Züchtigung von Kindern mit Bibel gerechtfertigt?

Praxistipps für die Kinder- und Jugendarbeit, Reflexion und Diskussion aller relevanten Themen

Beitragvon Sinus » 28.01.2007, 19:30

Da ich kein Pädagoge bin, kann ich sicherlich auch nicht pädagogisch antworten, dennoch sagt mir mein gesunder Menschenverstand, dass es keine Strafe für den Jungen geben kann. Der kann aus meiner Sicht die Situation nicht einschätzen, was von einer dreieinhalbjährigen eher möglich ist.
Ich denke jedoch, dass dies nichts mit den Schülern anderer Altersklassen zu tun hat.
Gruß
Gaildorfer
Sinus
 

Beitragvon hini » 28.01.2007, 20:19

Lieber Gaildorfer,
Martins sonderbare, geradezu brutale Reaktion auf den Kummer seiner Spielkameradin ist typisch für Kinder wie ihn, die seit der frühen Kindheit selbst Opfer von Schlägen und körperlichen Mißhandlungen gewesen sind. Die Reaktion steht in völligem Gegensatz zu den bei Kindern üblichen mitfühlenden Bitten und Bemühungen, einen weinenden Spielkameraden zu trösten. In Martins gewalttätiger Reaktion im Kindergarten könnten sich durchaus die Lektionen spiegeln, die er zu Hause gelernt hat, wenn er Tränen und Kummer zeigte: auf Weinen wird zunächst mit einer kurzen tröstenden Geste reagiert, aber wenn er nicht aufhört, folgen böse Blicke und wütendes Geschrei, dann Schläge und schließlich regelrechte Prügel. Das Beunruhigendste ist wohl, dass es Martin an der einfachsten Empathie zu fehlen scheint, der instinktiven Einstellung der Aggression gegen jemanden, der verletzt ist. Er zeigt mit zweieinhalb Jahren im Ansatz die moralischen Impulse eines grausamen und sadistischen Rohlings und dass wird in den Folgejahren nicht besser werden, wenn seine emotionale Intelligenz nicht gezielt gefördert wird. Dazu sind Schläge in jedem Altersabschnitt ungeeignet.
Grüße
von Hini
hini
 

Beitragvon Sinus » 28.01.2007, 20:29

Empathie (Einfühlungsvermögen) ist die Fähigkeit, sich in die Gedanken, Gefühle und das Weltbild von anderen hineinzuversetzen. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort "empatheia" für "Einfühlung" ab. Empathie impliziert, Gedanken und Gefühle des Anderen so weit wie möglich zu erkennen und aus dem Weltbild (d.h. der Sichtweise und Perspektive) des anderen zu interpretieren. Hier liegt der wirklich entscheidende Punkt: Es geht nicht darum, die Gedanken, Aussagen und Emotionen des Anderen aus einer eigenen Perspektive oder einer pseudo-rationalen / pseudo-objektiven Sichtweise zu werten, sondern zu versuchen zu verstehen, was den Anderen aus seinem Weltbild und seinem Erfahrungshorizont heraus zu bestimmten Handlungen und Meinungen bewegt.

Quelle: Wikipedia

Martins sonderbare, geradezu brutale Reaktion auf den Kummer seiner Spielkameradin ist typisch für Kinder wie ihn, die seit der frühen Kindheit selbst Opfer von Schlägen und körperlichen Mißhandlungen gewesen sind.

Aus dem was da geschildert wurde, kann ich nicht nachvollziehen, wie ein zweieinhalbljähriger Bub oder Mädel das nachvollziehen kann.
Je älter; wie die dreieinhalbjährige, ist das in der Entwicklung schon besser abzuschätzen, meine ich.
Doch wie gesagt, ich bin kein Pädagoge.
Gute Nacht.
Gaildorfer
Sinus
 

Beitragvon Tatyana † » 28.01.2007, 21:38

hini hat geschrieben:Lieber Gaildorfer,
Martins sonderbare, geradezu brutale Reaktion auf den Kummer seiner Spielkameradin ist typisch für Kinder wie ihn, die seit der frühen Kindheit selbst Opfer von Schlägen und körperlichen Mißhandlungen gewesen sind. Die Reaktion steht in völligem Gegensatz zu den bei Kindern üblichen mitfühlenden Bitten und Bemühungen, einen weinenden Spielkameraden zu trösten. In Martins gewalttätiger Reaktion im Kindergarten könnten sich durchaus die Lektionen spiegeln, die er zu Hause gelernt hat, wenn er Tränen und Kummer zeigte: auf Weinen wird zunächst mit einer kurzen tröstenden Geste reagiert, aber wenn er nicht aufhört, folgen böse Blicke und wütendes Geschrei, dann Schläge und schließlich regelrechte Prügel. Das Beunruhigendste ist wohl, dass es Martin an der einfachsten Empathie zu fehlen scheint, der instinktiven Einstellung der Aggression gegen jemanden, der verletzt ist. Er zeigt mit zweieinhalb Jahren im Ansatz die moralischen Impulse eines grausamen und sadistischen Rohlings und dass wird in den Folgejahren nicht besser werden, wenn seine emotionale Intelligenz nicht gezielt gefördert wird. Dazu sind Schläge in jedem Altersabschnitt ungeeignet.
Grüße
von Hini


Da wurde wohl schon bei Martins Eltern was versäumt...
Hini, ich gehe mal davon aus, daß du hier ein reales Beispiel gewählt hast. Der Ansatz muß bei den Eltern erfolgen. Wenn die kein Einsehen haben, wird alle Hilfestellung bei dem Kind nichts (mehr) nützen. Aber gesetzt den Fall, du täuschst dich, und die Wuzel liegt nicht im Elternhaus? Auch solche Fälle soll es geben. Manche Kinder sind von Natur aus unsicherer als andere und neigen zu Wutausbrüchen, weil sie sich nicht anders zu helfen wissen. In dem Falle ist es angebracht, beide betroffenen Kinder zu konfrontieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn Kinder zuschlagen, ist es am leichtesten, ihnen in abgemilderter Form das Gleiche zu verabreichen, das sie grade dem anderen Kind zugefügt haben. Weil Kinder in dem Alter nämlich noch kein Bewußtsein dafür haben, daß der Gegenpart auch Schmerz empfindet. Und das Kind, dem ursprünglich der Schmerz zugefügt wurde, muß auch dabei sein. Damit es erkennt, daß es ernstgenommen wird, daß ein Versuch unternommen wurde, es zu rechtfertigen. Selbst so kleine verstehen das schon.
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