Freies Thema für Sonntagschule

Praxistipps für die Kinder- und Jugendarbeit, Reflexion und Diskussion aller relevanten Themen

Beitragvon Cleopatra » 19.09.2006, 15:45

Erziehung durch Vorbild ist unmöglich?????
Oder habe ich dich da falsch verstanden?

Wir schaffen es als Eltern nicht immer, unsere Vorbildfunktion zu erfüllen. Damit müssen wir wohl leben, denke ich zumindest. Aber versuchen sollten wir es, denn das ist allemal besser, als körperliche Züchtigung. Natürlich werden unsere Kinder uns nicht ernst nehmen, wenn wir ihnen die Gefahren des Rauchens aufzeigen und dabei selbst rauchen. (Asche über mein Haupt) Doch eine Überhöhung der Person eines Amtsträgers hat die gleiche Wirkung auf die religiöse Entwicklung eines Kindes. Sie kann gelingen, wenn der AT authentisch und glaubwürdig ist und bleibt. Aber was, wenn ein AT sich anders verhält, als er es den Kindern und Jugendlichen predigt? Mona Lisa beschrieb doch ganz klar die Erwartungshaltung an AT´s - auch von Erwachsenen.

Es liegt in der Natur der Sache, daß ein engeres Vertrautheitsverhältnis zu neuap. AT´s besteht, als es Kinder in den Großkirchen erleben. Allein schon durch die Regelmäßigkeit und Häufigkeit der Gottesdienstbesuche. Ich finde es nur bedenklich, wenn man die jeweiligen AT´s den Kindern gegenüber glorifiziert. Sie gegebenenfalls noch über die Eltern stellt.

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall. Ein AT ist bei den Kindern so beliebt, er zieht in eine andere Stadt und die zurückgebliebenen Schutzbefohlenen "heulen sich die Augen aus". Wollen einen anderen AT nur ungern akzeptieren.

Ich persönlich möchte meinen Erziehungsauftrag nicht mit anderen Personen teilen müssen, nicht in dieser Form. An der Erziehung wirkt natürlich auch der Lehrer in der Schule mit, aber er wird von den meisten Eltern heutzutage durchaus kritisch gesehen. Das gleiche gilt für den Pfarrer. Muß ich einen AT meinem Kind gegenüber in ein glorifizietes Licht stellen, ihn als Segensträger über die Maßen loben, mich nie kritisch über ihn äußern? - so war es früher. Ist es heute anders geworden?

Fragt Cleopatra
Jedes Phänomen, das uns bewusst wird, ist stets eine Manifestation des Geistes. [Buddha Shakyamuni, Surangama Sutra, ca. 500 v. Chr.]
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Beitragvon a cappella » 19.09.2006, 17:13

Liebe Cleopatra,

natürlich ist sie (Erziehung durch Vorbild) richtig und nötig und die einzige Möglichkeit.
Andererseits wirst Du mir Recht geben, dass auch Eltern nicht vollkommen sind, wahrscheinlich auch Du nicht.
Trotzdem versuchst Du, durch Vorbild zu erziehen.

Wieso argumentierst Du dann dagegen, dass ein AT das auch versucht und redest darüber, dass er sich eine immense Verantwortung auflädt?
Ich möchte einfach fragen: Na und?
Oder "Und weiter?"

Ich könnte auch bei Eltern fragen (und Du tust das ja selbst!): Werden die Eltern ihrer Verantwortung gerecht?
Und wenn nicht (was quasi im voraus schon klar ist), sind Eltern deshalb schlecht?

Ich denke nein.
Und ich denke deshalb, dass ATs auch nicht schlecht sind.
Wo also ist konkret das Problem?

Wir sind uns sicher einig, dass es natürlich unsinnig ist, etwas so Außergewöhnliches wie perfekte Vorbilder überhaupt zu erwarten. Aber dann lass uns doch einigermaßen gelassen damit umgehen.

Liebe Grüße
a c.

PS: Die Haltung, die Eltern heutzutage Lehrern gegenüber haben, möchte ich lieber nicht kommentieren, da sie oft zum ...
Na ja, lassen wir das jetzt.
PPS: Ich wünsche den Eltern, die den von Dir aufgezeigten Kurs in der Erziehung im Extrem verfolgen, dass sich ihre Kinder ihnen gegenüber einmal so respektlos verhalten, wie ihre Kinder das den Lehrern gegenüber tun. Und reibe mir schon jetzt die Hände.
Es gibt nämlich ein weites Feld zwischen Verherrlichen auf der einen Seite und Respektlosigkeit auf der anderen Seite.
(Bitte nicht missverstehen: Ich halte nichts von Verherrlichung. Aber ich halte ein verstehendes Wohlwollen immer für angebracht.)
a cappella
 

Beitragvon Cleopatra » 19.09.2006, 17:38

Ich glaube a cappella, im Grunde genommen sind wir uns sogar sehr nahe mit unserer Meinung.:

Keine Verherrlichung der AT´s (mehr). Aber durchaus eine religiöse Miterziehung durch Kirchenämter.

Eltern sind nie perfekt. Stimmt! AT´s eben auch nicht. Aber das genau passiert bei einer Verherrlichung von Menschen - sie werden als perfekt dargestellt und die Verwunderung ist groß, wenn sie diesen Anspruch nicht erfüllen.

Mir sind Schulsorgen mit den Kids Gottlob erspart geblieben, aber leider verfallen wir Menschen oft in Extreme. Heute ist oft eine große Respektlosigkeit gegenüber Lehrkräften festzustellen,früher war es umgekehrt: Der Lehrer hatte durch zuviel Strenge und damals noch erlaubte Prügelstrafe eine ungeheure Machtstellung und in einem Dorf auch großen Einfluß.

Besser wäre doch auch hier, der goldene Mittelweg.

Meint Cleopatra
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Beitragvon Cemper » 19.09.2006, 17:43

Vielleicht wird eine neuap. Religionspädagogikexpertin oder ein neuap. Religionspädagogikexperte hier auf einen brauchbaren Weg verwiesen. Falls nicht - dann bitte ich höflichst vielmals um Entschuldigung der Störung.

http://www.theologie-links.de/rp.html

Im Bedarfsfalle kann ich alternativ aus meinem neuap. Literatur-Karton noch einige Schriften (z.B. Blätter "Der gute Hirte") zur gefl. Benutzung überlassen.

Am Rande sei auch noch erwähnt, dass bei der WBG ein evtl. brauchbares Handbuch der Religionspädagogik zu beziehen ist (ich bekam unlängst einen Verlagsprospekt dazu - ich meine, dass es das Werk zu einem erschwinglichen Sonderpreis gibt).

Wie immer mit freundlichen Grüßen

C.
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Beitragvon Cleopatra » 19.09.2006, 18:06

Oh ja, Herr Cemper - da werden Erinnerungen wach. Neuapostolische Kinder schrieben da an den lieben Onkel Fritz, nicht zu vergessen den "Jugendfreund". :wink:
Meine Schulkammeraden schrieben derweil an Dr. Sommer. :lol: :lol:
(ich auch) :oops:
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Beitragvon a cappella » 19.09.2006, 18:09

Liebe Cleo,

ich dachte mir schon, dass wir einer Meinung sind.
Ich wollte nur sichergehen. :wink:

LG
a c.
a cappella
 

Beitragvon Anne » 19.09.2006, 19:43

Vielen Dank für den Link, Cemper.

@ alle, die´s interessiert :wink::

"Kinder und Jugendliche hören Erwachsenen heute mit einer inneren Frage zu: 'Tust Du auch, was Du sagst?'

Nicht Inhalt, sondern moralische Qualifikation sind gefragt und vor diesem 'Röntgen' der Schüler kann man sich nicht verstecken." (Eine weitere Mitschreibnotiz)


Diesen einen Gedanken wollte ich der Diskussion noch hinzufügen: Ich denke, wir sollten unsere Kinder nicht unterschätzen. Sie bilden sich ihr eigenes Urteil und ziehen (manchmal ganz unbemerkt) ihre Konsequenzen daraus. Und ich erlebe es – zumindest in meinem begrenzten Umfeld – so, dass das auch für die Kirche gilt.

Liebe Cleo, Deine Sorge teile ich natürlich (falls das so nicht rübergekommen ist). ;-)
Allerdings mache ich hier kaum die Erfahrung, dass ein AT unangemessen "erhöht" wird – eher das Gegenteil. Dafür gehören in meinem Umfeld enttäuschende / frustrierende Erfahrungen in der Schule zum Alltag. Und das hat wohl nur ein Gutes: Kinder und Eltern lernen daran...

Abendgrüße von
Anne
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Luk. 18,27

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Beitragvon panta_rhei » 25.09.2006, 11:50

pagelib schrieb:
Hallo zusammen,

hat jemand schon Erfahrung mit Freien Themen in der Sonntagschule gemacht, welche bei den Kindern besonders gut angekommen sind. Z.B. Geschichten aus der Bibel, etc.

Über Beispiele und Vorschläge wäre ich euch dankbar.


Einen herzlichen Gruß in die Runde.
Mit viel Interesse habe ich mich durch die Seiten gelesen und bin jetzt wieder am "Anfang" angekommen, nämlich bei pagelib`s Frage was die Erfahrungen mit Freien Themen betrifft. Und ich versuche zu verstehen, was Du, pagelib, mit Freien Themen meinst.

Als So-Schulkraft habe ich von der Kirche die 4 Lehrbücher an die Hand bekommen. Das Erste wurde herausgegeben 1993...
Ich bin mir darüber im Klaren, dass es Zeit braucht, diese Bücher zu überarbeiten.
Aber ich merke, dass es in den Lehrbüchern Aussagen gibt, die ich so nicht stehen lassen kann.
Nur als Beispiel: Lehrbuch Nr 2 "Der Stammapostel ist das sichtbare Haupt der Kirche Christi. Er ist unser Hirt und der Stellvertreter Jesu auf Erden...
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich StAp Leber sich als Stellvertreter Jesu sieht. Und sind nur wir "die Kirche Christi....?

Ich denke, die Situation gerade auch in der Sonntagsschule hat sich in den letzten Jahren geändert. Noch vor 10 Jahren waren die neuap. Kinder mehr oder weniger unter sich. Jetzt ist es doch oft ganz anders könnte ich mir vorstellen. Von "unseren So-Schulkindern" ist nur 1 Kind neuap. groß geworden, die anderen 3 nicht.
Versteht Ihr, was ich damit sagen will? Sie stellen ganz andere Fragen, brauchen ihre eigene Zeit und manchmal passiert es, dass es eine Frage verlangt, den ganzen geplanten Stoff beiseite zu legen und mit den Kindern in "ihre Richtung" zu denken und zu sprechen.
Ich sehe die Bücher als eine Art "Gerüst". Aber ich merke auch, dass es Themen darin gibt, wo es meiner Meinung nach noch zu früh ist mit Grundschulkindern darüber zu sprechen,Sie lasse ich ganz bewusst weg. Kain und Abel z.B. oder Abrahams Prüfung, seinen Sohn zu opfern. Dieses Thema soll schon ganz am Anfang -Buch 1- besprochen werden; da sind die Kinder doch gerade mal 7 Jahre alt..
Ich frage mich dann, WAS sollen die Kinder daraus lernen für ihre Gegenwart? Es gibt doch sicher kindgerechtere Möglichkeiten, Vertrauen zu Gott erfahren zu lernen.
Was ich mir wünschen würde, wären klare Worte von Seiten der Verantwortlichen für Kinderarbeit der Kirche. Ich meine, die Bücher sind nun mal teilweise überholt. Und ich denke, viele Lehrkräfte haben bei manchen Themen ein unsicheres Gefühl, würden es weglassen wollen weil es die Situation in ihrem Kinderkreis verlangt. Aber sie sind unsicher, ob sie es dann auch tun dürfen.
Sicher wäre der erste Weg das Gespräch mit dem Vorsteher zu suchen. Und da will ich einfach auch dazu ermutigen.

Pagelib, die Frage, die Du stellst, habe ich auch oft.
Ich wünschte mir eine Möglichkeit des Gedankenaustauschs unter den Lehrkräften. Meine Vorstellung wäre es, vielleicht 1x im Jahr eine Art Workshop auf freiwilliger! Basis zu organisieren, wo sich Lehrkräfte treffen, vielleicht ein besonders gelungenes Konzept vorstellen, Erfahrungen austauschen, miteinander ins Gespräch kommen.

Ich merke immer wieder die große Verantwortung, die man als So.Schulkraft hat. Ich meine damit, natürlich beeinflusst meine Art zu glauben und an Dinge heranzugehen, den Unterricht und damit auch ein Stück die Kinder, ob ich es nun will oder nicht.
Und ich merke immer wieder einen Spagat, der zu leisten ist. Als Beispiel möchte ich die Geschichte von Turmbau zu Babel geben. (3. Lehrbuch)
Als Lehrsätze stehen am Ende dieses Themas:
Was wollen die Menschen? (Groß und mächtig werden, einen hohen Turm bis an den Himmel bauen...)
Weshalb? (Um sich einen Namen zu machen/ aus Hochmut/ um zusammenzubleiben und stark zu werden)
Sprachenverwirrung als Mittel Gottes zur Durchsetzung seines Willens....
???
Wenn ich so darüber nachdenke; was ist schlecht daran "zusammenzubleiben und stark zu werden" ? Und der genannte Hochmut kann doch nur eine Spekulation sein, ich meine, wer weiss es, wie es wirklich damals war? Ist es nicht eine Frage der Auslegung?

Sprachenverwirrung bedeutet, man versteht sich nicht mehr, kann sich nicht mehr zuhören. Vielleicht ist es DAS, was wir daraus lernen können: Alles zerstreut sich, geht auseinander, wenn man nicht mehr aufeinander hört. Und DAS den Kinder nahegebracht....
Oder es war einfach "ein Stein zuviel", ich meine damit, weiter ging es nicht, die Kraft oder das Vermögen war am Ende. Deshalb ging es nicht weiter... Aber Gott hat begleitet, auch auf diesem Weg.( die Sprachenverwirrung hätte da als "Fakt" keinen Platz)

Ich wehre mich grundsätzlich gegen Aussagen wie: "Gott straft, weil... oder Gott setzt seinen Willen durch mit...Gott erwartet von und, dass..."
Das ist meine "Gottesfurcht", nie im Namen Gottes solche Aussagen auszusprechen oder, was ich für noch schlimmer halte, sie in Kinderherzen zu legen.
Aber das ist MEINE Sicht des Glaubens. Was ich sagen will, ich habe nicht das Recht, meine Art zu glauben in die Kinder zu legen ohne Rücksicht darauf, wie vielleicht ihr Elternhaus ist und was in sie dort aus genauso ehrlichem Herzen und tiefen Glauben heraus hineingelegt wird.
DAS meine ich mit dem Balance-Akt, den Jeder, der in der KInder-und Jugendarbeit tätig ist, leisten muss.
Ich versuche immer, die Kinder denken zu lassen, fordere sie auf, mir zu widersprechen, über ihre eigenen Vorstellungen zu sprechen und sich ernst genommen zu fühlen.
Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, die Kinder Glauben zu lehren, den kann man meiner Meinung nach nur selbst erfahren.
Aber ich kann versuchen, sie zu ermutigen, selbst zu spüren und ich möchte, dass sie in unserem Beisammensein "gute Erfahrungen" mit Gott machen, mit einem begleitenden Gott, keinem strafenden, richtenden oder fordernden Gott.
(... und da ist es wieder, MEIN Gottesbild.... :roll: )

Viele Grüße in die Runde
panta rhei
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