer zutiefst verankerten Mitmenschlichkeit, sicherlich finden werde.

Ich mache mir da bei ihnen keine Sorgen, schliesslich sind Sie doch mit ihrer stabilen Konstitution mir weit überlegen. Deshalb haue ich ja so wortgewaltig um mich, aus Frustration und Hilflosigkeit, nach dem mich der Blick über meinen Tellerrand den festen Grund meines Glaubens gekostet hat. Wenn Sie mit ihrem Projekt recht erfolgreich sind, kann ich ihnen eben mal meine Kinder...

Mit noch freundlicheren Grüßen

Uli

P.S.: Ich wünsche ihnen, dass wenigsten die Verantwortlichen in der NAK einen Blick über den Tellerrand wagen, wenn Sie mit ihren Verbessergungsvorschlägen...
Zuletzt geändert von Uli am 06.06.2008, 08:49, insgesamt 1-mal geändert.
Uli
 

Beitragvon Anne » 06.06.2008, 07:39

:roll:
Benutzeravatar
Anne
 
Beiträge: 1693
Registriert: 01.08.2002, 10:12

Beitragvon Uli » 06.06.2008, 07:44

@Anne

Immer erstmal "abkühlen lassen"... :wink:

Ich werde mir einen Cuba Libre genehmigen!
8)
Uli
 

VorherigeNächste

Zurück zu Kinder und Jugendliche



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast