Wer Gott nicht kennt der braucht ihn nicht.

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Wer Gott nicht kennt der braucht ihn nicht.

Beitragvon Bruder08/15 » 07.04.2008, 20:17

.... eine Aussage die zum Nachdenken anregen soll.

Einige Menschen hat es so intensiv zum Nachdenken angeregt das eine Kinderbuch beinahe auf den Index geraten ist.

http://www.ferkelbuch.de

Gruß,
Rene'
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Beitragvon Cemper » 07.04.2008, 22:05

"Einer fragte Herrn K., ob es einen Gott gäbe.
Herr K. sagte: "Ich rate dir, nachzudenken,
ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde.
Würde es sich nicht ändern, dann können wir die Frage fallen lassen.
Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit
behilflich sein, dass ich dir sage, du hast dich schon entschieden:
Du brauchst einen Gott."

Gruß
Brecht
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Beitragvon Jesu Juva » 08.04.2008, 06:56

Moin!

Die obige Aussage könnte ich so stehen lassen, auch wenn ich persönlich sie für den (ungültigen) Umkehrschluss der Aussage "Wer (meint, dass er) Gott nicht braucht, der kennt ihn nicht" halte.

Das betreffende Buch geht aber leider einen Schritt weiter und kolportiert all jene religiösen Klischees gerade soweit verfälscht, dass ein Zerrbild entsteht -- von dem die Autoren vielleicht meinen, es träfe das Original; welches aber letztlich die Dargestellten doch genauso verletzt, als würde irgendwer ein Zerrspiegelbild von mir als "offizielles Pressefoto" ausgeben und veröffentlichen. Ob dies dann unter "Meinungsfreiheit" fällt, müssen Juristen beurteilen. Ich denke, die karikierten Religionen könnten gut über einen solchen unsachlichen, ja polemischen Angriff hinwegsehen, käme das wölfische Machwerk nicht im Schafspelz eines Kinderbuches daher.

In dem Buch wird nicht Aufklärung geleistet, sondern im Gegenteil durch Halbwahrheiten die Realität grob verzerrt. Auch das wäre an sich ja noch kein Problem -- die Springer-Presse hat mit diesem Rezept seit über 50 Jahren großen Erfolg. Gefährlich ist dies, weil Kinder in dem Alter, für welches dieses Buch gedacht ist, die dargebotene Information nicht kritisch hinterfragen können. Sie werden indoktriniert.

Insofern ist das Buch leider um keinen Deut besser als die religiöse Erziehung, die es anprangert. Ich halte es aber dagegen noch für bedeutend schlechter, denn zum Einen hält es am Ende keine Lösung für das aufgeworfene Problem bereit, zum Anderen aber gibt es den Kindern nichts, sondern nimmt ihnen sogar noch etwas.

Ohne Gott hat man vielleicht keine Angst -- aber ist Angst denn immer etwas Schlechtes? Ganz platt gesagt: Angst hindert mich daran, Dummheiten zu begehen (wie etwa, auf dem Dachfirst herumzubalancieren).* Ohne Gott (ja, allgemeiner: ohne Religion) fehlt einem aber auch etwas Essentielles: die Hoffnung auf einen tieferen Sinn in dieser Welt, in diesem Leben. Und die Hoffnung auf ein gutes Ende.

Aber das ist natürlich nur die Ansicht eines der verblendeten Menschen, die schon von Kindesbeinen an durch ihren Gottglauben verdorben wurden. :roll:

Gruß, L.

*) Ich höre schon den Aufschrei! Aber ich will hier keinesfalls einer "auf Angst gegründeten Erziehung" (religiös oder nicht) einen Freifahrtschein ausstellen. Ich meine zwar, hier nur Christentum, Judentum und Buddhismus beurteilen zu können, bin mir aber zumindest bei diesen drei Religionen ziemlich sicher, dass diese nicht auf Angst, sondern eben Hoffnung begründet sind. Zudem wird es zu allen Zeiten überall auf der Welt Eltern geben, die aus ihrer (an sich guten) Glaubensüberzeugung heraus meinen, ihren Kindern Angst machen zu müssen -- auch im aufgeklärten Humanismus! "Du willst Dein Essen nicht aufessen? Anderswo auf der Welt müssen die Kinder hungern!" Oder, ein anderes Beispiel: "Wenn Du nicht endlich lernst, selbstständig zu denken und Dinge kritisch zu hinterfragen, dann musst Du Dich nicht wundern, wenn Du eines morgens in einer Diktatur aufwachst."
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Beitragvon tar_gawan » 08.04.2008, 07:15

Das Buch hat sicher seine Berechtigung, ist aber doch recht einseitig polemisch. Es stimmt schon, dass man auch ohne Gott und ohne einen religiösen Glauben ein gutes und von hohen ethischen Maßstäben bestimmtes Leben führen kann (im Gegensatz zu weit verbreiteten christlichen Vorurteilen).

Doch es ist auch wahr, dass die Religionen nicht nur schlecht und nutzlos sind.

Es ist wohl sehr schwierig, die Thematik so in einem Kinderbuch herauszuarbeiten, dass eine nicht von Einseitigkeiten geprägte Sicht auf die Religionen vermittelt wird.

Mich persönlich würde ein anderes Buch eher ansprechen (ich habe es noch nicht gelesen): „Stollbergs Inferno“ von M. S. Salomon. Ein Religionskritiker stirbt und findet sich zu seiner Überraschung in der christlichen Hölle wieder. Dort plant er zusammen mit anderen Philosophen einen Aufstand gegen die Diktatur Gottes.
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Beitragvon Uli » 08.04.2008, 09:43

@tar_gawan

Doch es ist auch wahr, dass die Religionen nicht nur schlecht und nutzlos sind.


...und bei Adolf war nicht alles nur schlecht, meinen heute noch manche Menschen feststellen zu müssen. Sind wir wirklich noch immer bereit den hohen Preis zu bezahlen, für das vermeintlich Gute und Nützliche das repressive Systeme angeblich mit sich bringen?

Was bleibt denn von den großen Weltreligionen noch übrig, wenn man diese ihrer intoleranten und inhumanen Anteile entledigt, wenn man die elitären Elemente entfernt? Ist es nicht verachtende Polemik, wenn Christen sich über Heiden erheben und selbst über andere Christen?

Das Ferkelbuch provoziert, ist aber in meinen Augen keine Polemik...
Uli
 

Beitragvon Cemper » 08.04.2008, 09:51

Uli hat geschrieben:Was bleibt denn von den großen Weltreligionen noch übrig, wenn man diese ihrer intoleranten und inhumanen Anteile entledigt, wenn man die elitären Elemente entfernt?

Uli - was meinen Sie? Was bleibt dann?
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Beitragvon Uli » 08.04.2008, 10:12

Jedenfalls nichts, was man nicht auch ohne...
Uli
 

Beitragvon Jesu Juva » 08.04.2008, 10:16

Uli hat geschrieben:Jedenfalls nichts, was man nicht auch ohne...

Das glaubst Du... ;-)
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Beitragvon Uli » 08.04.2008, 10:18

Das meine ich... :)
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Beitragvon Cleopatra » 08.04.2008, 19:35

Hallo Jesu Juva,

Angst kann tatsächlich vor Schaden bewahren. Ich würde das als lebenserhaltende Angst bezeichnen. Doch es gibt auch die andere, die destruktive Angst. Angst die krank macht und doch sehr, sehr oft von den Kirchen (Mehrzahl) eingesetzt wurde und wird, z.B. um Menschen gefügig zu machen, ihnen Geld aus der Tasche zu ziehen, ihnen die "Freiheit" zu nehmen, ihnen Schuldgefühle einzureden, usw.

Polemik sehe ich in diesem Buch nicht, obwohl ich mir persönlich einen Gott (eine höhere, schöpferische Energie) gut vorstellen kann und will. Wahrscheinlich reden alle Kirchenleute von einem "lieben Gott", doch der wird mit Drohgebärden und Gottesstrafen übertüncht. Jede Religion vereinnahmt ihn für ihre Zwecke. Ich habe das Buch nicht gelesen (nur Ausschnitte), aber wenn es in kindgerechter Sprache dazu erziehen möchte, dass Kinder Religionen und Kirchen auch einmal kritisch hinterfragen, oder auch "in Frage stellen", so kann ich ein solches Buch durchaus begrüßen. "2000 Jahre Kriminalgeschichte des Christentums" sollten in der Erziehung von Kindern vielleicht doch nicht ganz unter den Tisch fallen. (Deschner ist aber nicht kindgerecht) Gilt nach meiner Meinung auch für andere Religionen. Den Glauben an einen wahrhaft "LIEBEN Gott", eine höhere Macht, würde ich dennoch, auch heute noch, meinen Kindern vermitteln wollen.

LG, Cleo
Jedes Phänomen, das uns bewusst wird, ist stets eine Manifestation des Geistes. [Buddha Shakyamuni, Surangama Sutra, ca. 500 v. Chr.]
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Beitragvon Cleopatra » 08.04.2008, 19:57

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Beitragvon tar_gawan » 08.04.2008, 21:56

Uli hat geschrieben:...und bei Adolf war nicht alles nur schlecht, meinen heute noch manche Menschen feststellen zu müssen.


…wie z.B. die systematische Ermordung der Juden?
:evil:

Kritik am Christentum ist sicherlich in vielerlei Hinsicht angebracht und notwendig. Aber wenn Kritik so aussieht, dass Religionen einseitig negativ dargestellt werden, ist damit niemandem geholfen – auch nicht den Kindern, für die das Buch geschrieben wurde.

Die Realität ist nun einmal nicht schwarz-weiß, sondern komplex und bunt.

Sind wir wirklich noch immer bereit den hohen Preis zu bezahlen, für das vermeintlich Gute und Nützliche das repressive Systeme angeblich mit sich bringen?


Ich bin dazu nicht bereit. Aber deswegen gleich mit dem ganzen Christentum (oder Religiösen allgemein) Schluss zu machen, erscheint mir ungefähr so sinnvoll, wie sich zu entschließen, nie mehr ein Messer in die Hand zu nehmen, weil man sich mal (oder eben auch öfter) geschnitten hat oder jemand, den man kannte, erstochen wurde.

Was bleibt denn von den großen Weltreligionen noch übrig, wenn man diese ihrer intoleranten und inhumanen Anteile entledigt, wenn man die elitären Elemente entfernt?


Eine gute Frage. Ich denke, es bleiben: Vertrauen zu einer höheren Macht, Liebe zu allen Wesen, Hoffnung auf ein Aufgehobensein.

Sicher, man kann vieles, das man gemeinhin als untrennbaren Bestandteil der jeweiligen Religion ansieht (wie Nächstenliebe, ethische Werte, eine positive Lebenseinstellung…), auch ohne Religion haben. Ich würde auch die Aussage „Wem Gott nicht fehlt, der braucht ihn nicht“ unterschreiben. Aber ich halte es nicht für hilfreich, in ähnlicher Weise gegen Religionen zu polemisieren wie fundamentalistische Vertreter derselben das schon immer in umgekehrter Richtung getan haben.

Ich zitiere einen Absatz, den Hartmut Meesmann in Publik Forum (4/2008) über das Ferkelbuch geschrieben hat:

Hartmut Meesmann hat geschrieben:Der Autor verfährt nach der Devise: Man nehme problematische Aspekte aus den Religionen und erkläre sie für des Ganze, für des Wesen ebendieser Religionen. Da werden dann Juden zu menschenverachtenden Rechthabern, Christen wegen ihrer Abendmahlspraxis zu »Menschenfressern« und Muslime zu fanatischen Höllenpredigern. Und die Geistlichen dieser drei Religionen werden schließlich auch noch in gehässiger Weise optisch dargestellt.


Übrigens: den Deschner („Kriminalgeschichte des Christentums“) gibt es voll digital bei Zweitausendeins. :-)
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Beitragvon mel_eben » 08.04.2008, 22:08

Cleopatra hat geschrieben:klick

:wink:


Hallo Cleo,

wobei zu beachten ist, dass das quasi ein Werbeartikel aus dem gleichen Lager ist.

Die SZ bietet Auszuege aus dem Buch an:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/576/162128/

Mein Eindruck: Das ist keine "Aufklaerung", sondern man appelliert an die Emotionen der Kinder, indem man sich moeglichst laecherliche Vertreter der Religionen raussucht - die es natuerlich alle SO gibt. Und zwar neben zahlreichen anderen. Aber ich bin sicher, wenn ich meinem Sohn die Bilder zeige, dann sieht er keinen Zusammenhang mit unserer Kirche. Und das ist fuer mich das Wesentliche: wie Kinder Religion in ihrer Umwelt erleben.

Zweitens faellt mir an den Auszuegen negativ auf, dass das Buch nur eine Negativ-Aussage trifft: Gott/Religion brauchen wir nicht. Aber es wird kein anderer Wert angeboten (oder habe ich etwas uebersehen?).

Mit freundlichem Gruss
Melanie
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Beitragvon Cleopatra » 09.04.2008, 04:12

Hallo Melanie,

das ist natürlich schade, wenn das Buch keine anderen Werte anbietet oder herausstellt. Dabei wäre es so einfach, wenn man solch ein religionskritisches Kinderbuch damit enden ließe, dass man darauf hinweist, dass die Ideen eines Jesus von Nazareth durchaus gut und humanistisch waren, aber............

schon mit Paulus begann das Dilemma. (z.B. Frauenfeindlichkeit)

dann haben die Kirchen es in 2000 Jahren nicht geschafft, die Nächsten-u. Feindesliebe (ihr Aushängeschild) zu vermitteln. Im Gegenteil - sie selbst beteiligten sich zu gerne an Mord-und Totschlag. (Kreuzzüge, Inqusition, Angstpredigten bis in unsere Zeit...)

bleibt noch die vage Hoffnung auf ein Weiterleben in himmlischer Herrlichkeit.(Beweise gibt es nicht) Doch sollten wir nicht vergessen, dass das Christentum nicht nur den Himmel vermittelt, sondern leider ist auch die Hölle Bestandteil des christlichen Glaubens. Nur wenige erreichen nämlich die himmlischen Freuden. Der liebe Gott einerseits, aber christliches Denken ohne den Teufel geht anscheinend auch nicht. Oder kann man Kinder christlich erziehen, ohne ihnen vom Gegenspieler Gottes zu berichten, ohne ihnen von der Hölle zu erzählen??? Das könnte dann schon mal krankmachende Angst erzeugen.

Mir persönlich gefällt ein humanistisches Weltbild und ich würde heute versuchen, meinen Kindern diese Werte zu vermitteln, allerdings mit einem mutmaßlichen Schöpfergott.

Das Wesentliche ist: Wie Kinder Religion in ihrer Umwelt erleben.........Ja, meine volle Zustimmung! Leider werden Kinder aber auch heute noch mit Terror und Krieg im Namen Gottes konfrontiert. (Spätestens im Schulalter)

Dann noch zu der Idee dieses Buch auf den Index zu setzen, wegen antisemitischer Tendenzen. Kann ich nicht nachvollziehen, denn dann müßte man das neue Testament gleich mit drauf setzen. Zudem: Es gibt gottlob Altersbeschränkungen für gewaltverherrlichende Filme und dergleichen. Kinder sollen geschützt werden. Gut so, doch ist nicht auch die Bibel in weiten Teilen grausam geschrieben und gewaltverherrlichend? Aber keiner käme hier auf die Idee, die Bibel auf einen Index zu setzen. Wieso eigentlich nicht - überspitzt und provokant gefragt?

(Ich habe jetzt nur über den christlichen Glauben geschrieben, doch gilt sicherlich vieles auch für den Islam und das Judentum)

LG, Cleo
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