Virtueller Arbeitskreis Religionspädagogik

Praxistipps für die Kinder- und Jugendarbeit, Reflexion und Diskussion aller relevanten Themen

Beitragvon maijken » 03.06.2008, 09:26

ähem, ich möchte keinesfalls stören, aber vielleicht doch noch mal kurz einen Gedanken einbringen...

... und zwar zum "Leitbild Glaubensfundament"

Immer wieder findet man in den Zielsetzungen der neuapostolischen Lehrwerke und Seminare die Formulierung: „wir wollen (mit den entsprechenden kirchlichen Unterrichten) in den Kindern ein Glaubensfundament legen!“ Ich unterstelle mal die Motivation, dass man den Kindern damit eine "sichere Grundlage" ihres Glaubens vermitteln möchte. Ist ja eigenlich nicht zu beanstanden, denn, Kindern Sicherheit, in jeglicher Hinsicht, zu vermitteln finde ich eigentlich richtig.

Ich frage mich aber, ist dieses Leitbild wirklich tauglich für die religionspädagogische Arbeit?

Ein Fundament ist ein Sinnbild für etwas Statisches. Man kann etwas darauf aufbauen, aber es kann nicht mitwachsen. Für die geistliche Entwicklung eines Menschen finde ich dieses Bild eher ungeeignet. In der Entwicklungspsychologie geht man davon aus, dass das ganze Leben eines Menschen eine Entwicklungsaufgabe darstellt. Dazu würde ein organisches Bild passen. Mir fällt das Bild einer Pflanze, eines Baumes ein. Die brauchen Wurzeln. Die sollten gepflegt werden. Aber wachsen müssen sie selbst! Ein Fundament dagegen ist die Grundlage für ein Bauwerk, das andere errichten (zumindest im Kindesalter)...

Zum anderen ist dieses Ziel ja auch überhaupt nicht operationalisierbar. Ich denke, man kann sich Ziele setzen wie „Bibelkenntnisse vermitteln“, oder auch „Vertrauen in Gott vermitteln“ oder „ein positives Selbstbild aufbauen“. Aber kann man „Glauben“ lehren? Ist Glauben nicht etwas, das man „erfahren“ muss...(übrigens genauso wie „Liebe“ und „Geborgenheit“)?

Man könnte nun einwenden, was schadet schon eine solche „Vorgabe“, es kommt doch nur darauf an, was jeder (gute) Lehrer daraus macht. Dazu folgendes: wir haben eben nicht nur „gute“ Lehrer, sondern auch viele, die einfach übernehmen, was Ihnen vorgegeben wird, zum anderen wird dadurch verhindert, dass sich Sehensweisen und Einstellungen ändern können.

Damit meine ich folgendes: bei dem Leitbild des „Glaubensfundamentes“ steht das Werk im Mittelpunkt. Das Werk, das gebaut werden soll, ist ein Mensch, der irgendwann „verstanden“ hat, was zu glauben ist und seine „Kenntnisse“ dann auch anwenden kann.

Bei dem Bild der Pflanze rücke ich das Kind in den Mittelpunkt der Betrachtung. Ich muss genau beobachten, wie es ihm geht und ob es alles hat, um sich gut zu entwickeln. Manches spricht dafür, dass Religiosität eine angeborene Eigenheit des Menschen ist. Der Glaube entwicklt sich dann entsprechend der vom Kind gemachten religösen Erfahrungen.

Jesus selbst verwendet doch dieses Bild von sich und den Seinen: Ich bin der Weinstock - ihr seid die Reben - und er stellt die Kinder in die Mitte!

Dieser Perspektivenwechsel (im Bereich der wiss. RP und zumindest in der EKD schon längst vollzogen) wurde m. E. in den Lehrwerken und Unterrichtskonzeptionen der NAK (noch) nicht berücksichtigt.

Oder sehe ich das falsch? Falls ja, bitte ich um entsprechende Aufklärung.:wink:

Liebe Grüße,
maijken
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Beitragvon mel_eben » 03.06.2008, 09:29

Guten Tag, Uli,

ich kann nicht nachvollziehen, wieso du maijkens Reaktion auf deine Beitraege als arrogant empfindest. Ich lese von "Bitten" und "Vorschlaegen", selbst bei den spaeteren Beitraegen. Ausserdem finde ich es legitim, das jemand, der einen thread eroeffnet, versucht, dem Thema einen gewissen Rahmen zu geben. Ins Uferlose kommt man von alleine, wie dieses Forum zahlreich zeigt. Wenn man ueber Vegetarismus diskutieren will, geht man auch nicht (sinnvoll) in einen Thread, in dem andere Fleischrezepte austauschen.

Es bleibt dir voellig unbenommen, einen neuen thread zu eroeffnen, der auf den ersten verlinkt und dann zur Diskussion der Grundlagen herausfordert.
Das waere in meinen Augen Respekt und wirkliche Diskussionskultur, ohne dass die "freie" Diskussion deiner Position beeintraechtigt wuerde. Dass du diesen Respekt nicht aufbringst, kann eben bei durchaus als "Missionseifer" ankommen. Es mag fuer dich aergerlich sein, dass in diesem Kontext deine Ansichten nur auf begrenztes Interesse stossen, aber damit muessen wir alle in der Forenwelt hin und wieder leben.

Zum eigentlichen Thema kann ich nicht viel sagen, da ich kaum in der Kinderarbeit taetig war.

Liebe Sesemi, ich verstehe deinen hohen Anspruch, jedoch teile ich nicht die Entmutigung, die hinsichtlich einer Lehrerausbildung durch die Kirche aus deinen Zeilen klingt. Es muesste ja nicht im ersten Schritte ein umfangreiches Curriculum geschaffen werden. Auch einzelne Impulse koennten schon gute Entwicklungen anstossen, vor allem, wenn dadurch Leute "auf den Geschmack" kommen und sich persoenlich weiterbilden (z. B. durch einschlaegige Literatur). Auch die Reflexion der persoenlichen Arbeit wird sich durch solche Impulse veraendern.
Was die personellen Ressourcen angeht, meine ich, dass die Kirche selbstverstaendlich in- und ggf. externe Fachleute heranziehen und ab einem gewissen Umfang der Taetigkeit fuer ihre Arbeit bezahlen sollte.

Mit freundlichem Gruss in die Runde
Melanie
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Beitragvon Uli » 03.06.2008, 10:49

@a cappella

Und? :roll:
Uli
 

Beitragvon Uli » 03.06.2008, 10:59

Guten Tag, Melanie,

Du musst meinen "Empfindungen" nicht nachvollziehen können - und Du musst mich auch nicht belehren...

Wünsche dir im übrigen viel Weisheit bei der Kindererziehung - der religiösen und der ganz profanen. :)

Grüße
Uli
Uli
 

Beitragvon a cappella » 03.06.2008, 12:25

Tja, Uli,

ich sehe, dass Du mit Deinem Latein bereits am Ende bist, wenn es einmal in die Nähe des Kerns der Dinge kommt.
Aber ich habe das auch nicht anders erwartet.

Lass es Dir gut gehen.

a cappella
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Beitragvon Uli » 03.06.2008, 13:12

@a cappella

Wie? Und deswegen regen sich die Gemüter hier so auf?
:shock:
Uli
 

Beitragvon a cappella » 03.06.2008, 16:41

@ Uli

Ich weiß nicht, ob sich jemand "deswegen" aufregt. (Weswegen eigentlich?)
Ich sehe nur, dass Du Dich pseudointellektuell gebärdest und in Wirklichkeit einfach nur provozieren möchtest. Das würde etwaige Aufregungen auf jeden Fall erklären.
Ich beobachte aber wenig Aufregung. Und bei mir gar keine.
Warum?
Zum einen habe ich Mitleid mit Dir, da ich Deine subjektiven Erfahrungen und Empfindungen ernst nehme, auch wenn ich manches von meiner Warte anders sehe.
Zum anderen sehe ich mich da, wie öfter im Leben, in der Rolle des Baumes ...

Freundliche Grüße,
a cappella
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Beitragvon Sesemi » 03.06.2008, 18:31

mel_eben hat geschrieben:Liebe Sesemi, ich verstehe deinen hohen Anspruch, jedoch teile ich nicht die Entmutigung, die hinsichtlich einer Lehrerausbildung durch die Kirche aus deinen Zeilen klingt.


Liebe Melanie,

ich will nicht Ent-Mutigung betreiben, nur frage ich, ob Top-Down-Angebote die Akzeptanz der Basis finden, ob Fachfrauen und Fachmänner wirklich von ehrenamtlichen Lehrkräften gehört werden wollen - ich beobachte vielfach Angst vor zu viel Professionalität.

maijken hat völlig Recht mit ihrem Einwand
wir haben eben nicht nur „gute“ Lehrer, sondern auch viele, die einfach übernehmen, was Ihnen vorgegeben wird, zum anderen wird dadurch verhindert, dass sich Sehensweisen und Einstellungen ändern können.

- und gerade diese Lehrerinnen und Lehrer können vermutlich nicht durch Lehrerfortbildung im eigentlichen Sinn gewonnen werden, vielleicht jedoch durch lokale Initiativen, bei denen man sich im vertrauten Kreis trifft.

Gruß von der Trave

Sesemi
Das Normale, Wohlanständige und Liebenswürdige ist das Reich unserer Sehnsucht, ist das Leben in seiner verführerischen Banalität. (Tonio Kröger)
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Beitragvon mel_eben » 03.06.2008, 22:11

Uli hat geschrieben:Guten Tag, Melanie,

Du musst meinen "Empfindungen" nicht nachvollziehen können - und Du musst mich auch nicht belehren...

Wünsche dir im übrigen viel Weisheit bei der Kindererziehung - der religiösen und der ganz profanen. :)

Grüße
Uli


Hallo Uli,

es ist fuer mich seltsam, dass du mit einer Plaetituede (Empfinden nicht nachvollziehen) und leicht trotzig antwortest und dich zum Rest ausschweigst. Das motiviert mich nicht zur weiteren Auseinandersetzung, soll es vermutlich auch gar nicht.

Ich wuensche dir und allen Lesern einen gelassenen Tag,
Melanie
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Beitragvon mel_eben » 03.06.2008, 22:20

Liebe Sesemi,

"Angst vor zuviel Professionalitaet" gibt es hier und da, aber ebenso einen tief empfundenen Bedarf nach selbiger. Ich wuerde erwarten, dass Profis diese Aengste durch ihr Auftreten nehmen koennen. Erwachsenen kann man halt auch nichts ueberstuelpen, nicht einmal, wenn es "besser" waere. Dazu bedarf es allerdings einer zusaetzlichen Qualifikation bei den paedagogischen Profis, naemlich der im Umgang mit erwachsenen Lernern.

Sesemi hat geschrieben:maijken hat völlig Recht mit ihrem Einwand
wir haben eben nicht nur „gute“ Lehrer, sondern auch viele, die einfach übernehmen, was Ihnen vorgegeben wird, zum anderen wird dadurch verhindert, dass sich Sehensweisen und Einstellungen ändern können.
- und gerade diese Lehrerinnen und Lehrer können vermutlich nicht durch Lehrerfortbildung im eigentlichen Sinn gewonnen werden, vielleicht jedoch durch lokale Initiativen, bei denen man sich im vertrauten Kreis trifft.


Mag sein.
Ich frage mich uebrigens gerade spontan, ob das nicht eigentlich zwei separate Baustellen sind: das methodische Knowhow (Wie) und die zu vermittelnden Inhalte (Was). Fuer die erste kaemen m. E. in- und externe Fachleute in Betracht, fuer die zweite wuerden wohl nur Interne Akzeptanz finden.

Einen schoenen Abend noch,
Melanie
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Beitragvon Uli » 04.06.2008, 10:35

Hallo Melanie,

ich habe keine Lust jedesmal einen eigenen Thread zu eröffenen, damit meine Meinung andere Teilnehmer nicht stören kann (wo sind wir hier eigentlich).

Ich frage mich uebrigens gerade spontan, ob das nicht eigentlich zwei separate Baustellen sind: das methodische Knowhow (Wie) und die zu vermittelnden Inhalte (Was)

Bemerkenswerte Spontaneität! Und mir will man hier einen Maulkorb verpassen, weil ich das "methodische Knowhow" erstmal in Frage stelle, wenn zuvor nicht die zu vermittelnden Inhalte kritisch untersucht werden. Denn bitte nicht zuviel Kritik und schon gar nicht radikal, das würde unsere angestrebte "Wohlfühl-Pädagogik" womöglich ad absurdum führen. Soweit dürfen wir auf keinen Fall gehen. Wie immer scheinen echte Alternativen undenkbar und so bleibt alles beim Alten - aber wir haben uns nett unterhalten...

Grüße
Uli
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Beitragvon mel_eben » 04.06.2008, 11:04

ich habe keine Lust jedesmal einen eigenen Thread zu eröffenen, damit meine Meinung andere Teilnehmer nicht stören kann (wo sind wir hier eigentlich).


Natuerlich, du kannst auch uebers Wetter hier schreiben. Fuehl dich ganz frei.

Bemerkenswerte Spontaneität! Und mir will man hier einen Maulkorb verpassen, weil ich das "methodische Knowhow" erstmal in Frage stelle, wenn zuvor nicht die zu vermittelnden Inhalte kritisch untersucht werden.


Uli, wenn du BITTEN und VORSCHLAEGE als Maulkorb bezeichnest, ist das voellig inadaequat. Das laesst sich durch nichts rechtfertigen.

Ich kenne die Frustration, wenn man selber denkt, dass die anderen die ganz falschen Fragen stellen oder die ganz falschen Baustellen bearbeiten. Aber wie du hier die "Baustelle verlagern" willst, ist tatsaechlich missionarisch. Genau wie das, was du vermutlich scharf kritisieren wuerdest, wenn es von einem Vertreter der Kirche kaeme. Let´s agree to disagree, ich werde in das Thema keine Energie mehr investieren.

Mit freundlichem Gruss
Melanie
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Beitragvon Uli » 04.06.2008, 11:57

@Melanie

Natuerlich, du kannst auch uebers Wetter hier schreiben. Fuehl dich ganz frei.

Vielen Dank für diese Großzügigkeit! Jetzt fühle ich mich gleich schon viel besser...
8)
Ich kenne die Frustration, wenn man selber denkt, dass die anderen die ganz falschen Fragen stellen oder die ganz falschen Baustellen bearbeiten. Aber wie du hier die "Baustelle verlagern" willst, ist tatsaechlich missionarisch.

Frustrationen können mir die Diskussionen in diesem Forum längst nicht mehr bescheren. Ich habe lediglich die mir wichtig erscheinenden Argumente vorgetragen - nicht mehr und nicht weniger. Niemand muss sich gegen seine eigene Überzeugung damit auseinandersetzen.

Und schliesslich kann man einen Maulkorb auch mit einer wohlfühl-pädagogischen Methodik als BITTEN und VORSCHLAEGE verkaufen, wenn man denn einen geeignete Abnehmer findet...
:)

Im Übrigen weichst Du meiner Bemerkung zu deiner spontanen Eingebung geschickt aus! Sind wir nun beide mit unserem Latein am Ende? Wir wäre es mit "Gutdeutsch"?

Gruß
Uli
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Beitragvon mel_eben » 04.06.2008, 21:36

Uli hat geschrieben:Im Übrigen weichst Du meiner Bemerkung zu deiner spontanen Eingebung geschickt aus! Sind wir nun beide mit unserem Latein am Ende? Wir wäre es mit "Gutdeutsch"?


Ich weiche nicht aus, ich sehe lediglich keinen persoenlichen Gewinn darin, mich mit dir ueber das Thema auseinanderzusetzen. Die Trennung zwischen Methode und Inhalt ist natuerlich paedagogisch ein alter Hut, spontan war nur meine Erkenntnis, dass es in Sesemis Beitrag um beides gehen koennte.

Die Inhalte der typischen neuapostolischen Kinderarbeit mute ich meinem Kind sehr bewusst schon seit einer Weile nicht mehr zu. Dennoch habe ich Anlass, majken oder Sesemi zu unterstellen, dass sie christliche Inhalte in positiverer Weise vermitteln, als ich es erlebt habe. Das verdient in meinen Augen Wertschaetzung und ggf. Unterstuetzung. An einer radikalen Kritik christlicher Werte oder Inhalte beteilige ich mich nicht, das ist derzeit fuer mich kein Thema und der Kontext motiviert mich auch nicht.

Soweit dazu.

Einen angenehmen Abend zusammen,
Melanie
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