Züchtigung von Kindern mit Bibel gerechtfertigt?

Praxistipps für die Kinder- und Jugendarbeit, Reflexion und Diskussion aller relevanten Themen

Beitragvon tergram » 20.01.2007, 18:59

Zur seelischen Gewalt gehört auch eine besonders perfide Art von Liebesentzug. Oder ... oder ...

Wir können uns sicher darauf verständigen, dass generell Gewalt gegenüber Menschen - physisch und/oder psychisch - unzulässig ist. Ausnahme: Selbstverteidigung in entsprechender Notlage.

Dies gilt immer, Bibel und Religionen hin oder her. Punkt.
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Beitragvon orig.gabi » 20.01.2007, 19:10

Liebe tergram,

die schlimmste Art, angeblich Liebe zu erfahren, ist,
wenn diese "Liebe" völlig unberechenbar ist.
Heute heiß, morgen kalt.
Ohne Vorwarnung.

Wer dieses Muster verinnerlicht hat, muss nicht neuap. sein ... aber es erleichtert doch hier einiges ... in Bezug auf alle Botschafter und Botschaften ...
Heut` so, morgen so. :wink:

Wie auch immer.

lgg
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
1.Johannes, 4,16
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Beitragvon tergram » 20.01.2007, 19:19

Liebe Gabi,

du meinst einen notwendigerweise aufgebauten Abwehreffekt in der Seele? "Nur nicht zu sehr lieben, dann tut es nicht so weh, wenn die Liebe entzogen wird?"

Klingt fast nach einer seelischen Teflon-Beschichtung. Wo das Böse nicht mehr eindringen kann, kann aber auch das Gute nicht so recht... 8)

Es gibt Formen psychischer Gewalt, da wäre eine schallende Ohrfeige das geringere Übel, gewiss!
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Beitragvon orig.gabi » 20.01.2007, 19:21

Ja ...
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Beitragvon katze » 20.01.2007, 19:28

Ja, tergram, dein letzter Satz ist sehr zum nachdenken...
lg katze
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Beitragvon Cleopatra » 20.01.2007, 19:38

Tja, ich gebe zu, daß es früher bei meinen Kids schon mal einen Klaps gab, aber niemals Prügel. Allerdings habe ich auch nichts von den Schränken hochgeräumt, nur damit sie nichts kaputt machen. Ich habe gesagt, sie sollen die Finger da weg lassen. Der Ältere hörte drauf, der Jüngere nicht. Wir hatten einen etwa 30 mal 30 cm großen und schweren Stein-elefanten auf dem Schrank stehen. Er konnte nicht die Finger davon lassen. Ich sagte ihm deutlich, daß er sich weh tun kann, wenn er ihn runter zieht. Er zog in trotzdem runter und er fiel auf seine Füsse. Das Geschrei war groß, aber danach war der Elefant absolut sicher vor ihm. Ich mag es absolut nicht, wenn Kinder an alles dran gehen. Heute erlebe ich, daß Mütter weniger konsequent sind. Das war ich auch schon mal, aber wer heute Lehrer an einer Schule ist, hat es auch nicht leicht. Geschlagen wird von heutigen Eltern bestimmt weniger als früher und das ist gut so, aber wieso nimmt dann die Gewalt an den Schulen so dramatisch zu????

In meiner Kindheit war es fast überall noch normal, daß der Kochlöffel, oder der Kleiderbügel auf dem Po sein Unwesen trieb. Mein Mann bekam früher Schläge mit dem Hosengürtel oder andere mit dem Gartenschlauch, aber Gewalt an Schulen war da noch kaum ein Thema, oder sehe ich das falsch? Jedenfalls galt damals der Spruch, daß man Kinder zwar sehen darf, aber nicht hören. Irgendwo auch ein ziemlich blöder Spruch, aber man hielt sich mehr oder weniger dran. Was gar nicht gerne gehört wurde war, wenn ich sagte: "Ich will...." Dann kam der Spruch: Kleine Kinder die was wollen, die bekommen was auf die Bollen. Kennt das hier jemand auch noch?

LG, Cleopatra
Jedes Phänomen, das uns bewusst wird, ist stets eine Manifestation des Geistes. [Buddha Shakyamuni, Surangama Sutra, ca. 500 v. Chr.]
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Beitragvon orig.gabi » 20.01.2007, 19:59

Ich wurde nie geschlagen.Nur übersehen. :wink:
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Beitragvon Cleopatra » 20.01.2007, 20:09

Bei uns gabs immer Theater, wenn ich meinen Teller nicht leer essen wollte. Das hat man leider nicht übersehen. :wink: Was mir drauf gescheppt wurde, mußte auch gegessen werden, schließlich war es ja "Gottesgabe", für die man dankbar sein mußte.

"Stillesitzen" lernen, war selbst bei meinem Großen noch ein Thema. Nicht für mich, aber für einen AT, der mir mal den Rat gab, ihn zuhause für eine gewisse Zeit auf einem Stuhl festzubinden. Dann würde er es auch in der Kirche können.........habe ich nie gemacht.
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Beitragvon katze » 20.01.2007, 20:37

Liebe Cleopatra,
warum die Gewalt an den Schulen zugenommen hat, dafür gibt es mehrere Gründe. Einer dürfte auch sein, daß viele Eltern nicht mehr schlagen und gar nicht mehr erziehen, ich meine damit diese Kinder kennen überhaupt keine Grenzen. Kindererziehung ist harte Arbeit. Manchmal denke ich zuviel darüber zu lesen ist nicht so
gut, es braucht gesunden Menschenverstand und liebe zum
Kind.
lg katze
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Beitragvon Tatyana † » 20.01.2007, 20:42

Cleopatra hat geschrieben:In meiner Kindheit war es fast überall noch normal, daß der Kochlöffel, oder der Kleiderbügel auf dem Po sein Unwesen trieb. ... "Ich will...." Dann kam der Spruch: Kleine Kinder die was wollen, die bekommen was auf die Bollen. Kennt das hier jemand auch noch?

LG, Cleopatra


Ja, kenne ich auch noch...aber obs wirklich daran gelegen hat, daß es weniger Gewalt an den Schulen gab? Sicher, auch Strafen sind ein Zeichen der Aufmerksamkeit der Eltern. Und an genau der Aufmerksamkeit der Eltern gegenüber den Kindern fehlt es heute oft. Häusliche Gewalt kann und darf da aber keine Lösung sein. Im Gegenteil. Den berühmten Klaps auf den Po oder, wenns ganz schlimm ist, mal eine Ohrfeige, kann wohl jedes Kind verkraften, wenn es weiß, es war im Unrecht. UND wenn es weiß, daß die Eltern es lieben. Mehr aber darf nicht sein. Und Liebesentzug schon gar nicht! Emotionale Erpressung("ich hab dich nur lieb, wenn...") noch viel weniger.
Mangelt es nicht oft genau daran? Daß Eltern und Kinder jeweils so mit sich selbst beschäftigt sind, daß sie keinen Weg zueinander finden, selbst, wenn sie es vielleicht noch wollen?
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Beitragvon hini » 21.01.2007, 08:49

Hallo orig.gabi,

Ich wurde nie geschlagen.Nur übersehen.

Darunter leidest Du heute noch. Stimmts?
"Schläge", die über Jahrzehnte weh tun können und auch die persönliche Einstellung zu Glaubensfragen verändern können. Ob das die Vorangänger auch so sehen können?
hini
 

Beitragvon Gaby » 22.01.2007, 08:40

eric hat geschrieben:Liebe Gaby,

grundsätzlich sind bei einer erziehung Rgeln wichtig. Logischerweise droht bei übertretung der Regeln eine Strafe.
Idealerweise sollte eine Strafe allerdings transparent, emotionslos und angemessen sein.

Ich fand Deinen Link zum Spiegelartikel interessant, weil ich selbst einen Artikel zu genau diesem Thema (Wiedereinführung der Prügelstrafe an einer britischen Privatschule) gelesen habe.
Der dortige Schulleiter argumentierte über die heilsame Kraft dieser Methode. Natürlich war ich anfangs entsetzt. Beim längeren Lesen wurde ich dann allerdings nachdenklich.
Man stellt sich ja immer einen wütenden, mit hochroten Kopf prügelnden Paucker vor. Der Schulleiter erklärte jedoch, das es genau definierte Regelverstöße gab, die mit Schlägen bestraft würden. Diese dürften auch nicht vom betroffenen Lehrer, sondern nur und ausschließlich vom Direktor in dessen Zimmer vollstreckt werden. Das Thema Emotion wäre also abgehackt. Transparenz - auch vorhanden. Jeder Schüler kennt die Konsequenzen. Bleibt die Frage der Angemessenheit.

Dieser Schulleiter nahm an einer Talkrunde teil. Vor Beginn gab es eine TED-Umfrage, die klar gegen ihn war, danach kippte das Verhältnis bei einer neuen TED-Umfrage.
Eventuell muss man auch ganz unvoreingenommen sich mit dem für oder wieder beschäftigen.

Ich selbst kann mich nicht erinnern, das ich bei meinen Kindern etwas verabreicht hätte, das die Bezeichnung "Schläge" verdient hätte, aber ich behalte mir diese Möglichkeit jederzeit vor. Das wissen auch meine Kinder. Deswegen brauche ich es wohl auch nicht einsetzen. Aber ich halte nichts von der Angewohnheit, bei deutlichen Regelverstößen mit Dackelblick zu sagen: "Du, das macht Papa aber jetzt ganz traurig, daß du..."

Tschau

eric


Hallo eric,

erst mal sorry, dass ich mich jetzt erst melde, aber ich habe Besuch und da steht das Forum hintenan ;)

Also ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Vater vollkommen emotionslos und in Liebe die Rute nimmt und seinen Sohn/Tochter straft wie es die Bibel "angeblich" fordern soll.

Auch wenn der Vater emotionslos wäre, das Kind sicherlich nicht.

Deshalb kann ich mir auch nicht vorstellen, dass ich meine Haltung bei der zweiten Ted-Umfrage geändert hätte.

Es mag sein, dass ich da voreingenommen bin, aber für mich passt körperliche Züchtigung nun einmal nicht mit dem überein, was Jesus gelehrt hat.

Ich stimme a cappella (Grüßle übrigens :wink: ) zu, das Regeln und Konsequenzen in der Erziehung Voraussetzung sein sollten, bei uns gab es klare Regeln (dazu gehörte unter anderem auch, dass wir als Eltern Erziehungsfragen nie vor den Kindern diskutiert haben). Entscheidungen des Partners wurden respektiert, auch wenn man selbst anders reagiert hätte, hinterher wurde darüber geredet und sich geeinigt. Das bedeutete schon mal, dass die >>lieben Kleinen<< uns nicht austrixen konnten nach dem Motto Mama sagt nein, gehn wir zum Papa.
Die Kids wußten, dass wir uns einig waren.

Vielleicht haben unsere Kinder deshalb relativ selten versucht Regeln zu brechen. Sie wußten wir waren uns einig und kannten die Konsequenzen.

Für uns waren Strafen halt Fernsehverbot, oder mal ein paar Stunden im Zimmer mit Nachdenken verbringen
- also eine sogenannte Auszeit (die Länge natürlich abhängig vom Alter), genauso wußten sie halt, ist das Zimmer nicht aufgeräumt fällt die Verabredung mit Freunden/innen flach - eine Regel, die sehr schnell >>gelernt<< wurde -> schließlich war es ja in ihrem eigenen Interesse.

Ich glaube katze schrieb, dass sie auch während der Pubertät ein gutes Verhältnis zu ihrem Sohn hat.
Wir hatten auch keine nennenswerten Probleme in dieser Zeit, vielleicht auch, weil wir die Leine ziemlich locker ließen und sie so ihre Erfahrungen machen konnten. Ansonsten ließen sie sich auch oft von uns überzeugen, wenn wir etwas nicht gut fanden.
Wir haben halt darüber geredet und ausdiskutiert wenn es um Entscheidungen ging.

>>Mangelt es nicht oft genau daran? Daß Eltern und Kinder jeweils so mit sich selbst beschäftigt sind, daß sie keinen Weg zueinander finden, selbst, wenn sie es vielleicht noch wollen?<< Tatyana

Ich denke auch, dass das heute das Hauptproblem ist -
man nimmt sich nicht mehr genügend Zeit füreinander und Kinder sind zwar da aber wie orig. Gabi schrieb,
>>Ich wurde nie geschlagen. Nur übersehen.<< ist wohl heute oft Realität. Die Kids werden sich selbst überlassen.

Das waren noch ein paar Gedanken von mir zu dem Thema
aber jetzt muß ich wieder was tun

liebe Grüße

Gaby
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Beitragvon Gaby » 22.01.2007, 08:57

Achso, noch etwas was mir grad einfällt dazu:

>>Bis zum Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches (1.1.1900) war es dem Mann nach dem staatlichen Recht erlaubt, seine Frau körperlich zu züchtigen. Aber auch und besonders die Kirche hatte nichts gegen die Züchtigung und das Schlagen der Frauen durch ihre Männer. Ihr Standpunkt war, dass es in der Familie nur einen Inhaber der Gewalt geben könne und das sei nun einmal nach Gesetz und kirchlichem Recht der Mann. Die Kirche hielt das Recht des Mannes, die Frau auch mit Stöcken und Peitschen zu züchtigen für gut und in Ordnung. Das kirchliche Gesetzbuch, der Corpus Juris Canonici fordert von der Frau ihrem Gatten überall-hin zu folgen. Er aber, der Ehemann war nach diesem Kirchengesetz berechtigt und befugt, sie zu schlagen, einzusperren, zu binden und sie zu ihrer Erziehung fasten zu lassen. Man kann es kaum glauben: Dieses kirchliche Recht die Frau zu maßregeln wurde erst im Jahre 1918 abgeschafft. Beklagte sich eine Frau im Beichtstuhl, dass sie so schrecklich geschlagen werde, dann schickte sie der Priester nach Hause und empfahl ihr fleißiges Gebet, damit sie sich bessere, nur dann würden die erziehenden Schläge des Ehemannes nachlassen. Auf den Gedanken, dass der Mann sie zu Unrecht schlagen könnte, kamen die Beichtväter gar nicht erst.<<

Quelle: http://www.abraxas-magazin.de/litforum/ ... estraf.htm

Dies wurde letztlich auch geändert, ich wüßte nicht, dass anhand der Bibel den Ehemännern heute noch empfohlen wird ihre Ehefrauen zu züchtigen, oder :wink: ?

Also habe ich noch Hoffnung, dass die körperliche Züchtigung von Kindern mit Berufung auf die Bibel aus dem kirchlichem Denken auch bald verschwindet.

Noch einmal Grüßle

Gaby *stöhn, die Zeit rennt vielleicht :?
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Beitragvon tergram » 22.01.2007, 09:33

Gaby,

die Misshandlung von Frauen und Kindern wird nie enden - ob mit oder ohne Bibel, Koran oder wasauchimmer.

So lange Frauen und Kinder die Schwächeren in der Gesellschaft sind, wird es gewalttätige Übergriffe auf sie geben.

Einzige Lösung: Die Schwachen so weit als möglich zu Starken machen!
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