Kinder und Tod

Praxistipps für die Kinder- und Jugendarbeit, Reflexion und Diskussion aller relevanten Themen

Kinder und Tod

Beitragvon mel_eben » 29.07.2006, 23:04

Liebe Leser,

schon seit laengerem habe ich hin und wieder nach einem Buch gesucht, das das Thema Tod fuer Kinder im Vorschulalter einfuehlsam und dennoch offen behandelt.

"Opas Engel" (http://www.amazon.de/gp/product/355151609X/028-8797145-4236502?v=glance&n=299956) ist ein anruehrendes Buch, jedoch fuer junge Kinder zu m.E. noch wenig verstaendlich.

Nun fand ich in der Bibliothek "Pelle und die Geschichte mit Mia" (http://www.amazon.de/gp/product/3765566551/028-8797145-4236502?v=glance&n=299956).

Bild
Dieses Buch beschreibt, wie eines Morgens Pelle seine kleine Schwester Mia tot im Bett findet. Es geht erstmal nicht um "religioese" Fragen, sondern die Gedanken von Pelle werden realitaetsnah geschildert: Bin ich vielleicht schuld? Warum reden jetzt alle nur noch von Mia, ich bin doch auch noch da? Als Pelle schließlich versteht, dass Mia endgueltig fort ist, will er nicht, dass ihr Koerper in die dunkle Erde gelegt wird. Aber Fr. Jensen erklaert ihm mit Liebe und zwei Handschuhen, dass er sich keine Sorgen machen muss.

Das Buch ist zwar ab 8 Jahren empfohlen, aber sicher auch schon bei kleineren Kindern ein Gewinn.

Ich freue mich ueber weitere Tipps zum Thema.

Mit freundlichem Gruss,
Melanie
mel_eben
 
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Beitragvon Frettchen » 30.07.2006, 12:06

Hallo liebe Melanie

schau mal meinen Beitrag vom 20.09.2005 im Thread "Blumenwiese"...

http://forum.glaubenskultur.net/viewtop ... c&start=56

Liebe Grüße
vom Frettchen
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Beitragvon hini » 30.07.2006, 12:14

Gerlinde Unverzagt
Erzähl mir was vom Sterben!
„Wer kleine Kinder hat, muss beizeiten damit rechnen, dass sie eines Tages nach dem Tod fragen. Und weniger das, was wir sagen, als vielmehr die Art, wie wir darüber sprechen, wird den Kindern verraten, was wir wirklich darüber denken und fühlen...“ schreibt die Autorin und untermauert dies auch gleich mit einer Reihe von Beispielen aus ihrer eigenen Erfahrung.
Es ist überhaupt die besondere Qualität dieses Ratgebers, dass er sehr praxisnah und lebendig gestaltet ist. Man hat stets das Gefühl, hier schreibt jemand, der weiß, wovon er spricht. Die Autorin ist selbst Mutter von vier Kindern und räumt – nicht zuletzt aufgrund der eigenen Erfahrung – mit der immer noch üblichen Meinung auf, dass kleine Kinder keine Vorstellung von Tod und Sterben haben: „Wer Kinder aus wissenschaftlichem Interesse beobachtet oder auch wer nur einfach mit ihnen zusammenlebt und aufmerksam bleibt, findet eine Fülle von Hinweisen darauf, dass kleine Kinder über den Tod nachdenken, neugierig auf ihn sind und sich vor ihm fürchten.“
Mit ihrem frischen, persönlichen Stil ist der Autorin ein sehr anregendes und umfassendes Buch zu dieser durchaus schwierigen Thematik gelungen.

[Gerlind Bode]

Stuttgart: Kreuz-Verlag, 2004 € 14,90
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Beitragvon hini » 30.07.2006, 12:19

Claude K. Dubois und Patrick Gilson:
Wenn ich nicht mehr bei dir bin, bleibt dir unser Stern
Aus dem Holländischen übersetzt von Irmtraud Fröse-Schreer
Tim vermisst Anna, die sehr plötzlich ins Krankenhaus musste. Sie hat Krebs. Alle hoffen, dass sie wieder gesund wird. Die ganze Klasse malt Bilder für Anna und schreibt Briefe. Sie besuchen sie auch im Krankenhaus, wo Anna ihnen über die Krankheit erzählt. Tim verspricht, sie jeden Tag zu besuchen, bis sie wieder bei ihm in der Schule sein wird. Doch die Krankheit „ist stärker als sämtliche Ärzte und Medikamente zusammen“. Anna spürt, dass sie sterben wird und zeigt Tim einen Stern, der ihn immer an sie erinnern soll, wenn sie nicht mehr da ist. Sie nennen ihn den „Anna-Stern“.
Ein Vorlese-Bilderbuch, das auf das Abschiednehmen für immer vorbereitet – traurig und tröstlich zugleich. Geschrieben für Vorschul- und Grundschulkinder.

[Gerlind Bode]

Gießen: Brunnen-Verlag, 2004 € 11,90
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Beitragvon hini » 30.07.2006, 12:41

Über den großen Fluß




»Ich muss jetzt gehen« sagte der Hase. »Und ich kann dich nicht mitnehmen.«

Der Abschied für immer macht den Waschbären sehr traurig. Text und Bild geben der Trauer Raum, erzählen aber auch davon, wie die Zurückbleibenden sich beistehen und wie sie aus ihren Erinnerungen an den Hasen neuen Mut schöpfen. Nach einem schweren Tag, der die Freunde einander auch näher bringt, schlafen sie spät nachts ein – getrost und getröstet.

Ein Geschichte, die faszinierend selbstverständlich von der Hoffnung über den Tod hinaus erzählt, ohne diese grundmenschliche Zuversicht durch Dogmen einzuengen. Ein Bilderbuch, das dadurch auch Kirchenferne anspricht und ideal ist für Gruppen mit Kindern aus unterschiedlichsten Familien.

Beuscher, Armin

Über den großen Fluß

Sauerländer, 06/2002

Buch, 32 Seiten

Preis: 13.90 € (D), 14.30 € (A), 24.90 SFr (CH)

ISBN: 3-7941-4942-4

Illustrator: Haas, Cornelia
hini
 

Beitragvon hini » 30.07.2006, 12:45

Was ist das? fragt der Frosch


Der Frosch findet eine tote Amsel. Mit seinen Freunden, dem Schwein, der Ente und dem Hasen, lernt er auf einfache Weise verstehen, was Tod bedeutet. Sie verabschieden sich von der Amsel mit einer liebevollen Beerdigungszeremonie. Nun ist der Frosch von seiner Niedergeschlagenheit befreit und animiert seine Freunde zum ausgelassenen Spiel und der Freude am Leben.

Sämtliche Bilder sind in leuchtenden Farben gemalt, die Darstellung konzentriert sich auf das Wesentliche. Auch der Text beschränkt sich auf kurze, prägnante Aussagen, die schon für ganz kleine Kinder verständlich sind. In elementarer Weise werden Gefühle wie Anspannung, fragende Ungewißheit, Trauer, aber auch Ausgelassenheit und Spielfreude vermittelt.

Thematischer Schwerpunkt:

Das Buch besticht durch seine einfache, direkte und klare Ausdrucksweise. Ohne verwirrende Schnörkel und überlastenden Anspruch wird das Thema Sterben in der Tierwelt schon für kleine Kinder verständlich. Dabei steht das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund. Der Frosch sucht Rat, Hilfe und Trost bei seinen Freunden und findet Antworten auf seine Fragen bei einem kompetenten Freund. Mit einem aktiven Beerdigungsritual können die Tiere Abschied nehmen. Nach Trauer und Stille kehrt die Lebensfreude zurück.

Weitere Anregungen:

Kinder entwickeln u.U. spontan die Idee, ein totes Tier, das z.B. am Straßenrand oder im Park liegt, zu beerdigen. Eine solche Beerdigungszeremonie könnte unterstützt werden. Ebenso bietet sich das Buch zur Begleitung an, wenn ein geliebtes Haustier gestorben ist oder wenn das Haustier schon alt oder krank ist und das Kind auf den baldigen Tod vorbereitet werden soll.



Zielgruppe: Kinder ab 3 Jahren, sehr gut geeignet zum Betrachten

und Vorlesen in Familien und Kindergärten.

Zum Buch gibt es ein Video:

Max Velthuijs: "Was ist das"? fragte der Frosch. Und andere

Geschichten. Laufzeit 40 Min. 29,95 ISBN 3-7941-3824-4

"Was ist das?" fragt der Frosch

Velthuijs, Max

Sauerländer

Buch, 28 Seiten

Preis: 12,90€

ISBN: 3-7941-3376
hini
 

Beitragvon panta_rhei » 30.07.2006, 14:23

Einen herzlichen Gruß in die Runde,

Liebe Melanie, bei Deiner Anfrage überlege ich mir, wofür Du diese Bücher brauchst.
Ich meine damit, sind es berufliche Gründe, "kirchenpädagogische" Gründe oder aus einer persönlichen Betroffenheit oder Erfahrung heraus. Denn danach richtet sich sicher auch die auszuwählende Literatur.

Bild
»Was ist Leben? Was ist Tod? Warum müssen Kinder sterben?«
Diese Fragen stellte der neunjährige Dougy an die berühmte Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross. Dougy war an Krebs erkrankt.

Dieser Brief, in kindgerechter Sprache verfasst, mit vierfarbigen Filzstiften geschrieben und liebevoll von Elisabeth Kübler-Ross selbst illustriert, war ihre Antwort. Ein Brief, der gerade an die-jenigen von uns gerichtet ist, die, da sie noch nicht so lange gelebt haben, die wohl größten Schwierigkeiten haben, den Sinn des Dahingehens anderer oder, wie bei Dougy, gar das eigene, frühe, Sterben zu verstehen. Ein Brief, der es auch Kindern ermöglicht, diese allerwichtigsten Lebensfragen etwas besser zu begreifen und dadurch den Schmerz zu lindern.

ISBN 3-89845-033-3

Dieses Buch hat mich sehr berührt. Es spricht in erster Linie betroffen Kinder an, aber es kann bestimmt auch für Geschwisterkinder begleitend sein und uns Erwachsenen helfen, Worte zu finden für etwas, das uns im Grunde sprachlos macht.

Vielleicht hilft es auch, sich Ansprechpartner zu suchen.
Im Gespräch mit einer Pädagogin eines ambulanten Kinderhospizes konnte ich viele Fragen stellen die mich bewegen zu diesem Thema. Eben die Fragen über das WIE. Wie rede ich kindgerecht, dem jeweiligen Alter entsprechend.
Und ich bekam gleichzeitig Informationen, welche Unterstützungsmöglichkeiten es für betroffene Geschwisterkinder gibt. Denn oft sind sie es, die leicht in den Hintergrund geraten können, weil die Eltern selber trauern.
Eben diese Pädagogin z.B. betreut in verschiedenen Gruppen Kinder, deren Geschwister verstorben sind. In altersgerecht gestalteten Gruppentreffen oder auch zu Hause hilft sie den Kindern, einen Weg durch ihre Trauer zu finden. Und dieser Weg ist so individuell wie jedes einzelne Kind.

http://www.bundesverband-kinderhospiz.de/mitglieder.htm
Das ist eine Übersicht von Kinderhospizen.
Sie helfen weiter, geben Informationen.

Was ich persönlich für wichtig halte, ist eine klare Sprache. Ich meine damit, auszusprechen, was geschehen ist. Selbstverständlich richten sich meine Worte nach dem Alter und der jeweiligen Situation des Kindes.
Aber Sätze wie: "Dein Opa ist jetzt heimgegangen..." können unter Umständen in Kindern große Verwirrung stiften, genauso wie der irreführende Begriff "eingeschlafen".
Wir Erwachsene wissen, was wir damit meinen und ahnen auch, dass wir uns mit solchen "Vereinfachungen" ein Stück schützen vor dem gnadenlos empfundenen Wort "tot". Auf jeden Fall wissen wir, WAS wir eigentlich sagen.
Kinder hören "eingeschlafen" und verstehen darunter eben "eingeschlafen". Und es kann dann sein, dass sich ein Kind davor fürchtet, Abends einzuschlafen.
Ich will damit sagen, es ist wichtig, die richtigen Worte zu wählen. Keine Worte aus der "Erwachsenen-Glaubenswelt z.B. sondern ehrlich und wahr zu den Kindern zu sein.
Natürlich müssen sie sich behutsam mit der Realität auseinander setzen können und dabei brauchen sie unsere Begleitung.
Und ich denke, es ist immer wichtig, die Kinder zu Wort kommen zu lassen; sie nach ihren Gedanken und Gefühlen zu fragen.
Denn meist hat das beschäftigen mit diesem Theman ja einen Grund oder einen Anlass.

Bild
ISBN 3-7831-2059-4
Das ist, auf den ersten Blick, ein unscheinbares Büchlein.
Aber es gibt viele, ganz praktische Tips und Anregungen, wie schon kleine Dinge, die man tun kann mit und für trauernde Kinder, eine große Wirkung haben können.

Ich habe mich jetzt hier in meinem Beitrag schwerpunktmäßig mit der Begleitung von trauernden Geschwisterkindern beschäftigt.
Das ganze Thema ist so umfangreich.
Und ich finde die vorangegangenen Buchvorstellungen als sehr schöne Beispiele, da weiß ich im Moment nichts hinzu zufügen. Vielen Dank für die Anregungen!

Viele Grüße
panta rhei
Tausend verschiedene Wege führen zum Großen Geheimnis

Lehre der Navajo - Medizinmänner
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Beitragvon Anne » 30.07.2006, 16:34

Vielleicht das noch:

http://www.ekd.de/tod_was_ist_das/abschied.html

Das Buch "Leb wohl, lieber Dachs" haben wir gelesen ... sehr berührend.

Liebe Grüße
Anne
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Luk. 18,27

Jahreslosung 2009
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Beitragvon egil » 30.07.2006, 17:27

eigentlich nur eine seite, und ich weiß auch nicht, ob es im vorschulalter so genau ...

in dem buch "Die große Frage" von Wolf Erlbruch gibt es die wunderbare seite, auf der der tod antwortet "du bist auf der welt, um das leben zu lieben", zusammen mit einer - wie ich finde - enorm berührenden zeichnung. find leider kein bild im netz.

obwohl - meine frau und ich sind gerade übereingekommen, dass man das komplette buch vermutlich mit kindern, jugendlichen und erwachsenen aller altersgruppen besprechen kann.

soweit. egil
Christ ist erstanden von den Martern allen. Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.
Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so freut sich alles was da ist. Kyrieleis.
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Beitragvon hini » 30.07.2006, 18:18

Hier eine gute Übersichtsarbeit über die Problematik:

Cramer, Barbara
Der Tod im Bilderbuch: Tut sterben weh?
PP 2, Ausgabe Oktober 2003, Seite 478


http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=38784
hini
 

Beitragvon hini » 30.07.2006, 18:32

Hier eine Literaturliste zu Der Tod im Bilderbuch:

http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/lit.asp?id=38784
hini
 

Beitragvon hini » 30.07.2006, 18:37

Hier eine Zusammenstellung von Kinderbüchern zum Thema Tod und trauer bei Kindern:

http://www.tod-und-trauer.de/index.htm?http://www.memosite.com/buecher2/kinder/index.html
hini
 

Beitragvon mel_eben » 30.07.2006, 20:40

Guten Abend zusammen,

ganz lieben Dank fuer eure zahlreichen guten Hinweise! Ich werde nach und nach die einzelnen Buecher und Listen genauer ansehen.
Liebe panta rhei, natuerlich, ich haette genauer sagen sollen, worum es mir geht. Es geht mir darum, dass mein Sohn mit knapp vier erste Begegnungen mit dem Tod macht, z.B. durch den Anblick toter Tiere oder dadurch, dass er von dem Erdbeben in Indonesien gehoert hat. Und nun hat er die Schlussfolgerung geschafft, dass ich auch eines Tages sterben werde und ist darueber ab und zu sehr traurig. Ich will da ehrlich mit ihm umgehen (am liebsten wuerde man einem weinenden Kind ja sagen, dass die Mama niemals sterben wird), aber gleichzeitig das Thema auch so gut es geht "fassbar" machen. Das Buch von Pelle und Mia ist in meinen Augen ein sehr guter Anfang, auch wenn die Situation nicht die ist, um die es hier geht.

Lieber egil, "Die grosse Frage" hat mein Sohn schon. Ja, ein schoenes Buch, wenn auch vielleicht noch etwas schwierig mit 4. Wolf Erlbruch ist fuer Wuppertaler natuerlich Pflichtlektuere!

Ich selber habe noch in einem Buch von Jan-Uwe Rogge (Erziehungsberater) eine schoene Geschichte gefunden, die tatsaechlich passiert sein soll: "Von Jan und Trinchen". Aus urheberrechtlichen Gruenden kann ich sie nur in einer Zusammenfassung wiedergeben, die den Charme der Geschichte nicht ganz deutlich macht. Das ist nur als Anregung gedacht, die Geschichte im Original zu lesen.

Jan ist sieben. Er geht in den Garten und begegnet seiner Uroma Trinchen, 90 Jahre, die dort Waesche aufhaengt. Jan teilt ihr freudig mit, dass er mit seinen Eltern nach Daenemark fahren wird. Aber ploetzlich stutzt er und fragt: "Was ist, wenn ich wiederkomme und du bist tot?" Sie geht ehrlich damit um: "Das kann sein!" Sie troestet Jan damit, dass sie dann auf einer "Wolke wie der da" sein wird und weist auf den Sommerhimmel. Jan ist traurig, weil er Trinchen dann ja nicht mehr sehen kann.
Trinchen bringt Jan ein Lied bei, das sie selber lernte, als sie als Kind mal in Daenemark war: "Die Reise nach Zeeland".
"Wenn du wiederkommst, Jan, und ich bin tot, dann gehst du in den Garten und singst ganz laut das Lied. Ich hoer das bestimmt, und dann schau ich runter und sag Tschuess!" Das verspricht Trinchen Jan.

Jan ist 14 Tage in Daenemark und geniesst die Zeit. Ab und zu singt er das Lied. Als Jan zurueckkommt, ist Trinchen kurz zuvor tatsaechlich gestorben. Jan ist schockiert, die Eltern koennen ihn kaum troesten.
Nachmittags geht Jan in den Garten, kuemmert sich nicht um die Trauergaeste in der Wohnung. Er setzt sich dorthin, wo seine Uroma ihm das Lied beigebracht hat. Der Himmel ist blau, keine Wolke zu sehen. Leise beginnt er das Lied von Zeeland zu singen, immer wieder, immer lauter. Schliesslich werden Familie und Gaeste auf ihn aufmerksam und meinen, er sei durchgedreht. Er laesst sich nicht unterbrechen. "Lass mich, ich warte auf eine Wolke!"

Keine Wolke kommt. Jan zweifelt, ob das alles nur ein Maerchen von Trinchen war. "Omama, bitte komm doch, ich will dir doch nur Tschuess sagen!" Er probiert es noch einmal. Und schliesslich kommt wirklich eine Wolke vom Horizont. Jan strahlt, er singt jetzt wieder kraeftig und voller Zuversicht. Als die Wolke in der Naehe ist, meint er, seine Uroma darin zu erkennen. Jetzt kann er sich verabschieden!

Getroestet geht er ins Haus. Die Trauergaeste starren ihn mitleidig, aber verstaendnislos an.


Ach ja, der Umgang mit dem Tod: meine Oma machte mir in diesen Tagen ein unerwartetes und wertvolles Geschenk. Als ich etwas verwundert sagte: "Oma, ich habe doch gar nicht Geburtstag", da meinte sie ganz undramatisch: "Kind, dann hast du wenigstens ein Andenken an mich." Da musste ich erstmal schlucken...

Mit freundlichem Gruss,
Melanie
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Beitragvon vigilius peregrinus » 31.07.2006, 12:57

Vielleihct als kleine Anregung noch ein interssantes Buch zum Thema, allerdings erst für Jugendliche (ab 13J) und jugendlich gebliebene Erwachsene:

Jostein Gaarder: Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort. Ausgezeichnet mit dem Jugendbuchpreis Buxtehuder Bulle 1996. Aus d. Norweg. v. Garbriele Haefs. Reihe Hanser. dtv Taschenbücher Bd.62033 Originaltitel: I et speil, e en gate 174 S. 200g ab 13 J. 2000 DTV ISBN 3-423-62033-1 € 7,50

"Cecilie ist sehr krank. Statt mit ihrer Familie Weihnachten im Wohnzimmer zu feiern, muss sie das Bett hüten. Zwar hatte der Vater sie zur Bescherung kurz heruntergetragen, doch danach war sie gleich wieder in ihr Bett zurückgesunken. Plötzlich hört sie eine Stimme: Ariel behauptet ein Engel zu sein und gemeinsam mit ihm beginnt Cecilie über neue Dinge nachzudenken. Zum ersten Mal sieht sich Cecilie in ihrem Leben herausgefordert, ihre Existenz in der Welt neu zu betrachten." Am Ende ist Cecilie auf der "anderen Seite" des Spiegels ...

Ein Buch, das mich sehr berührt hat.

Vigilius
Vor allem: in necessariis keinen Schritt nachgeben, in dubiis sich nichts anmerken lassen, in omnibus die Pfeife nicht ausgehen lassen. Karl Barth an Eduard Thurneysen, 22.Januar 1922
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