Kinderbetreuung Wie ist Eure Meinung zu diesem Thema?

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Kinderbetreuung Wie ist Eure Meinung zu diesem Thema?

Beitragvon Jesse » 26.02.2007, 09:52

In der letzten Zeit häufen sich die Berichte der Zeitungen über die Meinungen zur Kinderbetreuung in Deutschland.
Die Kirchen sind an dieser Diskussion lebhaft beteiligt.

Hier ein paar Links.


http://www.sos-kinderdorf.de/portal/new ... +html.html

http://www.telegraph.co.uk/news/main.jh ... sery21.xml


http://www.kath.net/detail.php?id=16046


http://www.epd.de/index_48071.html


Welche Meinung habt ihr zu diesem Thema?
Zuletzt geändert von Jesse am 26.02.2007, 16:12, insgesamt 1-mal geändert.
Jesse
 

Beitragvon Gaby » 26.02.2007, 14:10

Hallo Engelchen,

schon über 100 Klicks und keine Antwort :shock:
Mein Besuch fährt morgen erst wieder weg, aber dann meld ich mich - versprochen.
Wir hatten das Thema zu Hause auch schon :wink:

Liebe Grüße

Gaby
Denn in alledem liegt der Anfang des Reiches Gottes, das entstehen soll an der Stelle, an der du stehst. Nicht irgendwo, sondern in dir selbst. (Jörg Zink)
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Beitragvon Vancouver » 26.02.2007, 15:42

Hallo,

vielleicht sollte man zunächst den Titel in "Kinderbetreuung" o. ä. ändern. Admin???

V.
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Beitragvon Bert » 26.02.2007, 15:58

Ich stimme Vancouver zu.

Die Änderung kann aber wohl auch 'Engelchen' vornehmen, die den Thread iniitiert hat.

Also, 'Engelchen', mal ran. :wink:

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Beitragvon Jesse » 26.02.2007, 16:12

Besser so?
:lol:
Jesse
 

Beitragvon namenlos » 26.02.2007, 19:03

Ich finde die Äußerung von Bischof Mixa mehr als nur daneben.

Es ist ein Recht der Frau zu entscheiden, ob sie nach der Geburt wieder arbeiten gehen will.
Viele Frauen sind alleinerziehend, oft reicht ein Verdienst nicht aus.

Egal wie. In der Regel ist es so, dass eine Frau nur arbeiten gehen kann, wenn es einen Betreuungsplatz gibt. Es ist doch gut, wenn dies gefördert wird.

Viele Frauen haben einen hohen Bildungsabschluss. Wer geht 13 Jahre auf die Schule, legt dann in 4 oder 5 Jahren ein gutes Studium hin - um dann nach 2 oder drei Jahren für 20 Jahre zuhause zu bleiben, damit man die 2, 3 Kinder groß ziehen kann.

Ein Betreuungsplatz hilft solchen Frauen. Sie entscheiden sich etwas leichter für ein Kind.

Nur um mal ein paar Aspekte zu beleuchten.

Wir brauchen mehr Kinder. 2,3 Kinder müsste eine Frau zur Welt bringen, um "die Art zu erhalten" - wir liegen bei 1,3. Zuwenig.

Es wäre zwar schön, wenn die Mutter zuhause bleiben kann. Und wer dies will, wo das geht: SUPER. Aber wo das nicht geht, oder wo die Frau auch mal wieder was anderes als Windeln sehen will, da ist es doch super, wenn der Staat die Voraussetzungen schafft.

Es wird ja keine Frau gezwungen: So, dass ist ihr Baby (nach der Geburt). Wir haben einen Krippenplatz, gehen sie morgen wieder arbeiten. Aber wer will, ist doch super.

Bischof Mixa hat sicher Recht: Die Familie ist der beste Rahmen zur Erziehung. Er vergisst aber auch, dass gerade dort viel Erziehungsarbeit und Förderung nicht geleistet wird. Viele Kinder haben Sprachdefizite etc. Die erhalten dann in Tageseinrichtungen eine bessere Förderung als zuhause. Wenn die Familie o.k. ist, hätte er Recht. Aber das ist heute nicht mehr immer so. Und auch unter diesem Aspekt ist der Ausbau zu begrüßen.

Es ist lustig: Viele Einrichtungen werden von der Kirche betrieben. Sie erhalten oft riesige Zuschüsse - und jetzt motzt die Kirche. Wenn die Kirche das nicht will, dann soll sie die Einrichtungen selbst nicht betreiben. Entweder ist es gut - oder schlecht.

LG
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Beitragvon Tatyana † » 26.02.2007, 21:08

Lieber namenloser Christian,
hast du auch mal den Druck bedacht, dem Frauen ausgesetzt sind? Was sie machen: eigentlich ist es verkehrt. Geht eine, trotz Kind(ern) arbeiten, ist sie eine verantwortungslose Schlampe, die ihre Kinder vernachlässigt. Geht sie, trotz Kind(ern) nicht arbeiten, ist sie eine faule Schlampe, die bloß Kinder in die Welt gesetzt hat, um sich davor zu drücken, arbeiten zu gehen.
Geht nun eine Institution wie "der Staat" hin und bietet mehr Krippenplätze, ist damit eine eindeutige Aussage verbunden. Bloß: wo sollen die ganzen Arbeitsplätze für diese Mütter herkommen? An Arbeitslosen mangelt es nun wahrlich nicht. Wie sieht es mit der Mehrfachbelastung für diese Mütter aus? Kind(er), Beruf und Familie, das ist nicht einfach unter einen Hut zu bekommen. Was ist mit den Arbeitgebern? Haben die Verständnis dafür, daß kKrippen und Kindergärten in den Ferien geschlossen sind, daß kranke Kinder ihre Mütter brauchen? Und last but not least: Kinderkrippen und Kindergärten kosten Geld. Und zwar das Geld der Eltern. Lohnt sich das also überhaupt für die jeweilige Familie auch finanziell, wenn die Mutter (früher) wieder arbeiten geht? Oder gehen für Krippen- und Kindergartenplätze, ganz zu schweige von höherer Steuerbelastung, wenn beide Partner arbeiten, so viel drauf, daß unter dem Strich wenig bis gar nichts übrigbleibt?
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Beitragvon Jesse » 26.02.2007, 21:15

Lieber Namenlos,
mit Spannung habe ich die Diskussion in den Zeitungen verfolgt.
Selbst bin ich eine verheiratete Frau und habe 3 Kinder, die demnächst gedenken erwachsen zu werden.
Berufstätig war ich in diesen 20 Jahren ebenfalls bis auf kurze Pausen immer!
Aus dieser Perspektive habe ich durchaus genügend Erfahrung um bei diesem Thema praxisorientiert mitreden zu können.

Mich stört bei der Diskussion der beiden Lager vieles.
Es hört sich so wunderbar an. Gib einfach das Kind in eine Krippe und die Sache ist geritzt.
Wie aber sieht die Realität aus?
Alle Woche ruft die Kinderkrippe die Mutter an und bittet das fiebernde Kind abzuholen, oder sie haben gerade festgestellt es hätte Läuse und darf 1 Woche nicht in die Kinderkrippe.
Da Wert auf ausgewogene Ernährung gelegt wird, werden die Eltern zu Küchendiensten herangezogen, mal ganz abgesehen von diversen Elternabenden und Gesprächen, die sich rund ums Kind drehen. (Er hatte heute keinen Stuhlgang .......)
Natürlich gibt es Sommerfeste und Weihnachtsfeiern usw......
Natürlich müssen dazu diverse Hilfsdienste geleistet und Kuchen gebacken werden.
Selbstverständlich ist auch die Mutter immer für alle Störungen der Befindlichkeit des Kindes verantwortlich.
Ganz zu schweigen davon, daß Kinder sehr unterschiedlich sind.
Manche Mitarbeiterinnen dieser Einrichtungen sind für eine solche Aufgabe nicht genügend qualifiziert.
Lösung Tagesmutter?
Das kann eine Lösung sein, wenn sie gut ist........
Im schlimmsten Fall überträgt sie zu den bestehenden noch ein paar Neuröschen mehr.
Oder noch besser ist tägliches Fast-Food.....
Oder sie läßt sich mit Mutter anreden und redet den Kindern ein, sie wäre sehr viel besser als die wirkliche Mutter. (Habe ich höchstpersönlich erlebt)
Natürlich kommen auch Katastrophenanrufe: Kind vom Baum gestürzt, Platzwunden, Operationen,usw....
Die Liste kann man endlos fortsetzen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich mir schon die Frage, wie man dieses Pensum Vollzeitjob und mehrere Kinder geregelt bekommt.
Meines Erachtens bleibt da vieles auf der Strecke.
Viele Jahre wurde die wertvolle Mutter-Kind-Bindung propagandiert. Das soll alles nicht mehr gelten?
Stillen? Ach was, die Flasche tut es auch.
Vorsorgeuntersuchungen werden in der Krippe gemacht.
Eventuell anfallende Diäten werden einfach ignoriert.
Krankenhausaufenthalte bei denen die Mutter anwesend ist? Fehlanzeige! Die muß ins Büro

Viel zu kurz kommen mir bei dieser Diskussion die Kinder, die nicht mehr Hort, Krippe oder Kindergarten besuchen. Wer hat Zeit für die kleinen Sorgen dieser? Die Nachmittagsbetreuung der Schule. Das ich nicht lache.

Was aber ist die Alternative sofern man keine liebe Oma hat, die bereit ist die lieben Kleinen zu beaufsichtigen. Diese Spezies wird aber auch immer seltener.

Tja da wären wir wieder beim Thema. Doch wieder Vollzeithausfrau, Gehülfinnen? Kopfkratz.....
Die niedrige Geburtenrate ist sicherlich nicht schön. Ob sie sich durch mehr Krippenangebote verbessern läßt? Das ist leider sehr fraglich. Siehe obiges Arbeitspensum.

Nochmals sei hierbei erwähnt. Ich war fast immer berufstätig.


@ Tatjana
Der finanzielle Aspekt kommt noch hinzu!
Krippenplätze kosten nämlich nicht wenig.


Wo bitte sind hier die Vorteile für Eltern und Kinder?
Jesse
 

Beitragvon Bert » 26.02.2007, 21:44

namenlos,

Du erwähnst den kath. Bischof Mixa.

Er war Gast am Sonntagabend bei Sabine Christiansen und sich zu den Vorwürfen gegen ihn betont sachlich und klar stellend geäussert. Die Versammelten in der Runde waren danach sehr ruhig geworden.

Die Presse hatte ihn aus dem Zusammenhang genommen zitiert und dadurch die Sache verfälscht wiedergegeben.

Ich will es kurz machen, und mit knappen Worten Bischof Mixas Meinung darstellen.

Er sei dafür, dass die Babys bis zu ihrem 3. Lj. bei ihrer Mutter sein sollten. Er respektiere allerdings die Entscheidung einer Mutter für den Beruf um die Zeit, und sei natüärlich in dem Fall auch dafür, dass ihr Kind in den ersten drei Jahren eine geeignete anderweitige Betreuung erfahre. Aber, und das sei in dem Fall aus seiner Sicht ebenso wichtig: Es müssten alle Frauen die Freiheit haben, sich in bezug auf ihr Kind/ihren Beruf so oder so zu entscheiden. Und diese Freiheit sehe er beschnitten für die Frauen, die sich für eine Arbeitspause zu Gunsten des Kleinkindes entscheiden wollten, dies aber - wie was vielfach, insbesondere bei Alleinerziehenden der Fall sei - aufgrund fehlenden Einkommens nicht können. Und da sei sein Vorschlag, solchen Müttern diese Entscheidung für das Kleinkind durch finanzielle staatliche Hilfen mehr als bisher zu erleichtern. Er befürchte aber in Anbetracht der Planung, die finanziellen Resourcen auf den Ausbau der KiTa zu verwenden, dass den vorbzeichneten Müttern nicht geholfen werde.

M. hat sich eindeutig nicht gegen die Berufstätigkeit von Müttern ausgesprochen. Im Gegenteil er respektiere den entsprechenden Wunsch der Frauen. Er meinte aber, dass die staatliche Steuerung auch diejenigen Frauen berücksichtigen solle, die einen anderen Weg gehen wollten. Es dürfe für eine finanziell schlecht gestellte Frau bei Kinderwunsch nicht nur die eine Möglichkeit geben, ihr Kind schon in den ersten 3 Jahren in einer KiTa versorgen zu lassen.

Ich halte die Stellungnahme von Bischof Mixa für ausgewogen und kann ihr zustimmen.

Leider muss auch hier festgestellt werden, dass eine 'Sensationspresse' insbesondere wegen des leider gefallenen Wortes 'Gebärmaschine' etwas flür sich aus den Äusserungen des M. machen wollte und dabei gezielt um dieses Wort bruchstückhaft und aufgebauscht verfälschte Meldungen verbreitete.

Im Licht betrachtet sieht die Sache doch schon anders aus.

LG
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Beitragvon mkoch » 26.02.2007, 23:13

ja, ein interessantes thema. ich habe nun keine drei kinder aber einen kleinen sohn, der früher bei einer tagesmutter war und heute eine ganztagesbetreuung hat. - ich habe dazu ein unverkrampftes verhältnis; er entwicklet sich prima, das letzte erziehungsgespräch ergab bezüglich sozialverhalten, bildung usw. nur sehr erfreuliche rückmeldungen.

ich war vor einigen jahren mit einer französin zusammen - wir waren beide in der kinderarbeit tätig - und konnte über sie ein bisschen die französische kultur kennenlernen. da hat die professionelle rundumbetreuung von kindern, also durch geschulte kräfte, eine lange tradition (seit 1881), eine hohe akzeptanz in der bevölkerung und eben auch den effekt, dass mütter dort arbeiten können wie sie wollen.

wenn ich manche mutter im kindergarten sehe, dann denke ich ehrlich gesagt manchmal, es wäre besser, es wäre hierzulande nicht so normal, dass kinder "zu hause" gross gezogen werden. wie oft werden kinder einfach vor den fernseher gepflanzt oder sich selbst überlassen? - da wäre eine professionelle förderung iher entwicklung bestimmt besser.

nun beschreibst du folgende situation:

Engelchen hat geschrieben:Es hört sich so wunderbar an. Gib einfach das Kind in eine Krippe und die Sache ist geritzt. Wie aber sieht die Realität aus?
Alle Woche ruft die Kinderkrippe die Mutter an und bittet das fiebernde Kind abzuholen, oder sie haben gerade festgestellt es hätte Läuse und darf 1 Woche nicht in die Kinderkrippe. Da Wert auf ausgewogene Ernährung gelegt wird, werden die Eltern zu Küchendiensten herangezogen, mal ganz abgesehen von diversen Elternabenden und Gesprächen, die sich rund ums Kind drehen. (Er hatte heute keinen Stuhlgang .......) Natürlich gibt es Sommerfeste und Weihnachtsfeiern usw...... Natürlich müssen dazu diverse Hilfsdienste geleistet und Kuchen gebacken werden.


hier muss man in deutschland sicherlich differenzieren nach "elterninitativen" und städtischen einrichtungen. in elterninitativen ist mitarbeit eher erwünscht, weil es eben die kosten senkt. in der städischen einrichtung in der wir sind, muss man dagegen schon einiges tun um eltern überhaupt zum elternabend zu bewegen ;-)

natürlich ist es mir klar, dass sich das mit meheren kindern entsprechend addiert. aber daher würde ich französische zustände eben auch begrüßen, wo die kinder eben gut betreut werden und man sich als eltern keine sorgen machen muss.

ich will im übrigen jedoch nicht dafür plädieren, dass die eltern jeweils einen vollzeit-job haben müssen. schön wäre, wenn z.B. beide 75% arbeiten. ich arbeite z.B. 4 tage die woche und behalte mir den 5 für sonderfälle oder früher gehen/später kommen auf. kinderbetreuung hat aus meiner sicht auch was mit einer umwälzung hin zu flexibleren arbeitszeiten auf dem arbeitsmarkt zu tun. schliesslich brauchen kinder nicht nur die mutter sondern auch den vater.

Viele Jahre wurde die wertvolle Mutter-Kind-Bindung propagandiert. Das soll alles nicht mehr gelten? Stillen? Ach was, die Flasche tut es auch.


ich will auch nicht dafür plädieren, dass man auf das stillen verzichten soll; das ist denke ich auch nicht der hintergedanke von verbesserter kinderbetreuung.

Viel zu kurz kommen mir bei dieser Diskussion die Kinder, die nicht mehr Hort, Krippe oder Kindergarten besuchen. Wer hat Zeit für die kleinen Sorgen dieser? Die Nachmittagsbetreuung der Schule. Das ich nicht lache.


die französische familie, die ich kennengelernt habe, hatte einen sehr liebevollen bezug zu ihren kindern. da waren keine defizite zu erkennen. im gegenteil, mir schien, dass gerade die klare betreuungssituation der kinder den kopf der eltern frei gemacht hat, für diese grossen und kleinen sorgen. im stress, den deutsche eltern haben, gehen die sicherlich mehr unter. wichtig ist hier eben wieder die ganz unterschiedliche struktur. zu meiner schulzeit hatten hortkinder etwas assoziales. heute ist das schon besser geworden. aber der wesentliche unterschied zu frankreich ist, dass es dort einfach wie selbstverständlich eine Ganztagsschule gibt. Die Kinder bekommen in den Randzeiten Hausaufgabenhilfe, wie sie Eltern sicherlich nicht leisten können oder werden durch Freizeitpädagogen zu sinnvoller Freizeitgestaltung animiert. Hier in Deutschland dominieren dagegen Gameboy und Fernsehen. Und ich merke aus eigener Erfahrung, wenn ich den Buben vom Kiga abhole und von der Arbeit komme, dann bin ich auch nicht mehr der cretivste. da schaffen wir es gerade noch in die kinderbücherei, wo ich ein käffchen trinken kann.

Ob sie sich durch mehr Krippenangebote verbessern läßt? Das ist leider sehr fraglich. Siehe obiges Arbeitspensum.


Nach meiner Erfahrung ist bei deutschen Frauen die "Angst vor dem Kinder haben" ungleich größer als bei französischen. Mir ist das auch logisch, denn wenn mir nicht einfach klar ist, wie das so laufen soll in der Zukunft, ich dazu noch weiss, dass mich die Nachbarn hassen, weil ich Kinder habe, dann fühl ich mich natürlich unsicher.

Eine gute Betreuung von Kindern hat also schon einige Vorteil. Damit will ich aber nicht abstreiten, dass es gute Hausfrauen oder -männer gibt, die ebenfalls ihre Kinder gut betreuen.
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Beitragvon namenlos » 27.02.2007, 07:27

Ich habe ein Interview von Bischof Mixa gesehen. Ich kann seine Meinung nicht teilen, weil es an der Realität vorbei geht. Klar wäre die beste „Erziehungsanstalt“ die Familie, aber dem wird sie oft nicht gerecht. Viele Kinder, die in den Kindergarten kommen, haben Defizite. Ein Zeichen dafür, dass Eltern dem nicht immer gerecht werden.

Wenn es um die Finanzierung geht, da werden die Kosten in den meisten Bundesländern doch überwiegend von Land und Kommune gedeckt: http://www.mbjs.brandenburg.de/media/lb ... lungen.pdf.
Für finanzschwache Familien gibt es die Möglichkeit, dass der Elternbeitrag übernommen wird.

Klar ist es anstrengend, das alles unter einem Hut zu bringen. Familie, Job, Kirche – oder andere Verpflichtungen. Das ist schwer. Ich kenne das selbst. Aber, das hängt nicht davon ab, ob es Plätze gibt oder nicht! Es hängt mit unserer Gesellschaft zusammen, mit den Ansprüchen, Zwängen, Leistungsdruck in der Arbeitswelt, den Anforderungen – der Überforderung – durch das tägliche Leben etc. Klar ist auch, dass im Krankheitsfall die Eltern die Betreuung übernehmen müssen. Auch in der Ferienzeit. Aber, da es ja insbesondere um Krippenplätze geht, spielt Ferienzeit für diese Kinder eine kleinere Rolle. Dass es auch schlechte Einrichtungen gibt, ist klar. Und die Erzieherin, die „Mama“….Hilfe, Horror! Aber mir hat ein Nachbar mal erzählt, dass ein Lehrer gedroht hat die Kinder im Keller einzusperren, ein extremer Angstfaktor. Aber deswegen sind Schulen nicht schlecht. Auch in der Schule fallen Stunden aus, weil Ferien, Krankheit, Hitzefrei, Schneefall etc. Aber – da ist dann nicht Schule das Problem. Klar, wenn ein Kind krank ist – oft darf es dann nicht mal in die Einrichtung – auch wenn diese wollen würden. Klar verlangt das alles viel Organisation, Toleranz von den Chefs etc. Aber das ist nicht das Problem, ob es Plätze gibt oder nicht! Klar gibt’s genug Arbeitslose und zuwenig Jobs. Aber, vermutlich gäbe es mehr, wenn es überhaupt keine Plätze für Kinde gäbe.

Das Problem, das einfach zum Teil unterschätzt wird, die Kinderzahlen gehen erheblich zurück, insbesondere aus der oberen Schicht. Ein Grund ist, dass sich diese Frauen mit hohem Bildungsabschluss und qualifizierter Ausbildung nicht für ein Kind entscheiden, weil sie dann „raus“ sind aus dem Beruf, weil sie einfach auch was anderes sehen willen. Das Selbstbild der Frau ist heute nicht mehr: Hauptsache der Mann ist zufrieden. Und das ist gut. Vielen Frauen reicht es aber deshalb nicht mehr, einfach zuhause bleiben. Betreuungsplätze erleichtern die Entscheidung für ein Kind. Hier gibt es in den westlichen Flächenländern Nachholbedarf: http://www.mbjs.brandenburg.de/media/lb ... uation.pdf.

Meiner Meinung nach wird auch verkannt, dass der Bedarf vorhanden ist. Es geht nicht darum, „leere“ Plätze zu schaffen und dann Frauen zu nötigen: Gibt Dein Kind ab und geh arbeiten. Der Bedarf ist da! Und ich finde es gut, wenn der Staat bereit ist, einem Bedarf nachzukommen und in Kinder zu investieren. Die Refinanzierung ist daneben. Von einer Umschichtung hat kaum einer was. Wenn ich durch die Umschichtung den Krippenplatz gleich selber bezahle, weil ich den staatlichen Anteil aufgrund von zurückgehenden Förderungen finanziere, dann kann ich auch gleich eine Tagesmutter nehmen.

Aber der Grundgedanke ist gut. Wir brauchen die Plätze! Für die Familien, für die Kinder, für deren Bildung und Erziehung. Und das ist – zum Teil bedauerlicherweise – Fakt.
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Deutschland - kinderfeindlich Mutterland?

Beitragvon Sesemi » 27.02.2007, 08:18

Vieles an dieser Diskussion kommt mir bekannt vor, zumal ich Erfahrungen in aktiver Frauenpolitik habe und als Mutter viele Jahre lang den Spagat zwischen Betreuungszeiten für Kinder in öffentlichen Einrichtungen und damit nicht kompatiblen Arbeitszeiten im Beruf erlebt habe.

Leider kommt hier - abgesehen von M. Kochs Beitrag - die Rolle der Väter zu wenig zur Geltung. Kindererziehung ist doch nicht ausschließlich Aufgabe der Mütter! :roll: Auch ist es Fakt, dass nicht nur Frauen bewusst auf Kinder verzichten, auch Männer verweigern zunehmend die Zeugung von Kindern. :P

Es kann doch nicht sein, dass Erziehung ausschließlich als Aufgabe der Frauen betrachtet wird.

Es kann doch nicht sein, dass Paare nur die Alternative Beruf oder Kinder haben - weil in Deutschland Familie und Beruf immer noch nicht vereinbar sind.

Es kann doch nicht sein, dass unsere Gesellschaft einerseits zu wenig Kinder hat, andererseits jedoch immer kinderfeindlicher wird und notwendige staatliche Förderung von Kindern an angeblich zu hohen Kosten scheitert.

Es kann doch nicht sein, dass Eltern, weil sie sich für Kinder entschieden haben, das höchste Armutsrisiko in dieser Republik haben.

Es kann doch nicht sein, dass Eltern, die freiwillig oder gezwungenermaßen auf Einkommen verzichten und nicht beide in einem Vollzeitjob volle Sozialbeiträge leisten können, durch ihre Erziehungsarbeit die Renten der Kinderlosen überproportional mitfinanzieren, selbst jedoch nur geringe Rentenansprüche erwerben können.

Leider ist dies alles immer noch Realität - und meist bezahlen die Frauen die Zeche. Warum erwähnt die Presse z.B., dass im Kabinett nur zwei von fünf Frauen auch Mütter sind, jedoch nicht, wie viele der männlichen Kabinettsmitglieder Väter sind?

Unsere Gesellschaft sollte sich ernsthaft fragen, warum immer mehr Frauen und Männer keine Eltern mehr sein wollen - sie haben Gründe!

Gruß von der Trave

Sesemi
Das Normale, Wohlanständige und Liebenswürdige ist das Reich unserer Sehnsucht, ist das Leben in seiner verführerischen Banalität. (Tonio Kröger)
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Re: Deutschland - kinderfeindlich Mutterland?

Beitragvon Cemper » 27.02.2007, 08:30

Sesemi hat geschrieben:Warum erwähnt die Presse z.B., dass im Kabinett nur zwei von fünf Frauen auch Mütter sind, jedoch nicht, wie viele der männlichen Kabinettsmitglieder Väter sind?

Was meinen Sie?
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Beitragvon Tatyana † » 27.02.2007, 08:54

mkoch hat geschrieben:1)wenn ich manche mutter im kindergarten sehe, dann denke ich ehrlich gesagt manchmal, es wäre besser, es wäre hierzulande nicht so normal, dass kinder "zu hause" gross gezogen werden. wie oft werden kinder einfach vor den fernseher gepflanzt oder sich selbst überlassen? - da wäre eine professionelle förderung iher entwicklung bestimmt besser.

2)schliesslich brauchen kinder nicht nur die mutter sondern auch den vater.

3)ich will auch nicht dafür plädieren, dass man auf das stillen verzichten soll; das ist denke ich auch nicht der hintergedanke von verbesserter kinderbetreuung.



ad1): Zustimmung. Leider.

ad2): Stimmt. Aber soweit sind wir in diesem unseren Lande noch lange nicht...mindestens politisch gesehen, aber häufig eben auch in den Familien selbst...

ad3): Wenn Frauen dazu gedrängt werden, soweit wie möglich direkt nach der minimalen Mutterschutzfrist wieder ins Arbeitsleben einzusteigen, weil ja ein Krippenplatz vorhanden ist, ist das ein eindeutiger Punkt gegen das Stillen. Auf die Entfernung geht sowas nun mal ganz schlecht. Und kann auch von Vätern nicht geleistet werden, bei aller angestrebten Gleichberechtigung.
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