Züchtigung von Kindern mit Bibel gerechtfertigt?

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Züchtigung von Kindern mit Bibel gerechtfertigt?

Beitragvon Gaby » 20.01.2007, 10:36

Gestern schaltete ich zufällig ins >>Nachtcafé<< ein, dort ging es um Kindererziehung und Disziplin.
Unter anderem saß dort ein Mitglied einer Freikirche
(Vater von 8 Kindern) und bekannte öffentlich, dass er seine Kinder im Sinne der Bibel >>züchtige<< :shock: .
Diesen Artikel fand ich daraufhin im Netz:

http://www.soundwords.de/artikel.asp?id=801

Also für uns kamen Schläge in der Kindererziehung
so gut wie gar nicht vor.
Als die Kinder noch sehr klein waren (im Pampersalter) gab es eventuell wenn ein Nein gar nicht fruchtete einen Klaps auf die Finger oder auf die Pampers. (Situation Herd z. Bsp., oder Straßenverkehr) Aber ich denke meine zehn Finger würden für diese paar Male zum Zählen ausreichen.
Ansonsten reichte es aus einmal etwas schärfer zu sprechen oder in ganz schlimmen Fällen die Kinder zum Nachdenken in ihr Zimmer zu schicken.
Zugegeben ein wenig Erpressung kam auch schon mal vor
- wenn -> dann.
Wie habt oder wie haltet ihr das?
Ich finde wenn Eltern schlagen sind sie am Ende mit ihrem Latein und geben damit ihrer Hilflosigkeit Ausdruck.
Im Gegensatz zu meinen drei älteren Geschwistern die viele Schläge einstecken mußten bekam ich als Nesthäkchen sofern ich mich erinnern kann, nur ganze drei Mal von meinem Vater eine Ohrfeige.(zugegebenermaßen ein Mal verdient ;) )
Die letzte als ich mit 17 neuapostolisch werden wollte *g - vier Wochen sprach ich damals mit meinem Vater nicht bis er sich bei mir entschuldigte.
Ich glaube Gewalt erzeugt wiederum Gewalt.
Regeln und Orientierung vermitteln ja, also nicht antiautoritär - aber nicht mit Gewalt vermittelt.

Wie seht ihr das?

Gaby
Denn in alledem liegt der Anfang des Reiches Gottes, das entstehen soll an der Stelle, an der du stehst. Nicht irgendwo, sondern in dir selbst. (Jörg Zink)
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Beitragvon hini » 20.01.2007, 10:50

Ein gutes Erziehungsprogramm bei Schwierigkeiten in der Kindererziehung ist meineserachtens das TripleP-Programm. Tipp 10 des Erziehungsprogramms findet oft zu wenig Beachtung:
Sorgen Sie auch für sich selbst. Es ist schwer, eine ruhige, entspannte Mutter oder ein ruhiger, entspannter Vater zu sein, wenn man selbst gestresst, ängstlich oder depressiv ist. Versuchen Sie, jede Woche etwas Zeit zu finden, um zu entspannen oder etwas zu tun, was Ihnen Freude bereitet.


http://www.triplep.de/pages/infosfuereltern/erziehungstipps/top10.htm

Grüße
Hini
hini
 

Beitragvon katze » 20.01.2007, 12:22

Kinder brauchen Grenzen und schlagen ist keine Grenze, sondern eine Verzweiflungstat. Manche wissen es nicht anders und Anderen ist es zu anstrengend sich Gedanken über Kindererziehung zu machen, oder sie sind total überfordert damit und schlagen dann. Auf jeden Fall ist
schlagen, ich meine damit nicht den kleinen Klaps, sondern richtig schlagen falsch, denn es zerstört das Vertrauen, der Kinder, zu ihren Eltern.
lg katze
Zuletzt geändert von katze am 20.01.2007, 15:43, insgesamt 1-mal geändert.
katze
 

Beitragvon Gaby » 20.01.2007, 12:59

Hallo hini,

erst einmal danke für den Link.

Liebe Katze,

das Problem ist aber, wann fängt schlagen an, wo hört der kleine Klaps auf?
Ich sagte ja, als unsere Kinder noch im Pampersalter waren, kam ein Klaps auf die Finger und auf den Pamperspo auch mal vor, aber spätestens, als ich das Gefühl hatte meine Kinder verstehen was ich von ihnen erwarte, war das vorbei.
Meinem Mann rutschte einmal die Hand aus und er >>versohlte<< unserm Jungen den Po, als dieser die Trotzphase mit dem Hinschmeissen auf dem Boden hatte - hinterher bereute er dies und ab dem Moment beschlossen wir, dass wir die Hand nicht mehr gegen unsere Kinder erheben werden. Damals war unser Junge drei - für viele Eltern wäre dies sicherlich noch als >>Klaps<< durchgegangen.
Gerade weil ich bei meinen Geschwistern Prügel als Erziehungsmittel mitbekommen habe, reagiere ich wohl etwas allergisch auf Gewalt in der Erziehung.
Meine Geschwister hatten bis zuletzt keine besonders gute Beziehung zu unseren Eltern - schon allein aus dem Grund bin ich froh, dass wir es letztlich auch ohne >>körperliche Züchtigung<< geschafft haben unsere Kids zu verantwortungsvollen Jugendlichen zu erziehen.
Das Ergebnis ist, dass unsere Kids mit 21 und 19 immer noch bei uns wohnen und wir ein sehr gutes Verhältnis zu ihnen haben.

Nur scheine ich mit meiner Einstellung wohl ein Exot zu sein, zumindest wenn ich sehe was an christlichem Schriftgut so im Netz zu finden ist.

Hier noch zwei Links:

http://mywebpage.netscape.com/corpunger ... ung01.html

http://bitflow.dyndns.org/german/Wilfri ... 199906.doc

Ich stelle mir grad vor, ich würde mein sagen wir einmal 10 jähriges Kind mit der Rute züchtigen (wie es von manchen bibeltreuen Christen ja empfohlen wird) und mein Kind weiß sich nicht anders zu helfen als MICH zurückzuschlagen. Ziemlich demütigend, wenn ich mir vorstelle mich würde jemand schlagen.

Zudem kann ich mich an meine Gefühle als mein Vater mir mit 8, 13 und mit 17 Jahren eine Ohrfeige verpasst hatte noch sehr gut erinnern.

Das waren einprägende Situationen, die ich wohl in meinem ganzen Leben nicht vergessen werde.

Liebe Grüße

Gaby
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Beitragvon Gaby » 20.01.2007, 13:20

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Beitragvon tergram » 20.01.2007, 14:11

Gaby,

lässt sich nicht mit der Bibel, speziell dem AT, vielerlei Unfug begründen?

Da geht es um vegetarische Lebensweise und schwupps, hat jemand die Speisevorschriften des AT zur Hand. Man diskutiert über Kindererziehung und hoppla, das AT liefert wundersam Argumente für die Prügelstrafe. Eine Diskussion über Opfergelder und peng, eine Gegenmeinung aus dem AT zu dortigen (Tier)Opferregeln liegt auf dem Tisch.

Ich bin Christ und bemühe mich (oft vergeblich), meine Handlungen an Jesus auszureichten. Hat er Speisevorschriften erlassen, zu Opferregeln Stellung genommen oder sich zur Kindererziehung geäußert? Nein. Er hat Liebe, Verständnis, Vergebung, Glauben und Vertrauen gepredigt. Das ist meine Messlatte, die ich nur allzuoft nicht annähernd erreiche.


Die ewig-vorgestrigen mit dem AT in der Hand wird es immer geben - ich muss sie mir ja nicht als Beispiel nehmen.
Zuletzt geändert von tergram am 20.01.2007, 18:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Mark » 20.01.2007, 14:17

Das AT heißt nicht umsonst "altes" Testament ... würden wir heute danach leben müssten wir ja wieder anfangen uns zu steinigen ...
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Beitragvon Tatyana † » 20.01.2007, 14:59

Aber heißt es nicht auch(auch komplett überstrapaziert) "ich bin der Herr und wandle mich nicht"?. Wie kann dann der Gott des AT identisch sein mit dem des NT, der etwas ganz anderes predigt??? Und bevor jemand wieder schreit: "das war nicht Gott, das war Jesus", Jesus hat doch auch gesagt"ich und der Vater sind eins". Also, wie paßt das, bitteschön...?
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Beitragvon Gaby » 20.01.2007, 15:08

>>ich muss sie mir ja nicht als Beispiel nehmen<<

Liebe tergram,

ja, das stimmt schon - mich erschreckt es halt nur, dass viele unter >>Züchtigung<< immer noch körperliche Züchtigung verstehen und sich da auch nicht in ihrer Meinung beeinflussen lassen.

Und Mark, viele Christen trennen das Alte und das Neue Testament nicht - für sie sind beide gleichwertig. Warum dann die Steinigung verpönt ist und die Züchtigung beibehalten wurde, wird wohl ein Rätsel bleiben *seufz.
Vielleicht sollte man bei >>soundwords<< einmal nachfragen?

Habe gerade noch einen Artikel gefunden den ich zu dem Thema recht ordentlich finde, wenn dort auch nicht geschrieben steht, was denn der Autor über körperliche Züchtigung denkt.

http://www.lebensquellen.de/?p=209

>>Vor allem sollten wir niemals - ich sagte es bereits - auf der Persönlichkeit und dem Charakter unseres Kindes »herumtrampeln« und vergessen, daß wir es mit einem wertvollen, individuellen Menschenwesen zu tun haben.<<

- Allerdings beinhaltet diese Aussage doch wohl gegen körperliche Züchtigung zu sein, weil es ganz einfach demütigend für ein Kind sein muß, wenn es von den Eltern geschlagen wird.

Liebe Grüße

Gaby
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Beitragvon Mark » 20.01.2007, 15:24

Tatyana hat geschrieben:Aber heißt es nicht auch(auch komplett überstrapaziert) "ich bin der Herr und wandle mich nicht"?. Wie kann dann der Gott des AT identisch sein mit dem des NT, der etwas ganz anderes predigt??? Und bevor jemand wieder schreit: "das war nicht Gott, das war Jesus", Jesus hat doch auch gesagt"ich und der Vater sind eins". Also, wie paßt das, bitteschön...?


Tatjanna, die Bibel ist ein Sammlung vieler Schriften aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Sie enhält auch Kriegsberichte, Liebeslyrik und vieles mehr. Und sie spiegelt auch den gesellschaftlichen Wandel wieder der sich damals zeigte. Das NT ist eben ein neues, weil Jesus viele soziale Mißstände seiner Zeit anprangerte und ändern wollte. Sein Kreuzestod hängt unter anderem auch damit zusammen das die damaligen Machthaber ihre Felle schwimmen sahen (er wiegelt das Volk auf!). Gott selber wandelt sich nicht. Wohl aber die Menschen in ihrer Entwicklung udn ihrer Sicthweise der Dinge. Heute geht man mit einem Hühnerauge zu einem Hautarzt und glaubt nicht mehr daran das ein böser Dämon daran schuld ist ....
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Beitragvon katze » 20.01.2007, 15:34

Liebe Gaby,
mit kleinem Klaps, meine ich einen kleinen Klaps, nicht mehr und nicht weniger. Es ist erforscht und festgestellt, dass Kinder die geschlagen wurden keine stelbstbewusste Persönlichkeit entwickeln können. Außerdem neigen sie
dadurch schneller zu Gewalt, als Kinder die, zwar konsequent, aber in Liebe erzogen wurden. Das hat mit Christsein, oder nicht sein, nichts zu tun. Ich erlebe es bei meinem Sohn, er spricht über alles mit mir und wir haben ein super Verhältnis, trotz Pubertät.
lg katze
Zuletzt geändert von katze am 20.01.2007, 17:27, insgesamt 1-mal geändert.
katze
 

Beitragvon a cappella » 20.01.2007, 16:18

Liebe Gaby,

ich sehe grundsätzlich auch überwiegend Gründe gegen körperliche Züchtigung.

Einige zusätzliche Gedanken:

1) Wenn Kinder kalkuliert geschlagen werden, eventuell noch ritualisiert vor Publikum (z.B. der Lehrer/Vater oder wer auch immer holt den Stock und legt den Jungen übers Knie), ist das unendlich entwürdigend.
Ich denke, das ist ganz schlecht.

2) Wenn man "sich vergisst", ist das, wie immer im Leben, schlecht, aber eventuell sogar dem Kind später zu erklären. Das setzt aber voraus, dass man dieses "sich vergessen" auch schlecht findet und sich dafür entschuldigen kann.

3) Es gibt auch seelische Gewalt, die nicht so leicht zu erkennen ist, deshalb aber nicht besser ist.

4) Konsequenz, Regeln, Schranken sind natürlich nötig. Kaum etwas Schlimmeres als deren Fehlen in der Erziehung.

Liebe Grüße
a cappella
a cappella
 

Beitragvon katze » 20.01.2007, 17:27

Lieber a cappella,
da hast du völlig Recht, es gibt auch seelische Gewalt. Dazu gehört, das Kind lächerlich zu machen, ständig anzuschreien, sadistische Strafen usw.
lg katze
katze
 

Beitragvon eric » 20.01.2007, 18:57

Liebe Gaby,

grundsätzlich sind bei einer erziehung Rgeln wichtig. Logischerweise droht bei übertretung der Regeln eine Strafe.
Idealerweise sollte eine Strafe allerdings transparent, emotionslos und angemessen sein.

Ich fand Deinen Link zum Spiegelartikel interessant, weil ich selbst einen Artikel zu genau diesem Thema (Wiedereinführung der Prügelstrafe an einer britischen Privatschule) gelesen habe.
Der dortige Schulleiter argumentierte über die heilsame Kraft dieser Methode. Natürlich war ich anfangs entsetzt. Beim längeren Lesen wurde ich dann allerdings nachdenklich.
Man stellt sich ja immer einen wütenden, mit hochroten Kopf prügelnden Paucker vor. Der Schulleiter erklärte jedoch, das es genau definierte Regelverstöße gab, die mit Schlägen bestraft würden. Diese dürften auch nicht vom betroffenen Lehrer, sondern nur und ausschließlich vom Direktor in dessen Zimmer vollstreckt werden. Das Thema Emotion wäre also abgehackt. Transparenz - auch vorhanden. Jeder Schüler kennt die Konsequenzen. Bleibt die Frage der Angemessenheit.

Dieser Schulleiter nahm an einer Talkrunde teil. Vor Beginn gab es eine TED-Umfrage, die klar gegen ihn war, danach kippte das Verhältnis bei einer neuen TED-Umfrage.
Eventuell muss man auch ganz unvoreingenommen sich mit dem für oder wieder beschäftigen.

Ich selbst kann mich nicht erinnern, das ich bei meinen Kindern etwas verabreicht hätte, das die Bezeichnung "Schläge" verdient hätte, aber ich behalte mir diese Möglichkeit jederzeit vor. Das wissen auch meine Kinder. Deswegen brauche ich es wohl auch nicht einsetzen. Aber ich halte nichts von der Angewohnheit, bei deutlichen Regelverstößen mit Dackelblick zu sagen: "Du, das macht Papa aber jetzt ganz traurig, daß du..."

Tschau

eric
"Die Idee der freien Entfaltung der Persönlichkeit scheint ausgezeichnet, solange man nicht auf Individuen stößt, deren Persönlichkeit sich frei entfaltet hat."

Nicolás Gómez Dávila
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